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Die Kirche und der
Mammon (2)
Wie die Klöster
reich wurden
Kein
anderes Unternehmen hat es so gut verstanden, Geld und Reichtum
zusammenzuraffen wie die Kirche. Die ganze Kirchengeschichte ist
geprägt von Erbschleicherei, Konfiskation, Ablasshandel, Raubzügen
u.a.m. Die Verkündigung ihrer Lehre nimmt sich dagegen eher wie eine
Nebentätigkeit aus. In der 1. Folge war von Bischöfen als Bankern und
von klerikalen Geldgeschäften die Rede. Lesen Sie heute von den
Privilegien der Mönche und Klöster.
Die eigentliche Grundlage für die heutige Stellung
der Kirche als Wirtschaftskonzern legte Kaiser Konstantin. Mit dem
Toleranzedikt von Mailand (313 n. Chr.) wurden die einzelnen Gemeinden zu
vermögensfähigen Körperschaften, die Grundbesitz erwerben und
bewirtschaften konnten. Sie durften Erbschaften machen, was heidnischen
Tempeln vordem nur ausnahmsweise erlaubt war. Vor allem aber konnten sie
sich heidnische Tempelgüter aneignen mitsamt deren Pfründe. Hinzu
kamen großzügige Schenkungen von Seiten der ersten so genannten christlichen
Kaiser, was sich in den nachfolgenden Jahrhunderten kaum änderte. Da
Kirchenbesitz im Mittelalter generell unveräußerlich war, konnte
dieser nur wachsen.
Die
Klöster als Wirtschaftsfaktor
Die Früchte dieser Privilegierung kam in besonderer
Weise den Klöstern zugute. Die ursprünglich asketische Mönchsbewegung
wandelte sich schon bald zu einem mächtigen Wirtschaftsfaktor. Bereits
zu Beginn des 4. Jahrhunderts findet sich in den Klöstern, z. B. in
denen des Pachomius, eine eher soldatische Arbeitsorganisation, bei der
das Gebet gegenüber der Arbeit zurücktritt. Jedes Kloster profitierte
davon, dass jeder, der eintrat, seinen gesamten Besitz abgeben musste
und ihn später auch nicht an Verwandte vererben konnte. Auch Laien
bereicherten die Klöster, indem sie ihnen große Spenden
zukommen ließen - zum Heil ihrer Seelen.
All dieser Zugewinn hinderte die Klöster nicht
daran, zusätzlich Geldgeschäfte zu tätigen und sich sogar Sklaven
zu halten.
Die Klöster ließen sich - wie der Staat - von den
Bauern den Zehnt bringen. Sie eigneten sich weiteres Land an,
indem sie schlicht behaupteten, es sei ihnen vermacht worden. Durch
solche Machenschaften trugen sie zur Ausbeutung ganzer Gegenden
bei. Kein Wunder, dass ein Klostereintritt nicht selten aus blanker
Existenznot geschah und weniger aus religiösen Motiven: "Kurz,
nicht Sorge um die seelische, sondern um die leibliche Existenz, nackte
wirtschaftliche Not zwang die Ausgebeuteten gewöhnlich ins Kloster"
(Deschner, Karlheinz: Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. III, S.
476).
Versicherungsgesellschaft
und Bank in einem
Die Geschäfte der Klöster mit Geldverleih stellt
die der Juden - die durch Berufsverbote in die Rolle der Geldverleiher
gedrängt worden waren - weit in den Schatten. Viele Privatpersonen
übergaben ihr Geld Kirchen und Klöstern zur Aufbewahrung. Aus diesem
Bestand verlieh das Kloster Geld an Einzelpersonen oder an
Institutionen, die Geld brauchten. Aus dem Jahre 1070 ist belegt, dass
Kirchen und Klöster Geld an benachbarte Grundherren verliehen, "gegen
einen Anteil an den Einkünften aus dem Grundbesitz des Herrn; durch
diese Hypothekdarlehen wurden die Klöster zu den ersten
Bankgesellschaften des Mittelalters. Die Abtei St. André in Frankreich
war in ihren Bankgeschäften so erfolgreich, dass sie jüdische
Geldverleiher anstellte, um ihren Finanzoperationen vorzustehen. Die
Tempelritter liehen an Könige und Fürsten, Herren und Ritter, Kirchen
und Prälaten Geld gegen Zins; ihr Hypothekargeschäft war im
dreizehnten Jahrhundert wahrscheinlich das ausgedehnteste der Welt. ...
Die Rolle der Juden als Geldverleiher wird stark übertrieben; sie
hatten in Spanien und eine Zeit lang in England eine große Macht, waren
aber in Deutschland schwach und in Italien den christlichen Finanzleuten
unterlegen" (W. Durant, Kulturgeschichte der Menschheit, Bd.
6, S. 306 f). "Im Zwölften Jahrhundert betrugen die Zinssätze
in Frankreich und England 33 1/3 %; manchmal erreichten die Zinssätze
die Höhe von 50 %. Friedrich II. versuchte um 1240, den Zins auf 10 % zu
senken, zahlte aber bald einen höheren Zins an christliche Geldverleiher"
(W. Durant, Bd. 6, S. 313). Allein durch diese
Geschäfte war die Kirche nach Aussage Durants die "größte
Finanzmacht des Christentums".
Damit nicht genug: Die Klöster übernahmen auch die
Rolle der heutigen Versicherungen. Viele Vermögende übergaben ihnen
ihren Besitz als "Precarium", "als eine Art Versicherung
gegen Erwerbsunfähigkeit". Kloster oder Kirche "zahlte
ihnen ein Jahrgeld, kümmerte sich um sie im Krankheitsfalle und im
Alter und erhielt dafür das Besitztum beim Tode des Schenkers frei von
jedem Zurückbehaltungsrecht" (Durant, Bd. 6, S. 355). Auf
diese Weise verdiente die Kirche sogar an den Kreuzzügen, denn:
"Kreuzfahrer verkauften nicht nur Ländereien zu niedrigen Preisen an die
Kirche, um Bargeld zu erhalten, sondern erhielten auch Darlehen von
kirchlichen Körperschaften, wobei sie ihren Grundbesitz als Sicherheit
einsetzten, welcher dann in vielen Fällen wegen Zahlungsunfähigkeit des
Schuldners verfiel" (Durant, S. 455).
Und natürlich auch deshalb, weil viele von den Kreuzzügen nicht
zurückkehrten.
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