Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 4/00

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Theologe klärt über die 30er-Jahre auf

Wie die evangelische Kirche gegen Minderheiten vorging
                                                               von Dieter Potzel

Als ich gelesen habe, dass Dekan Michael Wehrwein in Lohr die Zusammenarbeit der Volkshochschule mit den Zeugen Jehovas "Affront gegen die Kirchen" bzw. "herausfordernde Beleidigung" nannte (mehr dazu siehe hier), habe ich mich an die jüngste Vergangenheit der evangelischen Kirche erinnert, mit der ich mich als Evangelischer Theologe intensiv beschäftigt habe. Diese ist schon vor der Machtübernahme Hitlers zusammen mit den Nazis gegen Andersgläubige vorgegangen.

So ist im Amtsblatt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern vom Januar 1932 z. B. nachzulesen: "Weite Kreise der Kirche kämpfen schon seit langem aus religiösen und kirchlichen, die Nationalsozialisten aus vaterländischen Gründen gegen dieses Unwesen." 1933 forderten Kirchenvertreter das Verbot der "Zeugen", und als die Nazis dies für Bayern aussprachen, kommentierte das Evangelische Sonntagsblatt in Bayern vom 18.5.1933 zustimmend: Wir "erwarten von unseren Geistlichen, dass sie das Ihrige tun werden, um ein weiteres Auftreten der Sekte in ihren Gemeinden (= in dem Einzugsbereich ihrer Gemeinden, d. h. in den betreffenden Orten) zu unterbinden." Ich weiß von einem evangelischen Vikar, der 1939 Zeugen Jehovas denunzierte, als sie bereits in den KZs geschunden wurden. 1939 begannen auch die Hinrichtungen. Zur Bekämpfung anderer Gemeinschaften nahm die evangelische "Apologetische Centrale" in Berlin 1933 die Zusammenarbeit mit der Gestapo und dem Reichspropagandaministerium auf. Am 10.9.1933 schrieb z. B. die Zeitung Das Evangelische Deutschland, das damals führende protestantische Organ, über das mittlerweile reichsweite Verbot der Zeugen Jehovas: "Die Kirche wird dankbar anerkennen, dass durch dieses Verbot eine Entartungserscheinung des Glaubens beseitigt worden ist ... Damit ist jedoch noch keine vollständige Bereinigung der Sekten erreicht. Erwähnt seien nur die Neuapostolischen."

Im August 1933 forderte bereits die Evangelische Synode von Waldenburg von den Nazis das Verbot der Mormonen, der Adventisten und der Evangelisch-Johannischen Kirche. In dieser Zeit schürten z. B. evangelische Zeitungen parallel dazu die Judenverfolgung. So appellierte der Evangelische Presseverband in Württemberg am 18.6.1933 an die Gläubigen: Wer beim Widerstand gegen die Juden nicht mitmache, "vergeht sich gegen Gottes Willen." 

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Dokumentation Die evangelische Kirche und der Holocaust, komplett einsehbar unter http://www.theologe.de/theologe4.htm.
Die Meldungen aus Der Theologe Nr. 4 über die Zeugen Jehovas finden Sie unter http://theologe.de/zeugen-jehovas_kirche.htm.
Aktuell hierzu auch http://theologe.de/religionsunfreiheit.htm 

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