Propheten weisen auf das Friedensreich hin (3): Hesekiel

»Hier ist GOTT«

Seit Jahrtausenden künden große Gottespropheten wie Hesekiel ein Reich des Friedens an, das Mensch und Natur wieder mit Gott vereint. Viele ihrer Vorhersagen beginnen erst heute, Wirklichkeit zu werden

Die Seele des Menschen hat auf dieser Erde kein Zuhause, weil ihre Heimat nicht von dieser Welt ist. Die äußere Heimatlosigkeit gehörte auch zur Grunderfahrung des Propheten Hesekiel (Ezechiel) - denn er lebte während der Verschleppung und Gefangenschaft der Israeliten in Babylon (etwa um 590 v. Chr.). Gott hatte durch ihn die Israeliten vor der bevorstehenden Katastrophe gewarnt - und als sie eingetreten war, wies Er sie immer wieder darauf hin, dass sie dieses Unglück selbst verschuldet hatten. Insbesondere spricht Er dabei die »Hirten« an - gemeint sind sowohl die Priester, die »mein Gesetz vergewaltigen« (Kap. 22) als auch alle, die geistiges Wissen haben und daher Verantwortung tragen: »Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herden weiden? Ihr trinkt die Milch, nehmt die Wolle für eure Kleidung und schlachtet die fetten Tiere; aber die Herde führt ihr nicht auf die Weide. Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zurück, die verirrten sucht ihr nicht, und die starken misshandelt ihr. Und weil sie keinen Hirten hatten, zerstreuten sich meine Schafe und wurden eine Beute der wilden Tiere« (Kap. 34)
Wenn Hesekiel dem Fürsten von Tyros seine Missetaten vorhält, so meint er damit zugleich alle, die sich über Gott stellen, insbesondere diejenigen, die sich als »heilig« bezeichnen lassen: 
»Weil sich dein Herz überhebt und spricht: Ich bin Gott ... darum will ich Fremde über dich schicken, nämlich die Tyrannen der Heiden« (Kap. 28). »Tue weg den Hut und tue ab die Krone«, spricht Er an anderer Stelle (Kap. 21), womit sicher nicht nur die »alten Hüte« der damaligen Zeit gemeint sind.
Doch Hesekiel wäre kein Gottesprophet, wenn Gott durch ihn nicht immer wieder auch den Ausweg aus Mutlosigkeit und Verzweiflung aufgezeigt hätte:

»Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist!«

»Kehrt um, wendet euch ab von all euren Vergehen! Sie sollen für euch nicht länger der Anlass sein, in Sünde zu fallen. Werft alle Vergehen von euch, die ihr verübt habt! Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist! Warum wollt ihr sterben, ihr vom Haus Israel? Ich habe doch kein Gefallen am Tod dessen, der sterben muss ... Kehrt um, damit ihr am Leben bleibt« (Kap. 18). Diese Verheißung eines neuen Lebens, gleichzeitig eine Vision der Zukunft, zieht sich wie ein roter Faden durch die Offenbarungen Hesekiels: »Ich hole euch heraus aus den Völkern, ich sammle euch aus allen Ländern und bringe euch in euer Land. ... Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz aus Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt« (Kap. 36).
In dieser Vision hat auch die Natur, haben die Tiere einen wichtigen Platz. Dass Gott die Tiere liebt, sieht man auch daran, dass Er Seine Menschenkinder liebevoll mit Schafen vergleicht, um die Er sich, nachdem er die »falschen Hirten« abgesetzt hat, selbst kümmert: »Auf gute Weide will ich sie führen, im Bergland Israels werden ihre Weideplätze sein. ... Dann kann man in der Steppe wohnen und in den Wäldern schlafen. ... Ich schicke Regen zur rechten Zeit, und der Regen wird Segen bringen. Die Bäume des Feldes werden ihre Früchte tragen, und das Land wird seinen Ertrag geben. ... Ich pflanze ihnen einen Garten des Heils« (Kap. 34). »Ich rufe dem Getreide zu und befehle ihm zu wachsen« (Kap. 36).

Die Stadt der Zukunft: »Hier ist Gott«

Solche Worte sind heute aktueller denn je. Den Menschen, die in die Einheit mit Gott und der Natur hineinfinden, hilft der Geist Gottes, der alles Sein beatmet, auch bei der Arbeit auf den Feldern. »Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. Wenn mein Heiligtum für alle Zeit in ihrer Mitte ist, dann werden die Völker erkennen, dass ich der Herr bin, der Israel heiligt.«
Auch wenn die Priesterkaste offenbar den Texten Hesekiels einiges an »Ergänzungen« beigemengt hat, so etwa am Ende die genaue Beschreibung des Tempels im Land der Zukunft, einschließlich der Räume für die Tieropfer, die Gott »ein Gräuel« sind - so ist doch die visionäre Kraft des echten Gottespropheten spürbar, der die Stadt der Zukunft geschaut hat, deren Name lautet: »Hier ist Gott«. (M. Holzbauer)


Lesen Sie die Artikel über die Gottespropheten:

Jesaja     Jeremia      Hesekiel     Daniel (Druckausgabe Nr. 7/2001)     Elia / Amos / Jeremia

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Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 4/01

 


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