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Der
»Große Bruder« ist schon näher, als wir
ahnen
“Big Brother, der mysteriöse Diktator aus George
Orwells beklemmendem Roman 1984, wäre gewiss grün angelaufen
vor Neid, wenn er von den technologischen Möglichkeiten des
Internet-Zeitalters erfahren hätte.” So kommentiert das Hamburger
Abendblatt (8.2.2000) die Entwicklung auf dem Gebiet des Datenschutzes.
Die Zeitung berichtete über die Machenschaften des amerikanischen
Geheimdienstes NSA (National Security Agency), der in der Lage
ist, weltweit sämtliche Gespräche über Telefon, Handy, Fax und
E-Mail abzuhören.
Eine
Stadt von oben. Beliebige Einzelheiten eines solchen Bildes
können bis auf 60 cm genau heraus vergrößert werden.
Wissenschaftler der George-Washington-Universität
in der amerikanischen Hauptstadt gelangten in den Besitz von
bisher geheimen Dokumenten. Darin wird das Spionagesystem “P-415
Echelon” beschrieben. Damit können alle elektronischen Nachrichten
mit Hilfe von Computern auf bestimmte Schlüsselwörter (z. B.
“Bombe”) überprüft werden. Die NSA habe teilweise - in den verbündeten
westlichen Industriestaaten - direkten Zugriff auf entsprechende
Kommunikationseinrichtungen, teilweise würden auch durch Spionagesatelliten
in 600 Kilometer Höhe die Richtfunkstrecken anderer Länder abgehört.
U-Boote und von Tauchern installierte Spionagetechnik übernähmen
die Überwachung von Interkontinentalkabeln.
Auch das Europäische Parlament hat sich mit der
Angelegenheit schon befasst. Es besteht nämlich der dringende
Verdacht, dass dieses Spionagesystem auch für Industriespionage
gegen militärisch “befreundete” Länder eingesetzt wird. Eine
Firma aus Aurich musste feststellen, dass plötzlich eine US-Firma
ihre neue Erfindung zur Produktion von Alternativstrom für sich
reklamierte. Die NSA, so das Hamburger Abendblatt, hatte die
Telefongespräche der Auricher abgehört ...
Nach einem Bericht von Focus (21.2.2000) statten
die amerikanischen Software-Giganten Microsoft, Netscape und
Lotus ihre Computerprogramme für den Export so aus, dass sie
dem Geheimdienst den Zugriff erleichtern.
Eine
Raumfähre mit einer 60 Meter langen Antenne vermisst die Erde
vom Weltraum aus. Zwei sich überschneidende Lichtkegel genügen
zur dreidimensionalen Erfassung.
Zur akustischen Überwachung kommt womöglich die optische: Mit
einem von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA und dem Deutschen
Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelten System wird
seit Anfang dieses Jahres die gesamte Erde vom Weltraum aus
neu vermessen - mit einer Genauigkeit von 60 Zentimeter! Damit
können sogar die Typen der parkenden Autos erkannt werden. Die
Vermessung erfolgt mit einer Shuttle-Raumfähre, die über einen
60 Meter langen Ausleger mit einer Radarantenne verfügt.
Ein
Foto von jedem Gebäude
Ein deutsches Unternehmen hat unterdessen damit
begonnen, jedes Gebäude in Deutschland zu fotografieren. Das
Datenmaterial wird dann Immobilienhändlern, Versicherungen,
Rettungsdiensten, der Polizei und der Feuerwehr zum Kauf angeboten.
Sicherheitserwägungen sind auch der Hintergrund
für eine andere Maßnahme: Bei Tankstellen, in U-Bahnhöfen und
Banken sind längst überall Kameras installiert. Weitere dienen
der Verkehrsüberwachung. In Hongkong, Kanada oder England werden
bereits ganze Straßenzüge regelmäßig beobachtet. In Deutschland
sind solche Projekte unter anderem in Leipzig und Regensburg
geplant. Durch hoch entwickelte Technik, etwa mit Wärmebildern
des Gesichts - in jedem Gesicht verlaufen die Adern unter der
Haut anders - kann ein Computer eine gesuchte Person aus einer
Menschenmenge herausfinden. Man versucht derzeit, die Bewegungen
von Menschen so in Computern zu speichern, dass man z. B. einen
Dieb an seinem Gang erkennen kann ...
“Big Brother is watching you” - der große Bruder
beobachtet dich. Während diese Vision aus “1984” - etwas verspätet
- Gestalt annimmt, versucht man die Fernsehzuschauer “spielerisch”
an solche Zustände zu gewöhnen. Etwa mit der Serie “Big Brother”
(!), bei der zehn Personen rund um die Uhr in einem Wohncontainer
von Kameras - und damit vom Publikum - beobachtet werden. Die
Zuschauer dürfen immer wieder darüber abstimmen, wer die Wohnung
verlassen muss, bis nur noch einer übrig bleibt.

