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Eine Iranerin in Deutschland Durch ein persisches Auge ... Seit die USA und ihre Verbündeten einen weltweiten Krieg gegen den Terrorismus führen, hört man oftmals auch die Einschätzung, dass parallel dazu ein »Krieg der Kulturen« stattfinde. Auf der einen Seite die vom Kirchenchristentum geprägte reiche westliche Welt - auf der anderen Seite die islamische Welt, in welcher der Großteil der Bevölkerung in Armut lebt. Die Perserin Rosa kennt beide Welten. Einst ist sie zusammen mit ihrer Familie aus ihrem Heimatland geflohen, heute lebt und arbeitet sie in Deutschland. Als US-Präsident Bush vor einigen Wochen den Iran zur »Achse des Bösen« zählte, traute sie ihren Ohren kaum. Ausgerechnet die USA sagen so etwas, die im Iran von den 50er Jahren an bis zur Islamischen Revolution im Jahr 1979 das gewalttätige Schah-Regime stützten und das Land durch ihre Konzerne ausbeuten ließen. Und obwohl die Landwirtschaft ihrer Familie enteignet und ihr Bruder ermordet wurde, fordert sie dafür keine Vergeltung, sondern hat den Tätern verziehen und wirbt dafür, aufeinander zuzugehen. Rosa ist eine Frau Mitte Vierzig mit klarem freundlichen Blick und wenn sie spricht, dann mit Engagement. Dies gilt auch für Details, die man hierzulande vielleicht als nebensächlich betrachtet, die jedoch sinnbildlich dafür sind, dass die westlichen Staaten meist als Räuber in den Orient eingedrungen sind. Gestohlene Kultur So kommen wir im Gespräch über die Geschichte Persiens auf die Schätze aus dem alten Babylon zu sprechen, einer früheren Weltmacht auf dem Gebiet der heutigen Länder Iran und Irak. Und während ich als Europäer bislang kein Problem damit hatte, dass diese teilweise Jahrtausende alten Kostbarkeiten in europäischen Museen bestaunt werden können, reagiert Rosa darauf mit Widerspruch: »Warum sind diese Schätze eigentlich alle im Westen und nicht dort, wo sie herkommen und auch hingehören? Man hat unsere Kultur gestohlen.« Als die Amerikaner kamen Mohammed Resa setzte diesen Kurs fort. Unter ihm kamen große US-Firmen ins Land, immer mehr gewachsene soziale Strukturen zerbrachen und Menschen verarmten. Ein Zeichen der Hoffnung war es, als im Jahr 1951 Mohammad Mossadegh Ministerpräsident wurde, der bis heute in der Bevölkerung als Symbolfigur für die persische Unabhängigkeit gilt. Mossadegh beschränkte die Rechte von Briten und Amerikanern und verstaatlichte die britische Anglo-Iranian Oil Company, welche das Öl des Landes ausbeutete. Der Westen reagierte sofort mit einem Boykott des iranischen Öls. Und 1953 stürzten die USA mit Hilfe ihres Geheimdienstes CIA die Regierung Mossadegh und verhalfen Mohammed Resa Pahlewi durch einen Militärputsch zurück an die Macht. Seither rüsteten die Amerikaner die Schah-Regierung militärisch auf, noch mehr US-Konzerne drangen in das Land ein und bald waren mehrere Tausend US-Berater dort tätig. Es geht um Leben und Tod Und heute, am Beginn des 21. Jahrhunderts, ist es schon wieder so weit, dass sowohl der Iran als auch der Irak aus der Sicht der USA und Großbritanniens über zu viele und zu gefährliche Waffen verfügen, und vor allem dem Irak droht deshalb ein neuer Angriff der ehemaligen Kolonialmächte. Und beide Länder, Iran und Irak, gelten für die USA neben China, Russland, Libyen, Syrien und Nordkorea als mögliche Ziele für den Abwurf kleinerer Atombomben, wenn sich z. B. »eine überraschende militärische Lage« entwickeln würde, in der die USA dies für zweckmäßig erachten würden. Rosa ist darüber entsetzt. Und was sie ebenfalls schmerzt, ist, dass die Politiker dieser Länder sich »Christen« nennen: »Christus hat nicht gelehrt, andere Völker zu beherrschen, auszubeuten, zu bekriegen und zu zerstören. Diese Leute sollten sich nicht Christen nennen.« Innerer und äußerer Frieden Währenddessen spitzen sich die politischen Konflikte immer mehr zu. Und noch viele Beteiligte müssten ihr eigenes, oft verdrängtes Gewaltpotenzial ablegen und zum inneren Frieden finden, um nicht früher oder später in kriegerische Auseinandersetzungen hineingezogen zu werden. Wie sich die Verhältnisse im Iran entwickeln, ist im Augenblick nicht absehbar. Auch die Politik von Ayatollah Khomeini brachte vielen Menschen Leid, und Rosas Familie wurde auch noch der Garten weggenommen, der letzte Rest ihres einstigen Besitzes, was der Auslöser für die Entscheidung war, das Land zu verlassen. Die gegenwärtige Regierung unter Präsident Chatami hat nun die strengen islamischen Gesetze und Vorschriften vorsichtig gelockert, und ein Großteil der Bürger wünscht sich noch weit mehr Freiheiten und Freizügigkeiten und eine weitere Öffnung des Landes in Richtung Westen. In diese Situation hinein platzte die Einreihung des Iran in die »bösen« Länder durch US-Präsident Bush wie ein Bombe und ließ die große Mehrheit der Iraner zusammenstehen. So kam es Anfang Februar 2002 in Teheran zur größten antiamerikanischen Demonstration in der 23-jährigen Geschichte der Islamischen Republik mit Hunderttausenden von Menschen auf den Straßen, und ähnlich war es in den anderen Städten. Die Zeitung »Die Welt« zitiert in diesem Zusammenhang einen demonstrierenden persischen Bankangestellten, der ausspricht, was ein großer Teil der Bevölkerung denkt: »Ich habe mit den Mullahs nichts am Hut ..., aber das Vaterland zu verteidigen, hat nichts mit den Mullahs zu tun«
(12.02.2002). Dennoch standen sie hinter ihrem Präsidenten, als dieser mahnte: Die USA sollten einmal daran denken, den »schrecklichen Terroranschlag vom 11. September auch als Folge ihrer eigenen falschen Politik zu betrachten« und nicht nur andere Länder dafür anklagen. Und weiter: »Die Welt in Freunde oder Feinde zu teilen, könnte zu einem Weltkrieg mit unvorhersehbaren Konsequenzen führen.« Und nachdem die USA entgegen dieser Warnung den Iran jetzt sogar öffentlich zum strategisch denkbaren Atombombenziel erklärten, darf sich niemand wundern, wenn die antiamerikanische Stimmung im Land noch weiter aufgeheizt wird. |
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