Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 8/00

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Fusionsfieber und Aktienrausch:

 "Harmagedon"
der Weltwirtschaft

Drei Dämonengeister versammelten die Könige der ganzen Welt zum Kampf, "an dem Ort, der auf hebräisch Harmagedon heißt." (Off 16,16)

Nicht mehr demokratisch gewählte Regierungen bestimmen über das wirtschaftliche Überleben der Menschen, sondern Kapitalbesitzer, Spekulanten, Investment-Fonds usw. Die Geister, welche die Menschheit rief, stehen sich gegenüber wie die finsteren Könige, welche der Prophet Johannes in seiner Endzeit-Offenbarung beschreibt. Die letzte Schlacht um Macht, Reichtum, Vernichtung und Elend hat begonnen.

Die 85-jährige Frau wollte auf der Stelle die neuen Aktien kaufen, die "Finnland heißen oder so ähnlich", berichtet DIE WOCHE über Gespräche am Bankschalter. Wer wusste vor kurzem schon, was Infineon ist - eine Siemens-Tochter, deren Wertpapiere schon am Tag der Ausgabe zum doppelten Preis weiter verkauft wurden.

Oder wer kannte die Aktie der Filmrechte-Firma EM-TV, die in 2 1/2 Jahren von 17 Euro auf 5.198 Euro stieg? Auch wer sich für die vergleichsweise biedere Telekom-Aktie entschied, verdiente in 3 1/2 Jahren 600 %. Inzwischen fachsimpeln ganze Stammtische über "New Economy" ("Neuer Markt" der Technologie-Aktien), verfolgen Hausfrauen den Dow Jones und beteiligen sich Studenten per Internet am Börsenpoker. Sie alle liefern den Großen das Pulver für eine apokalyptisch anmutende Treibjagd von "feindlichen Übernahmen" und "Abwehrschlachten", bei der nicht nur traditionsreiche Unternehmen, sondern ganze Währungen ins Schleudern kommen, wenn Großspekulanten auf Pump Devisen kaufen, bis der betroffenen Zentralbank die Luft ausgeht. Wer sind die Jäger und wer die Gejagten? Ist die Schlacht von Harmagedon, von der die Johannes-Offenbarung spricht, bereits in Gang?

Ein globales Spielcasino

Das Jagdrevier der grenzenlosen Möglichkeiten ist erst in den letzten Jahren entstanden: Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks wurde der Welthandel rund um den Erdball möglich - an jedem Ort, zu jeder Zeit und vor allem immer schneller. Das Internet vernetzte die Börsen, die Unternehmen, die Lieferanten, Kunden und Spekulanten. Jeder beobachtet jeden und sucht als Global Player per Mausklick seinen Vorteil.

Bei diesem Spiel geht es kaum noch um die Qualität von Güter und Leistungen, sondern um Aktienwerte, die steigen und fallen können, ohne dass sich am Unternehmensgewinn etwas ändern muss. Der Börsenwert ist alles. Täglich jagen flinke Devisenhändler Währungsbestände im Wert von ca. 1,5 Billionen Dollar rund um den Globus. Für eine milliardenschwere Kundschaft aus Banken, Konzernen und Investmentfonds springen sie im weltweiten Datennetz in Sekundenschnelle von Börsenplatz zu Börsenplatz, von Währung zu Währung, um Kursgewinne zu nutzen, die mitunter binnen Minuten Riesenvermögen begründen. Nur mehr 2 % dieser Devisen- und Wertpapiergeschäfte dienen realen Wirtschaftsvorgängen als Bezahlung von Leistungen und Gütern. Der Rest - der etwa der gesamten Jahresleistung der deutschen Wirtschaft entspricht - ist der Umsatz von Spekulationsgeschäften des globalen Spielcasinos.

Die Aktienwerte der Unternehmer haben mit deren wirtschaftlichen Leistungen kaum mehr etwas zu tun. Ist eine Aktie für die großen Investmentfonds und deren Publikum "interessant", z. B. weil die "Gründerstory", man könnte auch sagen: die hochgestochene Produktplanung eines Newcomers, einen Aktienboom verspricht, schaden ihm fürs Erste auch Verluste nicht, während Oldtimer wie bspw. Daimler-Chrysler gegenwärtig auch mit Verkaufsrekorden im Casino der Weltbörsen keine Erfolge erzielen können.

