Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 12/00

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Im Nebel von Theologie und Wissenschaft:

Wo bleibt die Seele?

In jedem Menschen wohnt eine unsterbliche Seele - wer weiß das noch?"Wo steckt die Seele?" Diese Frage stellte das Deutsche Evangelische Sonntagsblatt - Organ einer Religion, die es eigentlich wissen sollte - auf der Titelseite. Doch wer glaubte, eine schlüssige Antwort zu erhalten, sah sich enttäuscht.

"Ich glaube nicht an eine unsterbliche Seele, die neben unserem Körper besteht und den Tod überdauert", tut der Theologieprofessor Ulrich Körtner aus Wien kund. Und der bekannte Hirnforscher Prof. Wolf Singer, Direktor des Frankfurter Max-Planck-Institutes und nach eigener Aussage Mitglied der päpstlichen Akademie der Wissenschaften, lässt alles im Ungewissen. Ob der Moment einer inneren Ergriffenheit, etwa durch ein Musikstück, auch nur ein elektrochemischer Prozess im Gehirn sei, das sei "eine Frage, die wir eben so noch nicht beantworten können." Und er fügt hinzu: "Es würde mir nichts ausmachen, wenn es so wäre."

Für den Nobelpreisträger Francis Crick ist die Seele, ebenso wie der freie Wille, nur ein hypothetisches Konstrukt. In Wirklichkeit lägen all diesen Vorstellungen biochemische Vorgänge zu Grunde, hervorgebracht durch die Ausscheidung von Neurotransmittern an den Synapsen, den Schaltstellen unserer Zellen im Gehirn. Solche Aussagen sind heute überall zu hören - und nicht die von den Wissenschaftlern Heisenberg oder Planck, die hinter der sichtbaren Materie den Geist erspürten. 

Alles nur Chemie?

Ein rein materialistisches Bild des Menschen kann jedoch gefährliche Konsequenzen haben. Wenn alles nur Chemie ist, ist es dann nicht erlaubt, einen behinderten oder nicht zurechnungsfähigen Menschen zum Objekt medizinischer Experimente zu machen, wie es die derzeit diskutierte europäische "Bioethik-Konvention" vorsieht? Kann man dann nicht auch bedenkenlos Gene manipulieren und austauschen – es gibt ja keine Seele, die durch diese Manipulation an ihrer Evolution gehindert wird, weil die Gefühlsebene blockiert werden kann. 

Von der Psychologie keine Antwort

Auch die Psychologie, die der Wortbedeutung nach eigentlich die Wissenschaft von der Seele (griech. Psyche) sein sollte, gibt letztlich keine Antwort auf die Frage nach der Beschaffenheit, nach dem Woher und Wohin der Seele. Sie untersucht stattdessen das Erleben und Verhalten und vielleicht noch das Unterbewusstsein des Menschen.

Seele an den Leib gebunden?

Die Seele entweicht aus dem Menschen, schaut „himmelwärts“ und wird von einem Engel in Empfang genommen. Im Mittelalter war das Wissen um solche Vorgänge noch selbstverständlichIm Mittelalter wusste man noch, dass es einen zweiten, unsichtbaren Körper im Menschen gibt. So zeigen alte Stiche, wie die Seele beim Sterben den Leib verlässt (siehe Bilder). Doch die Kirche hatte zu diesem Zeitpunkt wesentliche Teile des ursprünglichen christlichen Wissens um die Seele bereits verworfen. Auf dem Konzil von Konstantinopel 869 hatte sie dann die Dreiheit von Körper, Seele und Geist aufgegeben - "der Geist wird sozusagen abgeschafft." Die Seele, so das Dogma, ist mit dem Leib verbunden. Der Geist aber, der den innersten, unbelastbaren Kern der Seele belebt und mit Gott verbindet, kam in diesem kirchlichen Denkmodell nicht mehr vor.  

Von da aus war es nur noch ein kleiner Schritt zur heutigen Auffassung nicht weniger Theologen und vieler Naturwissenschaftler, wonach die Seele zu einem bloßen Anhängsel des Gehirns degradiert wird und mit dem irdischen Tod verschwindet oder untätig auf die angebliche Auferstehung des Leibes warten muss.

