Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 14/00

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Praktiken der Kirche (2)

Die katholische Ohrenbeichte - eine raffinierte Erfindung
 der Priester

Die BEichte - warum brauchen wir das Ohr eines Menschen, wo doch Gott in uns wohnt?Das durch die Taufe (vgl. Nr. 13/2000) in die Institution Kirche hineingezwungene Kleinkind bleibt nur vorübergehend von weiteren kirchlichen Praktiken verschont. Spätestens als etwa neunjähriges Schulkind wird der kleine Katholik mit einer für ein kindliches Gemüt besonders merkwürdigen und oft verheerend wirkenden Praktik der Kirche konfrontiert: der Ohrenbeichte. Als Vorbereitung auf die "heilige Erstkommunion" soll diese zum ersten Mal abgelegt werden.

Lutherisch erzogene Kinder kommen damit erst als Jugendliche, vor der Konfirmation, in Berührung und müssen sie auch nicht allein mit dem Priester, sondern dürfen sie in der Gruppe sozusagen "pauschal" durchlaufen. Merkwürdig ist es aber für Kinder allemal, dass sie sich - meist aus einem "Beichtspiegel" - ihre "Sünden" zusammensuchen müssen, um dann von einem Menschen "Vergebung" zu erhalten, der mit den ursprünglichen "Taten" gar nichts zu tun hatte.
Hier beginnt bei vielen Kindern eine folgenschwere Verbiegung ihres Gewissens: Um den Priester nicht zu enttäuschen, um es möglichst gut zu machen, "erfinden" katholische Kinder oftmals "Sünden" - der Beichtspiegel gibt genügend Anregung - , die sie dann im Beichtstuhl möglichst zerknirscht vortragen. Anschließend sprechen sie erleichtert die paar Vaterunser, die es dafür als "Buße" gibt.
Doch was haben sie "gelernt"? Dass man (fast) alles tun kann - Hauptsache, ein Priester erfährt es. Ob man sich mit seinem Nächsten versöhnt hat, ob man einen Schaden wieder gutgemacht hat, ist zweitrangig. Und: Man muss sich nicht ändern, man darf immer wieder sündigen - dafür gibt es ja schließlich die Beichte! Der Philosoph Friedrich Nietzsche spottete über dieses so genannte Sakrament: Man lispelt mit dem Mündchen, man knickst und geht hinaus - und mit dem neuen Sündchen löscht man das alte aus.

Was lehrte Jesus von Nazareth?

Ein ganz wichtiges Element im Leben eines jeden Menschen, nämlich die Unterscheidung zwischen Gut und Böse und die Erforschung und Schulung des eigenen Gewissens, wird auf diese Weise von Kindesbeinen an getrübt.
Im Vaterunser, das den Kirchgängern so häufig nach einer Beichte als "Bußgebet" auferlegt wird, klingt noch an, was die ursprünglich christliche Lehre ist: "Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern." Gott vergibt also den Menschen ihre Schuld, wenn die aneinander schuldig Gewordenen sich gegenseitig vergeben haben. Ein Priester ist dazu nicht nötig. Christus erläutert heute in Seiner Botschaft aus dem All Das ist Mein Wort Seine Lehre in eben diesem Sinne: "Vergebt, und ihr werdet Vergebung erlangen. Wenn ihr um Vergebung bittet und euch euer Nächster vergibt, so hat euch auch euer Vater im Himmel vergeben" (http://www.das-wort.com/deutsch/ S. 330).

Wie kam es zur Verfälschung?

So einfach und klar ist das Gebot Jesu. Doch dann wären die Priester hier ja arbeitslos. Sie würden nicht über alles Denken und Tun ihrer "Schäfchen" informiert sein und könnten damit keine Macht mehr ausüben.
Wenn nun die Praxis der Ohrenbeichte nicht von Jesus von Nazareth stammt - woher stammt sie dann?

