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Verheimlichte Quellen (Teil 2)
Die ersten Christen waren Vegetarier
Den Tieren wäre viel Leid erspart geblieben, wenn man auf
Jesus von Nazareth gehört hätte, der seinen Nachfolgern gebot, kein Fleisch mehr
zu essen. Doch in den Evangelien der Bibel finden sich nur noch wenige Spuren
seiner Verbindung zu Natur und Tieren, etwa in der Erzählung über die Vögel
unter dem Himmel, die sich nicht sorgen (Matthäus 6). Oder im
Gleichnis vom Senfkorn, wo aus einem einzigen Korn ein ganzer Baum herauswächst,
in dem die Vögel nisten können. So wird es auch mit dem kommenden Friedensreich
sein, das anfangs ebenfalls klein wie ein Senfkorn ist und später "größer
als die anderen Gewächse" wird (Matthäus 12). Und wenn
Jesus 40 Tage lang in der Wüste "bei den wilden Tieren lebte" (Markus 1), dann ahnt man vielleicht etwas von dem großen
Plan des Mannes aus Nazareth, das einstige Paradies auf der Erde wiederherzustellen. Wie Jesus
ganz praktisch mit Tieren umgegangen ist und welche konkreten Schritte der
einzelne in diese Richtung tun kann, darüber informiert die Bibel jedoch nur
mangelhaft oder sogar falsch. Deshalb beziehen wir auch antike Quellen außerhalb der Bibel
ein, in denen mehr und Genaueres darüber zu erfahren ist, z. B. darüber, ob die Christen sich an das Gebot von Jesus, kein Fleisch
zu essen, gehalten haben.
Niemals
Fleisch genossen
Viele Informationen zu diesem Thema sind in dem Buch des
Religionswissenschaftlers
Carl Anders
Skriver, Die Lebensweise Jesu und der ersten Christen (Lübeck 1973)
zusammengestellt, z. B. über Petrus, einen der bekanntesten Jünger. Skriver
zitiert Petrus gemäß der Clementinischen Homilien (= Predigten), einer Schrift
über den römischen Gemeindevorsteher Clemens, die um 220 im Palästina entstanden
ist. Petrus erklärt demnach, er lebe "von Brot und Oliven", denen er teilweise
Gemüse hinzufüge (XII, 6). Ähnliches wird vom Jünger Matthäus
berichtet. Der von Freund und Gegner als zuverlässig anerkannte Kirchenvater
Clemens von Alexandrien (3. Jahrhundert) schreibt über Matthäus, dass dieser "von
Pflanzenspeisen lebte und kein Fleisch berührte" (Paidagogos [= "Der Pädagoge",
das erste christliche Ethikbuch] II. 1, 16), ebenso wie der Jünger Matthias,
der nach dem Tod von Judas in den Kreis der zw ölf Jünger hinein gewählt wird.
Und der Religionswissenschaftler Skriver ergänzt, dass nach dem Zeugnis der Schriftsteller des 2.
Jahrhunderts auch die Apostel Andreas, Philippus und Thomas sowie die
Evangelisten Markus und Lukas Vegetarier sind (S. 15).
Dass zu der ursprünglichen Gruppe der Zwölf bald auch andere hinzukommen, welche
die Hauptverantwortung für das junge Urchristentum tragen, zeigt das Beispiel
von Jakobus, des leiblichen Bruders von Jesus von Nazareth, des ersten Leiters
der Urgemeinde in Jerusalem. In der Bibel gilt er neben den tierfreundlich
lebenden Aposteln Petrus und Johannes als einer der drei "Säulen", die
entsprechendes "Ansehen genießen" (Paulus, Galater 2, 9). Von Jakobus schreibt
der Kirchenvater Hegesipp (um 180): "Er genoss weder Wein noch Rauschtrank;
auch aß er kein Fleisch" (Eusebius, Kirchengeschichte II, 23, 5-6).
