Auch die Tiere gehören dazu

Landwirtschaft im Einklang mit der Natur

Friedfertige Landwirtschaft - das ist mehr als »öko«, mehr als eine äußere Anbautechnik. Es geht um ein neues, ein anderes Verhältnis zur Erde, zu den Tieren und zu den Pflanzen

Die Achtung vor den Feldern, Pflanzen und Tieren ist im friedfertigen Anbau das A und O»Fühlt die Verbindung mit jeglicher Kreatur und mit allen Steinen und Pflanzen, und schützt das Leben, das uns anvertraut ist! Die Natur, das Leben der Schöpfung, sorgt für euch.« Aus diesem Bewusstsein heraus erwuchs der friedfertige Anbau, wie ihn einige Landwirte in der Nähe von Würzburg in Unterfranken seit vielen Jahren praktizieren. Getreide und Gemüse wachsen nicht nur kontrolliert ökologisch heran, sondern erfahren einen Umgang und eine Pflege, die in unserer heutigen Zeit nicht üblich sind. Was ist der Unterschied?
Wir sprachen mit einigen Landwirten, die ihre Felder in diesem friedfertigen Anbau bestellen und mit der Gabriele-Stiftung zusammenarbeiten:

Redaktion: Was genau ist der Unterschied zum ökologischer Anbau?

Ein Landwirt: Die übliche Einstellung ist die, dass die Natur unter dem Menschen steht. Die Menschen leiten daraus das Recht ab, Tiere zu züchten, sie aufzuessen und sie ohne Grenzen für die eigenen Zwecke auszunutzen. Ebenso werden die meisten Felder behandelt: Im konventionellen Anbau versucht der Landwirt, mit chemischen Düngemitteln die Erntemengen aus dem Boden »herauszupressen«, die ihm das Überleben ermöglichen - ohne Rücksicht auf das Wohlbefinden der Pflanzen und Felder. Im »ökologischen« Anbau geschieht oftmals dasselbe - statt Kunstdünger verwendet der Landwirt eine Überdosis Gülle. Sieht sich der Mensch hingegen als Teil der Natur, kommt er nicht auf den Gedanken, Tiere zu verzüchten oder zu quälen oder die Felder mit Doping aller Art zu Höchstleistungen zu zwingen. Er weiß: Er tut sich das alles selbst an.

Redaktion: Wie wirkt sich diese Einstellung auf die tägliche Arbeit in der Landwirtschaft aus?

Landwirt: friedfertiger Anbau bedeutet: Was wir von Gott über die Natur geschenkt bekommen, nehmen wir nicht nur für uns Menschen, sondern geben der Natur einen Teil der Ernte zurück. friedfertiger Anbau bedeutet auch, täglich zu erspüren, was der Boden braucht, was die frucht braucht. Im sonst üblichen Landbau heißt ja das Motto: Wie kann ich meinen Abfall, wie z.B. Mist und Gülle, beseitigen und gleichzeitig die Natur zu mehr Ertrag zwingen? - Unser Blickwinkel ist ein anderer. Wir üben und lernen jeden Tag, ins Feld hineinzuspüren, ob es Gründüngung braucht oder Steinmehl, Feuchtigkeit oder eine Bodenbearbeitung usw. Unsere Pflanzen werden nicht mit Dünger gedopt, aufgedunsen und hochgepuscht, sondern haben die Möglichkeit, sich im Erdreich voll zu entfalten und sich aus dem gesunden Boden die Nährstoffe zu holen, die sie für ihre Art benötigen.

Redaktion: Aber sind denn Mist und Gülle im ökologischen Anbau nicht üblich oder sogar notwendig?

Landwirt: Im herkömmlichen ökologischen Anbau sind Mist und Gülle ganz normal. Der friedfertige Anbau beinhaltet aber mehr als die Richtlinien der Öko-Verbände. Wir verzichten nicht nur auf Chemie, auf Fungizide, Herbizide, Pestizide, usw., sondern eben auch auf Mist und Gülle.

Redaktion: Was ist denn an Gülledüngung schlecht?

