Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 11/00

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Ayurveda-Medizin und Mantra-Meditation

Östliche Heilkunst und Christliche Ur-Heilweisen

Der Mensch steht in Kommunikation mit der Natur. Deshalb sind die Heilkräuter aus seiner Umgebung für ihn die besten.Warum strömen trotz Hightech- und Apparatemedizin, trotz Gentherapie und Organtransplantation immer mehr Menschen aus den Industrieländern - vor allem Reiche und Schöne - in die Praxen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) oder zur indischen Ayurveda-Medizin? Warum die "Sanfte Heilkunst aus Fernost" (Der Spiegel)?
Das Weisse Pferd fragte dazu den verantwortlichen Arzt der HG Naturklinik Michelrieth, Dr. med. Arno Schneider.

Das Weisse Pferd: Können alte indische und chinesische Heilmethoden Menschen des Westens nützlich sein?

Dr. Schneider: Wenn Menschen aus unserem Kulturraum sich einer östlichen Medizin zuwenden, so gilt es zu bedenken, dass die Zellstruktur des Menschen hier eine andere ist als etwa die des asiatischen Menschen. Deshalb kann man Therapiemittel wie Heilpflanzen u. a. m. aus diesem Raum nicht einfach auf uns übertragen. Es gibt das Sprichwort: Bleibe im Land und nähre dich redlich. Diesem Sprichwort liegt zugrunde, dass der Mensch in seiner Organ- und Zellstruktur mit der Gegend - mit der Natur, mit den Pflanzen -, in der er lebt, in Kommunikation steht. Er sollte also diejenigen Heilpflanzen nehmen, die dort wachsen. So weiß die Volksheilkunst z. B., dass im Hausgarten solche Pflanzen wachsen, die für Krankheiten der Hausbewohner gut sind. Es wachsen oftmals gerade die Pflanzen, die zur Stützung bestimmter Organe im Augenblick notwendig sind. Das hängt u. a. mit der Planetenkonstellation zusammen, die ja sowohl im Körper als auch in der Natur Entsprechendes aktiviert.

Yin und Yang

Statt Aufklärung über die Gefahren östlicher Medizin plakative WerbungDas Weisse Pferd: Was aber macht die alte indische und chinesische Medizin so anziehend für Westler? Ist es vielleicht die Philosophie, die dahinter steht? Denn nach östlichen Lehren ist der Mensch dann gesund, wenn die Kräfte von Himmel und Erde, die beiden Urkräfte - auf chinesisch Yin und Yang - im Gleichgewicht sind. Im Krankheitsfall sind diese beiden lebenserhaltenden Kräfte in Unordnung und die Lebensenergie - auf chinesisch Chi - kann nicht mehr frei durch die Körperbahnen, d. h. über die Meridiane, fließen, die die einzelnen Organe versorgen. Was können Sie dazu sagen?

Dr. Schneider: Aus der Sicht der christlichen Ur-Heilweisen ist es so, dass bei Krankheit die Harmonie im Organismus gestört ist. Die Frage ist jedoch: Wodurch kommt diese Störung zustande? Wenn der Mensch in Harmonie mit den Natur- bzw. Schöpfungsgesetzmäßigkeiten lebt, dann ist er gesund. Tut er es nicht, sei es durch bestimmte Lebens- oder Essgewohnheiten oder auch durch bestimmte Denk- und Handlungsweisen, dann ist der Einklang gestört. Das führt dann zu einer Blockade der Lebensenergien, zu einer Blockierung der Selbstheilungskräfte und damit zu einem Energiemangel.

Das Weisse Pferd: So könnte man sagen, dass der östliche Ansatz energetisch richtig ist. Doch die Frage ist: Wodurch kommt es zu einer Störung der Harmonie, was behindert den Energiefluss? Oder reicht es aus, einfach durch Akupunktur die Energieströme wieder zum Fließen zu bringen?

Dr. Schneider: Grundsätzlich gibt es viele Möglichkeiten, um den Körper zu unterstützen und den Energiefluss wieder in Gang zu bringen bzw. Blockaden aufzulösen. Zum einen sind es Medikamente, seien es pflanzliche Mittel oder Mineralstoffe, die einem geschwächten Organ Energie zuführen. Zum anderen sind es Verfahren wie Lymphdrainage, Massagen, Bäder, Bewegungsübungen oder auch Akupunktur, durch die das Ungleichgewicht im Körper in Ordnung gebracht werden soll.

Das Weisse Pferd: Der Akzent liegt doch wohl auf dem Wort "unterstützend". Denn letztlich muss ja die Seele gesunden - durch Bereinigung ihrer Belastungen, um so dem Körper genügend Lebensenergie zukommen zu lassen.

