Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 14/00

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Supermarkt-Giganten verschleudern Ware zum Billigst-Preis

Die nächste Runde in der Vernichtung des Mittelstands?

Einkauf beim Supermarkt: Durschauen die Kunden die Strategie der Kaufhaus-Giganten?US-Handelsriese Wal Mart begann in Deutschland mit einem neuen "Preis-Krieg": Dose Cola für 29 Pfennig, ein Pfund Kaffee unter 5 Mark und vieles mehr.

Der deutsche Konkurrent Aldi zog nach: z. B. ein Liter H-Milch für 75 Pfennig, Dose Bier für 39 Pfennig. Auch andere "Große" ziehen nach, z. B. Lidl, Plus. Das Kartellamt vermutet Verkaufspreise unter den Einkaufspreisen, und Experten sprechen von "Selbstzerfleischung" (Bild, 27./28.6.2000). Obwohl die Multis Milliarden verlieren, senkt Wal-Mart die Preise weiter: Europa-Chef Leighton: "Ja, wir verlieren in Deutschland. Ende nächsten Jahres werden wir Gewinne machen" (Focus Nr. 27/2000).
Die Wal-Mart-Eigentümer aus den USA gelten übrigens als "die reichste Familie des Planeten".

Die Hintergründe.
Die Multis denken langfristig. Wer den Preiskrieg nicht mitmacht, verliert Marktanteile und geht zugrunde. Wer mitzieht, aber die Verluste nicht ausgleichen kann, geht ebenfalls zugrunde. Ein Sprecher des deutschen Einzelhandelsverbands: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Mittelständler und selbst renommierte Ketten über die Klinge springen."

Kleine Händler akut bedroht

5000 kleine Händler sind bereits akut bedroht, auch die Ketten Spar und Tengelmann machten insgesamt Verluste bzw. schlossen Märkte.
Was passiert am Ende mit den Verbrauchern? Hat der größte Fisch alle kleineren gefressen, könnte er die Preise wieder nach Belieben erhöhen und die jetzigen Verluste mehr als ausgleichen - so geschehen bereits in anderen Branchen.
Während auch kleinere Hersteller durch Knebelpreise in den Ruin getrieben werden, nützen große Produzenten die Preissituation aus, um kräftig aufzuschlagen. Gigant Kraft Foods z. B. (Kaffee, Schokolade) will alle Produktpreise um mindestens 10 % erhöhen (Bild, 3.7.2000).
Denkt man noch langfristiger, stellt sich die Frage: Wird es bald nur noch wenige Reiche geben und viele Arme, die man bei Bedarf wieder zu Sklaven machen kann?

Qualität zählt

Wir fragten Stefan Allescher vom Spessart´s Natursupermarkt in Altfeld, ob man dort die Auswirkungen des Preiskriegs spürt und was er den Verbrauchern rät.

"Unsere Kunden schauen vor allem auf die Qualität der Nahrungsmittel und freuen sich natürlich auch über so manches ´Schnäppchen´. Bei einem solchem Preiskampf aber kann man sich fragen, auf wessen Kosten er geht. Muss ihn nicht letztlich doch der bezahlen, der heute noch scheinbar profitiert? Außerdem bedeuten „immer billigere Lebensmittel" auch: Die Natur wird noch mehr ausgebeutet, die Arbeiter bekommen noch weniger Lohn, die Qualität der Ware wird noch schlechter. Wer sich hier informiert, kann gute Entscheidungen treffen."

 

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