Verheimlichte Quellen (Teil 1)

Jesus war ein Freund der Tiere

”Jesus hat doch auch Fleisch gegessen”, sagen manche, die den Fleischkonsum religiös rechtfertigen wollen. Doch Jesus gibt keine Rechtfertigung für Knackwurst und Lammbraten, auch wenn er dafür missbraucht wird, denn: Der Mann aus Nazareth und die ersten Christen waren Tierfreunde und Vegetarier.

Dieses Wissen wurde in den vergangenen fast 2000 Jahren unterdrückt, verfälscht und in sein Gegenteil verkehrt. Das war ein Verrat an der Friedfertigkeit des Nazareners und führte dazu, dass das Töten und Verspeisen von Tieren im "christlichen Abendland" zur blutigen Selbstverständlichkeit wurde. Wie war es möglich, dass die Lebensweise und die Lehre des Jesus von Nazareth in einem wichtigen Punkt so entstellt wurden?

Irrtümer in der Bibel

Die Evangelien der Bibel, die über das Leben von Jesus berichten, sind nicht über Nacht entstanden, sondern im Laufe von Jahrhunderten, in denen heftig darüber gestritten wurde, was zu den "heiligen Schriften" gehören soll und was nicht. Hinzu kommt, dass die zur Auswahl stehenden Texte nicht von Zeitzeugen des Nazareners stammen, sondern aufgrund von Überlieferungen aufgeschrieben wurden. Als "Kirchenvater" Hieronymus im Auftrag von Papst Damasus I. im 4. Jahrhundert die lateinischen Texte des Neuen Testaments vereinheitlicht, muss er sich mit zahlreichen Widersprüchlichkeiten, Unvollständigkeiten und unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten auseinander setzen. Er schreibt seinem Auftraggeber, dass ihn die Nachwelt als Bibelfälscher verurteilen werde, weil er jeweils auswählen und nach eigenem Gutdünken entscheiden muss, was er für richtig oder falsch, für unvollständig und ergänzungsbedürftig hält. Er habe manches hinzugefügt und manches abgeändert (siehe dazu "Der Theologe Nr. 14" - Hieronymus und die Entstehung der Bibel).

Was Hieronymus hier über die lateinischen (und von der katholischen Kirche später dogmatisierten) Texte aussagt, wirft ein Licht darauf, dass es auch in den anderen Sprachen mehr oder weniger Veränderungen gab. Ursprünglich waren die Schriften des Neuen Testaments nämlich gar nicht in Latein verfasst, sondern in Griechisch. Doch Jesus und seine Jünger sprachen weder Latein noch Griechisch, sondern Aramäisch. So hat man sich also bei der Überlieferung der Inhalte hier schon zwangsläufig sehr weit von den aramäischen Ursprüngen entfernt. Und was daneben oft völlig unberücksichtigt bleibt, sind die so genannten apokryphen (= verborgenen) Schriften, die überhaupt keine Aufnahme in den offiziellen Bibeltext fanden. Sie wurden zum Teil vernichtet, zum Teil blieben sie ca. 1800 Jahre verschollen und wurden erst in jüngster Zeit wieder aufgefunden. Vieles, was Jesus von Nazareth gesagt und getan hat und was in der Bibel fehlt, ist darin enthalten. Dass es noch mehr und anderes von Jesus zu sagen gäbe, bestätigt auch die Bibel selbst, denn dort steht, dass Jesus "noch viele andere Dinge" getan hat, "die nicht aufgeschrieben wurden" (Johannes 21, 25). Weil für das heutige Kirchenchristentum aber nur maßgeblich ist, was in der Bibel steht, wird damit gleichzeitig zugegeben, dass man nur eine Auswahl von dem, was Jesus tat, anerkennt; eben nur das Biblische und nicht das, was z. B. laut Johannesevangelium dort "nicht aufgeschrieben" wurde. Und ob es wirklich so war, wie es in diesen von der Kirche ausgewählten Schriften steht, ist eine weitere Frage.

Hat Jesus ein Passahlamm gegessen?