Landwirt: Scharfe Gülle kann das empfindliche Bodenleben, die Mikroorganismen, Bakterien, die Käfer und Kleinstlebewesen schädigen und aus dem Gleichgewicht bringen. Manche kleinen Lebewesen werden lahm gelegt oder sterben sogar völlig ab und können ihre Aufgabe im Kreislauf der Natur nicht mehr erfüllen. Auch kommen mit der Gülle viele der Medikamente mit aufs Feld, die den Tieren verabreicht werden, wie z. B. Antibiotika. Welche Auswirkungen diese Medikamente langfristig auf die Bodenlebewesen, auf das Grundwasser und letztendlich auf die Gesundheit der Menschen haben, ist noch nicht bis zuletzt erforscht - aber dass in Gebieten mit ausgeprägter Gülledüngung immer mehr Menschen gegen Antibiotika resistent sind, zeigt, dass Medikamente aus der Tierfütterung über die Gülle in den Nahrungskreislauf Einzug halten. Das muss nicht sein. Und eines noch: Wer sich einmal in einen Hasen, in eine Feldmaus, einen Fuchs oder Igel hineinversetzt, der kann dann selbst entscheiden, ob er auf den Feldern ein Futter vorfinden möchte, das mit Tierkot und Gülle besprüht wurde...

Redaktion: Wenn nun weder chemischer Dünger noch Mist und Gülle auf die Felder gegeben werden - wie kommt das Getreide oder das Gemüse, das ihr anbaut, dann zu seiner Nahrung?

Landwirt: Wir geben, wenn es nötig ist, Gründüngung, Gesteinsmehl oder auch Kleie auf das Feld. Doch das wichtigste: Jede Lebensart braucht Ruhephasen. Daher ist es im friedfertigen Anbau selbstverständlich, dass das Feld in bestimmten Rhythmen eine Erholungszeit hat, in der es regenerieren und seine Kräfte sammeln kann. Alle drei Jahre geben wir den Getreide- und Gemüsefeldern ein Brachejahr. Es wachsen Klee und Kräuter auf den Feldern, die dann als natürliche Gründüngung untergepflügt werden. In dieser Zeit tummeln sich unzählige Tiere auf den Feldern: Vögel, Hasen, Schmetterlinge, Käfer... man kann sie kaum zählen. Wenn dann im nächsten Frühjahr gesät oder gepflanzt wird, kann die Saat auf gesunden, fruchtbaren Feldern mit neuer Kraft wachsen.

Redaktion: Ist denn da die Ernte ausreichend, wenn man heutzutage auf diese Weise das Ackerland bestellt?

Landwirt: Wie die Ernte ausfällt, zeigt uns Landwirten, wie gut wir das Feld und die Pflanzen versorgt haben und wie gut wir erfassen konnten, was das Feld braucht. In der Erntezeit ist für uns nicht die Quantität entscheidend, sondern die Qualität. Die Ernte ist eine Gabe Gottes und der Dank der Natur - nicht der Erfolg des Landwirts.

Redaktion: Was macht ein Landwirt, wenn die Erntezeit vorbei ist, also zum Beispiel jetzt im Winter?

Landwirt: Was wir geschenkt bekommen, verlangt von uns, dass wir sorgsam damit umgehen. Es ist für uns selbstverständlich, dass wir die Früchte nicht achtlos herumwerfen, sondern sie bis auf den Ladentisch mit der Wertschätzung behandeln, die ihnen gebührt. Wir sehen es also als unsere Verpflichtung, für diese Kostbarkeiten der Natur nur die besten Lagerbedingungen mit hervorragender Lagertechnik zu schaffen und sorgsam mit den Produkten umzugehen.
Solche Lebensmittel dienen dem Wohlbefinden und der Gesundheit des Menschen, der Tiere und der gesamten Natur. Die Früchte haben auch eine gesunde, stabile Zellstruktur, das heißt, sie sind haltbarer. Das haben wir vor allem bei unseren Kartoffeln, festgestellt. Und: Man schmeckt den Unterschied - das sagt jeder, der das Gemüse, z. B. die Kartoffeln, einmal probiert hat. Es ist die Friedfertigkeit der Natur im Sinne des Jesus von Nazareth, der die Natur und die Tiere liebte und uns die Redlichkeit gelehrt hat.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr über den Friedfertigen Landbau:
http://www.gabriele-stiftung.de/de/gabriele-stiftung-friedfertiger-landbau.html


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 1/01

 


Copyright © Verlag DAS WEISSE PFERD GmbH, Marktheidenfeld, Deutschland
Altfeld, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Fax: 09391 / 504-210
http://www.das-weisse-pferd.com - E-Mail: info@das-weisse-pferd.com

TV-Programmtipp:
http://www.erde-und-mensch.org/de

Einige aktuelle Themen
:
Im Blickpunkt: Die Main-Post - http://www.das-weisse-pferd.com/2009/mainpost_universelles-leben.html

Die Neue Zeit-TV auf Astra Digital - http://www.das-weisse-pferd.com/2009/die_neue_zeit.html
Die Kirche soll sich nicht mehr "christlich" nennen - http://www.christus-oder-kirche.de

Die verschwiegenen Leiden von Organspender und Organempfänger - http://www.theologe.de/theologe17.htm