Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 9/00

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Der Schild-Bürgerstreit
von Würzburg

Die Bischofsstadt am Main ist die Stadt mit der höchsten Selbstmordrate Deutschlands. Wie eine Studie der Universität Würzburg ergab, ist dies vor allem auf "das konservative, stark katholisch geprägte Würzburger Milieu" zurückzuführen. Damit das katholische Milieu dennoch so bleibt, scheut die Stadtverwaltung keine Anstrengung, auch wenn sie dabei mit dem Gesetz in Konflikt kommt.

Die jüngste Kostprobe kirchlicher Linientreue lieferte sie, als das Universelle Leben die Genehmigung eines Gottesdienstschildes beantragte, mit dem auf das Treffen aller Gottsucher am Sonntagvormittag hingewiesen werden soll - so wie es allerorts für katholische und evangelisch-lutherische Gottesdienste geschieht. Das ging nun wirklich zu weit, dass sich da eine nichtkirchliche Religionsgemeinschaft auf das Grundrecht der Religionsfreiheit und das Gleichbehandlungsgebot berief, womöglich um mit einem solchen Schild die Glaubensstärke der Würzburger auf die Probe zu stellen. Der katholische Bischof intervenierte, und der Stadtrat lehnte mit der Stimme des Oberbürgermeisters die respektlose Provokation durch die Urchristen ab.

Offenbar haben die Stadtväter bei ihrer Entscheidung übersehen, dass die bischöfliche Gerichtshoheit inzwischen abgeschafft ist: Ein Amtsrichter, der sich nicht der Kirche, sondern der Verfassung verpflichtet fühlt, rief die mittelalterlichen Schildbürger im Würzburger Rathaus nun zur Ordnung und verurteilte sie, den Urchristen im Universellen Leben das umstrittene Hinweisschild zu genehmigen: Auch ihnen stehe die Religionsfreiheit zu. Und die Kirchen dürften über ihre Sonderstellung als öffentlich-rechtliche Körperschaft hinaus nicht weiter privilegiert werden, so das Gericht.

Der Würzburger Bischof und der Oberbürgermeister müssen nun damit leben, dass das Grundgesetz inzwischen auch in der Stadt des "Hexenbrenners" Julius Echters und des Bischofs Julius Döpfners gilt. Ersterer verbreitete seine Intoleranz noch mit Feuer und Schwert; letzterer weigerte sich, eine Brücke einzuweihen, nur weil sein evangelischer Kollege das Bauwerk vor ihm gesegnet hatte.

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Bei dieser Vergangenheit ist es nicht verwunderlich, dass es den gegenwärtig amtierenden Bischof Paulgeorg Scheele ergrimmt, dass neben der abtrünnigen evangelischen Tochter auch andere Gemeinschaften auf ihre religiösen Veranstaltungen hinweisen dürfen.


 



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