Reinkarnation der Boden entzogen

Hier blickt die Seele nach unten auf den Menschen zurück: Der Mensch hat sich an die Materie gebunden. Der Teufel symbolisiert: Die Seele erlebt im Jenseits die Sünden am eigenen SeelenleibDie Lehre des ursprünglichen Christentums war eine andere. 553 wurde auf einem Konzil in Konstantinopel die Lehre des Origenes (185-254) verboten, wonach die Seele schon vor der Zeugung des Körpers existiert - nach bis heute gültiger katholischer Lehre wird sie erst zu diesem Zeitpunkt geschaffen. Nach Origenes ist jede Seele ursprünglich ein Wesen aus Gott, das durch den Abfall von Gott in die verdichtete Gottferne, in die Materie gefallen ist. Gleichermaßen wurde seine Lehre verurteilt, wonach alle Menschen und Seelen einst wieder zu Gott zurückfinden werden. Damit war auch der ursprünglichen, christlichen Lehre von der Wiederverkörperung der Boden entzogen, deren wesentliche Voraussetzung die Präexistenz der Seele ist. 

Salomo sieht die Seelenlosigkeit voraus

Zumindest einer hat die Verwirrungen und Fehlwege der Geistesgeschichte bereits vorhergesehen: Salomo, nach Aussage der Bibel Verfasser des Buches der Weisheit. Dort beschreibt er im zweiten Kapitel das "verkehrte Denken" derer, die sich von Gott abgewendet haben: "Durch Zufall sind wir geworden, und danach werden wir sein, als wären wir nie gewesen. Der Atem unserer Nase ist Rauch, und das Denken ist ein Funke, der vom Schlag des Herzens entfacht wird; verlöscht er, dann zerfällt der Leib zu Asche, und der Geist verweht wie dünne Luft." Das also ist das "verkehrte Denken", wie es Salomo nennt und es klingt fast modern – Singer und Crick würden das vermutlich jederzeit unterschreiben. 

"Keine Wiese bleibe unberührt"

Salomo beschreibt 900 Jahre vor Christus mit klaren Worten auch die Konsequenzen dieses "verkehrten Denkens" – etwa den modernen Ellbogen-Kapitalismus einschließlich dessen ökologischer Rücksichtslosigkeit: "Auf, lasst uns die Güter des Lebens genießen und die Schöpfung auskosten ... keine Wiese bleibe unberührt von unserem ausgelassenen Treiben. ... Lasst uns den Gerechten unterdrücken, der in Armut lebt ... Unsere Stärke soll bestimmen, was Gerechtigkeit ist, denn das Schwache erweist sich als unnütz." Auch die Reinkarnation wird an dieser Stelle bestätigt – denn "verkehrt" sei es auch, zu denken: "Keiner kommt zurück."

Inhalt Ausgabe 12/2000
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Das verlorene Kind

Die Verwirrung und Seelenlosigkeit, die Salomo vorausgesehen hat, scheint nach wie vor unsere Zeit zu beherrschen. Doch in diese Zeit hinein spricht erneut die Weisheit der Himmel. Durch das Prophetische Wort erklärt uns Christus heute den Aufbau der Seele, ihre Herkunft und ihr Ziel: sich mit Seiner Hilfe zu reinigen und wieder in die Himmel zurückzufinden. Es ist höchste Zeit, das verlorene und geleugnete Kind wieder zu entdecken: unsere Seele, die trotz aller Belastungen die Sehnsucht nach Gott in sich trägt – und die, sobald sie erwacht ist, dem Menschen über sein Gewissen in vielen Situationen des Tages mitteilen möchte, was sie sich wünscht: Dass wir die allzumenschlichen Gewohnheiten lassen, die Streitsucht und Rechthaberei, das Alles-nur-für-mich, das uns voneinander trennt. Was will der Mensch – und was will die unsterbliche Seele, die aus Gott kommt? Vor dieser Entscheidungsfrage stehen wir alle jeden Tag.


 

 

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