So soll Jesus nach den Worten des Lukasevangeliums zum Beispiel gefragt haben: "Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Passahlamm essen kann" (22, 11)? Tausende von kleinen Schafen wurden damals zum Passahfest "geopfert" und am Abend jedes 14. Nisan (so der israelitische Monat) verspeist, nachdem man ihnen zuvor bei lebendigem Leibe die Kehlen durchgeschnitten hatte (die Priester forderten diese Tötungsart des Schächtens). Dies geschah offiziell zum "Dank" an "Gott", dass er ägyptische Familien um 1500 v. Chr. angeblich mit dem Tod des ältesten Sohnes bestrafte (wegen der Versklavung der Israeliten), bei israelitischen Familien in Ägypten sich zur selben Zeit aber angeblich damit begnügte, wenn diese ihm ein Lamm geschlachtet hatten. Doch die neutestamentlichen Erzählungen enthalten Unstimmigkeiten. Nach der Datierung des Evangelisten Johannes war es gar kein Passahmahl. Denn es fand nach dieser Datierung am 13. Nisan, also am Tag vor dem Passahmahl, statt. Die Lämmchen wurden demnach erst am folgenden Tag umgebracht, kurz nachdem Jesus hingerichtet worden war. Aus dieser Datierung leiten manche Bibelausleger ab, dass Jesus und seine Jünger kein Passahlamm gegessen haben können. Nach der anderen Datierung der Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas wurde Jesus aber erst am 15. Nisan gekreuzigt und hätte demnach das "Festessen" am Tag zuvor noch als eine Art "Henkersmahlzeit" einnehmen können. Kurioserweise hätte er sich bei Weigerung z. B. nach 4. Mose 9, 13 bereits deswegen das Todesurteil zugezogen (das dann am nächsten Morgen ja den biblischen Evangelisten zufolge verhängt und kurz darauf vollzogen wurde, da Jesus nicht abstritt, der verheißene "Christus" zu sein).
Friedfertige junge SchafeIn beiden Fällen ist die Parallele zwischen den unzähligen abgeschlachteten Lämmchen und der annähernd zeitgleichen Ermordung von Jesus sehr aussagekräftig. Junge Schafe kamen zu der Geburt von Jesus einst mit ihren Hirten in den bekannten Stall von Bethlehem, und am Ende seines irdischen Lebens schließt sich dieser Kreis, indem Jesus mit diesen Tieren wieder in der Hinrichtung vereint ist. Er wurde zu den "Armen" und "Gefangenen" gesandt, sagte er einst selbst (Lukas 4, 18), und in seinen letzten Stunden erscheint es so, als sind darin auch die "armen" und "gefangenen" Tiere einbezogen. Schwer vorstellbar, dass Jesus friedliche und wehrlose Geschöpfe Gottes, unter denen er einst zur Welt kam und in deren Futtertrog er einmal lag, willentlich verspeiste. Auffällig ist auch, dass Jesus bei diesem letzten Essen anhand von Brot und Wein das urchristliche "Abendmahl" erklärt und die angebliche Hauptspeise "Lammfleisch" gar nicht erwähnt. Eine mögliche Erklärung dafür gibt das außerbiblische Ebionäerevangelium bzw. Ebionitenevangelium. Demnach antwortet Jesus auf die Frage, wo man ihm das "Passahmahl" zurichten soll: "Begehre ich etwa, an diesem Passah Fleisch mit euch zu essen?" (Zit. bei Epiphanius, Panarion omnium haeresium 30, 22, 4) Der kirchliche "Sektenbeauftragte" Epiphanius (ca. 315-403) bestreitet jedoch diese Aussage und behauptet, Jesus hätte nur vom üblichen traditionellen Passahmahl gesprochen und nicht vom Fleisch. Denn, so der Kirchenmann: "Passah ist [immer] Fleischbraten und der Rest" (30, 22, 3). Zu der Version der Ebionäer passt jedoch, dass Jesus Tieropfer grundsätzlich ablehnt. Darin stimmt er mit allen jüdischen Propheten vor ihm überein. Mehrfach zitiert der Mann aus Nazareth hierbei das durch den Propheten Hosea gegebene Gotteswort "Ich habe Wohlgefallen an der Barmherzigkeit und nicht am Opfer" (Matthäus 9, 13; 12, 7).
Ein weiterer Bericht darüber steht im Evangelium der Zwölf (= Evangelium des vollkommenen Lebens; um 100 entstanden). Als "apokryphe" Schrift (wörtlich = "verborgene" Schrift des frühen Christentums außerhalb der Bibel) anerkannt werden von den Kirchen nur einige Blätter und Blatt-Teile ( = so genannte Fragmente), die man bisher offiziell gefunden hatte. Das gesamte antike Evangelium wurde von dem englischen Theologen Gideon Jasper Richard Ouseley im Jahr 1902 durch eine prophetische Innenschau neu aufgeschrieben und veröffentlicht, und es könnte viele zuverlässige Details aus der Lehre Jesu enthalten (mehr zu diesem Evangelium siehe unten). Demnach hätte Judas dem Hohepriester Kaiphas verraten, dass Jesus für sein Passahmal kein Lamm schlachten ließ, worauf dieser geantwortet haben soll: "Wahrlich, dies ist kein Passahfest nach dem Gesetz des Moses. Er hat eine Tat begangen, die todeswürdig ist; denn es ist eine schwere Übertretung des Gesetzes. Wozu brauchen wir noch weitere Zeugen?" (Kapitel 76, 28) Sollte also die Tierliebe von Jesus sogar der Auslöser für das Todesurteil gegen ihn gewesen sein und nicht die Auseinandersetzung über seinen geistigen Auftrag (siehe oben). Was war wirklich geschehen?