Die Lebensweise der ersten Urchristen in Palästina ist für viele Menschen ein
Stein des Anstoßes. Denn nach wie vor ist der Tempel mit seinen täglichen
Tieropfern der religiöse und politische Mittelpunkt der Gesellschaft. Und bei
jedem der vielen Feste im Jahreslauf sind bestimmte Schlachtungen vorgeschrieben,
und das Verzehren bestimmter Fleischstücke bei den Festmählern gilt nicht nur
als Essgewohnheit, sondern als Gehorsam gegenüber einem Gott, der solches
geboten haben soll. Deshalb zählt die tierfreundliche Lebensweise des Jakobus
und der Urgemeinde als Abfall von Gott und seinen Geboten - ein Vorwurf, um
dessentwillen Jakobus im Jahr 62 n. Chr. von Anhängern der Jerusalemer Priester
durch Steinigung ermordet wird. Sein Nachfolger Simeon, ein Cousin von Jesus,
bleibt dieser Lebensweise zum Wohl von Mitmenschen und Tieren unter Gefährdung
seines Lebens aber treu, ebenso dessen Nachfolger Justus (ab 107)
(Skriver, a.a.O., S. 15 f.). Und auch das
Todesurteil von Jesus wurde möglicherweise u. a. damit begründet, dass er die
Schlacht- und Speisevorschriften zum Passahfest nicht eingehalten habe (siehe
hier). Man kann also davon ausgehen, dass
Jesus und die ersten Christen
aus Liebe zu den Tieren deren Schlachtung und Verspeisung ablehnten und auf
diese Weise riskierten, selbst ermordet zu werden.
Wessen Wort gilt ?
Jesus von Nazareth hatte die Bevölkerung einige Jahre zuvor darüber aufgeklärt,
dass die Opfervorschriften nicht von Gott stammen, sondern von den
Priestern, welche ihre Erfindungen und Übernahmen aus anderen Kulten (z. B. aus
Ägypten) anschließend Gott unterschoben haben. Dazu schreibt der Kirchenvater
Clemens von Alexandria: "Die blutigen Opfer aber, glaube ich, wurden nur von den
Menschen erfunden, welche einen Vorwand suchten, um Fleisch zu essen"
(Paidagogos II., zit. nach Robert Springer, Enkarpa, Culturgeschichte der
Menschheit im Lichte der pythagoräischen Lehre, Hannover 1884, S. 288-291).
Und Jesus sagte: "Ich bin gekommen, die Opfer abzuschaffen, und wenn
ihr nicht ablasst zu opfern, wird der Zorn nicht von euch ablassen", wobei mit
dem Wort "Zorn" die negative Wirkung gemeint ist, welche auf die negative Ursache der Opfer
folgt.
Dieses Wort von Jesus ist im urchristlichen Ebionäerevangelium (Anfang des 2.
Jahrhunderts) dokumentiert, das die Kirche ca. 300 Jahre später vernichten ließ.
Leider nur wenige Sätze sind erhalten geblieben, die der katholische Kirchenlehrer
Epiphanius (ca. 315-403) in seinem Buch Arzneimittelkästchen gegen
alle Irrlehrer (ein zynischer Titel) überliefert (Panarion omnium haeresium 30, 16, 4-5).
Epiphanius berichtet auch, dass die von ihm (nach einem Mann namens
Ebion) so genannten Ebionäer oder Ebioniten auf die Frage, warum sie
Fleischspeisen und Opferkult strikt ablehnten, erklärten, Jesus habe es so
gesagt (Panarion 30, 18, 9), ein sehr wesentliches antikes Zeugnis für die
Lehre des Jesus von Nazareth. Und wer die Ebioniten nicht als "Lügner"
bezeichnen möchte, für den ist dies sogar ein Beweis dafür, dass Jesus lehrte,
Tiere nicht zum Fleischverzehr zu töten.
Doch der Großteil der Menschen hört lieber weiter auf die Priester anstatt auf
den Mann aus Nazareth. Der Tempel, in dem die Tiere geschlachtet werden, gewinnt
noch an Bedeutung und wird als Kunstwerk sogar erst in den 60er-Jahren baulich
vollendet. Fast gleichzeitig beginnt der Aufstand gegen die römische
Besatzungsmacht. Dieser endet jedoch in einer Katastrophe mit über 100.000 Toten und der
Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr., kurz nachdem er fertig gestellt wurde. Von den Überlebenden kommen
manche jetzt zur Besinnung, und in einer jüdischen Quelle ist zu lesen: "Als der
Tempel zerstört worden war, mehrten sich die Enthaltsamen in Israel, die weder
Fleisch aßen noch Wein tranken" (Talmud, Baba Batra 60 b).
