Die
Bischofsstadt am Main ist die Stadt mit der höchsten Selbstmordrate
Deutschlands. Wie eine Studie der Universität Würzburg ergab, ist dies
vor allem auf "das konservative, stark katholisch geprägte
Würzburger Milieu" zurückzuführen. Damit das katholische Milieu
dennoch so bleibt, scheut die Stadtverwaltung keine Anstrengung, auch
wenn sie dabei mit dem Gesetz in Konflikt kommt.
Die jüngste Kostprobe kirchlicher Linientreue
lieferte sie, als das Universelle Leben die Genehmigung
eines Gottesdienstschildes beantragte, mit dem auf das Treffen aller
Gottsucher am Sonntagvormittag hingewiesen werden soll - so wie es
allerorts für katholische und evangelisch-lutherische Gottesdienste
geschieht. Das ging nun wirklich zu weit, dass sich da eine
nichtkirchliche Religionsgemeinschaft auf das Grundrecht der
Religionsfreiheit und das Gleichbehandlungsgebot berief, womöglich um
mit einem solchen Schild die Glaubensstärke der Würzburger auf die
Probe zu stellen. Der katholische Bischof intervenierte, und der
Stadtrat lehnte mit der Stimme des Oberbürgermeisters die respektlose
Provokation durch die Urchristen ab.
Offenbar haben die Stadtväter bei ihrer Entscheidung
übersehen, dass die bischöfliche Gerichtshoheit inzwischen abgeschafft
ist: Ein Amtsrichter, der sich nicht der Kirche, sondern der Verfassung
verpflichtet fühlt, rief die mittelalterlichen Schildbürger im
Würzburger Rathaus nun zur Ordnung und verurteilte sie, den Urchristen
im Universellen Leben das umstrittene Hinweisschild zu genehmigen:
Auch ihnen stehe die Religionsfreiheit zu. Und die Kirchen dürften
über ihre Sonderstellung als öffentlich-rechtliche Körperschaft
hinaus nicht weiter privilegiert werden, so das Gericht.
Der Würzburger Bischof und der Oberbürgermeister
müssen nun damit leben, dass das Grundgesetz inzwischen auch in der
Stadt des "Hexenbrenners" Julius Echters und des Bischofs Julius Döpfners gilt. Ersterer verbreitete
seine Intoleranz noch mit Feuer und Schwert; letzterer weigerte sich,
eine Brücke einzuweihen, nur weil sein evangelischer Kollege das
Bauwerk vor ihm gesegnet hatte.