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Das dritte
Geheimnis "päpstlich" gelüftet
Aktenzeichen
Fatima - ungelöst
Ein
dramatisches Bild soll die "Jungfrau Maria" den drei
portugiesischen Hirtenkindern 1917 mitgegeben haben: Ein weiß
gekleideter "Bischof" und andere "Priester,
Ordensmänner und Ordensfrauen" werden auf einem Berg von Soldaten
getötet. Dies soll also das berühmt-berüchtigte "dritte Geheimnis
von Fatima" gewesen sein, das nach Aussage der Kinder "nicht
vor 1960" veröffentlicht werden sollte. Doch ist der jetzt
veröffentlichte Text wirklich identisch mit dem jahrzehntelang unter
Verschluss gehaltenen "Geheimnis"?
Die
Päpste, die es zu lesen bekamen, von Pius XII. bis Paul VI., sollen
allesamt erbleicht sein und erschreckt auf die Veröffentlichung
verzichtet haben. Jetzt, im Jahr 2000, lässt Papst Johannes Paul II. den
erwähnten Text veröffentlichen und verkündet, das darin enthaltene
Bild beziehe sich auf das Attentat, das er 1981 erlitten habe. Die
anderen getöteten Priester seien die durch den Kommunismus Verfolgten;
das Bild sei also nur symbolisch zu verstehen. Doch diese "Enthüllung" lässt mehr Fragen offen, als sie
beantwortet.
Kardinal Ratzinger [Aktualisierung (2007): der
nächste Papst Benedikt XVI.] räumt in seinem Kommentar selbst
ein, dass viele Menschen, die um die "vorangegangenen Spekulationen"
wissen, nun "vermutlich enttäuscht oder verwundert sein" werden. So soll
Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Deutschland 1980 zum Inhalt
dieser Botschaft gesagt haben: "Es
sollte jedem Christen genügen, wenn er folgendes weiß: Wenn es zu
lesen steht, dass Ozeane ganze Erdteile überschwemmen, dass Menschen
von einer Minute auf die andere abberufen werden und das zu Millionen,
dann sollte man sich wirklich nicht mehr nach der Veröffentlichung
dieses Geheimnisses sehnen". In der nun veröffentlichten Fassung
fehlen aber diese Passagen.
"Helle
Flammen"
Schon 1963 wurde der Text einer "diplomatischen
Fassung" des Geheimnisses veröffentlicht, der angeblich verschiedenen
Staatsmännern zugeleitet worden war. Darin steht, dem Satan werde es
gelingen, "sogar in die höchsten Spitzen der Kirche einzudringen". Helle
Flammen würden dereinst aus den Gemächern des Vatikans schlagen. In
einem großen Krieg würden Abermillionen Menschen ums Leben kommen. "Feuer und Rauch werden vom Himmel fallen,
und die Wasser der Ozeane werden verdampfen, und die Gischt wird gen
Himmel zischen, und alles wird umstürzen." All dies sollte sich
nach diesem Text allerdings noch in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts vollziehen.
Umsturz
im Vatikan?
Hat
man im Vatikan so lange gewartet, bis dieser Zeitraum verstrichen ist
und dann einen eher unwesentlichen Teilaspekt für das Ganze ausgegeben?
Oder wollte man nicht zugeben, dass die "Prophezeiungen"
zeitlich ungenau sind und der Zusammenbruch von Papsttum und Kirche noch
bevorsteht? Vielleicht wollte man einfach den Gläubigen die Passagen
vorenthalten, die von einem gewaltsamen Umsturz im Vatikan sprechen, wie
er auch in anderen Vorhersagen, etwa bei Irlmaier oder Cäsarius von
Heisterbach, beschrieben wird.
Auch in der biblischen Johannesoffenbarung, an deren Aussagen die 1963
veröffentlichte Fassung des Fatima-Geheimnisses sich anlehnt, wird ein
großer Umsturz auf der Erde und ein Ende der "Hure Babylon"
vorhergesagt, was von vielen als das Ende einer verweltlichten Kirche
interpretiert wird.
Die Vorhersagen von Fatima, ob offiziell oder nicht,
sind freilich mit der kraftvollen Symbolsprache der Geheimen Offenbarung
des Johannes nicht zu vergleichen. Sie sind katholisch gefärbt: von
"Höllenstrafen" und dem "Strafgericht Gottes" ist die Rede, Maria wird
als "Mutter der Kirche" verehrt. Die orthodoxe Kirche Russlands wird
kurzerhand katholisch vereinnahmt, indem der Papst das Land Maria "weiht".
Wollte sich der Papst vielleicht ein Denkmal setzen, indem er den jetzt
veröffentlichten Text auf sich selbst bezieht?
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