Genetische Doubles

Klone unter uns - »näher als du denkst«

Stirbt ein Mensch, wird sein Körper identisch nachgezüchtet. Erkrankt ein Organ, bestellt man es sich neu. Was noch vor kurzem wie Science-fiction klang, kann schon sehr bald Realität sein.

Näher als wir denken soll uns die Zukunft sein, in welcher der Hollywood-Film The 6th Day (= Der 6. Tag) spielt. »Näher als du denkst«, diese Worte sind zu Beginn des Films eingeblendet, dessen Titel auf die Schöpfungsgeschichte der Bibel zurückgeht: »Gott schuf also den Menschen als sein Ebenbild und Er schuf sie als Mann und Frau. Und Gott sah alles an, was Er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag« (Genesis 1, 27.31). Wenn das »Ebenbild« Gottes nun anfängt, sich selbst zu klonen, würde es dann nicht selbst zu seinem Schöpfer? Was kommt hier auf uns zu? Im Film appelliert der Geschäftsmann Michael Drucker an das Mitgefühl seiner Zuhörer: »Jetzt nehmen wir einmal an«, so Drucker, »ein 10jähriger Junge liegt im Krankenhaus und hat Leberkrebs«. Dank der Leistung der Ärzte »können wir diesen Jungen retten, durch das Klonen der Leber. Und gleich daneben liegt noch ein 10jähriger Junge, dessen Eltern ihn genau so sehr lieben. Doch leidet er an einem irreparablen Gehirntumor. Doch Fakt ist: Ein Gehirn kann man nicht klonen. Er wäre nur zu retten, wenn man ihn komplett klonen würde. Und jetzt machen Sie seinen Eltern mal klar, dass der erste Junge weiterleben wird, aber bei ihrem Jungen dürfen wir die Forschung nicht anwenden, wegen eines Gesetzes, das vor zehn Jahren von ängstlichen Politikern in Kraft gesetzt wurde.« 
Und wie ist die aktuelle Situation? Das Parlament in Großbritannien erlaubt jetzt das Klonen von Embryos für therapeutische Zwecke und in Deutschland wird eine biotechnik-kritische Ministerin durch eine biotechnik-freundliche ersetzt. Näher als du denkst?

Mit Dolly fing es an

Tiere sind schon häufig geklont worden. Soll bald der Mensch an der Reihe sein?Das Klonen von Menschen ist in den meisten Ländern verboten. Anders ist es bei Tieren: In den 50er-Jahren klonte man Frösche, in den 80er-Jahren die Embryos von Schafen und im Jahr 1997 erstmals ein erwachsenes Schaf aus einer seiner Körperzellen: das bekannt gewordene schottische Schaf Dolly. Es folgten Mäuse, Schweine, andere Tiere und in den ersten Tagen des Jahres 2001 ein Menschenaffe - der letzte Schritt vor dem Klonen des Menschen. Dolly-Schöpfer Dr. Jan Wilmut erklärte: »Wir haben von Beginn an gesagt: Mit unserer Technik lassen sich auch genetische Kopien von Menschen herstellen. Nur eindeutige Gesetze können das verhindern.« Diese Gesetze gibt es zwar, doch immer mehr Länder erlauben bereits das Klonen von Embryos bis zu einem bestimmten Alter, um daraus Organe für spätere Transplantationen zu züchten. Die Argumente sind immer die gleichen: Kranken Menschen soll geholfen werden. Doch ist das nicht nur ein Vorwand, mit dem man ganz andere Hintergründe verschleiert? Ist es heute schon üblich, einzelne Organe zu ersetzen, könnte morgen dank des Klonens der ganze Mensch ersetzt bzw. neu geschaffen werden. Geht es um eine zweite Schöpfung?

