Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 19/00

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Schlachtet die Tiere zum Wohle unseres Leibes ...

Urteilen Sie nicht, denken Sie mit und machen Sie sich selbst ein Bild über sich und die Welt

Die meisten Menschen halten sich für tierliebend. Wenn jemand seinen Hund oder seine Katze schlachten würde, um sie zu verspeisen, würden ihn seine Nachbarn für einen grausamen Barbaren halten, und der Staatsanwalt würde Anklage wegen unzulässiger Tiertötung erheben. Ginge es um die Schafe und Gänse, die sich auf der Wiese nebenan ihres Lebens erfreuen und schließlich einer Hausschlachtung zum Opfer fallen, wäre das völlig in Ordnung. Dieselben Tierliebhaber, die sich über den Hundeschlächter - zu Recht - empören würden, hätten kaum Schwierigkeiten, das Federvieh von ehedem genüsslich als Weihnachtsgänse zu verspeisen. Würde man sie darauf ansprechen, würden sie vermutlich verwundert oder gar ärgerlich reagieren - das sei schließlich etwas anderes. Wirklich?

Tierliebe oder Selbstliebe?

Der einzige Unterschied besteht darin, dass Hunde und Katzen Haustiere sind, während Schafe und Gänse, Kühe und Schweine nicht so privilegiert sind. Dabei können es Gänse an Intelligenz und Schweine an Sensibilität mit den tierischen Hausgenossen des Menschen durchaus aufnehmen. Junge Lämmer finden wir überdies besonders liebenswert; und Kühe auf der Weide, die friedlich wiederkäuen, erfreuen uns als malerischer Anblick. Doch all diese Vorzüge helfen den Tieren auf der Weide nichts: Wir haben sie nicht in unser Haus genommen und deshalb bleiben sie "Nutztiere", die wir bedenkenlos schlachten und verspeisen.

Allzu weit scheint es also mit der Tierliebe des Menschen nicht her zu sein. Das Leben seiner Mitgeschöpfe respektiert er nur, soweit sie ihm zu seiner Unterhaltung oder als Seelentröster dienen. Im Grunde genommen liebt er in erster Linie sich selbst. Die sentimentale Zuwendung zu Schafen und Rindern auf der Weide verhindert nicht den Wunsch nach einem guten Braten.

Ende der Verdrängung

Bis vor einigen Jahren gaukelte man sich sogar noch vor, dass Fleischgenuss zur Erhaltung unserer Gesundheit notwendig sei. Das war zugleich der Motor einer gigantischen Überproduktion. Trotz sinkenden Bevölkerungswachstums in Deutschland stieg die Produktion von Schweinefleisch und Geflügel um ein Vielfaches. Inzwischen wissen wir, dass die Überernährung mit eiweißhaltiger Nahrung für Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Krebs mitverantwortlich ist. Nach dem Stand der Wissenschaft ist heute unstreitig, dass Vegetarier gesünder leben als Fleischesser. Geschlachtet wird also nur für unser Wohlleben, aber nicht für unser Wohlbefinden. Bereits unser Selbsterhaltungstrieb müsste uns eigentlich vom hemmungslosen Fleischverzehr abhalten. Auch die Folgen der Massentierhaltung für die Umwelt widersprechen unseren eigenen Interessen: Rund zwei Drittel des angebauten Getreides werden inzwischen an Tiere verfüttert. Der Dünge- und Pestizidverbrauch steigt ins Astronomische und führt zu einem ökologischen Teufelskreis. Die Intensivlandwirtschaft führt zur Erodierung der Böden und zur Belastung des Trinkwassers. Die Kot- und Harnmengen, die von Tieren ausgeschieden werden, können kaum mehr entsorgt werden. Als so genannter "Wirtschaftsdünger" gelangen sie auf die Felder, wo sie das Bodenleben zerstören.

All das lässt sich zur Not noch verdrängen. Das ökologische Gleichgewicht ist eine abstrakte Größe. Doch die Rinder, Schafe, Schweine und Hühner, die den Qualen der Massentierhaltung ausgesetzt sind, um schließlich als Steaks, Geschnetzeltes und Gebratenes auf den Tellern zu landen, haben Augen, die uns anschauen, wenn wir mit ihnen sprechen würden, es sind Lebewesen, die Hunger und Durst haben, Freude und Schmerz empfinden und Angst haben können. Wie ist es ihnen wohl ergangen, bis sie als Braten serviert werden?