Die Neuen verfolgen die Alten

Das Wohlwollen der Anleger und astronomisch steigende Aktienwerte genießen vor allem Neugründungen, die sich mit Internet, Biotech und Medien befassen. Ein "Neuer Markt" von kleinen innovativen Aktiengesellschaften ist entstanden, dessen Aktienindex (Nemax) viermal so schnell wie der des Traditionsmarktes (Dax) stieg. 1999 waren es in Deutschland fast 200 solche Firmen, denen die Anleger rund 27 Milliarden Mark anvertrauten. Die Gründer entstammen der Elite junger Mitarbeiter von Banken und Beratungsfirmen, die Verkaufsideen kreieren, im Internet propagieren und mit Hilfe von "Wagniskapitalfirmen" finanzieren. Das Risikokapital stammt wiederum von Finanzgesellschaften, Konzernen und wohlhabenden Privatleuten, die ihr Geld den Fonds zur Verfügung stellen, um beim großen Geschäft im Internet mit dabei zu sein. Durch die massive Werbung sind Telekom-Aktien und Infineon-Papiere bis in jedes Wohnzimmer vorgedrungen, und immer mehr einfache Bürger setzen auf die unbegrenzten Möglichkeiten neuer Börsengänge im Technologie- und Medienbereich. Immer neue Märkte für Medizintechnik, Internetkommunikation und Zuliefererprodukte werden erschlossen. Aktiennamen, die vor Monaten noch keiner kannte, schießen wie Raketen in den Geldhimmel; binnen weniger Jahre erlangte ein Newcomer wie EM-TV mit 230 Beschäftigten fast den Börsenwert des Weltkonzerns VW. "Fast scheint es so, als müsse ein Firmenname nur mit ‘e-’ anfangen und mit ‘-net’ aufhören, und schon fliegt die Aktie" (Der Spiegel).

Die frisch erworbene Aktienmacht ("Shareholder-Value") wird zur Waffe gegen Konkurrenten: Sie verringert das Risiko des Roulettes durch wachsende Größe und Vielfalt der Produktpalette, und sie verschafft das Potential zur Übernahme von Konkurrenten durch Ankauf von deren Aktien.

Übernahmeschlachten der Giganten

Die Angst um die Gunst ihrer Aktienbesitzer treibt vor allem die Großen um. Wenn die Analysten der Börsenszene oder die großen Investment- und Pensionsfonds die wirtschaftliche Produktivität eines Unternehmens bekritteln, seine Innovationsfähigkeit bezweifeln oder auch seine Sozialausgaben für zu hoch halten, dann ist in den Vorstandsetagen Gefahr in Verzug. Dann wird fusioniert und rationalisiert, womit man zehntausende von Arbeitsplätzen "einspart". Bei Unilever waren es 25.000, die geplante (allerdings überraschend gestoppte) Fusion der Deutschen Bank und der Dresdner Bank zur größten Bank der Welt sollte mit dem Verlust von 16.000 Arbeitsplätzen einhergehen. Welche Folgen die "feindliche Übernahme" von Mannesmann durch Vodafone haben wird, bleibt abzuwarten. Die Bosse sprechen zwar von der "Logik des Marktes". Doch was sie antreibt, sind nicht zuletzt Geld, Ruhm und Macht.

Die Vorstandsgehälter steigen mit der Größe des Konzerns. In Deutschland begnügte man sich bislang mit einigen Millionen Mark pro Jahr; inzwischen haben sich die Gehälter für die Verantwortungsträger des Kapitalismus vervielfacht - ganz zu schweigen von den Abfindungen: Als die Deutsche Bank das US-Institut Bankers Trust übernahm, zahlte sie dem Vorstandschef eine Abfindung von 100 Millionen Dollar; und als Mannesmann von Vodafone übernommen wurde, kassierte Mannesmann-Vorstand Esser 60 Millionen. Wer also treibt zum Größenwahn - die Geld- und Ruhmsucht der Manager oder die Sekretärinnen, Facharbeiter und Rentner, die den Aktienboom anheizen, ihrerseits angetrieben vom kollektiven Kaufzwang, der von den allabendlichen Börsenberichten des Fernsehens ausgeht?

Treibjagd aller gegen alle

Das Jagdfieber beginnt mit verführerischen Einflüsterungen: "Lassen Sie Ihr Geld besser für sich arbeiten. Sie haben es sich verdient", flüstert die Telebörse. "Jeder hat ein Recht auf Rendite" verkündet das Handelsblatt. Mit dem Traum vom arbeitslosen Einkommen soll auch der letzte Zauderer animiert werden, mitzumachen. 20 Millionen Deutsche wollen nun T-Online-Aktien kaufen. Milliardenwerte fließen in die "Kriegskasse" des Telekom-Chefs Ron Sommer - für mehr oder weniger freundliche Übernahmen konkurrierender Branchen. Das "Recht auf Rendite", wird zum Motor für Megafusionen und Megaentlassungen. Die Größeren fressen die Großen und spucken die Kleinen aus. Deren Geld sammelt sich in den Spekulationskassen der Aktienfonds. Die Reichen werden immer reicher, und auf der Strecke bleiben immer mehr Arme, während die Mittelklasse zu verschwinden droht.

