Ein wichtiges Ansinnen, ohne Zweifel. Doch was
können Aufmärsche bewirken, solange man nicht nach den Wurzeln der
Fremdenfeindlichkeit sucht?
"Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen und
mein Schwert soll Fleisch fressen, mit Blut von Erschlagenen und
Gefangenen, von den Köpfen streitbarer Feinde." Das soll Gott angeblich
zum Thema "Umgang mit fremden Völkern" gesagt haben - laut der Bibel
durch den Propheten Mose. Es gibt in der Bibel noch viele andere
Stellen, in denen Gott angeblich zur Ermordung der Fremden aufruft
(vgl. z. B.
www.theologe.de/altes_testament.htm) -
neben Stellen, wonach die Fremden so gut behandelt werden sollen wie die
Einheimischen. Woran soll man sich also halten? Im Neuen Testament
werden Andersgläubige als "schmutzige Schandflecken" (2. Petrus 2)
bezeichnet, die wie Tiere seien, "die von Natur aus dazu
geboren sind, gefangen zu werden und umzukommen".
Die Kirche entschied sich für
eine Ausgrenzungs- und Sündenbockpraxis. Der deutsche Kaiser Heinrich
II., von Klerikern erzogen, gründete 1007 das Bistum Bamberg mit dem
öffentlich bekundeten Zweck, "dass das Heidentum der Slaven vernichtet werden
soll".* Die damals in Oberfranken lebenden Slawen wurden so zu den
ersten Opfern der Kirche in der Geschichte Bambergs. Der rechtsradikale
und ausländerfeindliche Heinrich hingegen wurde von der katholischen
Kirche heilig gesprochen und wird bis heute hoch verehrt (siehe dazu
"Der Theologe Nr. 29"
- 1000 Jahre Bistum Bamberg, kein Grund zum Feiern).
Dieselbe Kirche hat den erklärten
Antisemiten Pius IX. (19. Jahrhundert) selig gesprochen. Und die
evangelische Schwesterkirche weigert sich bis heute, der Umbenennung von
Straßen und Plätzen zuzustimmen, die nach dem furchtbaren Antisemiten
Martin Luther oder dem antisemitischen bayerischen Landesbischof Meiser
benannt sind.
Wenn sich nun ausgerechnet die Kirchen zu Kämpfern
gegen den Rechtsradikalismus aufschwingen wollen, dann sollten sie sich
zuvor von den Grausamkeiten der Bibel lossagen, sich von ihren
rechtsradikalen Heiligen distanzieren und ihre Rufmordkampagnen gegen
religiöse Minderheiten beenden. Das heißt, sie müssten den Kampf
gegen den Rechtsradikalismus zunächst im eigenen Lager führen.
Man könnte weiter fragen: Warum gibt es bis heute,
2000 Jahre nach Jesus von Nazareth, soviel Fremdenfeindlichkeit? Liegt
es nicht auch daran, dass die meisten Menschen sich selbst fremd sind?
Sie kennen sich selbst nicht, die Inhalte ihrer Gedanken und Gefühle,
und projizieren daher ihr Negatives, das sie ins Unterbewusstsein
gedrängt haben, auf "den anderen": den Fremden, den Ausländer,
den Andersdenkenden. Doch nur wer sich selbst kennen lernt und sein
Negatives mit Christus bereinigt, der gewinnt Verständnis für seinen
Nächsten, der noch gleiche oder ähnliche Fehler hat, und wird ihn
nicht verurteilen, sondern zuerst den Balken aus seinem eigenen Auge
ziehen.