Die Folter der Massentierhaltung

Schweine und Rinder leben in engen Pferchen auf Böden mit Längsrillen, die das Säubern der Ställe ersparen, doch den Tieren jede Trittsicherheit nehmen. Ihre Bewegungsmöglichkeit ist so beschränkt, dass sich bei Schweinen und Kälbern die Hinterbeine deformieren und die Gelenke schmerzhaft entzünden. Bis zu einem Drittel der Tiere ist krank oder stirbt noch im Stall. Sie sehen kein Tageslicht, sondern werden im Dunkeln gehalten, um eine helle und verbrauchergerechte Hautfarbe zu bekommen. Die Schweine soll das Halbdunkel in einen apathischen Zustand versetzen, durch dessen Bewegungsarmut die Opfer schneller an Gewicht zunehmen. Nur zweimal im Leben sehen viele Schweine das Tageslicht - auf dem Weg von der Muttersau zum Mastbetrieb und auf dem Weg zum Schlachthof. Die jungen Eber werden kastriert (meist ohne Narkose), weil sonst ihr Fleisch nicht ganz so wohlschmeckend wäre.

Die extreme Enge, die in den Ställen der Agrarfabriken herrscht, führt zu Aggressionen unter Artgenossen. Mutterschafe fressen jungen Lämmern die Schwänze und Klauen ab; Schweine beißen sich gegenseitig die Schwanzspitzen ab. Bei Hühnern kommt es zu „Federpicken" und Rangordnungskämpfen bis hin zum Kannibalismus. Legehennen in Käfigen leben auf einer Bodenfläche, die nicht selten kleiner ist als ein DIN-A4-Blatt. Um Aggressionshandlungen der Tiere zu unterbinden, kneift oder brennt man ihnen die Schnäbel ab, damit sie sich nicht mehr blutig hacken können. Bei Hähnen amputiert man das letzte Zehenglied; und um das Schwanzbeißen bei Schweinen zu verhindern, kneift man ihnen die Zähne heraus oder schneidet ihnen kurz nach der Geburt die Schwänze ab. Bei Mastbullen gilt entsprechendes. Um die enorme Krankheitsanfälligkeit zu kompensieren, werden Antibiotika und Chemotherapeutika ins Tierfutter gegeben; auch Psychopharmaka, um Furcht und Angstzustände zu dämpfen, vor allem bei den stress-empfindlichen Mastschweinen, damit sie nicht ihr Gewicht verlieren oder an Herzversagen sterben.

Der letzte Weg

Nach der Folter im Massenstall folgt der Leidensweg zum Schlachthof - quer durch Europa, per Lkw und per Schiff. Jedes Jahr werden Hunderttausende von Lämmern und Schafen zum Schlachten von Großbritannien nach Italien und Griechenland transportiert. Mehr als eine Million Schweine wird von den Niederlanden nach Italien und Spanien verfrachtet. Mit demselben Ziel verlassen 200.000 Rinder jährlich Deutschland und Irland. Wie internationale Tierschutzorganisationen im Mai in Brüssel berichteten, betragen die Transportzeiten bis zu 100 Stunden, in denen die Tiere unter furchtbarem Stress und Wassermangel leiden. Viele von ihnen werden krank, nicht wenige sterben noch auf der Fahrt oder kommen mit Knochenbrüchen, Augenverletzungen und Blutergüssen am Zielort an. Wenn eine Kuh auf einer Rampe abrutscht oder nicht mehr aufstehen kann, wird sie per Seilwinde vom Schiff oder vom Lkw in die Schlachthöfe gehievt.

Und dann kommt die Abschlussqual vor der Schlachtung. Exemplarisch sei die Beschreibung des letzten Ganges der Schweine in einem modernen dänischen Schlachthof zitiert: "In den schmalen, engen Treibgängen, immer wieder abgeschottet durch Tore, geht es voran. Auch nach oben gibt es, durch Stangen geschlossen, kein Entrinnen. Paarweise - Schweine sind gesellige Tiere (!) - rücken sie brüllend und quiekend vor. Die Ohren schmerzen und einige Schlachter tragen Ohrenschützer. Ein weiteres kurzes Stocken ist vor der Betäubungsanlage zu beobachten. Aber die nachrückenden Artgenossen warten nicht"1. Ein angesehener Tierschutzrechtler schreibt in seinem nüchternen Bericht weiter: "In den modernen Großschlachtbetrieben gibt es keine Zeit zur mentalen Regeneration. Bevor sie durch Elektroschock oder durch CO2 betäubt werden, geraten die intelligenten Tiere durch den Geruch und die hektische Betriebsamkeit des Schlachthofs in erhebliche Angst- und Panikreaktionen. Nicht selten wirkt die Betäubung nicht, und die Tiere kommen, noch vor dem Entblutungsschnitt am Fließband hängend, wieder zu Bewusstsein, bevor sie schließlich abgestochen werden."2