Das Ende des Krieges und des Tempels hätten einen Neuanfang in der Gesellschaft
auch im Verhältnis zu den Tieren bedeuten können. Doch ausgerechnet bei einigen,
die sich auf Christus berufen und die deswegen aus den Synagogen, den
verbliebenen Gebetshäusern, ausgeschlossen werden, ziehen allmählich die
Kompromisse ein und es wird wieder Fleisch gegessen. So jedenfalls geht es aus
einem Dokument über die Christen in Palästina Anfang des 2. Jahrhunderts hervor,
dem bekannten Brief des römischen Gesandten Plinius an Kaiser Trajan. Plinius,
ein Gegner der Christen, schreibt nach Rom, dass ehemalige Christen ihm
folgendes berichtet haben: "Danach sei es bei ihnen Brauch gewesen, auseinander
zu gehen und [später] wieder zusammenzukommen, um ein Mahl einzunehmen,
allerdings ein ganz gewöhnliches und unschuldiges", was man gut als ein
vegetarisches Mahl deuten könnte. Plinius sieht jedoch immer mehr Christen von
ihrem Glauben abfallen und schreibt weiter: "Fest steht jedenfalls, ...dass
... das Fleisch der Opfertiere, für das es eben noch kaum
mehr einen Käufer gab, überall wieder Absatz findet. Demnach ist es leicht
vorzustellen, welch große Zahl von Menschen auf den rechten Weg zu bringen wäre,
wenn man nur ihrer [tätigen] Reue stattgäbe" (Epistula (= Brief)
X, 96, zit. nach Adolf Martin Ritter, Alte Kirche, Kirchen- und
Theologiegeschichte in Quellen, Band I, Neukirchen 1977, S. 15).
Doch bevor in Palästina Menschen, die sich Christen nannten, wieder mit dem
Fleischverzehr begonnen hatten, war ein schützender Damm für die Tiere bereits in anderen Teilen des
römischen Reiches gebrochen.
Wie ist es dazu gekommen? Nachdem sich die Nachfolger von Jesus zunächst nur
gegenüber den jüdischen Priestern und ihren Anhängern behaupten müssen, tut sich
bereits um das Jahr 50 eine neue Front auf. Ein Einzelgänger namens Paulus fängt
auf eigene Faust an, Menschen für Christus zu gewinnen, und zwar außerhalb von
Israel (siehe dazu Der Theologe Nr. 5). Weil Paulus als Parteigänger der Pharisäer die Jesusnachfolger in
Jerusalem früher verfolgte, herrscht zunächst Freude über seine Bekehrung -
einem Erlebnis, bei dem ihm nach eigenen Angaben Christus erschienen ist. Doch
schon bald kommt es zum Konflikt zwischen der Urgemeinde in Jerusalem und dem
Neubekehrten, da Paulus in vielerlei Hinsicht von der Lehre des Jesus von
Nazareth abweicht, z. B. in seiner Lehre, dass der Glaube für das Heil der Seele
genüge, während Jesus immer wieder auf das rechte Tun hinwies (siehe dazu
"Der
Theologe Nr. 8",
Vergleich Nr. 7).
Das Ringen um die Wahrheit
In der Bibel wird dieser Konflikt fälschlicherweise
so dargestellt, als gehe es um die Frage, ob ein Urchrist auch alle jüdischen
Gebote und Kultvorschriften übernehmen müsse, auch wenn er von seiner
Nationalität und religiösen Herkunft gar kein Jude ist. Zu diesen Vorschriften gehört z. B. auch ein
reduzierter Fleischkonsum, der sich an bestimmten "Reinheitsvorstellungen"
orientiert. Zwar gibt es in Israel eine solche Gruppierung, die den Glauben
an Christus und die jüdischen Vorschriften zu vereinbaren sucht (eine
Untergruppe der so genannten "Judenchristen"), doch beim
Konflikt zwischen Paulus und den Aposteln geht es offenbar noch um etwas anderes, nämlich um
einen umfassenderen und grundsätzlichen Konflikt: Es geht darum, ob man Jesus in
allem zum Vorbild nimmt und ihm in allem, was er gebot und tat, nachfolgt - so,
wie es die Jünger wollten. Oder ob es nicht so entscheidend sei, was Jesus im
Einzelfall lehrte, Hauptsache man glaubt daran, dass er uns erlöst habe - wie es
Paulus wollte (Dieses Thema ist ausführlicher besprochen in
"Der
Theologe Nr. 5" - Wie Paulus die Lehre des Jesus veränderte).
