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Die Kirche
und der Mammon (Teil 1)
Woher
kommt
der Reichtum der Kirche?
Kein anderes Unternehmen der überlieferten
Weltgeschichte hat es so gut verstanden, Geld und Reichtum anzuhäufen
wie die abendländische Kirche.
Von Beginn an ist die Kirchengeschichte
voll von Ausbeutung jeglicher Art: Erbschleicherei, Enteignung,
Konfiskation, Schmarotzertum, Ablasshandel, Raubzüge usw. Die
Arbeit für Theologie und Philosophie nehmen sich demgegenüber
wie eine Nebentätigkeit aus.
Die
St. Peters-Basilika in Rom im 4. Jahrhundert - Kaiser Konstantin
schenkte der Kirche unermessliche Reichtümer
Sie können das nicht glauben? Dann sollten Sie
weiter lesen. Denn dann sind Sie vermutlich dem frommsten Märchen
der Kirche aufgesessen, das lautet: Der Hauptzweck der Kirche
sei, Almosen zu sammeln und Werke der Barmherzigkeit zu tun,
z. B. an Witwen und Waisen. Die Kirche trage zur Mäßigung der
menschlichen Habgier bei und zu einer sozialen Gesinnung der
Reichen. Diese rührende Mär wird seit Generationen in unzähligen
Abhandlungen und Traktaten ständig wiederholt. Doch wie sieht
die Wirklichkeit aus?
Die
fromme Lüge
Es soll keineswegs in Abrede gestellt werden,
dass es Kirchenchristen gibt, die sich ernsthaft bemühen, das
Gebot des Jesus von Nazareth zu befolgen: „Ihr sollt euch keine
Schätze sammeln, die die Motten und der Rost fressen.“ Oder:
„Niemand kann zwei Herren dienen: Gott und dem Mammon.“ Ungezählte
Christen opfern sich tatsächlich auf für ihren Nächsten, stellen
ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Doch betrachtet man die Kirche
als Institution über die Jahrhunderte, dann erscheinen die wirklichen
Christen eher als willkommenes Alibi für ein Gebaren ganz anderer
Art.
Wer glaubt, dass es hier lediglich um die Verschwendungssucht
einiger Renaissance-Päpste oder um den schwunghaften Ablasshandel
im Mittelalter geht, der täuscht sich. Ein profunder Kenner
der Kirchengeschichte schreibt dazu: „Dass es in der alten Kirche
eine Armenfürsorge, dass es Wohltätigkeit gab, ist nie geleugnet
worden. Ungezählte Theologen haben dies abgehandelt – während
es bis heute keinem einzigen einfiel, eine Wirtschaftsgeschichte
der alten Kirche zu schreiben, einer Institution, die doch immerhin
ein Jahrtausend die wirtschaftliche Entwicklung beaufsichtigt
hat.“ (Deschner: Kriminalgeschichte des Christentum, Bd. II,
S. 471)
Bischöfe
wurden zu Bankern
Die Geschichte der Kirche als eines geldgierigen
und skrupellosen Wirtschaftsunternehmens beginnt bereits in
der Antike, unmittelbar nachdem das Urchristentum in eine hierarchische
Institution übergegangen war. Den Wendepunkt markiert hier
die Einsetzung des Christentum als Staatsreligion durch Konstantin
im 4. Jahrhundert n. Chr. Dabei begannen viele unheilvolle
Entwicklungen schon vorher. So wuchs bereits im 2. Jahrhundert
den Bischöfen eine große Machtfülle zu, insofern als sie Empfänger
aller kirchlichen Einnahmen waren. So verkündet Bischof Ignatius
von Antiochien: „Ohne den Bischof sollt ihr überhaupt nichts
tun ... Wer den Bischof ehrt, der wird von Gott geehrt. Wer
ohne den Bischof etwas tut, dient dem Teufel“ (Deschner, a.a.O.,
S. 468). Das Geld nutzten die Bischöfe in der Regel zum Ausbau
ihrer persönlichen Macht, und vermehrten es dabei kräftig. Bereits
im 3. Jahrhundert verteilte man die Einkünfte der Bistümer nach
folgendem Schema: ein Viertel aller Einkünfte war für den Bischof,
ein weiteres Viertel für den Klerus. Ein Viertel diente der
Instandhaltung der Kirchengebäude, und ein Viertel war für die
Armen. „Der Bischof bekam also allein soviel wie sein ganzer
Klerus oder seine sämtlichen Armen zusammen“ (Deschner,
a.a.O., S. 73). Der Theologe Horst Herrmann meint zu diesem Verteilungsschema:
„Dieses Prinzip hat sich in der Geschichte wacker bewährt: 75
Prozent für Kircheneigenes, 25 Prozent für andere. Noch heute
ist es nicht überwunden“ (Herrmann, Kirchenfürsten, S. 78).
Über die Bischöfe sagt Herrmann: „Die Zeit arbeitet von Anfang
für die Bischöfe, für die Aufseher [Bischof kommt von episkopus
= Aufseher, d. Red.] über das Geld aller – und später auch für
die Aufpasser über die wahren Worte.“
Klerikale
Geldgeschäfte
Zu Wuchergeschäften und Unterschlagungen durch
Priester, Bischöfe und Päpste kommt es schon vor Konstantin.
Der spätere Papst Kallist (217-222) gründet „vor seiner großen
Karriere eine christliche Bank in Rom, unterschlägt ein Depositum
... und ist auch nach seinem Konkurs wieder als Bankier tätig.
Und: „Viele Kleriker sind so geschäftstüchtig, dass ihnen die
Synoden seit dem 2. Jahrhundert immer häufiger Geldverleih und
Zinsnehmen ausdrücklich untersagen müssen“ (Deschner, a.a.O.,
S. 483). Im 4. Jahrhundert nahmen die Missstände weiter zu:
„Viele Priester und Bischöfe dachten nur noch an sich, trieben
einen schwungvollen Handel, liebten üppige Zins- und Wuchergeschäfte,
obwohl dies alle Kirchenväter strikt verbieten“ (Deschner,
a.a.O., S. 485). Bis zum Mittelalter stellen Priester einen bedeutenden
Teil der Geldverleiher. Sogar der katholische Theologe Kobert
sagt über den mittelalterlichen Klerus, dass dort „alle Arten
und Formen des Wuchers ... aufs Schwunghafteste betrieben“ wurden (Deschner, a.a.O., S. 486). „Bischof Janiarius von Salona
versucht einen Ölhändler um den Ölpreis für das ewige Licht
zu prellen.“ Oder: „Der Metropolit von Ephesus, der Kirchengrund
für die eigene Tasche verhökerte und allerlei Kostbares aus
Gotteshäusern einschmelzen ließ, um sein Bad zu verschönern,
verkaufte um 400 regelmäßig die Bischofssitze an den Meistbietenden“
(S. 496).
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