Der Igel

Igel bewohnen fast den gesamten Erdplaneten und sind sehr feinfühlige Wesen. Sie haben einen hervorragenden Geruchssinn und nehmen minimale Bodenerschütterungen wahr. Sie können Geräusche weit über den Ultraschallbereich hören und sind uns somit in der Wahrnehmung weit überlegen. Igel besitzen ein schön schattiertes Stachelkleid, machen einen Winterschlaf, und wer einen von ihnen im Garten entdeckt, findet ihn »süß«. Als »natürlicher Feind« des Igels werden im Biologie-Buch Dachse und Uhus genannt, doch der bei weitem größte Feind des Igels ist der Mensch.
500.000 Igel werden jedes Jahr allein auf deutschen Straßen überfahren. Sie sterben in Mäuse- und Rattenfallen, erkranken an Gartengiften, wie z. B. dem Schneckenkorn, oder verfangen sich in herumliegenden Drahtrollen, Netzen oder Plastikfolien. In allen 16 Bundesländern ist der Igel als gefährdete Tierart eingestuft. In der »Roten Liste der gefährdeten Wirbeltiere in Deutschland« heißt es auf Vertuschungsdeutsch: »Langfristig können Habitatszerschneidungen sowie anthropogen verursachte Nahrungsverknappung zur Bestandsgefährdung führen.« Im Klartext: Der Mensch nimmt dem Igel Nahrung und Lebensraum weg. Acker grenzt an Acker - kaum ein Busch, der den Tieren Schutz und Deckung bietet. Die Böden, auf denen sich normalerweise unzählige Kleinstlebewesen, Käfer und Insekten tummeln, sind durch Dünge- und Unkrautvernichtungsmittel, durch Mist und Gülle unbewohnt - die Nahrungsgrundlage der Igel fehlt. Das wenige, das Igel noch zum Essen finden, auch Pflanzen und Gräser, vergiftet der Mensch mit Pestiziden und Herbiziden. Ist Rettung in Sicht?
Es mag helfen, auf Landstraßen langsamer zu fahren, den Garten nicht zu düngen oder Igeln Nahrung und Wasser hinzustellen. Langfristig aber kann Igeln nur geholfen werden, wenn sie - ohne vergiftet oder ausgehungert zu werden - wieder weiträumige, giftfreie Landstriche bewohnen können, mit natürlich wachsenden Büschen und Hecken, mit Laub und Unterholz und mit gesunden Böden. (sd)


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 1/01

 


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