Der Wunsch, den Tod zu besiegen

Die Befürworter des vollständigen Klonens von Menschen gehen in ihrer Argumentation deshalb über das scheinbare Heilen von Krankheiten hinaus. Sie wollen den Tod besiegen. Manche Klon-Wissenschaftler wie der »gläubige Christ« Dr. Richard Seed aus den USA beziehen auch die Bibel mit ein, wo es z. B. in der Offenbarung des Sehers Johannes heißt: »Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde ... Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal« (Bibel, Offenbarung 21,1-4). Dr. Seed rechtfertigt das Klonen mit den Worten: »Gott wollte, dass der Mensch mit Ihm eins wird.« Doch bedeutet dies, dass der Mensch wie Gott zum Schöpfer werden soll? Und selbst, wenn er diesem Ziel ein Stück weit näher kommen könnte - die Fähigkeiten des Menschen sind auf die materielle Welt und die materiellen Körper begrenzt. Alles Leben jedoch ist beseelt und an den Seelen von Menschen und Tieren, die in den Körpern inkarniert sind, kann kein Wissenschaftler herumoperieren.
Schon der Seher Johannes wusste, dass die Seele des Menschen unsterblich ist und eines Tages nicht wieder in einen Menschenkörper inkarnieren wird, sondern zu ihrem Ursprung in der geistigen Welt zurückkehrt. Dann wird folgerichtig auch »der Tod nicht mehr sein«. Einzelne Klon-Visionäre jedoch glauben, dass man dem Tod seine Macht nehmen könne, indem man einen bestimmten materiellen Körper immer wieder neu klonen kann.
Die Entwicklung in diese Richtung scheint nicht aufzuhalten zu sein. Dr. Seed will sich selbst als Erster klonen lassen und er sagte schon im Jahr 1998: »Ich werde es schaffen.« Was ihn motiviert: Verzweifelte Eltern, deren Kinder im Sterben liegen, hätten ihn um Hilfe gebeten und 70 % der Klon-Technik seien bereits fertig. Viele Briefe, die mit »God bless you« (= Gott segne Sie) schließen, würden ihn aufmuntern und antreiben. Doch welcher Gott soll Dr. Seed segnen?
Wenn ein Kind schwer krank ist und stirbt, kann das für die Eltern sehr schmerzhaft sein. Doch gäbe es womöglich keinen Grund zur Verzweiflung - so schwer der Verlust auch sein mag -, wenn man nicht nur auf die Materie blickt? Was ist mit der Seele des Kindes? Sie geht mit einem kindlich-offenen Gemüt in die jenseitigen Bereiche und hat dort unter Umständen bessere »Startbedingungen« als ein Erwachsener, der sich vielleicht auf der Erde weiter belastet hat. Doch wer die Materie als »die einzige Realität« ansieht, der steht in Gefahr zu verzweifeln oder vielleicht sogar das Klonen als Heilmittel zu fordern.

Fleißig klonen trotz Verbot?

Nach verschiedenen Presseberichten stoppte die US-Regierung bereits 1993 einen Versuch, einen Menschen zu klonen. Im Jahr 1999 soll dies in Korea gelungen sein, doch die Forscher haben den Vorgang angeblich abgebrochen. Und im Oktober verkündete eine französische Ärztin in Kanada, ein durch einen Arztfehler verstorbenes zehn Monate altes Mädchen werde in den nächsten Monaten ins Leben zurückgeklont. »Stellen Sie sich die Augen der glücklichen Eltern vor, die ihr Kind zurückbekommen!«, hieß es in der Ankündigung des Klon-Vorgangs. Die teilweise ungläubig kommentierte Aktion sei kein Bluff, wie der Klon-Pionier Prof. Dr. Lee Silver (Das geklonte Paradies) andeutete. Den Leuten werde es gelingen, sich »das Know-how zu beschaffen«. Demnach ist das »Know how« also vorhanden und die Ärztin kündigt auf ihrer »Clonaid«-Internetseite (= Klonhilfe) bereits als nächsten Schritt das Klonen von erwachsenen Menschen an, ohne dass der lange Weg über Embryo, Kindheit und Jugend durchlaufen werden muss. Im Film The 6th Day ist dies schon Realität und ein Mann wird dort plötzlich mit seinem heimlich geklonten Doppelgänger konfrontiert.

Der Film - Vorbereitung fürs Volk?