Dr. Schneider: Das ist richtig. Dieses Heilungskonzept hängt jedoch vom Selbstbild des Arztes ab. Er kann versuchen, den Körper zu stärken und den Energiefluss zu unterstützen, aber heil werden muss der ganze Mensch, d. h. vor allem seine Seele. Es ist nie der Arzt, der eine Krankheit heilt. Medicus curat, Deus sanat [Der Arzt hilft, und Gott heilt], lautet ein weises Wort. 
Wir gehen in der Medizin der christlichen Ur-Heilweisen davon aus, dass der menschliche Körper nur das Gefährt der Seele ist für das Leben auf dieser Erde. Beim physischen Tod legt die Seele, das eigentliche Wesen, den Körper ab. Die Seele kann daraufhin wieder zurückkehren auf die Erde, wobei sie den neuen Körper mit dem prägt, was sie an Licht und Schatten aus früheren Einverleibungen noch in sich trägt. Deshalb muss zuerst die Seele gesunden, und das Gesundwerden der Seele überträgt sich in der Folge dann auf den Körper. Denn von der Seele - von den Gedanken, Empfindungen, Gefühlen, Worten und Handlungen, die in ihr gespeichert sind - geht die Krankheit, aber auch die Gesundheit aus.
Sind sie positiv, dann sind die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiv und bereit, den Körper zu heilen und gesund zu erhalten. Sind sie negativ, werden dadurch die Selbstheilungskräfte geschwächt oder blockiert und der Körper kann erkranken.

Das Weisse Pferd: Heißt das, dass eine Medizin, die nicht das Heilwerden der Seele zum Ziel hat, den Körper nicht wirklich heilen kann?

Dr. Schneider: Wenn nur versucht wird, den Körper zu heilen, dann ist das letzten Endes Flickwerk. Dabei kann es sein, dass durch zu intensive Maßnahmen oder "harte" Medikamente die Selbstheilungskräfte sogar abgeschwächt werden. Unserer Ansicht nach müssen die Selbstheilungskräfte jedoch unterstützt werden, wenn der Körper geschwächt ist und sie ihre Funktion nicht mehr wahrnehmen können.

Das Weisse Pferd: Die Heilverfahren nach christlichen Ur-Heilweisen, die Sie praktizieren, fördert den aktiven Patienten. Aus dem, was man über die fernöstliche und auch die Ayurveda-Medizin lesen kann, geht hervor, dass sich der Patient den Behandlungen relativ passiv unterzieht - seien es Akupunktur-Nadeln, seien es Öle, Düfte, Massagen, Entgiftungstherapien oder exotische Medikamente. Dass der Patient seine Selbstheilungskräfte aktiv entfalten müsse, hört man nicht.

Dr. Schneider: Wenn ich mir vergegenwärtige, was in den Medien über die Ayur-Veda-Medizin oder andere östliche Therapieformen berichtet wird, so kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese als Erweiterung des schulmedizinischen Spektrums verwendet werden. Denn die Haltung bzw. der Denkansatz ist letztlich ein ähnlicher. In der Schulmedizin nimmt man ein Medikament, damit der Körper gesund wird. Oder man operiert und schneidet das Kranke heraus. Auch in der östlichen Medizin werden bestimmte Methoden angewendet, die zur Heilung des Körpers führen sollen. Dass diese mit Erklärungen versehen werden, die über die Schulmedizin hinausgehen - dass Energieblockaden vorliegen oder die Harmonie gestört ist -, ändert daran nichts. Der Ansatz, ein bestimmtes Verfahren herzunehmen, um zu heilen, ist ähnlich.

TM

Die Ganzheitstherapie in der HG Naturklinik basiert auf den Heilverfahren nach christlichen Ur-HeilweisenDas Weisse Pferd: Verbunden mit indischer Medizin ist mitunter eine bestimmte Meditationstechnik, so z. B. heute mit Teilen der Ayurveda-Medizin die Transzendentale Meditation (TM). Die TM gibt sich als wissenschaftlich gesichert und behauptet, sehr viele Krankheiten in Kürze lindern oder heilen zu können. So sollen z. B. Patienten mit hohem Blutdruck von TM enorm profitieren. Was ist zu dieser "Wunder-Methode" zu sagen, die häufig im Zusammenhang mit der Ayur-Veda-Medizin angeboten wird?

Dr. Schneider: Es ist erstaunlich, welcher Stellenwert hier der TM gegeben wird. Es soll unlängst sogar ein Vortrag vor dem englischen Oberhaus gehalten worden sein, der die Erfolge der TM zum Gegenstand hatte. Dabei wurden doch gerade die TM und andere östliche Techniken noch vor wenigen Jahren vehement bekämpft und als Scharlatanerie bezeichnet. Wenn man sich nun heute dafür öffnet und der Versuch unternommen wird, sie in das schulmedizinische Heilungsmodell zu integrieren, dann ist das für mich eine Kapitulation der westlichen Medizin. Denn hätte sie es geschafft, selber diese Erfolge zu haben, dann bräuchte sie keine Anleihe im Osten zu machen.