So hatte die Urgemeinde längst mit den jüdischen Kultvorschriften und einigen
anderen Überlieferungen gebrochen, weil Jesus es so gelehrt hatte. Dazu gehört,
dass man dort - sofern man Jesus von Nazareth auch in diesem Punkt folgt - aus Achtung
und Liebe zu den Tieren gar kein Fleisch mehr isst. Anders in den
Paulusgemeinden, die ihre "Erlösung" und "Freiheit in Christus" auch als
Freiheit zum Fleischverzehr verstehen, und wo sich die Menschen nicht darum zu
kümmern brauchen, wie es Jesus von Nazareth einst gehalten hat. Denn, so sagt Paulus
z. B. an anderer Stelle:
"Ob wir auch Christus gekannt haben nach dem Fleisch [d. h. als Mensch], so kennen wir ihn doch
jetzt so nicht mehr" (2. Korinther 5, 16).
Auf dem Apostelkonzil von Jerusalem (um 50) wird schließlich entschieden, Paulus
und seinen Anhängern folgende Auflage zu machen: Wenn sie sich schon die
Freiheit herausnehmen, Tiere zu verspeisen, dann sollen sie zumindest, wie es im
Judentum üblich ist, auf Fleisch aus heidnischen Kulthandlungen und auf Fleisch,
das noch Reste von Blut enthält, verzichten (Apostelgeschichte 15, 20). Das
Einhalten dieser jüdischen Speisevorschriften könnte demnach allenfalls ein Kompromiss-Angebot der
Jerusalemer Urgemeinde an die von Paulus gegründeten Gemeinden sein, das dazu
beitragen soll, dass beide Richtungen nicht vollständig auseinander brechen. Und
dann wäre auch jene Gruppe der so genannten "Judenchristen" integriert, die es
ohnehin schon so hielt.
Paulus öffnete das Tor zur Hölle
Was ist nun aus dieser Vereinbarung geworden? Zunächst ist Paulus bereit, sich
selbst persönlich einzuschränken und er rät in seinen Briefen sogar, den
Vegetariern zuliebe ganz auf den Fleischkonsum zu verzichten; bzw. er tut es den
Glaubensgenossen zuliebe, die sich nicht trauen, Fleisch zu essen, weil dies
zuvor heidnischen Göttern geopfert wurde (Tierliebe und kultische Ängste standen
als mögliche Motive für den Fleischverzicht nebeneinander). Paulus betrachtet
sie nämlich als "Schwache im Glauben", auf die man unbedingt Rücksicht nehmen
müsse. "Der Schwache aber isst kein Fleisch", so Paulus (Römer 14, 2). Und: "Es
ist nicht gut, Fleisch zu essen oder Wein zu trinken oder sonst etwas zu tun,
wenn dein Bruder daran Anstoß nimmt" (V. 21).
Würden sich die
Kirchenchristen heute an das halten, was der von ihnen hochverehrte Paulus an dieser
Stelle sagte, dann müssten sie mit dem Fleischkonsum aufhören. Denn nicht nur
ein "Bruder", sondern Millionen von Brüdern und Schwestern nehmen in unserer
Zeit Anstoß an der Knechtung der Tierwelt und den Schlachtungen allein für den
Gaumengenuss von Menschen. Doch hier pfeifen sie leider auf "ihren" Paulus und gehen
lieber durch das "Tor zur Hölle", das Paulus für den Fall geöffnet hat, dass
dadurch kein Anstoß erregt werde.
