Mangelerscheinungen trotz Überfluss

»An apple a day keeps the doctor away«

Das englische Sprichwort »An apple a day keeps the doctor away« (= Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern) ist heute mehr als nur ein humoriger Hinweis auf die Zusammenhänge zwischen gesunder Ernährung und Gesundheit. Es geht beim Thema »Essen und Trinken« längst um das Überleben unserer Zivilisation und mittlerweile ist auch die moderne Ernährungswissenschaft aufgewacht.
So empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung inzwischen den Verzehr von fünf Portionen Obst und Gemüse täglich zur Gesunderhaltung und Vorbeugung vor Krankheiten. Die Realität ist jedoch weit davon entfernt. In Deutschland etwa ist der Konsum von Fleisch, Wurst, Fisch, tierischen Fetten und Zucker zwei- bis dreimal so hoch, wie von der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen. Parallel dazu sind die ernährungsbedingten und ernährungsabhängigen Krankheiten stark angestiegen und verursachen mit mindestens 150 Milliarden DM pro Jahr ca. ein Drittel der Kosten im deutschen Gesundheitswesen. Die Finanzkrise der Krankenkassen beginnt also vielfach in unseren Kühlschränken und Küchen.

Todesursache: »Ernährung«

Die Bürger im Zentrum Europas essen sich regelrecht zu Tode. 64 % aller Todesfälle in Deutschland gehen nämlich auf das Konto dieser Krankheiten, wozu vor allem Herz- und Kreislauferkrankungen zählen und in der Folge Diabetes, die Zuckerkrankheit. In einer nationalen »Verzehrstudie« wurde schon 1996 festgestellt, dass ca. 40 % der Frauen und ca. 54 % der Männer in Deutschland übergewichtig sind, was deutlich über dem Durchschnitt anderer europäischer Länder liegt. Dieses Zuviel an Nahrung bedeutet aber nun nicht, dass alle notwendigen Vitalstoffe in ausreichender Menge aufgenommen wurden. Im Gegenteil: In der ausgeprägten Überflussgesellschaft herrscht ein Mangel an Vitalstoffen und das kann sich ganz praktisch in so genannten Befindlichkeitsstörungen zeigen. Dazu zählen das Nachlassen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, Müdigkeit, Schlafstörungen, Nervosität, Reizbarkeit, Appetitlosigkeit, eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen oder Gewichtsabnahme als Gegenstück zur Vollleibigkeit. Und man kann sich fragen: Was ist eigentlich passiert in diesem Land? Und wo liegen die Ursachen für diesen Mangel im Überfluss?
-  Einer der Gründe ist, dass der Gehalt an Vitalstoffen in den Nahrungsmitteln sich in den letzten 10 Jahren schleichend und deutlich vermindert hat, zum Teil um mehr als 50 %. Dies dürfte vor allem mit der konventionellen Landwirtschaft in Zusammenhang stehen, durch die die Böden langfristig ausgelaugt und ausgebeutet wurden.
- Zum zweiten hängt es mit dem übermäßigen Verzehr an tierischen Nahrungsmitteln zusammen. Denn bestimmte Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine und so genannte sekundäre Pflanzenstoffe (die neben den erstgenannten für die Ernährung wichtig sind) sind vor allem in Gemüse und Obst enthalten. Einige Studien haben deshalb auch gezeigt, dass Vegetarier bei der Zufuhr u. a. von Vitamin C und E, ß-Carotin, Folsäure, Vitamin B1, Magnesium, Kalium und Mangan deutlich besser abschneiden als die so genannten Mischköstler, die auch Fleisch essen. Besonders den so genannten sekundären Pflanzenstoffen gilt in letzter Zeit das Interesse der Forscher, da immer mehr von ihren vielfältigen positiven Wirkungen im menschlichen Organismus entdeckt werden. Carotinoide, Phytosterine, Phenolsäuren, Flavonoide usw. Schon mal gehört? Wenn nein, macht nichts. Wenn Sie sich ausgewogen vegetarisch ernähren, nehmen sie diese automatisch auf. Insgesamt geht man von mindestens 5.000-10.000 verschiedenen solcher aktiven Substanzen aus: Sie unterstützen den Zellstoffwechsel und beugen dabei Krebs und Blutgerinnseln vor, unterdrücken Bakterien, Viren und Pilze in ihrem Wachstum, wirken entzündungshemmend, regulieren den Blutdruck, senken den Cholesterinspiegel, verhindern schädliche Oxidation, stärken das Abwehrsystem, normalisieren den Blutzuckerspiegel und fördern die Verdauung.