In Filmen wird oftmals vorweggenommen, was hinter den Kulissen bereits herangereift ist. Auf diese Weise soll die Öffentlichkeit auch auf die neue Realität eingestimmt werden. Zwar gewinnt im Film am Ende der »Held«, der die Menschen-Kloner bekämpft, doch bei der Premiere von The 6th Day in Los Angeles im Jahr 2000 gab es eine Überraschung: Der Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger befürwortete auf der Pressekonferenz - anders als der Held in der Filmrolle - das Klonen von Menschen. Was Schwarzenegger ausspricht, gehört auch zu den unterschwelligen Botschaften des Films: 
Ist es wirklich so schlimm, wenn - wie am Ende des Films gezeigt - irgendwo auf der Welt ein Klon von mir - vergleichbar einem eineiigen Zwilling - ähnlich denkt und lebt wie ich?
Doch der Film, den viele Millionen Menschen gesehen haben, vermittelt auch eine gegenteilige Botschaft: Eine bereits geklonte Frau will z. B. nicht ein weiteres Mal geklont werden, als sie im Sterben liegt. Sie sagt: »Ich habe das Gefühl, ich gehöre nicht hierher ... - Katherine [so heißt die Frau] ist vor fünf Jahren gestorben. Die Gefühle, die ich habe, sind nicht meine. Es sind ihre. Ich will sterben können. Ich habe keine Angst. Meine Zeit ist bereits abgelaufen.« Was man in dieser Szene sehen kann, wird in mancher durch Prophetenwort gegebenen Offenbarung bestätigt. Es ist ein Hinweis auf die Lebens- und die Todesspanne, die jeder Seele am Beginn ihrer Inkarnation vorgegeben ist und in die durch Genmanipulation und Klonen zum schweren Schaden für die Seele eingegriffen wird. Denn wenn die Zeit abgelaufen ist, hat die Seele keine Programme mehr dafür, was sie auf der Erde tun soll. Sie hätte ihren Weg im Jenseits weitergehen sollen. Auf der Erde jedoch wird sie nun leicht zum Spielball fremder Kräfte.

Eine weitere Frage ergibt sich aus den »fremden« Gefühlen der sterbenden Frau: Welche Seele wäre in einem Klon inkarniert? Ist das »Original« bereits verstorben, könnte es dieselbe Seele sein, die sich im Klon erneut einverleiben würde. Es könnte allerdings auch eine andere Seele sein. Existieren nun Original und Klon nebeneinander, kann es sicher nicht dieselbe Seele sein. Doch wer wäre es dann? Eine andere Seele? Ein steuerbares Wesen? Vielleicht ist der Klon gar kein 100%iger Klon. Die Wissenschaftler könnten ihm »Verbesserungen« oder - im Gegenteil - genetische Defekte eingebaut haben, die das Original nicht hat.
Im Film versucht der Klon-Fabrikant Michael Drucker auf diese Weise die Lebenserwartung der Klone zu begrenzen. Falls die Neuschöpfung sich anders verhält als von den Klonern erwünscht, würde sie wenigstens nicht so lange leben.

Seelen kann man nicht klonen

Aus all dem ergibt sich: Menschen können zwar Körper von Tieren und Menschen klonen, doch niemals Seelen - und diese sind maßgeblich. Kann die inkarnierte Seele eines Menschen nicht mehr mit ihren gespeicherten Gedanken und Empfindungen ihren Körper formen, weil Genetiker und Klontechniker die Herrschaft über den Körper an sich gerissen haben, wird diese Seele um die Chance ihres Erdenlebens gebracht - nämlich sich in Freude und Leid selbst zu erkennen und das Negative, das sich auch am Körper bemerkbar macht, zu bereinigen und nicht mehr zu tun. Doch wer dieses positive Ziel anstrebt, der darf auch der Hilfe Gottes vertrauen.

