Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 2/00

abstand.gif (36 Byte)
Ethik und Gesellschaft

Die seelischen Folgen
einer Abtreibung

Die Auseinandersetzung über das Für und Wider eines Schwangerschaftsabbruchs wurde in den letzten Jahren fast ausschließlich um die Frage des Beratungsscheins geführt. Von der seelischen Situation der Frauen nach einer Abtreibung und einer Hilfe für sie hört oder liest man indes wenig.

MifegyneMifegyne - Die neue Abtreibungspille erspart zwar einen operativen Eingriff. Doch interessanterweise führt genau das in manchen Fällen zu zusätzlichen seelischen Problemen: Das mehrmalige Einnehmen einer Pille wird als aktive Handlung erlebt und verursacht u. U. eher Gewissensreaktionen oder Schuldgefühle als ein passiv "erduldeter" Eingriff.

In der Reform des § 218 ist die straffreie Abtreibung innerhalb der ersten 12 Wochen einer Schwangerschaft in Deutschland gesetzlich geregelt. Voraussetzung ist der Nachweis einer Beratung durch eine anerkannte Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle. Die Psychotherapeutin Hanna Lohtrop weiß hingegen zu berichten, dass Frauen und Männer oft nach Jahren und Jahrzehnten der "Sprachlosigkeit" zu ihr kommen und ihre innere Situation aufarbeiten. Sie sagt: "Gerade Frauen, die religiös sind und denen die Kirche soviel bedeutet, leiden besonders darunter zu wissen, dass es niemanden gibt, der mir verzeiht; das macht sie hoffnungslos und verzweifelt."

Eine betroffene Frau, die sich lange Zeit mit der Schuld auseinandersetzte, sagt: "Gott - ich habe mir das schon manchmal vorgestellt: wie das ist, wenn du da oben ankommst, und da steht dann einer und du hast abgetrieben? Jetzt kommst du in die Hölle, du hast hier nichts zu suchen. Auf der anderen Seite denke ich: Du kannst Gott nicht mit der katholischen Kirche in Verbindung bringen. Für die katholische Kirche bin ich mit Sicherheit verloren, verurteilt. Ich fühle mich sowieso abgestempelt irgendwo, nach dem Motto: Du gehörst einfach nicht mehr zu uns, du hast dein Kind abgetrieben, das ist ein Verbrechen. Du gehörst nicht mehr zu uns."

Im Gesetzbuch der Rom-Kirche steht auf Anstiftung, Beihilfe, Durchführung einer Abtreibung die Exkommunikation (§ 1398). Das bedeutet den Ausschluss von den "Gnadenmitteln", die Gott durch "seine Kirche" den "Gläubigen" gewährt. "Verstoßen, ausstoßen, abrichten statt suchen, begleiten und aufrichten", kommentiert Eugen Drewermann diese Haltung, und fährt fort: "Noch bis 1945 forderte diese Kirche die Todesstrafe gegen ‘Kindsmörderinnen’, während sie die Männer unter dem Fahneneid auf den Führer zum Kampf gegen den sowjetischen Atheismus nötigte. Wer Blut an den Fingern hat, sollte nicht anderen die Hände binden oder waschen wollen."

Der katholische Gott mag sein wie seine Stellvertreter. Der Gott, den Jesus von Nazareth Vater nannte, ist jedoch ein Gott der unendlichen Liebe. Bei ihm gibt es keine ewige Verdammnis, und es gibt keine Sünde, die Er nicht vergeben könnte. Gott kann uns jedoch erst dann vergeben, wenn uns der Mensch oder die Seele, der wir Leid zufügten, ihrerseits vergeben haben.

Jedes Fehlverhalten, jede Sünde, kann bereinigt und getilgt werden, wenn man sich diesem Gott zuwendet und Ihn um Hilfe und Beistand bittet.

Dass Frauen nach einem Abbruch ein Gefühl der Schuld haben, zeigt, dass ihr Gewissen noch lebendig ist. Kommt es jedoch zu Verleugnung, Abspaltung und Verdrängung, dann können diffuse Schuldgefühle und Depressionen auftreten, welche die weitere seelische Entwicklung blockieren. Freudlosigkeit und Lebensverneinung können dann das seelische Klima beherrschen. Eine betroffene Frau äußerte: "Wenn immer so ein Gefühl da ist: Ich habe etwas Unrechtes getan, dann ist oft auch das Gefühl da: Ich habe kein Recht auf Glück, ich habe kein Recht auf weitere Kinder."

Inhalt Ausgabe 2/00
Hauptseite
Archiv - alle früheren Ausgaben
Suchen
Abo-Service
Impressum
Post an uns

Der erste Aspekt der Aussage mag zutreffen, der zweite weniger. Richtig ist, dass durch eine Abtreibung ein werdender Mensch getötet wird. (In diesem Zusammenhang ist es sehr verharmlosend, wenn man nur von "Schwangerschaftsunterbrechung" spricht). Denn vom Zeugungszeitpunkt an ist im befruchteten Ei der ganze Mensch enthalten, und eine inkarnationswillige Seele ist mit dem werdenden Menschen verbunden. Wird dieses Leben verhindert, entsteht eine Belastung, ein Karma, zwischen den Beteiligten. Durch den Kreislauf der Bereinigung mit der Hilfe Christi - erkennen, bereuen, vergeben, um Vergebung bitten und nicht mehr tun - kann das gegensätzliche Tun behoben werden, wenn die Seele verzeiht, dass ihr werdender Körper getötet wurde. Zur Wiedergutmachung kann jedoch gehören, dass die Tatperson einen Teil der Belastung der Seele mit trägt, die nicht geboren werden konnte. Denn es war für die Seele der optimale Zeitpunkt einer Inkarnation gewesen, in der sie vieles hätte bereinigen oder abtragen können.

Eines ist gewiss: Jede Seele kehrt irgendwann zurück in ihre ewige Heimat, in ihr wahres Sein - weil Gott die Liebe ist und keines Seiner Kinder von sich ausschließt.


 



Copyright © Verlag DAS WEISSE PFERD GmbH, Marktheidenfeld, Germany

http://www.das-weisse-pferd.com
- E-Mail: info@das-weisse-pferd.com

Verlag »Das Weisse Pferd«, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld-Altfeld,
Fax: 09391 / 504 - 210
 

Hit Counter