Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 10/00

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Pokemon-Fieber und vieles mehr

Schon die Kinder
 süchtig machen

TV - Jeden Tag FussballDie Wochenzeitung Die Zeit nennt das Pokemon-Fieber "Magie", andere nennen es "Kult" oder "Sucht". Pokemon ist dabei nur ein Baustein einer umfassenderen Strategie. Vor allem im Fernsehen geht der Trend immer mehr in Richtung "Endlos-Serien". Wer sich darauf einlässt, beschäftigt sich Tag für Tag mit der angebotenen Scheinwelt und das Aussteigen wird immer schwieriger. Auch fällt es manchem  immer schwerer, sich auf seine Tätigkeiten im Alltag zu konzentrieren, weil die Gehirnzellen voll gestopft sind mit den Bildern der Serienangebote.

Man kommt zu keinem Ende mehr

Angefangen hat es in Deutschland Anfang der 80er-Jahre mit der Lindenstraße - Woche für Woche über eine halbe Stunde. Es folgten Serien mit täglicher Fortsetzung - für Erwachsene, bald auch für Kinder. Pokemon läuft z. B. täglich 45 Minuten.
Ein vergleichbarer Trend auch bei Computerspielen: Man kommt zu keinem Ende mehr. Genau das beklagen Eltern z. B. bei den Pokemon-Spielen. Während das Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiel früherer Generationen zu Ende war, wenn alle Spieler bis auf den letzten ihre Steine im Ziel hatten, hören viele der neuen Spiele einfach nicht mehr auf. So rät der Hamburger Universitätsprofessor Dr. Stefan Aufenanger den Eltern, mit ihren Kindern einfach Zwischenstopps zu setzen. Da eine pokemonfreie Zone kaum möglich sei, sollten die Kinder bis zu einem Zwischenziel spielen und dann aufhören. Nur - wann fangen sie wieder an?
Ein ähnliches Phänomen ist bei der Sportberichterstattung zu beobachten. Fanden vor einigen Jahren z. B. noch alle Fußball-Bundesligaspiele am Samstag statt, ist der Spieltag jetzt auf drei bis vier Tage gestreckt: Freitagsspiele, Samstagsspiele, Sonntagsspiele, dazu manchmal ein Montagsspiel, dann internationale Spiele am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag. Der Fußballzuschauer am Fernsehen kommt nicht mehr zur Ruhe. Er hat den einen Spieltag kaum "abgeschlossen", da kommt schon der nächste, und zwischenzeitlich gibt es auch im Sport immer mehr Talkshows, damit man pausenlos am Ball bleiben kann.

Der Inhalt der Dauerangebote konzentriert sich dabei - vereinfacht gesprochen - zunehmend auf Kämpfe gegeneinander. Ein aktueller Hit: Die Serie "Big Brother" auf RTL 2: 100 Tage lang kann man über Internet und Fernsehen ununterbrochen in eine Wohngemeinschaft einsteigen, die nach dem Prinzip der "Zehn kleinen Negerlein" funktioniert: Alle zwei Wochen wird einer der ursprünglich zehn Bewohner abgewählt. Oder das von Bild, RTL und Phenomedia organisierte "Moorhuhnschießen": Bereits über 200.000 Teilnehmer schießen Tag und Nacht Moorhühner ab, um im Kampf um die Hauptpreise dabei zu sein, bis zu drei Stunden am Stück, wie Teilnehmer berichten und es werden immer mehr. "Sucht nicht, aber Ehrgeiz", stecke dahinter, so rechtfertigte sich ein Teilnehmer in Bild (25.4.2000). (Dieter Potzel)

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Gibt es bei den Pokemon Gutes?

Dem Sog der Scheinwelt in den Medien kann man natürlich auch Positives abgewinnen. So wird bei Pokemon argumentiert, die Kinder lernen z. B. sich und ihre Interessen durchzusetzen, was sie z. B. auf das spätere Berufsleben vorbereite. Oder Hartmut Kasten vom Staatsinstitut für Familienforschung: Pokemon sei ein Spiel, das nach exakten Regeln verläuft. Und solche "Regelspiele entsprechen der inneren Entwicklungsdynamik der Kinder, ihrem Streben nach mehr Kompetenz, nach Wissen" (DS, 5.5.2000). Und Dr. Johannes Fromme von der Universität Bielefeld analysiert: "Bei dem Spiel müssen sich die Kinder um die Figuren kümmern, sie trainieren. Sie haben das Gefühl, Verantwortung zu tragen. Das stärkt ihr Selbstwertgefühl" (Bild, 12.4.2000). So erklärt z. B. der 13-jährige Pokemon Fan Henri Beck über seinen Erfolg am Gameboy: "Ich habe nur 60 Stunden gebraucht, um alle [Pokemon] einzufangen. Ich bin jetzt ein Pokemon-Meister" - der natürlich ständig weiter gegen Rivalen um die Verteidigung seines hart erkämpften Spitzenplatzes kämpfen muss. So würden sich auch neue Gemeinschaften bilden. Professor Aufenanger von der Universität Hamburg beruhigt besorgte Eltern pokemonbegeisterter Kinder damit, die Identifikation mit dem "Guten" bei den Pokemon sei sehr nützlich für die Entwicklung des Kindes. Dazu helfen auch Filmszenen, bei denen die Fabelwesen wie in einer großen Familie miteinander etwas Gutes tun. Doch auch der "Gute" siegt dort leider meist mit Gewalt - ganz so, wie jeder Militäreinsatz in der Welt der Erwachsenen damit begründet wird, der Einsatz der eigenen Waffen diene im Unterschied zu den Waffen der anderen dem Frieden.
In Japan ging die Pokemon-Serie eines Abends zu weit. Beim Zünden einer Bombe zuckten fünf Sekunden lang "grellrote Blitze über den Bildschirm". Wegen der massiven Reizung der Gehirnzellen mussten über 700 Kinder danach in ärztliche Behandlung. Die Serie wurde kurzzeitig abgesetzt. Doch jetzt läuft sie in Japan und in immer mehr Ländern wieder besser denn je. "Schnappt sie euch alle!", so das Pokemon-Motto. Wie das wohl gemeint sein könntet? (dp)


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