Wenn die Vitaminpille nichts nützt ...

Gerade diese Vielfalt der positiven Wirkungen eines pflanzlichen Nahrungsmittels ist mit Medikamenten oder auch Vitamin- und Mineralstoffpräparaten nicht in dieser Weise zu erreichen. Diesen Zusammenhang bestätigen auch Studien, die ergeben haben, dass die Einnahme von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten bei Beibehaltung der gewohnten Ernährungsweise mit z. B. übermäßigem Verzehr an tierischer Nahrung oder so genannten Fast-Food-Produkten keinen gesundheitsfördernden Effekt zeigte. Die Erkenntnisse aus der gegenwärtigen Forschung weisen ebenso darauf hin, dass es insbesondere die komplexen Lebensmittel sind, die einen gesundheitsfördernden Effekt haben, weniger die Einzelsubstanzen wie z. B. ß-Carotin oder andere Vitamine. Auch die inzwischen in Mode gekommenen Gemüse- und Obst-Extrakte in Tablettenform können gesunde Lebensmittel in ihrer positiven Wirkung auf den menschlichen Organismus nicht ersetzen. 
Somit ist eine gesunde Ernährung mit gesunden Lebensmitteln auch die Basis für die therapeutische Anwendung von höher dosierten Vitamin- und Mineralstoffpräparaten zur Behandlung bei bestimmten Erkrankungen. Stimmt diese Basis nicht, darf man sich nicht wundern, wenn nicht der gewünschte Erfolg eintritt.
Die moderne Medizin und Ernährungswissenschaft, die heutzutage alles in einzelne Bestandteile zerlegt und diese dann analysiert, hat leider bisher kaum Methoden entwickelt, um die unterschiedliche Qualität eines Nahrungsmittels und seine ganzheitliche Wirkung im Sinne eines Heilmittels zu erfassen. Damit steht sie hinter dem zurück, was in früheren Jahrhunderten z. B. bei einem Arzt wie Hippokrates, noch als Erfahrungswissen vorhanden war. Deshalb sind wir in dieser Hinsicht auf unseren gesunden Menschenverstand und unsere eigene Erfahrung angewiesen. 
Machen wir uns doch einmal bewusst, was die Natur alles an Energie aufgewendet hat, um z. B. einen Apfel hervorzubringen, der uns als wertvolles Nahrungs- und Heilmittel dient - von den ersten Knospen am Apfelbaum über die Apfelblüte, die Befruchtung durch Insekten, vom ersten Fruchtansatz bis zum reifen Apfel. Wie haben alle Elemente, Erde, Sonne, Regen und Wind zusammengewirkt, damit der Apfelbaum und die Äpfel alles bekommen, was sie brauchen, um zu wachsen und zu reifen! Spürt man diese Energie nicht auch, wenn man einen reifen Apfel betrachtet und bewusst zu sich nimmt und ist das nicht ein anderes Erleben als das Schlucken einer Vitamintablette? 
In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich auch die Frage, ob uns in der Zukunft überhaupt noch gesunde lebendige Nahrungsmittel zur Verfügung stehen werden. Wer glaubt, auch weiterhin die Natur und die Tiere ohne Ethik und Moral für den menschlichen Eigennutz missbrauchen und ausbeuten zu können, braucht wirklich einen starken Glauben. Denn er wird eines Tages die Folgen am eigenen Leib in Form von Krankheit zu tragen haben. Die gegenwärtige Situation in unserem Gesundheitswesen zeigt uns die möglichen Folgen anhand der ernährungsbedingten und damit vermeidbaren Krankheiten ja bereits auf. Doch selbst der Schock durch BSE hielt den Verbraucher nur vorübergehend von den Fleischtöpfen fern. Viele bleiben lieber »Glaubende«, anstatt die Fakten zur Kenntnis zu nehmen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Doch was nicht ist, kann ja noch werden ... (D. Potzel)


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Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 12/01

 


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