Tierfeindschaft von Bibel und Kirche

Wer sich das vergegenwärtigt, dem müsste eigentlich das Steak im Halse stecken bleiben. Dass es dennoch am Fleischkonsum wenig ändert, ist eine Folge unserer kulturellen Prägung - soweit hier von „Kultur" überhaupt die Rede sein kann. Die Menschheit lebte in ihrer Frühzeit vermutlich vegetarisch, was auf den ersten Seiten der Bibel noch nachklingt, auf denen Gott den Menschen nicht das Fleisch ihrer Mitgeschöpfe, sondern Pflanzen und Früchte als Speise empfiehlt (1. Mose 1, 29). Doch dann verkündet die Bibel eine heillose und grausame Botschaft: "Furcht und Schrecken vor euch sei über allen Tieren auf Erden und über allen Vögeln unter dem Himmel, über allem, was auf dem Erdboden wimmelt und über allen Fischen im Meer; in eure Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut hab’ ich’s euch alles gegeben" (1. Mose 9, 2f.). Hier werden den Menschen die Tiere nicht nur als Nahrungsmittel angeboten, sondern als Objekte seiner Gewalttätigkeit, die mit Schrecken für die Opfer einhergeht. Der Schöpfergott des friedlichen Anfangs wirkt wie ausgewechselt. Und nach dem ersten Mordaufruf gegen die Tiere geht es erst richtig los: Sie sollen nicht nur vom Menschen verspeist, sondern dem Gott der Bibel als Opfer dargebracht werden: "Wer unter euch dem HERRN ein Opfer bringen will, der bringe es von dem Vieh, von Rindern oder von Schafen und Ziegen ... Dann soll er das Rind schlachten vor dem HERRN, und die Priester, Aarons Söhne, sollen das Blut herzubringen und ringsum an den Altar sprengen ... Die Eingeweide aber und die Schenkel soll er mit Wasser waschen und der Priester soll das alles auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen ..." (3. Mose 1, 2 ff.). Auf diese Weise wurden Hekatomben von Tieren geopfert. Bei Errichtung des Tempels "22.000 Rinder und 100.000 Schafe" (1. Könige 8, 63), beim Dank Salomos für die positive Entwicklung der Gemeinde "1.000 junge Stiere, 1.000 Widder, 1.000 Lämmer ..." (1. Chronik 29, 21).

Während kultische Vorschriften in der Zeit des Alten Testaments einige Tiere wie Hase und Schwein vor der Schlachtung bzw. Opferung schützten, fielen im Neuen Testament alle Schranken. Dort lehrte Paulus: "Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das esst, und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen nicht beschwert" (1. Korinther 10, 25). Zwar führten die Kirchenchristen keine Opferungen mehr durch, dafür schlachteten sie die Tiere um so mehr "zum Wohle ihres Leibes". Alles, was die sich hinter den Namen der Evangelisten verbergenden anonymen Verfasser der Bibel Jesus von Nazareth noch sagen lassen, ist die Bezugnahme auf den Propheten Hosea: "Ich habe Wohlgefallen an der Barmherzigkeit und nicht am Opfer" (Matthäus 9, 13 und 12, 7). Bemerkenswert wenig, wenn man bedenkt, wie sehr der Nazarener davor warnte, "zum Schwert zu greifen" und wie einschränkungslos er in seiner Bergpredigt zur Friedfertigkeit aufforderte. Kaum vorstellbar, dass er nicht auch etwas zur Friedfertigkeit gegenüber den Tieren gesagt hat. Nur in den apokryphen Schriften klingt es noch an, etwa im Thomas-Evangelium, wo er davor warnt, Kadaver zu essen, um nicht selbst zum Kadaver zu werden und gegessen zu werden.3