Sofern dieser Sachverhalt gegeben scheint, ermuntert Paulus
nämlich die Menschen, sich die Freiheit zu nehmen, alles zu essen, "was auf dem
Fleischmarkt angeboten wird" (1. Korinther 10, 25; siehe zum Thema:
"Der Theologe Nr. 5", Kapitel 2, Wie Paulus das
Fleisch in das urchristliche Mahl einführte). Damit hält sich Paulus
letztlich nicht an die Auflage des Apostelkonzils, und seine "Christus"-Botschaft wird in dieser
Hinsicht den gehobenen Kreisen des Imperium Romanum angepasst, in denen der
unbedenkliche Fleischkonsum üblich ist. Doch es sollte noch schlimmer kommen,
nach dem Motto: "Gibt man dem Teufel den kleinen Finger, nimmt er die ganze
Hand."
Paulus selbst oder einer seiner Schüler, der unter dem Namen "Paulus" schreibt,
fasst einen Brief an Timotheus ab, in dem vor den "teuflischen Lehren" der
"Lügenredner" gewarnt wird: Diese würden gebieten, Speisen zu meiden, die nach der
Überzeugung von Paulus bzw. seines Schülers von Gott geschaffen seien, damit sie
"mit Danksagung empfangen werden von den Gläubigen und denen, die die Wahrheit
erkennen." Denn alles, was Gott geschaffen hat, sei gut, und nichts sei
verwerflich, was mit Danksagung empfangen werde; denn es werde geheiligt durch
das Wort Gottes und Gebet (1. Timotheus 4, 1-5). Der Verzehr von Tieren sei also gut, wenn man
- vereinfacht gesprochen - das Tischgebet zuvor nicht vergisst. So wird diese
Bibelstelle bis heute in den Kirchen
ausgelegt. Wie ist das aber, wenn man in diesem Zusammenhang darauf hinweist, dass ja auch der M e n s c
h von Gott "geschaffen" ist? Könnte dann nicht jemand eines
Tages auf die Idee kommen, mit Berufung auf die Bibel auch
Menschenfleisch dadurch "heiligen" zu wollen, dass man Gott zuvor dafür dankt und betet?
(PS: Der als "Kannibale von Rothenburg" bekannt gewordene Armin Meiwes fühlte sich
beim Verzehren seines Freundes Bernd Brandes sogar an das kirchliche Abendmahl
erinnert, wo eine Backoblate nach katholischer Auffassung zuvor in die
"Substanz" Fleisch umgewandelt wird und den Gläubigen als angeblicher "Leib
Christi" gereicht wird.)
Was hat der Autor des Briefes an Timotheus gemeint, wenn er schreibt, "nichts
ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird"?
Befragt man das evangelische Standardlexikon Religion in Geschichte und
Gegenwart, dann wendet sich der Brief an Timotheus gegen eine "breite
asketisch-vegetarische Strömung innerhalb der Gemeinden, die den Verzicht auf
Fleischgenuss ... empfahl, aber in dem Augenblick häretisch [Anmerkung: = falsch
gläubig] wurde, wo sie es forderte" (zit. nach Skriver,
a.a.O., S. 12). So
weit die kirchliche Interpretation.
Doch erforscht man die zahlreichen außerbiblischen Quellen, dann ist diese
Lebensweise nicht nur eine "breite Strömung", sondern der "Hauptstrom". Und die
Irrlehrer sind demgegenüber Paulus und seine Schüler; und in deren Nachfolge
die Amtskirchen bis heute, die das Töten der Tiere für den Fleischkonsum als
unbedenklich betrachten und befürworten.
Carl Anders Skriver schreibt dazu: "Man macht sich keine Vorstellung, welch ein
Vernichtungskampf gegen diese vegetarische Wahrheit im Christentum seit 2000
Jahren bis in die gegenwärtige Wissenschaft hinein geführt worden ist"
(S. 12).