Zum Zweiten: Warum geht man auf die östliche Medizin und z. B. auf die TM zu? Ich glaube, dass die Werte, die ethischen Werte des Menschen in der westlichen Medizin ebenso wie auch die Verbindung zur Natur, im Laufe der Jahre und Jahrhunderte verloren gegangen sind. Dabei sind diese Werte in der abendländischen Kultur vorhanden, z. B. in den Zehn Geboten oder in den Lehren der Bergpredigt Jesu, in denen klare Normen und Richtlinien sowohl für die Beziehung der Menschen untereinander als auch gegenüber der Natur gegeben sind. Weil diese Werte in das tägliche Leben kaum Eingang gefunden haben, der Mensch sich aber nach solchen Werten sehnt, weil sie seiner wahren Natur entsprechen, versucht man nun, solche Werte und Normen aus dem Osten zu importieren.

"Wie ein Deckel auf dem Kochtopf"

Das Weisse Pferd: Wie erklären Sie sich die Erfolgsberichte durch TM?

Dr. Schneider: Bei dieser Meditationstechnik wird durch ein Mantra, das permanent wiederholt wird, eine bestimmte monotone Schwingungsebene erzeugt. Wenn man hingegen das normale Leben, auch das gedankliche Leben, betrachtet, so besteht dies aus einem ständigem Wandel. Alles Lebendige ist ständige Aktivität, wie wir dies auch in der Natur finden. Es gibt den ständigen Rhythmus von Tag und Nacht, Ebbe und Flut, Kommen und Gehen. Der Wind ist nie gleichmäßig usw. In der TM dagegen wird eine Gleichschwingung angestrebt. Es wird ein Gleichklang, ein gleicher Rhythmus, erzeugt, der sich auch in den Hirnströmen zeigt. Diese Gleichschwingung ist hier gewollt, sie soll den Tag über anhalten und möglichst während des ganzen Lebens. Sie schiebt sich wie eine Art Schicht in das Bewusstsein und legt sich vor allem über das Unterbewusstsein. Es ist, wie wenn man den Deckel über einem Kochtopf festschraubt. Dadurch kann sich die Bewegung im Topf nicht mehr bemerkbar machen. Die vom Mantra erzeugte Schicht filtert alles, was nach außen dringen möchte. So können die Bewegungen und emotionalen Schwankungen, auch die krankmachenden, die im Unterbewusstsein gespeichert sind, nicht mehr bewusst werden. Es entsteht eine Art Blockade zwischen dem Bewusstsein und dem Körper. Danach beginnt der Körper sich aufgrund seiner eigenen Regulationsmechanismen wieder zu regenerieren, weil die krankmachenden Signale aus dem Unterbewusstsein im Körper nicht mehr ankommen. Auf diese Weise kann z. B. auch ein hoher Blutdruck zurückgehen.

Das Weisse Pferd: Der Aspekt ist interessant: Die negativen Energien aus dem Unterbewusstsein können nicht mehr in den Körper einfließen, weil die durch die endlose Wiederholung des Mantras erzeugte Schicht sie daran hindert. Und diesen Zeitraum nutzt der Körper, um die Selbstheilungskräfte in Gang zu setzen, wodurch vorübergehend einiges gebessert werden kann. Könnte man es auch so sehen, dass TM schlicht einen Entspannungszustand erzeugt, der dann z. B. blutdrucksenkend wirkt?

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Dr. Schneider:
Es besteht ein Unterschied zwischen TM und bekannten Entspannungstechniken wie z. B. dem autogenen Training. Letztere können durchaus ihre Erfolge haben. Aufgrund meiner medizinischen Erfahrung kann ich sagen: Entspannung kann helfen, Abstand zu den emotionalen Erregungen zu bekommen. Verkrampfungen im Körper werden weniger und insbesondere sog, funktionelle Störungen können positiv beeinflusst werden. Aus dem Abstand heraus ist es dann auch möglich, die Lebenssituation, die zur Krankheit geführt hat, zu analysieren und zu bearbeiten. Findet diese innere Arbeit jedoch nicht statt und beruhige ich mich immer weiter durch meine Entspannungstechnik, dann kann dies ähnlich wirken wie ein Mantra und kann ebenfalls den Zugang zur Gefühlswelt verschließen.

(Fortsetzung in Das Weisse Pferd Nr. 12/2000; nur in der Druckausgabe einsehbar; siehe dazu unser Kopier- und Versandservice)

Anmerkung: In der HG Naturklinik in Michelrieth, in der Dr. Schneider tätig ist, werden auch Akupunktur-Verfahren angeboten bzw. Erfahrungen der traditionellen chinesischen Medizin auf Wunsch in die Therapie einbezogen. Der geistige Hintergrund dabei ist jedoch die Verbindung von Körper und Seele, wie er auch aus dem Urchristentum überliefert ist und in diesem Interview dargelegt ist.


 



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