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Das Minderwertigkeitsgefühl überwinden
In jedem von uns liegt die Kraft
Viele Menschen leiden an so genannten
"Minderwertigkeitsgefühlen",
die oft im Zusammenhang mit Depressionen vorkommen. Woher kommen sie und
was kann man dagegen tun?
Der Begriff des "Minderwertigkeitsgefühls" geht
auf den Psychologen Alfred Adler zurück, einen Schüler Sigmund Freuds, der sich später
von ihm löste und die so genannte "Individualpsychologie"
begründete (weitere Details zu Alfred Adler siehe
hier). Alfred Adler hält Minderwertigkeitsgefühle
beim Kinde für normal, weil es ja den Erwachsenen in vielen
Funktionen noch unterlegen ist. Nur unter schlechten Bedingungen verstärke sich
ein Minderwertigkeitsgefühl zum "Minderwertigkeitskomplex", der
die gesunde Entwicklung eines Menschen blockiere. Dazu gehöre
auch, wenn ein Mensch zur Bewältigung dieses Gefühls einen "Überlegenheitskomplex" ausbilde.
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Alle negativen Gefühle prägen sich mit der Zeit im
Unterbewusstsein ein, später in der Seele, ja teilweise sogar in den
Körperzellen. Es ist eine falsche Prägung, die der einzelne aufarbeiten
muss, wenn er lernen möchte, von innen heraus glücklich zu werden. |
Dunkle seelische Kräfte
Ein solcher könne dadurch
entstehen, dass die Minderwertigkeit verdrängt wird und in
Gedanken, in der Phantasie oder in Tagträumen in eine
"Überwertigkeit" umgemünzt wird. Da ist man dann der Held, der
"Sieben auf einen Streich" vollbringt oder der
Zeitgenosse, der aufgrund seiner Fähigkeiten von seinen
Mitmenschen geschätzt und bewundert wird. Oder
wir gleiten ab in Tagträume, in denen man sich z. B. vorstellt,
wie man auf der Bühne als Künstler, z. B. als Musiker oder im Stadion als Sportler
begeistert gefeiert wird, obwohl mit im realen Leben gar kein
Musiker oder Spitzensportler ist, sondern nur ein paar
Gitarrengriffe beherrscht und nur durchschnittlich sportlich
begabt ist. Hier
wird die Minderwertigkeit in vielen Varianten mit einem Größenwahn überkompensiert,
der alles andere als harmlos ist, weil wir damit auch in den
Bann von dunklen seelischen Kräften geraten, die uns daran
hindern, unser tatsächliches Alltagsleben zu meistern. Alfred
Adler schreibt, dass deshalb beides oft zusammen vorkommt, der
"Minderwertigkeitskomplex" und als ungeeigneter
Kompensationsversuch ein "Überlegenheitskomplex". Und beides
steht wiederum in Verbindung mit Depressionen, weil sowohl
unsere Minderwertigkeitsgedanken als auch unsere Tagträume uns
viel Energie=Lebenskraft entziehen
Die Entfaltung des Gemeinschaftsgefühls
Der Psychologe Alfred Adler nahm das Streben nach Geltung, nach Anerkennung und Macht an
als einen Grundtrieb des Menschen an. Tatsache ist, dass, das
die meisten Menschen von ihren Mitmenschen anerkannt werden
möchten und sehr viele es tatsächlich anstreben, im größeren
oder kleineren Umfang Macht über andere auszuüben. Der reife
Mensch, der sich hohe ethisch moralische Werte vorgibt, wird
jedoch bestrebt sein, in seinem Verhalten von der Zustimmung
seiner Mitmenschen unabhängiger zu werden, und er wird auch nach
der "Gleichheit" streben. So wird er zwar aufgrund seiner
natürlichen Autorität Einfluss auf andere haben und eventuell
auch eine berufliche Stellung inne haben, in der er
Verantwortung für andere mit trägt. Doch er wird nicht mehr der
Machtmensch sein, der mit einer solchen Stellung z. B. ein tief
sitzendes "Minderwertigkeitsgefühl" überdeckt. Im
Kindesalter sieht manches natürlich noch etwas lockerer aus. Klar
will ein Kind im Spiel z. B. der Gewinner sein. Das steckt in
ihm. Problematisch wird es nur dann, wenn sich daran bis ins
hohe Erwachsenenalter nichts ändert und ein Erwachsener z. B. in
tiefer Niedergeschlagenheit verfällt, wenn er nicht "gewinnt";
wenn also seine Entwicklung nicht weiter geht. Für Alfred Adler
ist die Gegenkraft zum Streben nach
Macht das Gemeinschaftsgefühl. Die Entfaltung des
Gemeinschaftsgefühls hält der Psychologe für die wesentliche Aufgabe der
menschlichen Entwicklung. "Die Erkenntnis und das Gefühl,
wertvoll zu sein ... stammt aus der Beitragsleistung zum
allgemeinen Wohl ... Das Individuum fühlt sich im Leben zu Hause
und erkennt, dass seine Existenz insoweit wertvoll ist, wie es
für andere nützlich ist."