Die Klugheit des Christus

In einer "Neuoffenbarung", einem Evangelium, das den Verfasserangaben zufolge 1989 von Christus selbst durch einen Propheten offenbart wurde, stehen dazu bemerkenswerte Details. Demnach erklärt Christus:  "Weder von den Aposteln noch von den Jüngern wurde angeordnet, ein Lamm zu schlachten [was also mit den Angaben im Ebionäerevangelium und dem Evangelium der Zwölf übereinstimmt]. Doch sowohl Mir als auch den Aposteln und Jüngern wurden Teile eines zubereiteten Lammes als Gabe der Liebe gereicht. Unsere Nächsten wollten uns damit beschenken, da sie es nicht besser wussten. Ich segnete die Gabe und begann, das Fleisch zu Mir zu nehmen. Meine Apostel und Jünger taten es mir gleich. Anschließend stellten sie Mir sinngemäß die Frage: Wir sollen doch vom Fleischverzehr Abstand nehmen. So hast du uns befohlen. Nun hast Du selbst Fleisch verzehrt. Ich unterwies die Meinen: Der Mensch soll kein Tier mutwillig töten und auch nicht das Fleisch von Tieren verzehren, die zum Fleischverzehr getötet wurden. Doch wenn Menschen, die noch unwissend sind, Fleisch als Nahrung zubereitet haben und es dem Gast zum Geschenk machen und ihm zum Gastmahl reichen, dann sollte der Gast die Gabe nicht ablehnen. Denn es ist ein Unterschied, ob der Mensch aus Gier nach Fleisch dies verzehrt oder als Dank an den Gastgeber für seine Mühe. Der Wissende sollte jedoch, wenn es ihm möglich ist und es die äußeren Umstände erlauben, dem Gastgeber allgemeine Hinweise geben, ihn jedoch nicht eines Besseren belehren wollen. Wenn die Zeit reif ist, wird auch der Gastgeber diese allgemeinen Hinweise verstehen ..." (Das ist Mein Wort, Die Christusoffenbarung, welche die Welt nicht kennt, Verlag DAS WORT, ISBN 3-89201-053-6, S. 809 f., http://www.das-wort.com/deutsch/).
Wenn man voraussetzt oder es für möglich hält, dass dieser Text authentisch ist oder zumindest den Sachverhalt richtig wiedergibt, dann hält sich Jesus also nicht an Festvorschriften und -bräuche und riskiert damit auch, als "Gotteslästerer" verurteilt zu werden. Doch er hätte diesen Konflikte nicht provoziert. Auch hätte er sich nicht schulmeisterlich über Gastgeber oder Freunde gestellt und in der oben geschilderten Situation eine kleinere Menge Fleisch gegessen. Dazu passen auch die Worte, die im Matthäusevangelium überliefert sind: "Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein" (15, 11). Demnach können also Worte, denen bestimmte Gedanken und Empfindungen zugrunde liegen, das Leben eines Menschen schwerwiegender zeichnen als das, was er äußerlich zu sich nimmt. Dennoch soll der Fleischverzehr nicht sein - in erster Linie deshalb, weil dafür ein Tier leiden und sterben muss, wie z. B. auch aus anderen Passagen diese "Botschaft aus dem All" hervorgeht. Wer allerdings anzweifelt, ob es sich hierbei tatsächlich um Christusworte handelt, der kann zumindest nicht ignorieren, was in anderen und eindeutig belegbaren antiken Quellen nachzulesen ist.