Die Jagdszenen spielen am Abgrund: Jeder will noch schnell reich werden, weil die Existenzangst umgeht. Dabei heizt ein Massenheer von Angestellten das Fusionsfieber der Konzerne an, das im Interesse der Aktienwerte Massenentlassungen produziert. Inzwischen erweist sich ein Großteil der Megafusionen als Flop - man passt strukturell und kulturell nicht zusammen, die Rationalisierungseffekte bleiben aus und die Aktienwerte sinken. Und vor allem: Der von realen Wirtschaftsvorgängen losgelöste Aktienwahn erzeugt Aktienwerte wie Luftblasen, deren Zerplatzen täglich droht - wenn ein Großanleger plötzlich die Nerven verliert und aussteigt, wenn eine Währung schwächest und Fluchtbewegungen auslöst, kurz: wenn ein dominierender Aktienkurs, aus welchen Gründen auch immer, ins Rutschen gerät und eine Kettenreaktion auslöst - Kursverfall, Konsumverzicht, Umsatzeinbußen und weltweite Wirtschaftsrezession. Der Nobelpreisträger Milton Friedmann, einer der Väter des heutigen Kapitalismus, sieht bereits jetzt "unheimliche Ähnlichkeiten" zwischen dem, was am Aktienmarkt geschieht und was in den Zwanziger Jahren passierte. Verglichen mit dem, was im Zeitalter der Globalisierung droht, dürfte die Weltwirtschaftskrise der Zwanziger Jahre nur ein Vorspiel gewesen sein.

"Die Dämonen erwachen"

So lautet die Kapitelüberschrift in dem soeben erschienenen Schwarzbuch Kapitalismus von Robert Kurz. Man kann ihm darin zustimmen.

Die Menschheit lieferte sich Mächten aus, die Staaten und Kulturen überrollen und sich immer mehr verselbständigen. Das Geld wurde vom Zahlungsmittel zur Handelsware, der Zins zum Suchtmittel der Kapitalbesitzer und zur Knute für den Mittelstand, der in der Schuldenfalle zu ersticken droht. Nicht mehr demokratisch gewählte Regierungen, sondern Investmentfonds und das Heer anonymer Spekulanten bestimmen über das Schicksal von Landeswährungen, über Arbeitslosigkeit, Wohlstand und Elend. Was sind das für Geister, die die Menschheit rief, und nun nicht mehr los wird, die gegeneinander zu Vernichtungskämpfen antreten wie die finsteren Könige in der Johannesoffenbarung der Bibel? Harmagedon, der Ort der Schlacht, ist ein Symbol für den Zustand, dem diese Welt sich dramatisch nähert.

Jeder, der sich an diesem Kampf aller gegen alle beteiligt, hat den jetzigen Zustand mit verursacht, die einen im Kleinen, die anderen im Großen. Wenn es nur darum geht, möglichst reich und mächtig zu werden, kann man auf seine Nächsten oder gar das Gemeinwohl keine Rücksicht nehmen. Diese Moral hat sich im christlichen Abendland unter der geistigen Vorherrschaft der Kirchen entwickelt. Wer davon überzeugt ist, dass die heutigen Bewohner der Erde nicht das erste Mal hier sind, der muss sich auch eingestehen, dass wir alle an der Entstehung der Egoismus-Programme, die uns in die heutige Sackgasse führten, in der Vergangenheit mitgewirkt haben, sei es als das beherrschte Volk, das sich anlehnte, oder als Meinungsführer und Herrscher.

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Bereits Jesus von Nazareth hat uns gelehrt, dass wir auf dem Irrweg sind. Der Gottesgeist, wie er heute durch Prophetenmund spricht, weist uns erneut darauf hin, dass jeder durch sein eigenes Leben verantwortlich ist für die gesamte Atmosphäre dieser Erde, dafür, was entstanden ist und dafür, wie es weitergeht. Jeder Gedanke und jede Tat sind Energie. Wenn ich meinen Nächsten nicht mehr als Rivalen und als Konkurrenten sehe, den es zu übertrumpfen oder auszuschalten gilt, wenn ich meine Arbeit nicht mehr nur für mich tue, sondern wenn ich an das Gemeinwohl denke; wenn ich mich selbst erkenne und ändere im Sinne der Lehren des Jesus von Nazareth, dann verliert die raffgierige Globalisierungswelt an Kraft. In dem Maß, in dem Menschen Egoismus, Neid und Gier überwinden, arbeiten sie an den Fundamenten einer neuen Erde, von der bereits der Prophet Jesaja sprach, die Jesus von Nazareth lehrte und die der Gottesgeist durch Prophetenmund heute erneut ankündigt. 


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