In dem Buch Sein Auge erklärt dazu eine Frau namens Gabriele, die in der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben als Prophetin und Botschafterin Gottes gilt: »Gott, der Ewige, sprach sinngemäß: ´Ich mache alles neu, einen neuen Himmel und eine neue Erde.` Das heißt, Gott stellt wieder Seine ewige Ordnung her, Seine ewige Seins-Schöpfung. Da die wenigsten Menschen die Gesetze Gottes erfüllen, ist ihr Blick für die Wahrheit getrübt. Sie glauben, die Wissenschaftler könnten die Retter der Erde sein; denn diese machen der Menschheit weis, die Krankheiten durch z. B. Gentherapie beheben zu können und eine neue Atmosphäre, neue Tiere und eine neue Natur zu schaffen - nicht zuletzt auch einen neuen Menschen« (S. 183). 
Doch wer die materielle Hülle anstelle der Seele »erneuern« will, muss früher oder später doch ernten, was er gesät hat - in diesem Leben, im Jenseits oder in einer weiteren Inkarnation. (D. Potzel)

Literatur zum Weiterlesen:

Kirche und Klonen: 

Ein Ja durch die Hintertüre ?

Nur vordergründig ist das Nein der Kirchen zum Klonen. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche lehnen zwar das »therapeutische Klonen«, die Züchtung von Organen aus geklonten Embryos, mit Nachdruck ab. Doch mit einem vollständig geklonten Menschen »habe die Kirche keine Probleme«, so der evangelische Ethik-Experte, Theologieprofessor Dr. Trutz Rendtorff, in einer Presseerklärung.
Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften warnte zwar bereits 1997, man setze »beim Klonen die psychische Identität aufs Spiel«, doch die päpstlichen Wissenschaftler bauten anscheinend die Hintertüre gleich mit ein: »Die psychologische Entwicklung, die Kultur und das Umfeld werden immer zu verschiedenen Persönlichkeiten führen.« Die Identität und Einzigartigkeit eines Einzelnen könnte demnach gewahrt bleiben, auch wenn es ein Klon ist. Eine ähnliche Stellungnahme kam vom Gentechnik-Pionier Graig Venter (er entschlüsselte im Jahr 2000 als erster das menschliche Genom): »Selbst wenn man Menschen klonen würde, so dass sie gleich aussehen, würden sie sich niemals gleich verhalten, weil sie sich in unterschiedlichen Umwelten entwickeln« (Main-Echo, 12.10.2000). Kritik äußerte der Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland, Trutz Rendtorff, allerdings am »Verfahren, seinen Begleitumständen« und an möglichen Erwartungen, »Menschen nach Maß züchten zu können« (Evangelisches Sonntagsblatt, 23.1.2000). Eine weitere »Furcht« der Kirchen sei, dass Klone als Menschen zweiter Klasse behandelt würden. Doch auch dazu haben die Amtsträger schon eine Antwort parat. Der evangelische Ethiker Rendtorff: »Auch ein geklonter Mensch sei ein Mensch mit eigener Würde.« Er könnte demnach auch die gleichen Rechte erhalten wie die Originale. Und dass es sich um vollwertige Menschen handelt, da kann selbst der Bioethik-Kritiker Prof. Erwin Chargaff die Kirchen beruhigen: »Ich bin überzeugt, dass, wenn er [der Klon] in der Frühe Kaffee trinkt und eine Semmel isst, er seine Menschlichkeit schon dadurch bewiesen hat.« 
Die Kirchen steuern also - wie bei Kriegen oder Genmanipulation bereits erprobt - wieder auf ihre in jüngster Zeit bewährte Rolle zu: Trotz angeblich »äußerster« Bedenken und einzelner Widersprüche geben sie letztlich Zustimmungen. Der evangelische Kirchenrat und Technik-Beauftragte Roger Busch gibt eine theologische Marschrichtung vor, wenn er im Hinblick auf die Gentechnik sagt: »Gott hat beides geschaffen: Die Natur und die Kraft, sie zu verändern« (Fränkischer Tag, 19.5.2000; siehe auch den Artikel hier). Ähnlich argumentiert der Klon-Mafioso Michael Drucker in dem Hollywood-Film The 6th Day (= Der 6. Tag): »Wenn wir glauben, dass Gott den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat, dann hat er dem Menschen auch die Macht verliehen, die Evolution zu begreifen, den Gencode zu verändern, genau das zu tun, was ich tue. Ich mache nur da weiter, wo Gott aufgehört hat.«


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 2/01


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