So
sieht das Gesicht eines Menschen aus, wenn es mit einer Infrarot-Kamera
fotografiert wird. Die feinen Adern unter der Haut ergeben bei
jedem Menschen ein einmaliges charakteristisches Bild, mit dessen
Hilfe er wieder erkannt werden kann.
“Raus bist du ...” Solange das nur für Bankräuber
oder für Autofahrer gilt, die ihre Tankrechnung nicht bezahlen
wollen, kann man ja kaum etwas dagegen einwenden. Doch mit vermehrtem
Einsatz steigen auch die Möglichkeiten des Missbrauchs. Wer
garantiert, dass man nicht eines Tages auch Angehörige politischer
oder anderer Minderheiten auf diese Weise aufspürt und überwacht?
Dazu würde sich auch die moderne Errungenschaft
der vielseitig verwendbaren Chip-Karte bestens eignen. In den
USA, wo jeder “Normalverbraucher” über mehrere Kreditkarten
verfügt, macht sich ein Mensch, der größere Beträge bar bezahlen
will, schon verdächtig. Mit einer Kreditkarte kann man aber
nicht nur einkaufen. In Hongkong kann man mit einer speziellen
Karte U-Bahn fahren, telefonieren und einkaufen. Wird so etwas
flächendeckend eingeführt, dann können die Gewohnheiten einer
Person problemlos registriert werden - bei jeder Benutzung der
Karte werden sie um weitere Details ergänzt. Benutzt der Gesuchte
ein tragbares Telefon, so kann man außerdem seinen Standort
ermitteln. Bestellt er seine Waren am Computer per Internet,
so wird dort heute schon sein Verbrauchsverhalten in unauffälligen
kleinen Dateien, so genannten Cookies, gespeichert.
Speicherung
der Gene
Doch wozu eine Karte? Haustieren werden bereits
Chips unter die Haut injiziert, mit deren Hilfe sie einwandfrei
identifiziert werden können, falls sie entlaufen. Das wäre auch
beim Menschen denkbar: Der Chip könnte nicht nur den Geldbeutel
ersetzen, sondern z. B. auch den Schlüssel für die Wohnung oder
die Dauerfahrkarte im Zug. Hinzu kommt dann noch die genetische
Untersuchung, die in vielen Ländern schon bei Embryonen durchgeführt
wird. Um sie z. B. “auszusortieren”, wenn ihre Gene Anlagen zu
einer Erbkrankheit in sich tragen. Wer “durchkommt”, dessen
Gene sind gespeichert - und können womöglich später bei Einstellungstests
eine Rolle spielen ...
Schon
die Apokalypse des Johannes warnt
Der “gläserne Mensch” - er ist schon fast Realität.
Erinnert das Ganze nicht fatal an eine Stelle aus der Geheimen
Offenbarung des Johannes? “So bringt es [das Tier] alle dazu,
groß und klein, arm und reich, Freie und Sklaven, sich ein Mahlzeichen
auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn machen zu lassen. Niemand
kann jetzt noch etwa kaufen oder verkaufen, wenn er nicht das
Malzeichen des Tieres oder seinen Namen trägt” (Ofb. 13, 17).
Der Widerstand gegen solche Entwicklungen hält sich bisher in
Grenzen. Die flächendeckende Kameraüberwachung finden viele
Menschen sogar gut, weil sie sich dann sicherer fühlen. Allerdings
sinkt gleichzeitig auch ihre soziale Verantwortlichkeit. Ein
Experte: “Die Bereitschaft, einzugreifen oder etwas anzuzeigen,
nimmt ab - die Leute denken sich: Die Polizei hat ja alles gesehen
und wird schon reagieren” (Augsburger Zeitung, 27.1.2000). Die
Gefahr einer Überwachung und Kontrolle wird umso größer, je
weniger wir uns selbst, unsere Gedanken und Gefühle, kontrollieren
und sie auf ein positives Ziel ausrichten, je weniger wir auch
bereit sind, Verantwortung für uns selbst und für unsere Umgebung
zu übernehmen. Dann werden wir gesteuert und manipuliert von
unserem Unterbewusstsein, von den Massenmedien - und wir überwachen
und manipulieren unsererseits unsere Mitmenschen, damit sie
uns unsere Wünsche erfüllen. Nur auf einem solchen Boden kann
Überwachung und Manipulation gedeihen.
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