"Weh euch!"

So ist es ausgerechnet der "heilige" "Kirchenvater" Hieronymus, der hierzu Bemerkenswertes schreibt. Er schlägt den Bogen von der Sintflut bis zum Kommen von Jesus und erklärt: "Der Genuss des Tierfleisches war bis zur Sintflut unbekannt; aber seit der Sintflut hat man uns die Fasern und die stinkenden Säfte des Tierfleisches in den Mund gestopft; wie man in der Wüste dem murrenden, sinnlichen Volk Wachteln vorwarf. Jesus Christus, welcher erschien, als die Zeit erfüllt war, hat das Ende wieder mit dem Anfang verknüpft, so dass es uns jetzt nicht mehr erlaubt ist, Tierfleisch zu essen" (Adversus Jovinianum I, 18).

Jesus von Nazareth hat auch den Schmerz der Tiere gespürt, die auf die Schlachtbänke der Menschen gelegt werden. Als er nämlich mit ansehen muss, wie ein Mann ein Tier schlägt, ruft er: "Weh euch, die ihr nicht hört, wie es zum Schöpfer im Himmel klagt und um Erbarmen schreit! Dreimal wehe aber über den, über welchen es in seinem Schmerz schreit und klagt." Dieses Jesuswort ist in den Petrusakten überliefert, einer "apokryphen" Apostelgeschichte, die um 180 n. Chr. entstanden ist (Petrusakten 38, zit. nach Skriver, Die Lebensweise Jesu und der ersten Christen, a.a.O., S. 128) [Forscher gesucht: Wer kennt eine Zitierung aufgrund einer Original-Quellensammlung?]). Man könnte das Wort aber auch auf die Todesschreie der Tiere in den heutigen Schlachthöfen beziehen, die es in jeder größeren Stadt gibt, und rufen: "Weh euch, die ihr nicht hört, wie die Tiere zum Schöpfer im Himmel klagen und um Erbarmen schreien! Dreimal wehe aber über die, über welche sie in ihren Schmerzen schreien und klagen." Dass demgegenüber eine "schonende" und "liebevolle" Schlachtung nicht die urchristliche Alternative zu den Fließband-Schlachtungen ist, kann man aus anderen Dokumenten erschließen.

Der "Körper des Todes"

In den von der Kirche als sehr bedeutsam eingestuften Papiasfragmenten (wörtlich "Ergänzungen der Evangelien aus der mündlichen Tradition"), entstanden ab ca. 120, erklärt Jesus weiter: "Alle Tiere, die das als Nahrung bekommen, was man von der Erde empfängt, werden friedlich und in gegenseitigem Einvernehmen leben" (Papias, ap. Irenäus V, 33, 3, 4). Hier knüpft Jesus einerseits an den Schöpfungsbericht 1. Mose 1, 29-31 an, wonach Menschen und Tiere durch die Früchte der Erde beschenkt werden und andererseits an die Friedensreich-Prophezeiung bei Jesaja 11, 6-9. Demnach gibt es also einen direkten Zusammenhang zwischen vegetarischer Ernährung und Friedfertigkeit in der Tierwelt, und so kommt es im Laufe der Zeit zu einem ganz neuen Miteinander: "Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern" (V. 6). "Und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder" (V. 7). Hier könnte der Mensch zum historischen Vorbild für so genannte "Raubtiere" werden, da er im Unterschied zu den momentanen Lebensumständen einiger Tierarten gar nicht auf Fleisch angewiesen ist und am leichtesten seine Ernährung umstellen könnte.

Doch solche Stellen wie bei Papias sind den Menschen im Kirchenchristentum genauso unbekannt wie der vollständige Text des Evangeliums der Zwölf (= des Evangeliums des vollkommenen Lebens*). Dort sagt Jesus weiterhin zu seinen Jüngern: "Gott ist gerecht und gütig und hat befohlen, dass die Menschen leben sollen allein von den Früchten und den Saaten der Erde" (38, 4). Ob es eine Abschrift des aramäischen Originals dieses Textes und eine antike altslawische Übersetzung im Vatikan tatsächlich gibt, wie es der Theologe Gideon Jasper Ousley sagt, konnte bis jetzt nicht abschließend geklärt werden. [Forscher gesucht! Ein wissenschaftlich fundierter Hinweis zur altslawischen Übersetzung, welche den Ursprungstext bestätigt, wäre hilfreich. Der Vatikan bzw. die Bibliothek des Vatikans haben eine entsprechende Anfrage nicht beantwortet, was allerdings eher für eine Existenz dieser Dokumente spricht.] Dies ist insofern von Bedeutung, da mancher die Echtheit einer prophetischen Botschaft anzweifelt, diese jedoch bei einer nachgewiesenen Übereinstimmung mit einem antiken Text nicht mehr ignorieren könnte.

