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Dettelbach in Unterfranken Der verhinderte Aufbau einer Naturklinik Seit fast 2000 Jahren versuchen die Kirchen, den Staat für die Bekämpfung von »Ketzern« einzuspannen. So war es auch in der fränkischen Kleinstadt Dettelbach (mit einem kirchlichen "Würdenträger" im Stadtwappen), wo man in den Jahren 1984-1988 lieber Steuergelder verschwendete als Anhänger der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben in den Ort zu lassen. Die verhinderte Christusklinik im fränkischen Dettelbach Man müsse
verhindern, so Bürgermeister Reinhold Kuhn in der Stadtratssitzung, »dass die
Stadt Zentrum einer Sekte wird«. Man müsse »aus der Erfahrung mit Jugendsekten
heraus besonders besorgt sein ... um die Heranwachsenden«. (...) »Kirchen bedrängen den Landrat« Und warum konnte man es nicht so lassen, wie es war? Die
Main-Post (28.9.1984) ließ daran keinen Zweifel. Unter der Überschrift »Kirchen
bedrängen den Landrat« stand dort zu lesen: »Landrat Dr. Siegfried Naser, so
hieß es aus gut unterrichteter Quelle, machte in der Sitzung hinter
verschlossenen Türen deutlich, dass ihn die beiden Amtskirchen bedrängten,
wonach er den Verkauf des Hauses wieder rückgängig machen müsse.« (...) Zum
Rückzug blies auch der Kreisrat und Krankenhausreferent des Kreistages, Albrecht
Fürst zu Castell-Castell, Spross einer einflussreichen protestantischen
Fürstenfamilie, für den »kein Zweifel« bestand, »dass sich die Klinik zu einem
Zentrum des Heimholungswerkes entwickeln wird, das nicht in diese Landschaft
passt«. Außerdem hatten die Ärzte auf einer Pressekonferenz eigens
darauf hingewiesen, dass in der Klinik niemand indoktriniert werden solle,
sondern dass die ärztlichen Leistungen ohne Rücksicht auf Weltanschauung und
Religionszugehörigkeit und ohne jeglichen Missionsversuch angeboten würden. Vollends unglaubwürdig wird das Vorgehen der Regierungsbehörde, wenn man weiß, dass der Landkreis Kitzingen kurz zuvor ein zweites ehemaliges Kreiskrankenhaus verkauft hatte: das in Marktbreit, und zwar für nur 800.000 Mark an die Arbeiterwohlfahrt. Auch hier lag der Schätzpreis erheblich höher – doch die Regierung von Unterfranken hatte den Vertrag anstandslos passieren lassen ... Bei Nacht und Nebel Schlösser ausgetauscht Dass es diesmal anders kam, dafür hatten sich eine knappe Woche
vor dieser merkwürdigen Entscheidung die Dettelbacher Kirchengemeinden beider
Konfessionen stark gemacht – in einem Brief, in dem sie an die »verantwortlichen
Politiker« appellierten, »alles in ihren Kräften Stehende zu unternehmen, den
Verkauf wieder rückgängig zu machen«, weil es sich bei der Glaubensgemeinschaft
des Ärzteteams um eine »Kunstreligion aus fernöstlichen und christlichen
Gedanken« handle - und weil es »den Kindern und Jugendlichen auf die Dauer nicht
zuzumuten« sei, »ständig einer möglichen pseudoreligiösen-ideologischen
Infiltrierung ausgesetzt zu sein«. Wie skurril solche Worte ausgerechnet in
einem katholischen Wallfahrtsort klingen, der ja einer ständigen »Infiltrierung«
ganz anderer Art ausgesetzt ist, fiel den frommen Schreibern offenbar gar nicht
auf. Der Kreistag jedenfalls forderte nur vier Tage später die Verwaltung auf,
mit den Ärzten über die Rückgängigmachung des Kaufvertrages zu verhandeln. Was
die unterfränkische Regierung wiederum zwei Tage später mit ihrem Votum
überflüssig machte. Der Kreistag bringt zunächst das katholische St.-Josefs-Stift ins Gespräch, dem man ein Angebot von 1,36 Millionen unterbreiten will. Daraus aber wird nichts. (...) Nun verkauft man die Klinik für 1,5 Millionen Mark an Petronella Bausenwein aus Güntersleben, die dort ein »Haus Sorgenruh« einrichten will. Um dem Ärzteteam, das (bis zur Grundbucheintragung eines neuen Käufers) nach wie vor rechtmäßiger Besitzer (wenn auch nicht mehr Eigentümer) des Gebäudes ist, den weiteren Zutritt zu verwehren, werden bei Nacht und Nebel die Schlösser ausgetauscht. Doch Dettelbach kommt nicht zur Ruhe; auch dieser Verkauf erweist sich als Flop: Das zugesagte Geld geht nicht ein. Das Haus steht – auf Kosten des Steuerzahlers – weiter leer. Obwohl zwischenzeitlich die Urchristen noch mehrmals ihre Kaufbereitschaft bekundet hatten, wird dann im Sommer 1988 an die evangelische Diakonie vermietet. Nach wenigen Wochen, gerade nachdem die Umbauarbeiten für ein Ausweichquartier für Senioren begonnen haben, wird der Mietvertrag wieder gekündigt: Man habe einen Käufer gefunden. Es ist der »Burgenkönig« Hillebrand aus dem Rheinland, der die Immobilie für den Spottpreis von ca. 240.000 Mark erwirbt. Nun wird der Leser sich fragen: Wie kann das sein? Der Verkaufspreis liegt ja um ca. eine Million Mark unter dem, was die urchristlichen Ärzte gezahlt hatten. Hat das die Regierung von Unterfranken genehmigt? Sie hat es nicht – denn der schlaue Landrat hat ein Umgehungsgeschäft eingefädelt: Er verkauft das Gebäude erst an die Stadt Dettelbach, die es dann an den Immobilienmakler Hillebrand veräußert. Bezüglich der Stadt ist nun aber der Landkreis selbst die Prüfungsbehörde ... Unter dem Strich hat der Landkreis aber gegenüber dem ursprünglichen Angebot der Ärztegruppe ca. eine Million (an öffentlichen Geldern!) verloren. Und die gut 200.000 Mark dürften wohl für die Abfindung der brüskierten Diakonie gerade gereicht haben. Und jetzt kommt noch ein Clou: Hillebrand verkauft die Immobilie sofort weiter - für 12 Millionen Mark an eine schwedische Aktiengesellschaft, die unter der selben Anschrift residiert wie Hillebrand selbst. Man will dort nun ein »Seniorenwohnheim gehobenen Stils« errichten. Damit streicht der Burgenkönig hier fast wie ein »Arisierungsgewinnler« unseliger Zeiten die Früchte einer religiösen Diskriminierung ein. (mh) Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch »Der Steinadler und sein Schwefelgeruch« von Matthias Holzbauer, Verlag »Das Weiße Pferd«, ISBN-Nr. 978-3-9808322-3-6; siehe auch www.steinadler-schwefelgeruch.de
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