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Heilfasten Reinigung für Körper und Seele Den Körper von innen reinigen, sanft entgiften, entschlacken – das lässt die Selbstheilungskräfte des Organismus wirksam werden. Und wenn dabei die Pfunde purzeln, ist das ein angenehmer »Nebeneffekt«. Sobald die Wintermonate vorbei sind, der dicke Anorak auf den Dachboden
verstaut und das Fahrrad aus dem Keller geholt ist, wollen viele Menschen nur
noch eins: abnehmen! Mit Brigitte-Diät, fernöstlichen Fastenkuren oder einer
radikalen Nulldiät soll es dem Winterspeck an den Kragen gehen. Es beginnt die
entsagungsreiche Zeit – die nach einigen kleinen Erfolgen und größeren
Rückschlägen meist damit endet, die guten Vorsätze aufs nächste Jahr zu
verschieben. Diana Ciprandi, Ernährungsberaterin und Heilfasten-Therapeutin in der
Naturklinik Michelrieth, sagt dazu: »Die meisten Diäten, gerade die Null-Diät,
sind ein Schock für den Körper. Die Pfunde schwinden zwar während der Diät, aber
wenn man danach wieder normal isst, hat der Körper den Nahrungsentzug als
Notsituation abgespeichert und versucht fortan, weiteren drohenden
Hungerperioden vorzubeugen. Der Organismus meldet nach der Diät einfach größeren
Hunger als zuvor und speichert mehr Fette ein, als nötig.« Um dies zu lernen, wird in der HG Naturklinik ein spezielles Heilfasten angeboten. Dazu haben wir Frau Diana Ciprandi im Heilfastenhaus der Naturklinik Michelrieth, befragt: Redaktion: Abnehmen durch Heilfasten, geht das? Diana Ciprandi: Ziel des Heilfastens in der HG Naturklinik ist, die natürliche Ordnung im Körper wieder herzustellen und zu spüren, was der Körper an Nahrung braucht und vor allem wie viel. In der natürlichen Ordnung ist auch ein ausgewogenes Körperbild enthalten. Durch falsche Essgewohnheit, durch Hektik und Stress haben die meisten Menschen das Gefühl für ihren Körper verloren: Man isst unkontrolliert und das Falsche – und nimmt zu. Beim Heilfasten wird dieses Wahrnehmungsgefühl für den eigenen Körper wieder entwickelt. Dass man dabei abnimmt, ist eine ganz normale Begleiterscheinung. Redaktion: Wie sieht dieses Heilfasten in der Praxis aus? Diana Ciprandi: Diese spezielle Form des Heilfastens in der HG Naturklinik Michelrieth kann zu speziellen Terminen das ganze Jahr über in Anspruch genommen werden. Optimal sind drei Wochen. Doch auch eine Woche ist möglich, wenn man wenig Zeit hat, aber dieses Heilfasten einmal kennen lernen oder frühere Heilfasten-Aufenthalte wieder auffrischen möchte. Die Teilnehmer wohnen in gehobenem Ambiente und in gemütlichen Räumen, wo man so richtig loslassen und entspannen kann. Die Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen. Redaktion: Also gibt es doch etwas zu essen? Diana Ciprandi: Es gibt ein Heilfasten-Buffet, an dem sich jeder nehmen kann, was er möchte: Gemüse, Getreide, Obst – alles aus friedfertigem Anbau ohne Chemie und ohne Mist und Gülle. Alles ist schön angerichtet und dekoriert, aber ohne Fett, ohne tierisches Eiweiß, ohne Zucker und ohne Salz. Die Teilnehmer schauen sich alles in Ruhe an und versuchen, auf die Signale des Körpers zu achten: Möchte ich etwas Warmes oder etwas Kaltes? Obst oder Gemüse? Und wie viel? Es ist ein aktives Fasten, wo sozusagen jeder seine Diät selbst bestimmt. Redaktion: Und das klappt auf Anhieb? Diana Ciprandi: Klar geht das nicht von heute auf morgen. In den ersten Tagen ist das für die meisten Teilnehmer ungewohnt. Doch mit der Zeit entschlacken nicht nur die Körperzellen, sondern auch die Sinne. Die Geschmacksnerven stellen sich um, sie werden sensibler. Was man am Anfang schlicht als nicht gesalzen empfunden hat, schmeckt nach einer Woche Sinnesschulung aromatisch. Oder die Äpfel scheinen jeden Tag süßer zu schmecken, dabei ist es dieselbe Sorte. Das bewusste Auswählen fällt den »Heilfastern« dann auch von Tag zu Tag leichter. Es kann auch mal die Phase kommen, in der ein Teilnehmer sagt: »Heute habe ich gar keinen Hunger«. Dann ist er in der Tiefenentschlackungsphase. Redaktion: Entschlacken spielt also auch eine Rolle? Diana Ciprandi: Die kalorienarme,