Vergleichbar ist die Situation beim Friedensevangelium der Essener. Nach Aussagen des ungarischen Forschers Edmond B. Székely wird eine aramäische Fassung dieses Evangeliums im Vatikan unter Verschluss gehalten. Nachdem er eigenen Angaben zufolge kurzzeitig Einsicht erhalten hatte, habe er den Text wohl ebenfalls in einer Art "Innenschau" aus dem Gedächtnis niedergeschrieben. Demnach lehrte Jesus: "Und das Fleisch geschlachteter Tiere in seinem Körper wird sein eigenes Grab werden. Denn wahrlich, ich sage euch: Der, der tötet, tötet sich selbst, und wer vom Fleisch erschlagener Tiere isst, isst vom Körper des Todes" (S. 41). Auch wenn Kritiker die Aussagen Székelys anzweifeln oder nicht anerkennen, so handelt es sich auch hier um einen Satz, der sich nahtlos in das Gesamtbild von Jesus einreiht, das man auch aus wissenschaftlich gesicherten Quellen von ihm hat. Denn Jesus setzt bei allen seinen Lehren das Gesetz von Saat und Ernte voraus (d. h.: Was du anderen antust, wird eines Tages dir angetan werden), und bereits die Propheten des Alten Testaments haben dabei das Verhalten der Menschen an den Tieren mit einbezogen. So heißt es z. B. beim Propheten Jesaja: "Wer einen Stier schlachtet, gleicht dem, der einen Mann erschlägt" (66, 3; Übersetzung von Martin Luther).

Interessant ist ein Jesuswort aus dem um das Jahr 110 n. Chr. entstandenen Ägypterevangelium. Darin wird Jesus mit dem Satz zitiert "Iss jegliche Pflanze, die mit Bitterkeit behaftete iss nicht" (zit. nach Clemens von Alexandria, Stromateis 3, 9, 66). Allerdings geht es in diesem Zusammenhang nicht um Ernährungsfragen (anders als bei Skriver, a.a.O., S. 53 erörtert), sondern Jesus verwendet den Satz sprichwörtlich und für die Zuhörer etwas rätselhaft beim Thema "Fruchtbarkeit" und "Mutterschaft". Dabei greift er jedoch ganz nebenbei auf eine einfache sprichwörtliche Volksweisheit zurück, um sich vernünftig vegetarisch zu ernähren, wobei "bitter" in der aramäischen Muttersprache von Jesus vielleicht "giftig" oder "unbekömmlich" geheißen hatte.

In einem anderen Zusammenhang spricht Jesus über ein Lamm, das zum Fleischverzehr getötet wurde, und leider ist der Sinn nicht sicher zu ermitteln. Nachzulesen ist die Stelle in dem bekannten, um ca. 150 n. Chr. entstandenen Thomasevangelium, das ägyptische Bauern im Jahr 1945 beim Pflügen in der Nähe von Nag Hammadi am Nil gefunden hatten. In Vers 60 heißt es: "Sucht auch ihr nach einem Ort für euch zur Ruhe, damit ihr nicht [auch] zur Leiche [lat.: cadaver] werdet und man euch verzehrt" (zit. nach Synopsis Quattuor Evangeliorum, Appendices, Evangelium Thomae Copticum, V. 60, Deutsche Bibelstiftung, Stuttgart 1976).  Und kurz zuvor heißt es: "Schaut aus nach dem Lebendigen, solange Ihr lebt, damit Ihr nicht sterbt." (V. 59). Und im nachfolgenden Vers 61 ist dann nach Angaben des Herausgebers eine Passage "zerstört oder verstümmelt". Vermutlich meinte Jesus in Vers 60 einen "inneren Ruheort" bzw. einen "inneren Frieden", der den Menschen aus dem Kreislauf von Töten und Getötet-Werden (gegenüber Menschen und Tieren) befreit. Zudem könnte Jesus in Vers 59 auch davor gewarnt haben, nicht nach einem getöteten Lamm als Beispiel für "tote Nahrung" zu trachten, sondern nach lebendiger pflanzlicher Nahrung, so dass er wahrscheinlich schon vor 2000 Jahren sinngemäß lehrte: Der Mord an den Tieren führt zum Tod der Menschen.

