Welternährung

                  Es ist genug für alle da!

Jede Sekunde verhungert ein Mensch,  828 Millionen Menschen sind unterernährt. Tatsache ist aber: Es ist genug Nahrung für alle da. Wie also kommt der Hunger in die Welt?

Etwa die Hälfte der Weltgetreideernte landet nicht beim Menschen, sondern in den Mögen von so genannten »Nutztieren«, die der Mensch später schlachtet.Immer wieder tauchen in Presse und Fernsehen Bilder von verhungernden Menschen auf, Spendenaktionen laufen an. In regelmäßigen Abständen verkündet die Welternährungsorganisation, in wenigen Jahren könne der Hunger besiegt oder zumindest die Zahl der Hungernden in der Welt halbiert werden. Und doch steigt die Zahl der Menschen, die unterernährt sind, weiter an: Gegenwärtig sind es nach offiziellen Schätzungen 828 Millionen und Jahr für Jahr sterben etwa 30 Millionen Menschen an Hunger: das sind über 82.000 pro Tag, 3.400 pro Stunde - jede Sekunde einer.
Über die Ursachen des Hungers wird jedoch kaum berichtet. Der Journalist Al Imfeld schreibt in der Weltwoche: »Die Herausgeber der großen Gazetten in Europa wollten, dass wir schlicht und einfach über das Verhungern berichteten, um damit die Leute in Europa zum Spenden aufzumuntern.« So entsteht der Eindruck, als ob der Hunger in der Welt nicht nachließe, weil es zu wenig Nahrungsmittel für alle gäbe. Doch das ist eine Irreführung. Die Nahrungsmittel würden ausreichen, um alle Menschen zu ernähren - allein wenn man berücksichtigt, dass immer noch bis zur Hälfte der Weltgetreideernte an Tiere verfüttert wird, die dann geschlachtet werden. Würden die Menschen dieses Getreide direkt verzehren, anstatt es an Tiere zu verfüttern, könnte die siebenfache Anzahl Menschen davon satt werden. 

»Das Vieh der Reichen frisst das Brot der Armen ...«

Doch abgesehen von dieser ungeheuren Verschwendung von Getreide gäbe es immer noch genug Nahrung für alle. Weshalb gibt es also Hunger? Weil es soziale Ungleichheit gibt. Den hungernden Menschen fehlt es schlicht und einfach an Geld, um Nahrungsmittel zu kaufen - und an Land, das sie selbst für sich bestellen könnten. Auf diesem Land in den armen Ländern der Erde werden vielfach Sojabohnen oder Sorghum angebaut, die dann in die reichen Industrieländer exportiert - und dort an Rinder und Schweine verfüttert werden. Dadurch steigen die Preise für Land und für Getreide an und werden für viele unerschwinglich. Insofern stimmt der Satz, zumindest indirekt: »Das Vieh der Reichen frisst das Brot der Armen.« Jean Ziegler führt in seinem Buch Wie kommt der Hunger in die Welt? (siehe unten) weitere Ungleichheiten auf, die Ursachen des Hungers sind:

  • Viele arme Staaten sind in eine ausweglose Schuldenfalle geraten. Sie müssen ihre Nahrungsmittel und Bodenschätze zu Billigstpreisen verkaufen, um wenigstens einen Teil der Zinsen bezahlen zu können. Für die einheimischen Bauern bleibt nichts übrig.

  • Die internationalen Preise für Rohstoffe werden in der Börse von Chicago bestimmt. Dort treiben internationale Handelskonzerne die Wiederverkaufspreise immer wieder künstlich in die Höhe, indem das Getreide in Lagern zurückgehalten wird. Mit dem Hunger der Ärmsten werden auf diese Weise riesige Spekulationsgewinne erzielt.

  • Viele arme Staaten wurden in der Kolonialzeit gezwungen, bestimmte Produkte in Monokultur anzubauen. So werden im Senegal bis heute fast ausschließlich Erdnüsse produziert. Statt Nahrungsmittel für den eigenen Bedarf und für den nächstgelegenen Markt anzubauen, sind die senegalesischen Bauern gezwungen, ihre Erdnüsse zu einem extrem niedrigen Preis bei staatlichen Stellen abzuliefern. Die Lizenz-Exporteure und die staatliche Bürokratie verdienen sich auf dem Rücken der Bauern eine goldene Nase.

