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Tiere fragen
Warum
müssen wir so leben?
Sie
sehen Kühe auf der Weide oder Hühner auf dem Bauernhof umherlaufen? Dann
geht es diesen Tieren nur besser als den meisten ihrer Artgenossen, die
nicht auf die Weide oder in den Hof dürfen. Von ihrer Lebensaufgabe her
möchten die Tiere die Freunde des Menschen sein und von ihm lernen, was
das Leben in der "Kindschaft Gottes" bedeutet. Doch was
würde der Mensch den Tieren antworten, wenn diese ihn fragen, worin ihre
Aufgabe besteht? Nachfolgend eine Auswahl der Antworten des Menschen an
die Tiere:
An die Hühner:
Wir züchteten euch
zu der neuen Rasse "Masthähnchen". Ihr entwickelt euch noch eine
Zeitlang, doch Eure Knorpel werden keine richtigen Knochen mehr, da ihr
bereits nach 5 Wochen geschlachtet werdet. Bewegung braucht ihr aus
unserer Sicht nicht, und wir schneiden euch besser die Schnabelspitzen
ab, damit ihr euch nicht aus Verzweiflung gegenseitig verletzt. Das
machen wir bei Puten und Enten auch. Eure Lebensaufgabe ist: Fressen und
von den Verbrauchern gegessen werden.
An
die
"Legehennen":
Euer Wohnraum ist das
Drahtgitter und ihr bekommt darauf einen Platz, etwa so groß wie ein
knappes Dreiviertel eines DINA-4-Blattes als Lebensraum. Das ist
Vorschrift und das reicht. Eine Möglichkeit für die Gefiederpflege
oder für den Nestbau braucht ihr für das Leben, das wir euch zugedacht
haben, nicht. Für uns seid ihr 43 Millionen Eierleger - solange, bis
man euch schlachtet.
An
die männlichen Küken der
"Legehennen": Wir haben eure
Rasse so gezüchtet, dass ihr besonders viele Eier legt. Was sollen wir
aber mit euch 33 Millionen männlichen Küken machen? Da eure Zuchtrasse
leider nicht fett wird und sich deshalb nicht zur Mästung eignet,
beträgt eure Lebensdauer nur wenige Minuten. Leider geht´s deshalb
gleich zur
Vergasung! Das ist halt nun mal so. Es ist üblich und legal - hier und anderswo.
An
die Schweine:
Von Natur aus geltet ihr als aktive und "neugierige" Tiere. Das spielt
aber für uns keine Rolle. Wir haben für euer Leben diese kleinen Boxen
vorgesehen. Euren Schwanz schneiden wir zur Hälfte ab, damit ihr immer
einen gewissen Dauerschmerz am Stumpf habt und euch nicht aus
Verzweiflung benagt. Ihr dürft vom Mutterschwein saugen, das dort im
Metallrahmen eingesperrt ist - immer zu eurer "Verfügung".
Eure Lebensaufgabe ist: Mastschwein sein, sich voll saugen und sich wenig
bewegen. Ihr werdet auf diese Weise in sechs Monaten auf 100 kg
Schlachtgewicht gemästet. Falls eure Gelenke oder Organe dabei krank
werden, ist das nicht so schlimm. Denn das stört die Verbraucher nicht.
An
die Bullen: Wir
haben euch als spezielle Mastrind-Rasse gezüchtet, nicht für die
Weide, sondern für Stallbuchten in Gruppen von ca. sechs bis acht
Tieren. Als Bullen mit ca. 400 kg Endgewicht bekommt ihr dann für den
Rest eures Lebens ca. 2,8 m² Platz. Das haben Fachleute als ausreichend errechnet. Einen
Boden mit Stroh wollen wir euch nicht anbieten. Denn auf blankem Holz
oder besser auf Beton fließt die Gülle am leichtesten ab. Was ihr tun
sollt? Fressen und euch einmal im Leben friedlich zum Schlachthof
bewegen. Dort bekommt ihr weitere Anweisungen. Für einige von Euch
haben wir uns eine besondere Aufgabe und Ehre ausgedacht: Ihr dürft in
der Arena gegen uns kämpfen und durch den Speer der Toreros sterben.
An
die Kühe:
Ihr werdet zu Hochleistungs-Milchkühen trainiert. Ihr werdet gebären und
ca. 20 Liter Milch pro Tag geben. Wir geben zu: Eure Lebenserwartung ist
auf ca. fünf Jahre gesunken und ihr sterbt dann an Erschöpfung. Früher
war es für euch noch nicht so anstrengend. Vor ca. 40 Jahren musstet ihr
in Deutschland nur 6-7 Liter Milch pro Tag geben, und ihr hattet noch
eine Lebenserwartung von 15-20 Jahren. Doch der Markt und der
Verbraucher zwingen uns, mehr aus euch herauszuholen. Deshalb seid ihr
keine bloßen Kühe mehr, sondern "Hochleistungs-Kühe".
An die Kälber: Auch
wenn es euch vielleicht unangenehm ist: Wir nehmen euch gleich am ersten
Tag nach der Geburt von eurer Mutter weg und legen euch zunächst acht
Wochen in eine Holzkiste. Dort werdet ihr ja auch groß. Ab der neunten
Woche kommt ihr in die Box, und ihr könnt dort auf der Stelle hüpfen,
wenn ihr wollt. Die vorgeschriebene Box-Größe ist 1,60 m x 1,00 m.
Daran halten wir uns. Unsere Erwartung an euch ist: Fressen, damit ihr
eines Tages einen guten Kalbsbraten ergebt.
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