Schlimme Zeiten für die Tiere
Dieser Kampf führt z. B. dazu, dass das
bedeutende altkirchliche Konzil von Ancyra im Jahr 314
im "Canon XIIII" (Canon 14) beschließt, "dass die, die in der Geistlichkeit Priester und Diakonen
waren und sich des Fleisches enthielten, es kosten sollten und so, wenn sie
wollten, sich selbst besiegten, wenn sie aber Abscheu zeigten, nicht einmal das
mit Fleisch vermischte Gemüse zu essen ... sie aus dem Amte zu entfernen" seien
(zit. nach Johannes Schümmer, Die altchristliche Fastenpraxis, Münster 1933,
S. 32). Dies war einer von 25 Lehrsätzen des Konzils, und der evangelische
Theologe Sebastian Moll gibt zu: "Auf mehreren Konzilien der Kirche wurden
Vegetarier tatsächlich verurteilt" (Jesus war kein Vegetarier, München 2011,
S. 36). Es sollte jedoch nicht bei Berufsverboten bleiben. Die Galgen und
Folterkammern der Kirche für tierfreundliche "Häretiker" bereiteten über viele Hunderte von Jahren
auch vor, was in
unserer Zeit dem Höhe- = Kipppunkt zusteuert - ein bestialischer weltweiter
milliardenfacher Massenmord an
Tieren, der in seinem Ausmaß und in seinen Qualen unvergleichlich ist.
Und so ist, um nur ein
Beispiel zu nennen, der Chef der Wiesenhof-Gruppe, die pro Woche 4,5 Millionen Hühner
schlachten lässt und auf diese Weise pro Jahr einen Umsatz von zwei Milliarden
Euro erwirtschaftet, überzeugter Katholik, der sein Tun mit der Bibel und den
biblischen Worten "Macht euch die Erde untertan" begründet (siehe
hier). Und der evangelische
Theologe Sebastian Moll von der Universität Mainz bewertet die Verurteilung der
Vegetarier auf dem Konzil von Ancyra aus heutiger Sicht als "eine erfrischend
positive Ethik und Weltsicht" (a.a.O., S. 38).
Der Gott der Kirche hatte bereits im Neuen Testament der Bibel
unter anderem durch Paulus das grausame Schicksal sowohl von
Tieren als auch von Andersgläubigen eingeleitet, das sich, was die Tiere
betrifft, derzeit [21. Jahrhundert] weltweit allen Menschen zeigt, die es sehen
wollen. Doch nicht nur Paulus trägt hier eine Schuld. So werden z. B. auch im 2. Petrusbrief der Bibel Andersgläubige mit
den "unvernünftigen Tieren" verglichen, "die von Natur dazu geboren sind, dass
sie gefangen und geschlachtet werden" (Kapitel 2, Vers 12). Im
Alten Testament (siehe
hier)
und bei den Griechen (siehe
hier) gibt es bei
den Tieren zumindest ein paar geschützte Ausnahmen. Das Neue Testament hingegen
kennt auf´s Ganze gesehen bei keinem Tier eine Gnade mehr.
Weitere Literatur u. a.:
Carl Anders Skriver*, Die Lebensweise Jesu und der ersten Christen, Lübeck 1973
Carl Anders Skriver, Die vergessenen Anfänge der Schöpfung und des Christentums,
Lübeck 1977
Dr. Carl Anders Skriver (1903-1983) war Religionswissenschaftler (Promotion über
Die Idee der Schöpfung in den Veden)
und Theologe. Sein Ziel war eine Reformation des Christentums im Sinne des
Geistes seines Begründers.
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»Lasst die Tiere frei!«
Die meisten Erzählungen über das Verhältnis von Jesus zu
den Tieren sind im Evangelium des vollkommenen Lebens zusammengestellt, auch
Evangelium Jesu genannt, an welches das heutige Offenbarungswerk
Das ist Mein Wort anknüpft (Verlag DAS WORT,
http://www.das-wort.com/deutsch/). Immer wieder hat Jesus Menschen und Tieren ganz praktisch geholfen, z. B. bei nachfolgender Begebenheit:
Einen Tag, nachdem Jesus Seine Rede beendet hatte, geschah es an einer Stelle bei Tiberias, wo sieben Quellen sind, dass ein junger Mann Ihm lebende Tauben brachte, damit Er sie mit Seinen Jüngern verzehre. Und Jesus blickte den jungen Mann liebevoll an und sprach zu ihm: »Du hast ein gutes Herz, und Gott wird dich erleuchten; aber weißt du nicht, dass Gott am Anfang dem Menschen die Früchte der Erde zur Nahrung gab ...? Lasst daher die Geschöpfe frei, dass sie sich in Gott freuen.« Und der junge Mann setzte sie in Freiheit, und Jesus zerbrach ihre Käfige und ihre Fesseln.
(Das Evangelium des vollkommenen Lebens, Kapitel 28).
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Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 8/01
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