  • Immer mehr Menschen flüchten vor Hunger und Dürre in die Elendsviertel der Städte, wo sie in einem ständigen Überlebenskampf ein rechtloses Dasein führen müssen, oft in Sichtweite der Villen der Reichen. Aus ihren Dörfern vertrieben werden sie unter anderem durch die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft, in der für sie kein Platz mehr ist.

  • Hinzu kommen Kriege, die eine Hilfe in vielen Fällen unmöglich machen, und die Verschwendung der wenigen Staatsgelder für Waffenkäufe - an denen wiederum die Industriestaaten verdienen.

Gentechnik oder Gerechtigkeit?

Verdienen wollen die Nahrungsmittelkonzerne auch an ihrem neuesten Coup: der Gentechnik, mit deren Hilfe das Hungerproblem in naher Zukunft zu lösen sei. Was sie nicht sagen: Dass die armen Kleinbauern sich das teure Gen-Saatgut und die dazugehörigen »Pflanzenschutz«-Gifte und Kunstdünger ohnehin nicht leisten können. Und wer es sich leisten kann, gerät in Abhängigkeit von den Konzernen - denn eine eigene Nachzucht des Saatguts ist verboten und meist gar nicht mehr möglich. 
Überdies ist die Argumentation der Gentechnik-Befürworter vom Ansatz her verfehlt - denn es geht bei der Lösung des Hungerproblems gar nicht um noch höhere Erträge durch überzüchtetes Saatgut. Es geht um eine gerechte Verteilung des Landes und seiner Reichtümer. Gentechnik schafft, abgesehen von den Risiken der Gen-Übertragung auf andere Organismen, eine neue Monokultur und verdrängt einheimische Sorten, die zwar weniger ertragreich, aber dafür resistenter gegen Krankheiten und Klimaschwankungen sind.
Die industrialisierte Landwirtschaft beutet den Boden und die Tiere aus, beschleunigt die Überweidung und die Erosion ganzer Landstriche. Dies wird das Hungerproblem weiter verschärfen - die Erde wird dem Menschen, der sie ausbeutet und missachtet, immer weniger an Nahrung geben können. Um so wichtiger wird es in Zukunft sein, dass der Mensch diese wenige Nahrung nicht auch noch an Schlachttiere verfüttert.
Der Mensch muss früher oder später erkennen, dass der Boden, auf dem er seine Nahrung anbaut, nicht eine physikalische Größe ist, die er nach Belieben als Produktionsfaktor einsetzen kann. Es ist die Mutter Erde, die ihn nur dann weiter ernähren wird, wenn er sie entsprechend pflegt und achtet. Diese Achtung für das Leben ist jedoch nicht teilbar, weil alles Leben fühlt und miteinander in Verbindung steht. Der Mensch kann nicht die Erde achten und die Tiere nicht - oder die Tiere gut behandeln, seine Mitmenschen aber ausbeuten, ohne dass dies auf ihn zurückfällt. Der Hunger kann also nur überwunden werden, wenn der Mensch den Skandal der sozialen Ungleichheit auf der Erde beendet und wenn er gleichzeitig auch das Schlachten von Tieren beendet.
Gerade die Menschen in den reichen Ländern, in denen es ebenso viele Übergewichtige gibt wie in den armen Ländern Unterernährte, könnten hier Vorbilder sein: indem sie aufhören, nur auf das äußere Brot und auf ihr äußeres Wohlergehen zu sehen. Die Materie ist nicht alles - und der Mensch lebt nun einmal, wie Jesus von Nazareth es ausdrückte, «nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt«. Aus Gottes Mund kommt auch heute, durch das Prophetische Wort, die Hilfe, wie wir in den Frieden mit der Natur und den Mitmenschen finden - weil wir den »Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit« in uns verspürt haben, von denen Jesus in den Seligpreisungen spricht. (M. Holzbauer)


 

Wo ist Hoffnung?