Die biblische Geringschätzung der Tiere besiegelte deren Schicksal für die nächsten 2000 Jahre. Man behandelte sie im Anschluss an das römische Recht als "Sachen" - als "würdelose" oder "nonpersonale" Kreatur, wie in kirchlichen Verlautbarungen immer wieder verkündet wurde. Zum Beispiel in einem Fastenhirtenbrief des katholischen Bischofs von Hildesheim aus dem Jahr 1949: "Tiere haben keine geistige Seele und kennen kein Fortleben nach dem Tode. Darum haben sie auch keinerlei Würde, auf die sie Rechte bauen könnten."4

Im heute gültigen Katechismus der römisch-katholischen Kirche schlug sich die biblische Nichtachtung erneut nieder: Weil Gott sie „unter die Herrschaft des Menschen gestellt" habe, dürfe man sich "der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen". Auch medizinische und wissenschaftliche Tierversuche werden ausdrücklich erlaubt. Das Leid von Tieren wird nur verurteilt, soweit es "der Würde des Menschen widerspricht". Und nicht zuletzt: "Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt."

Dementsprechend findet sich auch nirgends eine päpstliche Enzyklika gegen die grausame Behandlung der Tiere in den Käfigen und Pferchen der Massentierhaltung, auf Tiertransporten und Schlachthöfen. Statt dessen schwärmen hohe kirchliche Würdenträger von blutigen Stierkämpfen und verteidigen grausame Spiele mit Tieren an kirchlichen Festtagen. Da werden Ziegenböcke von Kirchtürmen gestürzt und gefesselte Tauben mit Knallkörpern bestückt und als lebende Orakel missbraucht, wie jährlich an Pfingsten in Orvieto. Und an Weihnachten findet allerorten ein Rekordschlachten statt, um das "Fest der Liebe" angemessen zu feiern.

Mensch und Tier aus Gottes Atem

Tiere haben in der kirchlichen Ethik keinen Platz. Nur deshalb wurde Vandalismus gegen die Tierwelt zur Tradition. Wie wenig dies mit den göttlichen Gesetzen vereinbar ist, ergibt sich aus der Botschaft aus dem All Das ist Mein Wort, in der Christus die Menschen durch das Prophetische Wort für die Jetztzeit ermahnt:
"Seid also rücksichtsvoll, gütig, mitfühlend und freundlich nicht allein mit euresgleichen, sondern auch mit aller Kreatur, die in eurer Obhut ist; denn ihr seid für sie wie Götter, zu denen sie aufblicken in ihrer Not. Hütet euch vor dem Zorn, denn viele sündigen im Zorn und bereuen es, wenn ihr Zorn vergangen ist. Schlachtet nie ein Tier für euren persönlichen Gebrauch. Sehet, die Natur, das Leben der Schöpfung, sorgt für euch. Die Früchte des Feldes, der Gärten und der Wälder sollen euch genügen" (http://www.das-wort.com/deutsch/).

Viele Beispiele der Tierliebe des Jesus, des Christus-Gottes, werden in diesem Buch offenbart. Unter anderem auch folgendes: "Jesus zog nach Jerusalem und begegnete einem Kamel mit einer schweren Last Holz. Das Kamel konnte sie nicht den Berg hinaufschleppen, und der Treiber schlug es und misshandelte es grausam, aber er konnte das Tier nicht von der Stelle bringen. Und als Jesus es sah, sprach Er zu ihm: ‘Warum schlägst du deinen Bruder?’ Und der Mann erwiderte: ‘Ich wusste nicht, dass es mein Bruder ist. Ist es nicht ein Lasttier und dazu gemacht, mir zu dienen?’ Und Jesus sprach: ‘Hat nicht derselbe Gott aus dem gleichen Stoff dieses Tier geschaffen und deine Kinder, die dir dienen, und habet ihr nicht denselben Atem beide von Gott empfangen?’"

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1 Eimler / Kleinschmidt, Fleischreport, S. 150 f. [Zurück]

2 Johannes Caspar, Tierschutz im Recht der modernen Industriegesellschaft, 1999, S. 220 [Zurück]

3 K. O. Schmidt, Das Thomas-Evangelium, Geheime Herrenworte frühchristlicher Handschriften, 2. Aufl., 1977, S. 147 [Zurück]

4 Zit. nach Skriver, Der Verrat der Kirchen an den Tieren, 1967, S. 20 [Zurück]


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