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Die Praktiken der Kirche
(Teil 1)
Die Taufe
von Säuglingen
Ein Kind wird geboren. Nach
katholischer Lehre ist es für das Neugeborene nun "heilsnotwendig",
getauft zu werden
(Kath. Katechismus, Nr. 1277). Die Eltern haben den
"Auftrag" (1251), das Kind zur Taufe zu bringen -
andernfalls würden sie ihm "die unschätzbare Gnade vorenthalten,
Kind Gottes zu werden" (1250).
Das Kind würde, wenn es ungetauft stirbt, nicht in die "Anschauung
Gottes" gelangen, also nicht in den Himmel, weil die "Erbsünde"
weiter an ihm haftet (Neuner-Roos, 526; siehe
unten).
Auch nach lutherischer Lehre ist die Taufe "heilsnotwendig", weshalb die
Eltern sie dem Kind "nicht vorenthalten" sollten.
Der
Psycho-Druck
Für moralischen Druck ist also zur Genüge gesorgt:
Wer will schon riskieren, dass sein Kind nicht zu Gott kommt, d. h.
später in der Hölle landet, auch wenn dies nur indirekt ausgesprochen
wird? Die Eltern müssen hier nicht nur um das Seelenheil des Kindes
fürchten, sondern auch um ihr eigenes, wenn sie nicht so handeln, wie
die Kirche es vorschreibt.
Also wird das Kind zur Taufe gebracht. Es erhält ein Taufkleid, eine
Taufkerze, wird gesalbt und mit Wasser übergossen. Eltern oder Paten
sprechen für den kleinen Menschen, der noch keinen Gedanken fassen kann,
ein "Taufgelöbnis", die "bösen Geister" werden
vertrieben.
Bibelveränderungen
Zur Begründung dieser Zeremonie berufen sich die
Kirchen auf eine angebliche Äußerung des Jesus von Nazareth, der laut
Bibel gesagt haben soll: "Machet alle Menschen zu meinen Jüngern und
taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen
Geistes" (Mt. 28, 19). Doch die meisten Wissenschaftler sind
der Auffassung, dass genau diese Stelle ein späterer Einschub in die
Bibel sein muss, also eine Fälschung. Verdächtig ist vor allem die
Anrufung der Dreifaltigkeit - denn diese wurde erst im Jahre 381 dogmatisch festgelegt. Außerdem: Selbst wenn diese Stelle authentisch
wäre, so wird sie in der Kirche bewusst falsch ausgelegt. Denn der Satz
"Machet sie zu Jüngern" hat im griechischen Urtext die Bedeutung:
"Lehret sie". So hat es z. B. auch Luther übersetzt und so stand es in
den Lutherbibeln bis 1956, ehe es durch "Machet zu Jüngern" ersetzt
wurde. Man soll die Menschen demnach erst belehren und dann taufen und
später natürlich weiter lehren (V. 20). Einen Säugling kann man aber
nicht belehren - doch man kann ihn durch eine Tauf-Zeremonie
vereinnahmen. Auf dass er dann möglichst auf Lebenszeit ein
zahlungskräftiges Mitglied der Amtskirche bleibt. Das hat Jesus nicht
gewollt.
Hinrichtungen
In der Reformationszeit erwachte in vielen Menschen das Bewusstsein,
dass es unchristlich ist, ein kleines Kind zwangsweise, unter
Missachtung seines freien Willens, in eine Institution hineinzutaufen.
Doch die Täufer, die eine Taufe von Kindern ablehnten, wurden blutig
verfolgt und sowohl von der katholischen als auch von der
protestantischen Kirche ausgerottet. |
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