Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 2/00

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Frage an der Papst - und an unsere Leser:

Wird man erst durch den Ablass ein anderer Mensch?

"Man kann sich nur wundern, weshalb im 20. Jahrhundert so viele Menschen durch ein Tor gehen und denken, sie hätten damit ihre Sündenstrafen abgelegt", schrieb uns ein Leser. Doch weshalb spekulieren - man kann ja den Papst fragen.

Papst beim Öffnen der Heiligen Pforte in Rom
Das Öffnen der "Heiligen Pforte" ist ein Brauch aus dem Heidentum. Gab es Krieg, schritten die römischen Kaiser durch die Pforte des Gottes Janus auf dem Forum Romanum
.

Ein anderer wacher Zeitgenosse schrieb kurzerhand einen Brief an den Papst in Rom, den wir nachstehend abdrucken. Sobald der Papst geantwortet hat, werden wir diese Antwort ebenfalls abdrucken.

Wir wollen die Frage, was das Durchschreiten einer „heiligen Tür" im Leben eines Menschen verändert, an dieser Stelle aber auch an alle unserer Leser (und an deren Bekannte) richten, die bereits durch die Pforte gegangen sind: Wie geht es Ihnen heute? Sind Sie frei von Friedlosigkeit, Hass, Neid, Streit? Sind Sie frei von Sünden, schauen Sie Christus - und wenn ja, was sagt Er Ihnen?

Bitte schreiben Sie uns!

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An
Papst Johannes Paul II.
- Persönlich -
V a t i k a n
R O M

30.12.1999

Sehr geehrter Bruder Karol Wojtyla,

da wir alle Kinder Gottes sind, hoffe ich, dass Sie mir erlauben, Sie so anzureden.

Ich habe im Fernsehen mit Interesse verfolgt, wie Sie als erster durch die Ablasspforte geschritten sind. Das war ersichtlich ein großes Erlebnis für Sie, und ich habe mir so meine Gedanken gemacht, wie sich das wohl bei Ihnen auswirken mag: Wie es Ihnen jetzt geht? Ob es Ihnen jetzt gesundheitlich besser geht? Ob Sie jetzt Christus schauen, wenn Sie jetzt von jeder Sündenstrafe frei sind? Und was Ihnen Christus jetzt alles sagt?

Angesichts der Bedeutung und der Heil bringenden Wirkung, die Sie als Papst jedem verheißen, der die Ablasspforte durchschreitet, werden Sie für meine Fragen sicherlich Verständnis haben. Denn religiöse Verheißungen sind für den normalen Zeitgenossen um so glaubwürdiger, wenn damit konkrete Erfahrungen verbunden sind. Jesus von Nazareth hat ja auch stets vorgelebt, was er lehrte. Bekanntlich hat er auch gesagt: „Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann ..." (Mt 7, 24)

Da ich nicht sicher bin, ob dieses Tun, also das Halten der Gebote Jesu, durch Ablässe ersetzt werden kann, wäre ich Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, wenn Sie freundlicherweise dazu bereit wären, etwas über Ihre Erfahrungen mit dem Jubiläumsablass zu sagen. Ihre Antwort wäre sicher für viele Menschen hilfreich.

Mit freundlichen Grüßen

**************

 


 



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