Ihre Wurzeln liegen im Heidentum. "In einigen Mysterienkulten bekannte man dem Priester als dem Stellvertreter der Gottheit seine Schuld, um so von den Folgen wieder frei zu werden", schreibt Karlheinz Deschner in seinem Buch Der gefälschte Glaube (S. 114). Man unterschied bei diesen Zeremonien auch zwischen "lässlichen Sünden" und "Todsünden" - ganz wie später die Rom-Kirche. Die ersten Christen hingegen kannten ein solches Ritual nicht. Es wurde frühestens im zweiten Jahrhundert praktiziert. Vorgeschrieben ist die regelmäßige Ohrenbeichte erst seit dem Jahre 1215.
Über lange Jahrhunderte war die Beichte ein äußerst wirksames Instrument zur Ausforschung und Beherrschung der Menschen, das der Kirche den Ruf eintrug, über den besten Geheimdienst der Welt zu verfügen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde in weiten Teilen Deutschlands die Einhaltung der "Beichtpflicht" von den Ortspfarrern durch die persönliche Überprüfung der mindestens einmal jährlich abzuholenden "Beichtzettel" überwacht.
Die Beichte ist bis heute ein Instrument des scheinmoralischen Drucks. Wer ohne Beichte im Stande der "Todsünde" stirbt, kommt nach katholischer Lehre in die "ewige Verdammnis". Wer in der Beichte eine "Todsünde" verschweigt, dessen Beichte ist ungültig. Ein perfektes Geschäft mit der Angst.

Unklarheiten in der Bibel

Als Rechtfertigung der Ohrenbeichte dient den Kirchen eine Stelle des Neuen Testaments bei Johannes: "Wessen Sünden ihr nachgelassen habt, denen sind sie nachgelassen; wessen ihr sie behalten habt, denen sind sie behalten" (Joh. 20, 21-23). Einige halten sie für dem Sinn nach falsch übersetzt, denn man könnte genauso sinngemäß übersetzen: "Wenn ihr Sünden nachgelassen habt, dann werden sie auch euch selbst nachgelassen; wenn ihr sie behaltet, dann werden sie auch euch selbst behalten." Diese Deutung ist vergleichbar der Bitte im Vaterunser, wo es heißt: "Und vergib´ uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern." Das heißt: Wir bitten um Vergebung, da auch wir unsererseits vergeben. Das entspricht auch der Lehre von Jesus.
Doch auch vorausgesetzt, die von den Kirchen verwendete Übersetzung trifft den Sinn, dann ist hier ganz klar nicht von Priestern und einer Kirche die Rede. Die Worte müsste dann jeder auf sich beziehen und die Bedeutung ist dann: Wenn ich dem Nächsten, der sich an mir versündigte, die Sünden "nachlasse", d. h. vergebe, sind sie nachgelassen. Wenn nicht, bleibt die Schuld an ihm haften.
Auch bei dieser Deutung sind wir bei der ursprünglichen Lehre Jesu, wonach die Vergebung der Sünden ein Vorgang zwischen den betroffenen Menschen selbst ist. Das wissbegierige Ohr eines Priesters braucht es dafür nicht und schon gar nicht seine Anmaßung, eine Absolution aussprechen zu können. Sondern es braucht das versöhnungsbereite Herz aller Beteiligten - ohne Priester und Kirche.

Warum Aufklärung über die Kirchen

Wir wissen, dass sich auch in den Kirchen viele Menschen bemühen, die Lehre Jesu zu befolgen. Doch die kirchlichen Dogmen, Bekenntnisschriften, Sakramente und Zeremonien haben mit dem, was Jesus von Nazareth wollte, nichts zu tun. Deshalb sollen sich die Kirchen "römisch-katholisch", "evangelisch" oder "lutherisch" nennen, aber nicht "christlich". Solange sie das nicht tun, klären wir über den Missbrauch des Namens Christus auf.

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Dieser Artikel ist auch auf Spanisch erschienen: Lesen Sie hier

Der Inhaltsverzeichnis der Serie über die Praktiken der Kirche finden Sie hier

 




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