Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 9/00

abstand.gif (36 Byte)

Bundeswehr plant Zugriff auf zivile Krankenhäuser

Vorbereitung auf einen Krieg?

Deutsche Soldaten auf dem Balkan. Wo sollen sie noch überall "humanitär" tätig werden?62,5 % der weltweit für die Rüstung verwendeten Gelder werden von den 19 NATO-Staaten einschließlich Deutschland ausgegeben. Welcher Staat der Erde will es mit dieser geballten militärischen Macht aufnehmen?

Seltsamerweise trifft gerade jetzt der NATO-Staat Deutschland Vorbereitungen für einen Kriegsfall, bei dem offenbar mit weit mehr Verletzten gerechnet wird als bisher. Man will Krankenhausbetten für 56.000 Patienten zusätzlich zur Verfügung stellen. Das wäre ein Sechstel der derzeitigen Mannschaftsstärke der Bundeswehr.

Mitten im Kosovo-Krieg, am 22.4.1999, unterschrieb der Dachverband der deutschen Krankenhäuser einen Kooperationsvertrag mit der Bundeswehr. In 56 Krankenhäusern sollen demnach in zwei Schritten jeweils 1000 neue Betten geschaffen werden. Das klingt für die Krankenhäuser auf den ersten Blick verlockend. Doch die Sache hat einen Haken: Die Krankenhäuser, die dem Plan erst noch zustimmen müssen, tragen die Folgekosten und die Wartungskosten der Geräte, die ihnen die Militärs zur Verfügung stellen. Und sie sind im Kriegsfall verpflichtet, Patienten der Bundeswehrlazarette zu übernehmen und bei Bedarf eigenes medizinisches Personal an das Heer abzugeben.

Man stelle sich einen Zivildienstleistenden vor, der diesen Dienst eigens gewählt hat, weil er sich nicht am Krieg beteiligen will - und nun wird er unter Umständen an die Front geschickt.

Doch das ist nur ein Detailproblem gegenüber den weiteren Fragen, die sich ergeben. Vor allem Kritiker aus den Reihen der Gewerkschaft fühlen sich überrumpelt und fürchten eine fortschreitende Militarisierung der Gesellschaft. Von den Plänen wurde nicht einmal das Parlament und der zuständige Ausschuss vorher unterrichtet. Auch das Krankenhauspersonal beispielsweise in Karlsruhe erfuhr erst im Nachhinein, dass die städtische Klinik den Vertrag bereits im Januar 2000 unterzeichnet hatte. Die Krankenhäuser würden regelrecht erpresst, heißt es - ihre Personalnot wird ausgenutzt, um sie in Kriegsvorbereitungen einzuspannen. Doch unter dem Strich geschehe ihnen nichts Gutes - denn es gehe eher darum, zivile Kräfte beim Militär einzusetzen als umgekehrt.

Noch gravierender ist die Frage, gegen wen ein solcher Krieg, auf den man sich offenbar vorbereitet, überhaupt geführt werden soll. Die Strategie der NATO wurde genau zum Zeitpunkt dieser neuen Entwicklung geändert: Weg von einem Verteidigungsbündnis und hin zu einer Interventionsstreitmacht. Braucht man deshalb mehr Personal? Sollen hier Angriffskriege vorbereitet werden, die man dann natürlich mit "humanitären" Motive begründen wird wie im Falle Jugoslawien?

Ebenso bedenklich wie die Strategie der NATO ist die Arroganz, mit der sie verteidigt wird. Der Karlsruher Bürgermeister Eidenmüller warf Kritikern des Vertrages zwischen der Klinik seiner Stadt und der Bundeswehr vor, sie verbreiteten "altstalinistisches Gewäsch von ewig pubertierenden 68ern." Er habe beschlossen, darüber zu lachen.

Inhalt Ausgabe 9/00
Hauptseite
Archiv - alle früheren Ausgaben Suchen
Abo-Service
Impressum
Post an uns





 


Sollen wir darüber lachen, wenn man sich mitten in Europa auf Krieg vorbereitet? Oder wird uns nicht allen das Lachen vergehen, wenn das Gesetz von Saat und Ernte die Gewalt ins eigene Land zurücktragen wird, die gegen andere geübt wird, mit welcher "Begründung" auch immer?


 



Copyright © Verlag DAS WEISSE PFERD GmbH, Marktheidenfeld, Germany

http://www.das-weisse-pferd.com
- E-Mail: info@das-weisse-pferd.com

Verlag »Das Weisse Pferd«, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld-Altfeld,
Fax: 09391 / 504 - 210
 

Hit Counter