In jeder Schwäche liegt die Stärke
Ein bekanntes Beispiel für die Überwindung
einer Minderwertigkeit ist der Fall des Demosthenes. Demosthenes
war der berühmteste Redner im antiken Griechenland. Dabei war er
von Hause aus ein Stotterer. Doch er übte die freie Rede, indem
er sich an den Strand des Meeres stellte und gegen die Wellen
ansprach, solange bis er seine Schwäche
überwunden hatte.
Einer Schwäche und einem damit oft
verbundenen Minderwertigkeitsgefühl kann man also
durch Anstrengung und Disziplin entgegen treten. Und das ist für jede
Art von Minderwertigkeitsgefühl
möglich. Warum? Weil wir von Hause aus vollkommene Wesen sind
und diese Ausstattung in uns bleibt, auch wenn wir sie "herunter
transformiert" haben, d. h. unsere geistigen Stärken verloren
haben und an unseren Schwächen leiden. So sollte am Beginn einer
Art "Selbst-Therapie" die
Erkenntnis stehen, dass ich wertvoll bin, dass ich im Kern
gesund, d. h. in Ordnung bin und dass in mir innere Werte,
Fähigkeiten und Talente liegen, die der Schöpfergott mir einst verlieh.
Und die zweite Erkenntnis könnte sein, dass in jedem von uns
tatsächlich die
Kraft liegt, jedes Minderwertigkeitsgefühl schrittweise zu
überwinden, indem ich zu den Wurzeln dieses Gefühls finde und
diese behebe.
Zu den Wurzeln des Minderwertigkeitsgefühls finden
Ein Beispiel: Ich lehne mich an meinen
Partner an, weil ich mich selber nicht entscheiden kann. Er soll
- selbst in Kleinigkeiten - für mich entscheiden. Die Wurzel
könnte z. B. die Angst sein, den Partner zu verlieren, wenn ich
ihm widerspreche. Und die Wurzel davon könnte wiederum sein,
dass ich in mir, in meinem wahren inneren Wesen, letztlich bei
"Gott in mir", noch keinen Halt gefunden habe. Aus diesem Grund
erhoffe ich dann, dass mir ein anderer Mensch diesen Halt geben
könne.
Es können aber auch andere Wurzeln zugrunde liegen, die zu
dieser Entscheidungsschwäche führten. Unter Umständen ein
traumatisches Erlebnis mit einer falschen Entscheidung in der
Kindheit. Und wer um das Urwissen der Reinkarnation weiß,
dem ist auch klar, dass die meisten Schwächen nicht erst in
dieser Inkarnation entstanden sind. Das meiste habt unsere Seele
bereits aus den Erlebnissen in Vorleben mitgebracht. Und meist
handelt es sich aufs Ganze gesehen um ein verflochtenes Wurzelwerk,
das uns nicht diejenigen sein lässt, die wir im Innersten sind. So darf
man nicht resignieren, wenn der Fortschritt sich erst langsam
zeigt. Doch jeder neue Tag kann zu einem Geschenk werden, wenn
ich den Teil des Wurzelwerks, den der jeweilige Tag mir
aufzeigt, heute anpacke und nicht mehr nach dem alten
Verhaltensmuster entscheide, sondern mir ein neues vorgebe.
