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Nimrods Erben
Jagd & Herrschaft
- zwei nahe Verwandte
Jagd gibt es schon seit vielen tausend Jahren. Doch den ersten historisch verbürgten Jäger finden wir in der Bibel.
»Auch den frommen Ludwig hielt da nichts ab, kein Wunder, kein Zeichen, keine Seuche«, schreibt Karlheinz Deschner in seiner
Kriminalgeschichte des Christentums (Band 5) über Kaiser Ludwig »den Frommen« (778-840). »Sogar als 820 eine besonders heftige Epidemie unter Mensch und Tier ausbrach, die im ganzen Frankenreich 'kaum einen Strich Landes' verschonte, verzichtete der passionierte Nimrod nicht auf 'seine gewohnte 'Herbstjagd'.«
»Nimrod« - so nennt man einen leidenschaftlichen Jäger. Doch wer war eigentlich dieser »Nimrod«?
Laut Zeugnis der Bibel (1. Mose 10, 8) war es ein Nachkomme Noahs, genauer gesagt des Noah-Enkels Kusch. »Kusch zeugte Nimrod; dieser wurde der erste Held auf der Erde. Er war ein tüchtiger Jäger vor dem Herrn. Deshalb pflegt man zu sagen: Ein tüchtiger Jäger vor dem Herrn wie Nimrod.« So die »Einheitsübersetzung« der Kirchen. Doch man kann die Stelle auch anders übersetzen: »Kusch erzeugte den Nimrod, der war der erste Gewaltherrscher auf Erden. Dieser war ein gewaltiger Jäger ... Daher sagt man: Ein gewaltiger Jäger ... wie Nimrod« (Übersetzung: Gerhard von Rad). Das klingt bereits anders. Das »vor dem Herrn« scheint ein späterer Einschub zu sein, der die scheinbare Harmlosigkeit betonen soll.
Es gibt Historiker
(Museion 2000, Nr. 3/1994), die Nimrod nicht als legendäre Gestalt, sondern tatsächlich als den ersten Gewaltherrscher der für uns überschaubaren Geschichte ansehen, der etwa 4000 v. Chr. in Mesopotamien lebte. Er eroberte in nur 17 Jahren ein gewaltiges Reich vom Kaukasus bis nach Ägypten und von Kleinasien bis zum Indus - also etwa so groß wie dasjenige Alexanders des Großen. Er eroberte und beherrschte dieses Reich mit Terror, Menschenjagd und Sklaverei - und lenkte damit, wie schon sein Vorfahr Kusch, das Erbe Noahs, der nach der Sintflut zunächst einen friedlichen Neubeginn bewirkt hatte, in eine völlig andere Richtung. Die Gewalt kommt auch in Nimrods Namen zum Ausdruck:
»Nim« klingt wie »nehmen« oder »wegnehmen«; »rod« bedeutet soviel wie »Pfeil und Bogen«, es erinnert uns an »roden«, »ausrotten« oder »zusammenrotten«; englisch steht es noch heute für »Knüppel« oder »Rute«. Möglicherweise war dies der Name, den seine Opfer ihm gegeben haben. Welche Namen wohl die Tiere, wenn sie reden könnten, den Menschen geben würden, die sie jagen, quälen, schlachten und verzehren?
Könige und Priester: Jäger aus Passion
Die Jagd blieb jedenfalls, auch im »christlichen« Abendland, ein beliebtes Vergnügen der Herrschenden. Und ein Herrschaftssymbol, denn Jagdrechte hatten im Mittelalter nur die weltlichen und geistlichen Feudalherren, nicht die einfachen Bauern oder Bürger.
Karl »der Große«, auch er ein gewalttätiger Eroberer, war als »leidenschaftlicher Jäger« ebenso bekannt wie zahlreiche seiner Nachfolger. Viele, wie der bereits erwähnte »fromme« Ludwig, verbrachten ganze Wochen in den Wäldern, um dort Hirschen und Wildschweinen nachzustellen. »Von allen ritterlichen Lustbarkeiten ist keine, die so sehr den großen Herrn behagt, wie jenes Mörderspiel, die Jagd«, schreibt Christian Weiße. Oft mussten die Jagdhelfer die Tiere den hohen Herren eigens vor die Flinte treiben oder gar vorher schon in Gehegen einsperren, damit der »Erfolg« garantiert war. Solchen Spaß mochte sich auch die Geistlichkeit nicht entgehen lassen: »Leisteten sich doch Bischöfe, Äbte, simple Priester kostspielige Meuten«, schreibt
Deschner, »und zogen das große Halali noch allemal der Sonntagsmesse vor - da sie 'die Hymnen der Engel weniger als das Gebell der Hunde schätzten' (Bischof Jonas von Orleans).«
Und heute? In England diskutiert man gerade, ob man endlich die bei den Adeligen so beliebte Fuchsjagd abschaffen soll, bei der die Füchse von eigens abgerichteten Hunden regelrecht zerrissen werden. Aber auch in nicht mehr monarchisch geprägten Ländern pflegen sich nicht wenige Politiker und Wirtschaftsbosse gerne auf einer zünftigen Treibjagd
näher zu kommen.
Der Glaube, dass sie dabei etwas zur Regulierung der Natur beitragen, die ohne den Menschen nicht in ihr Gleichgewicht finden könne, wird mittlerweile durch wissenschaftliche Untersuchungen mehr und mehr erschüttert. In Florida ging der Bestand an Weißwedelhirschen nicht zurück, obwohl die Jäger schossen, was das Zeug hielt. Im Gegenteil: Die Hirsche vermehrten sich um so mehr. Das kommt eben heraus, wenn der Mensch sich für so gewichtig hält, dass die Natur ohne ihn nicht zurecht käme ...
(M. Holzbauer)
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Einst waren Mensch und Tiere Freunde
»Gott, der Ewige, gab Seinen Menschenkindern alles - die Erde mit ihren Pflanzen, Früchten, Samen und Wasserquellen -, auf dass sie ihre physischen Körper ernähren können. Die ersten Menschen ernährten sich von Pflanzen, Früchten, Samen und tranken aus Wasserquellen. Die Tiere waren ihre Freunde und Helfer. ... Im Laufe der Zeiten verrohte das Menschengeschlecht immer mehr. Es wuchs das Begehren, das Besitzen-, Sein- und
Habenwollen, und damit wuchsen zugleich die Sinneslüste und Gelüste. ... So, wie sich die Sinneslüste steigerten, wendeten sich die Gelüste des Menschen auch dem Tier zu. Es wurde gejagt und geschlachtet und sein Fleisch zubereitet und verzehrt. Der Mensch benahm sich nun ähnlich einem Kannibalen. Die Tiere wurden Feinde des Menschen, weil sie von den Menschen gejagt und deshalb verängstigt wurden«
(Das ist Mein Wort, Alpha und
Omega, S. 370 f.,
http://www.das-wort.com/deutsch).
»Erkennet: Wer Tiere jagt, wird einst selbst gejagt werden. Wer Tiere quält, wird einst selbst gequält werden. Wer das Leben der Erde ausbeutet, wird zur Beute derer, die ihn hierfür anleiten«
(Das ist Mein Wort, Alpha
und Omega, S. 474).
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Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 3/01
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