In der Reform des § 218 ist die straffreie Abtreibung innerhalb der
ersten 12 Wochen einer Schwangerschaft in Deutschland gesetzlich geregelt. Voraussetzung
ist der Nachweis einer Beratung durch eine anerkannte
Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle. Die Psychotherapeutin Hanna Lohtrop weiß
hingegen zu berichten, dass Frauen und Männer oft nach Jahren und Jahrzehnten der "Sprachlosigkeit"
zu ihr kommen und ihre innere Situation aufarbeiten. Sie sagt: "Gerade Frauen, die
religiös sind und denen die Kirche soviel bedeutet, leiden besonders darunter zu wissen,
dass es niemanden gibt, der mir verzeiht; das macht sie hoffnungslos und
verzweifelt."
Eine betroffene Frau, die sich lange Zeit mit der Schuld
auseinandersetzte, sagt: "Gott - ich habe mir das schon manchmal vorgestellt: wie das
ist, wenn du da oben ankommst, und da steht dann einer und du hast abgetrieben? Jetzt
kommst du in die Hölle, du hast hier nichts zu suchen. Auf der anderen Seite denke ich:
Du kannst Gott nicht mit der katholischen Kirche in Verbindung bringen. Für die
katholische Kirche bin ich mit Sicherheit verloren, verurteilt. Ich fühle mich sowieso
abgestempelt irgendwo, nach dem Motto: Du gehörst einfach nicht mehr zu uns, du hast dein
Kind abgetrieben, das ist ein Verbrechen. Du gehörst nicht mehr zu uns."
Im Gesetzbuch der Rom-Kirche steht auf Anstiftung, Beihilfe, Durchführung
einer Abtreibung die Exkommunikation (§ 1398). Das bedeutet den Ausschluss von den
"Gnadenmitteln", die Gott durch "seine Kirche" den "Gläubigen"
gewährt. "Verstoßen, ausstoßen, abrichten statt suchen, begleiten und
aufrichten", kommentiert Eugen Drewermann diese Haltung, und fährt fort: "Noch
bis 1945 forderte diese Kirche die Todesstrafe gegen Kindsmörderinnen,
während sie die Männer unter dem Fahneneid auf den Führer zum Kampf gegen den
sowjetischen Atheismus nötigte. Wer Blut an den Fingern hat, sollte nicht anderen die
Hände binden oder waschen wollen."
Der katholische Gott mag sein wie seine Stellvertreter. Der Gott, den
Jesus von Nazareth Vater nannte, ist jedoch ein Gott der unendlichen Liebe. Bei ihm
gibt es keine ewige Verdammnis, und es gibt keine Sünde, die Er nicht vergeben könnte.
Gott kann uns jedoch erst dann vergeben, wenn uns der Mensch oder die Seele, der wir Leid
zufügten, ihrerseits vergeben haben.
Jedes Fehlverhalten, jede Sünde, kann bereinigt und getilgt werden, wenn
man sich diesem Gott zuwendet und Ihn um Hilfe und Beistand bittet.
Dass Frauen nach einem Abbruch ein Gefühl der Schuld haben, zeigt, dass
ihr Gewissen noch lebendig ist. Kommt es jedoch zu Verleugnung, Abspaltung und
Verdrängung, dann können diffuse Schuldgefühle und Depressionen auftreten, welche die
weitere seelische Entwicklung blockieren. Freudlosigkeit und Lebensverneinung können dann
das seelische Klima beherrschen. Eine betroffene Frau äußerte: "Wenn immer so ein
Gefühl da ist: Ich habe etwas Unrechtes getan, dann ist oft auch das Gefühl da: Ich habe
kein Recht auf Glück, ich habe kein Recht auf weitere Kinder."