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Was habe ich davon, wenn ich anderen die Schuld gebe?
Andere kann ich nicht ändern. Nur mich selbst. |
Kommt also - um bei diesem
Beispiel zu bleiben - wieder eine solche "Kleinigkeit"
auf mich zu,
die ich mich nicht selbst zu entscheiden traue, dann heißt es ab
jetzt: "Das nehme ich selbst in die Hand. Ich entscheide jetzt
in diesem Punkt, an dem ich mich bisher angelehnt habe, selbst."
Bereits dieser Entschluss mobilisiert eine Kraft und einen Mut.
Kommen dann wie früher die üblichen begleitenden depressiven
Minderwertigkeitsgefühle, kann ich ihnen mithilfe dieser Kraft
die Stirn bieten, vor allem wenn ich weiß, dass ich nicht
alleine bin, sondern dass die Kraft des Christus in mir, in
meinem Herzen, wohnt und mich zusätzlich stärkt. Und ich lasse
mich auch dann nicht
mehr von den Minderwertigkeitsgefühlen steuern, auch wenn es mir anfangs gefühlsmäßig noch
sehr schwer fällt, dagegen anzugehen. Denn ich habe mir ein
neues Lebensprinzip vorgegeben: "Ich nehme mein Leben in die Hand
und ich entscheide von nun an selbst". Und ist es mir einmal
gelungen, habe ich eine Hürde genommen und bin dadurch in meinem Inneren bereits stärker geworden,
und kann mit Zuversicht die nächste Hürde ins Auge fassen.
Minderwertigkeit als Alibi
Wer jedoch immer wieder von seinen Minderwertigkeiten spricht
oder immer wieder darüber klagt, der könnte sich fragen, was er damit
bezweckt bzw. wohin das führt. Durch ständiges Reden darüber
wird ein Komplex nur verstärkt. Dies ist dann der Fall, wenn
sich in Gesprächen kein Lösungsansatz ergibt, der anschließend
gleich in die Tat umgesetzt wird. In unzähligen Bildern haben wir
diesen Komplex z. B. auch in der Vergangenheit immer wieder
genährt. Und was habe ich davon, wenn der Zweck z. B. darin
liegen sollte, mich zu "entlasten", indem ich einem anderen
dafür die Schuld gebe, z. B. den Eltern? Doch andere kann ich
nicht ändern, nur mich selbst. Doch oftmals
wird ein so genannter Minderwertigkeitskomplex als Ausrede
benutzt bzw. als
Flucht, um genau das nicht anzupacken, was schon lange ansteht und
bearbeitet hätte werden sollen. Selbst wenn ich in der Kindheit
die Minderwertigkeit hatte, so sollte ich heute diesen Komplex
aufschlüsseln, welche Gedankenbilder er mir heute in mein
Oberbewusstsein bringt. Ich sollte also in diese Gedankenbilder hinein
"gehen", um dann zur Wurzel zu finden und diese Zug um Zug zu "bereinigen".
Wer an das Urwissen der Reinkarnation glaubt, der kann sich
weiterhin bewusst machen: Diese Schwäche, die vermutlich aus
Vorinkarnationen stammt, kommt nicht deswegen wieder auf mich
zu, damit ich sie in diesem Leben auch noch verstärke. Sondern
es ist wie in einer Schuljahrgangsstufe. Habe ich das
Klassenziel nicht erreicht, muss ich die Klasse wiederholen. Mit
anderen Worten: In diesem Leben habe ich die nächste Chance, den
Komplex zu packen und ihn endlich zu überwinden.
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