"Gottes Mühlen mahlen langsam" heißt es ja auch in einem Sprichwort. Doch heute kommen die Grausamkeiten der Menschen an den Tieren offensichtlich immer schneller auf den Menschen selbst zurück, wenn er diese nicht vielleicht doch noch bereut und umkehrt.

Was steckt hinter den "Fischwundern"?

Für die ehemaligen Fischer unter den Jüngern von Jesus bedeutet die Umkehr auch eine berufliche Veränderung: "Ich werde euch zu Menschenfischern machen", sagt Jesus und "sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm" (Markusevangelium, Markus 1, 17-18). Nach dem Bericht im Lukasevangelium gewinnt Jesus das Vertrauen der Fischer durch einen Riesenfang an Fischen entgegen den Prognosen der Fischfang-Experten. Im griechischen Urtext heißt es dazu, die Netze seien "wiederholt [bzw. "andauernd"] gerissen" (griechische Imperfektform), so dass die Tiere wieder ins Freie schwimmen konnten, was auch als Symbol verstanden werden kann: Die Tiere lieben die Freiheit wie die Menschen. Deshalb sollen diese aufhören, sie zu fangen!
Zwar hat die neue evangelisch-katholische Einheitsübersetzung (1984) eine weniger nahe liegende Übersetzung gewählt, wonach die Netze nur "zu reißen drohten", doch selbst in der Bibel steht nicht, dass die Jünger den Fang sichergestellt und verkauft hätten. An anderer Stelle behauptet die Bibel jedoch, Jesus hätte Fische zum Verzehr vermehrt, doch auch hier könnte die Christusbotschaft "Das ist Mein Wort" Klarheit bringen. Es wird dort berichtet, dass Jesus von Nazareth keine lebenden Fische erschaffen hatte, "damit sie wieder getötet werden". Er schafft demnach tote Fische aus der Geistsubstanz der Erde und er sagt dazu weiter: "Ich gab ihnen die toten Fische und gebot ihnen, zugleich auch Brot und Früchte zu essen, damit sie den Unterschied erkennen zwischen lebender und toter Nahrung, zwischen hoch schwingender und niedrig schwingender Kost (Vollständig in: Das ist Mein Wort, a.a.O., S. 384).

Allgemein könnte man die These aufstellen: Die Tiere wollen den Menschen als ihren großen Geschwistern dienen, und so soll auch der Mensch seinen Mitgeschöpfen, den Tieren, dienen. Als Jesus von Nazareth 40 Tage in der Wüste ist, lebt er unter den "wilden Tieren" (Bibel, Markusevangelium 1,13), und er hat sie dort sicher nicht mit Pfeil und Bogen gejagt oder Speere nach ihnen geworfen, sondern er versteht ihre Sprache und lebt in Frieden mit ihnen. Es wird bereits für kurze Zeit Wirklichkeit, was der Prophet Jesaja einige hundert Jahre zuvor voraussagte: "Der Geist Gottes lässt sich nieder auf Ihm; der Geist der Weisheit und der Einsicht. Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen und ein kleiner Junge kann sie hüten" (11, 1.6-7). (Dieter Potzel)


In der Ausgabe Nr. 8 / 2001 lesen Sie: Auch die antiken Biographien über die Jünger belegen: Sie lebten vegetarisch
Und in Nr. 12 / 2001: Nachdem die Kirche zur Staatskirche wurde: Vegetariern wurde Blei in den Hals geschüttet oder sie wurden als Irrlehrer aufgehängt / »Was nicht sein darf« - wie heutige Theologen Quellen fälschen 
Und in Nr. 5 / 2002: Philosophen in der Antike achteten die Kirche / Absturz in die Barbarei durch das kirchliche Christentum
 

  • Hinweis: Der oben stehende Aufsatz wurde auch als Teil 1 der Schrift Jesus und die ersten Christen waren Vegetarier übernommen, einsehbar unter http://www.theologe.de/theologe7.htm
     

Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 6/01


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