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Kirchliche
Missionsschulen in Kanada Indianer:
Über Generationen missbraucht und ihrer Kultur entfremdet
Jackie
Kistabish war fünf Jahre alt, als die beiden Männer von der Polizei
sie abholten und in eine katholische Missionsschule brachten. Ihre Eltern
weinten, aber sie leisteten keinen Widerstand - die Gesetze waren so.
Bis dahin war Jackie in den Urwäldern Kanadas aufgewachsen, erzogen
nach der Tradition der Algonkin-Indianer. Das sollte sich jetzt sehr
schnell ändern.
Kleider verbrannt
Als erstes wurden in der Schule ihre Kleider
verbrannt, die langen Haare abgeschnitten und die dunkle Haut mit
Bürsten abgeschrubbt. Ihre Muttersprache, so wurde dem kleinen
Mädchen mitgeteilt, sei die von "Wilden". Wenn sie dabei
erwischt wurde, wie sie zu sprechen, erhielt sie so starke Ohrfeigen,
dass sie noch heute unter Gehörstörungen leidet.
Jackie ist eine der ersten Frauen, die über ihr
Schicksal reden (La republica, 30.7.2000). Sie ist kein
Einzelfall. In den heutigen Indianerreservaten sind Alkoholismus,
Selbstmordgefährdung und Apathie so verbreitet, dass die Psychologen
dafür einen eigenen Begriff geprägt haben: Das "Internats-Syndrom".
Missioniert
und vergewaltigt
Protestantische
Schulen waren keineswegs besser. Für deren Gründer, William Duncan,
waren die Glaubensvorstellungen der Indianer "dekadenter Aberglaube, der
ihre wilden Gemüter verwirrt". Alles, was sie bisher gehört hatten, so
wurde den Kindern erklärt, auch die Erzählungen der Großeltern am
Lagerfeuer, sei eine "Ausgeburt des Teufels". Wenn
die Kinder, meist erst nach vielen Jahren, in ihre Dörfer
zurückkehrten, sprachen sie oft die Sprache ihrer Eltern nicht mehr.
Sie waren ihrerseits kaum fähig, ihren Kindern echte Zuwendung zu
geben. Hinzu kommen bei vielen Internatsschülern seelische Schäden
durch sexuellen Missbrauch, der oft schon im Alter von sieben oder acht
Jahren begann.
Die
Internate gab es bis 1986
Die Erziehung in solchen Internaten geschah in Kanada
von 1920 bis etwa 1986. Man kann sich vorstellen, dass die seelische
Verwüstung eines ganzen Volkes über mehrere Generationen nur sehr
langsam aufgearbeitet werden kann. Zumindest wird heute darüber
geredet.
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