Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 15/00

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Das neue Buch von Hubertus Mynarek

"Casanovas in Schwarz"

Nur die wenigsten Priester halten Zölibat wirklichEin katholischer Priester, "klein, dicklich und dem guten Essen und Trinken zugetan", erkennt, dass man "in der ‘Kirche Gottes’ kaum Aussicht hat, Bischof zu werden, wenn man nicht in Theologie promoviert hat, sich möglichst sogar habilitiert und den Professorentitel erwirbt".

Mit Hilfe eines Doktorvaters - übrigens mit homophilen Neigungen - erwirbt der Priester die Promotion, wird mit einer vorgespiegelten Habilitationsschrift tatsächlich Professor und später Bischof. Als der Versuch des Bischofs mit dem Doppel-Vornamen scheitert, sich auch noch den Posten eines Erzbischofs im benachbarten Erzbistum zu sichern, muss er einsehen, dass der Endpunkt seiner Karriere erreicht ist. So beschließt er, sich nun verstärkt seinen "privaten Interessen" zu widmen. Er macht sich - natürlich unter dem Vorwand "seelsorgerischer Betreuung" - an eine gut situierte verheiratete Frau heran und zeugt mit dieser ein Kind. Er rät ihr zur Abtreibung, was diese jedoch empört ablehnt. Der gehörnte Ehemann, ein erfolgreicher Unternehmer, hält zu seiner Frau, tritt aber aus der Kirche aus. Publik macht er den Vorfall nicht - weshalb auch wir den Namen des Bischofs ebenso wenig nennen wie der Autor. Ob das Kind, seine Tochter, überhaupt weiß, wer ihr Vater ist? Was den Bischof betrifft: "Nach einiger Zeit der sexuellen Abstinenz suchte und fand er weitere Opfer unter den gelangweilten Ehefrauen betuchter Unternehmer. Nur war er jetzt vorsichtiger", so der Kirchen-Insider Mynarek.

Dieser unglaublich klingende Fall ist nach Bekunden des Autors gleichwohl ebenso authentisch wie die anderen in dem Buch Casanovas in Schwarz geschilderten Begebenheiten. Wenn Prof. Hubertus Mynarek, Kenner der Sexualmoral der Kirche und die unseligen Folgen des Zölibats, die Namen nicht nennt, so hat dies einerseits damit zu tun, dass er nach seinem Kirchenaustritt 1972 mit über zehn Prozessen von hochrangigen Kirchenvertretern überzogen und dabei materiell ruiniert wurde. Die Kirchenmänner fühlten sich durch einzelne Passagen seines bis heute unter Verbot stehenden Buches Herren und Knechte der Kirche beleidigt - den Wahrheitsgehalt seiner Schilderungen konnten sie auch damals nicht beanstanden.

Andererseits geht es Mynarek weniger um skandalöse Enthüllungen über Einzelpersonen, als um beispielhafte Fälle, an denen klar wird, wie die kirchliche Verbots- und Doppelmoral die Seelen der Beteiligten verbiegt und in kaum lösbare Konflikte treibt. Da ist z. B. der Kaplan, der im Kloster Dienst tut und eines Tages über eine junge Nonne herfällt. "Gelöst" (im Sinne der Kirche) wird die Angelegenheit am Ende durch eine skurrile "Instant"-Beichte bei einem schwulen Kollegen des Kaplans. Da ist der Theologieprofessor, der sich ganz gerne in den Semesterferien vom aufgezwungenen Zölibat "erholt", dann aber in einem Kloster wohnen muss. Da ist der erfolgreiche Massenprediger, der eine Jugendbekanntschaft zu seiner Geliebten macht, obwohl er in den 50er Jahren dem Volk auf den öffentlichen Plätzen Deutschlands mit donnernder Stimme und unter Androhung der ewigen Verdammnis Sittenstrenge verordnet. In allen Fällen bleiben verstörte Frauen, oft auch Männer zurück, deren Ideale zerbrochen, deren Lebensentwürfe gescheitert sind.
Zu den Wurzeln der kirchlichen Doppelmoral und Heuchelei führt Mynarek den Leser in dem Kapitel Der Kurienkardinal und sein Kaplan. Ganz im Stile von Dostojewskis "Großinquisitor" verrät der Kardinal dem Jüngeren seine Sichtweise der Dinge: Dass ihm im Grunde Gott gleichgültig ist; dass die Kirche den Menschen nicht die historische Wahrheit verkündet, sondern diese "verbessert", um den Menschen ein kirchliches Schein-Ideal vor Augen zu halten und sie gleichzeitig an den Machtapparat der Kirche zu binden. Am Ende des Kapitels erfährt der Leser, dass der Kaplan, der seine in der Kirche gesammelten Erfahrungen veröffentlichen wollte, im Schnellzug Genf-Paris tot aufgefunden wurde. An dieser Stelle sei der Hinweis erlaubt, dass Robert Hutchison in seinem Buch Die heilige Mafia des Papstes ebenfalls einen mysteriösen Todesfall im Schnellzug Genf-Paris erwähnt. Dort starb 1978 Pater Giuliano Ferrari, Ziehsohn des Kurienkardinals Eugène Tisserand, im Alter von 48 Jahren, angeblich an Herzversagen. Er war dem Opus Dei ins Gehege gekommen.

Am Ende des Buches schildert Mynarek noch den Fall des berüchtigten Kardinals Cody aus Chicago, der die ihm untergebenen Kleriker hemmungslos schikanierte, in Mafiageschäfte verstrickt war und mit seiner jungen Freundin Millionenbeträge durchbrachte. Er besaß sogar die Dreistigkeit, die Geliebte zu seiner Kardinalsernennung mit nach Rom zu nehmen.

Das Buch ist flüssig geschrieben - man spürt in jeder Zeile, dass dem Autor die Denkvorgänge und Verhaltensweisen von Klerikern aus jahrzehntelanger eigener Erfahrung recht gut vertraut sind. Und er schreibt mit Engagement - für die Kirchenschafe, damit sie aufwachen, für die Kleriker, damit sie umkehren können.

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Hubertus Mynarek: „Casanovas in Schwarz - Zehn Schlüsselgeschichten über Priesteraffären mit Frauen", Verlag Die Blaue Eule, 2000

Weitere Bücher siehe auch hier.

Als Hubertus Mynarek das Buch veröffentlichte, hatte noch niemand geahnt, was ca. 10 Jahre später ans Licht der Öffentlichkeit gelangte. Siehe z. B. hier


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