»Ein Gespräch mit meinem Sohn« war für den Schweizer Jean Ziegler der Anlass, ein leicht verständliches Buch über den Hunger zu schreiben. Als Politiker lernte er vor Ort die Zustände in Auffanglagern äthiopischer Dürregebiete ebenso kennen wie die Elendsviertel Dakars. Er beschreibt, wie die Hungerflüchtlinge, die oft tagelange Fußmärsche hinter sich haben, zunächst eine »Selektion« durchlaufen müssen: Da meist zu wenig Nahrungsmittel für alle da sind, muss ein Arzt oder eine Krankenschwester abschätzen, wer von den entkräfteten Menschen eine Chance zum Überleben hat und wer nicht. »Kannst du dir vorstellen, was im Kopf der Schwester, die die Selektion durchführen muss, vor sich geht?«, fragt Ziegler seinen Sohn.

Er beschreibt auch, wie Menschen in den Randbezirken der Städte zusammenhalten und darum kämpfen, ihre Würde zu bewahren. Und wie ein armes Land wie Burkina Faso (Obervolta) aus eigener Kraft durch entschlossene Reformen den Hunger innerhalb weniger Jahre besiegte. Das gefiel jedoch, so der Autor, den europäischen Großverdienern mit Verbindungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich nicht, die aus der bisherigen Korruption Kapital geschlagen hatten. Die jungen Reformpolitiker wurden durch einen Staatsstreich entmachtet und ermordet. Heute sind die Zustände im Land am Rande der Wüste wieder so schlimm wie vorher.
»Wo ist Hoffnung?«, fragt der Autor am Ende des Buches. Und er antwortet: »Im unerschöpflichen Willen der Menschen zur Gerechtigkeit.«

Literaturhinweis:
Jean Ziegler: »Wie kommt der Hunger in die Welt? Ein Gespräch mit meinem Sohn«, C. Bertelsmann 1999, 6,00 €

 

"Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen gesättigt werden."

»Wer nach der Gerechtigkeit Gottes hungert und dürstet, ist ein Wahrheitssuchender, der sich nach dem Leben in und mit Gott sehnt. Er soll gesättigt werden. ... Die Wahrheit ist das Gesetz der Liebe und des Lebens. In den Zehn Geboten, welche Auszüge aus dem allumfassenden Gesetz Gottes sind, findest du die Merksätze für den Weg zur Wahrheit. Beachte die Zehn Gebote, und du gelangst immer mehr auf den Weg der Bergpredigt, in welcher der Weg zur Wahrheit grundlegend ausgeführt ist. Der Weg zur Wahrheit ist der Weg zum Herzen Gottes, zu dem ewigen Leben, das selbstlose Liebe ist. Die Bergpredigt ist der Weg in das Reich Gottes, in die Gesetze für das Friedensreich Jesu Christi. Vertiefst du dich in sie und erfüllst du sie, dann gelangst du zur göttlichen Weisheit. ... Übe dich im positiven Leben und Denken, und du wirst ganz allmählich ein gerechter Mensch werden. ...
Erkenne: Die Zeit ist nahe, in der geschieht, was offenbart ist. Der Löwe wird beim Lamme liegen, weil die Menschen den Sieg über sich selbst errungen haben - durch Mich, ihren Erlöser. Sie werden eine große Familie in Gott bilden und mit allen Tieren und der ganzen Natur in Einheit leben. Freuet euch, das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen - und mit dem Reiche Gottes auch Ich, euer Erlöser und Friedensbringer, der Herrscher des Friedensreiches, des Weltreiches Jesu Christi.« 
»Die Stunde ist nahe herbeigekommen, in der jeder Rechenschaft ablegen muss für das, was er den Menschen, der Natur und den Tieren angetan hat. Die Neue Zeit dämmert empor, in welcher die blutigen Opfer und die Tierversuche aufhören werden und auch das Schlachten und Verzehren von Tieren, denn diese sind die Übernächsten der Menschen.«

Aus: Das ist Mein Wort, Alpha und Omega, Das Evangelium Jesu, Die Christusoffenbarung, welche inzwischen die wahren Christen in aller Welt kennen, S. 271 f. und S. 375; Verlag Das Wort, 13,00 €, 09391/504-135, http://www.das-wort.com/deutsch/


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 3/01

 


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