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Im Nebel von Theologie
und Wissenschaft: Wo
bleibt die Seele?
"Wo
steckt die Seele?" Diese Frage stellte das Deutsche
Evangelische Sonntagsblatt - Organ einer Religion, die es eigentlich
wissen sollte - auf der Titelseite. Doch wer glaubte, eine schlüssige
Antwort zu erhalten, sah sich enttäuscht.
"Ich glaube nicht an eine unsterbliche Seele, die neben unserem
Körper besteht und den Tod überdauert", tut der Theologieprofessor Ulrich
Körtner aus Wien kund. Und der bekannte Hirnforscher Prof. Wolf Singer,
Direktor des Frankfurter Max-Planck-Institutes und nach eigener Aussage
Mitglied der päpstlichen Akademie der Wissenschaften, lässt alles im Ungewissen. Ob der
Moment einer inneren Ergriffenheit, etwa durch ein Musikstück, auch nur ein
elektrochemischer Prozess im Gehirn sei, das sei "eine Frage, die wir eben so noch
nicht beantworten können." Und er fügt hinzu: "Es würde mir nichts ausmachen,
wenn es so wäre."
Für den Nobelpreisträger Francis Crick ist die Seele, ebenso
wie der freie Wille, nur ein hypothetisches Konstrukt. In Wirklichkeit lägen all diesen
Vorstellungen biochemische Vorgänge zu Grunde, hervorgebracht durch die Ausscheidung von
Neurotransmittern an den Synapsen, den Schaltstellen unserer Zellen im Gehirn. Solche
Aussagen sind heute überall zu hören - und nicht die von den Wissenschaftlern Heisenberg
oder Planck, die hinter der sichtbaren Materie den Geist erspürten.
Alles nur Chemie?
Ein rein materialistisches Bild des Menschen kann jedoch gefährliche
Konsequenzen haben. Wenn alles nur Chemie ist, ist es dann nicht erlaubt, einen
behinderten oder nicht zurechnungsfähigen Menschen zum Objekt medizinischer Experimente
zu machen, wie es die derzeit diskutierte europäische "Bioethik-Konvention"
vorsieht? Kann man dann nicht auch bedenkenlos Gene manipulieren und austauschen es
gibt ja keine Seele, die durch diese Manipulation an ihrer Evolution gehindert wird, weil
die Gefühlsebene blockiert werden kann.
Von der Psychologie keine Antwort
Auch die Psychologie, die
der Wortbedeutung nach eigentlich die Wissenschaft von der Seele (griech.
Psyche) sein
sollte, gibt letztlich keine Antwort auf die Frage nach der Beschaffenheit, nach dem Woher
und Wohin der Seele. Sie untersucht stattdessen das Erleben und Verhalten und vielleicht
noch das Unterbewusstsein des Menschen.
Seele an den
Leib gebunden?
Im
Mittelalter wusste man noch, dass es einen zweiten, unsichtbaren Körper
im Menschen gibt. So zeigen alte Stiche, wie die Seele beim Sterben den
Leib verlässt (siehe Bilder). Doch die Kirche hatte zu diesem Zeitpunkt
wesentliche Teile des ursprünglichen christlichen Wissens um die Seele
bereits verworfen. Auf dem Konzil von Konstantinopel 869 hatte sie dann
die Dreiheit von Körper, Seele und Geist aufgegeben - "der Geist wird sozusagen abgeschafft." Die Seele,
so das Dogma, ist mit dem Leib verbunden. Der Geist aber, der den innersten, unbelastbaren
Kern der Seele belebt und mit Gott verbindet, kam in diesem kirchlichen Denkmodell nicht mehr vor.
Von da aus war es nur noch ein kleiner Schritt zur heutigen Auffassung
nicht weniger Theologen und vieler Naturwissenschaftler, wonach die Seele zu einem bloßen
Anhängsel des Gehirns degradiert wird und mit dem irdischen Tod verschwindet oder
untätig auf die angebliche Auferstehung des Leibes warten muss.
Reinkarnation
der Boden entzogen
Die Lehre des ursprünglichen Christentums war eine
andere. 553 wurde auf einem Konzil in Konstantinopel die Lehre des Origenes (185-254)
verboten, wonach die Seele schon vor der Zeugung des Körpers existiert - nach bis heute
gültiger katholischer Lehre wird sie erst zu diesem Zeitpunkt geschaffen. Nach Origenes
ist jede Seele ursprünglich ein Wesen aus Gott, das durch den Abfall von Gott in die
verdichtete Gottferne, in die Materie gefallen ist. Gleichermaßen wurde seine Lehre
verurteilt, wonach alle Menschen und Seelen einst wieder zu Gott zurückfinden werden.
Damit war auch der ursprünglichen, christlichen Lehre von der Wiederverkörperung der
Boden entzogen, deren wesentliche Voraussetzung die Präexistenz der Seele ist.
Salomo sieht die Seelenlosigkeit voraus
Zumindest einer hat die
Verwirrungen und Fehlwege der Geistesgeschichte bereits vorhergesehen: Salomo, nach
Aussage der Bibel Verfasser des Buches der Weisheit. Dort beschreibt er im zweiten
Kapitel das "verkehrte Denken" derer, die sich von Gott abgewendet haben:
"Durch Zufall sind wir geworden, und danach werden wir sein, als wären wir nie
gewesen. Der Atem unserer Nase ist Rauch, und das Denken ist ein Funke, der vom Schlag des
Herzens entfacht wird; verlöscht er, dann zerfällt der Leib zu Asche, und der Geist
verweht wie dünne Luft." Das also ist das "verkehrte Denken", wie es
Salomo nennt und es klingt fast modern Singer und Crick würden das vermutlich
jederzeit unterschreiben.
"Keine Wiese bleibe unberührt"
Salomo beschreibt 900 Jahre vor Christus mit klaren Worten auch die
Konsequenzen dieses "verkehrten Denkens" etwa den modernen
Ellbogen-Kapitalismus einschließlich dessen ökologischer Rücksichtslosigkeit:
"Auf, lasst uns die Güter des Lebens genießen und die Schöpfung auskosten ...
keine Wiese bleibe unberührt von unserem ausgelassenen Treiben. ... Lasst uns den
Gerechten unterdrücken, der in Armut lebt ... Unsere Stärke soll bestimmen, was
Gerechtigkeit ist, denn das Schwache erweist sich als unnütz." Auch die
Reinkarnation wird an dieser Stelle bestätigt denn "verkehrt" sei es
auch, zu denken: "Keiner kommt zurück."
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