salzlose Schonkost entgiftet den Körper und schleust die Schlacken aus den
Zellen. Dadurch stellt sich ein neues Körpergefühl ein, man fühlt sich vitaler,
weniger müde, bewusster. Und Voraussetzung für Entschlackung ist Entspannung,
die sich mit den Tagen einstellt. Nur entspannte Zellen können entschlacken. Und
wenn ich entspannt bin, kann ich auch die Signale des Körpers viel besser
wahrnehmen. Um das zu üben, ist natürlich der Abstand vom gewohnten Alltag eine
große Hilfe. In der anderen Umgebung und natürlich auch in der Gruppe mit
anderen fällt es leichter, falsche Essgewohnheiten abzulegen. Redaktion: Was versteht man eigentlich unter »falschen Essgewohnheiten«? Diana Ciprandi: Eine ungute Angewohnheit
ist zum Beispiel das schnelle Essen. Oft schlingt man schnell-schnell hinunter,
vielleicht sogar im Stehen zwischen Tür und Angel. 20 Minuten dauert es ja, bis
sich beim Essen ein Sättigungsgefühl einstellt. Ob ich nun in diesen 20 Minuten
zwei Portionen Spaghetti hinunterschlinge oder langsam und bewusst eine Scheibe
Brot und einen Apfel esse, das macht für das Sättigungsgefühl kaum einen
Unterschied - wohl aber für die Linie. Eine andere ungesunde Gewohnheit ist,
beim Essen noch etwas anderes nebenher zu tun, z. B. fernzusehen oder zu lesen.
Schaue ich zum Beispiel beim Essen Nachrichten über Kriege oder Katastrophen an,
brauche ich mich nicht zu wundern, wenn der Körper nicht gut verdauen kann. Nach
dem Grundsatz »Was du tust, das tue ganz!« lernen wir beim Heilfasten, bewusst
zu essen, sich auf die Nahrung zu konzentrieren, langsam zu kauen. Allein das
bewusste Kauen hat viele positive Wirkungen auf die Verdauung. Die
speicheleigenen Enzyme können die Nahrung bereits aufschließen und sozusagen »vorverdauen«.
Sie bereiten auch den weiteren Verdauungsapparat vor, so dass die Organe wissen,
was jetzt kommt. Redaktion: »Gute Essgewohnheiten« wären dann also bewusstes Essen und eine gute Körperwahrnehmung? Diana Ciprandi: Bewusstes Essen hat etwas
mit Achtung zu tun, mit Achtung vor der Nahrung, die die Erde uns Menschen
schenkt, und auch Achtung vor sich selbst. So hängen die Essgewohnheiten immer
auch mit dem gesamten Lebensmilieu zusammen. Redaktion: Können sich denn Essgewohnheiten oder gar das Lebensmilieu durch drei Wochen Heilfasten tatsächlich langfristig verändern? Diana Ciprandi: Wichtig ist, die Wochen zu nutzen, um sich ein neues Bild für zu Hause aufzubauen. Während des Heilfastens hat man Zeit für sich, hat einen anderen Rhythmus, andere Gedanken. Man wird durch das Fasten auch sensibler. Vielen kommen Erlebnisse aus der Vergangenheit in den Sinn oder sie überdenken ihre Lebenssituation neu. Wer möchte, kann die Gruppengespräche nutzen, um von den Erfahrungen der anderen zu lernen. Die Teilnehmer machen sich meist einen richtigen Plan für die Zeit zu Hause. Manche streichen und gestalten ihre Wohnung neu, kleiden sich einmal anders, wagen eine neue Frisur verändern sich beruflich, packen zwischenmenschliche Probleme an oder stellen auf vegetarische Ernährung um. Den allermeisten gelingt es, das bewusste Speisen beizubehalten, den Körper zu verstehen und auch das Gewicht zu halten oder weiter abzunehmen. In den drei Heilfastenwochen ist auch immer ein vegetarischer Kochkurs inbegriffen, der für zu Hause eine große Hilfe ist. Redaktion: Gibt es beim Heilfasten auch messbare Auswirkungen auf die Gesundheit? Diana Ciprandi: Am Heilfasten nehmen ja auch generell gesunde Leute teil, die sich müde, lustlos, zu dick oder einfach unwohl fühlen und etwas verändern möchten. Andere kommen mit bestimmten Krankheitsbildern, um durch das Heilfasten den Heilungsprozess zu unterstützen. Hier ist das Heilfasten Teil der Therapie, welche die Ärzte der HG Naturklinik mit dem Patienten ausarbeiten. Gerade bei Fettstoffwechselstörungen, bei Bluthochdruck, Diabetes, bei Gicht, Rheuma, Gelenkschmerzen und ähnlichen Befunden sind die Ergebnisse oft verblüffend. Es gibt messbare Verbesserungen der Leberwerte, der Cholesterinwerte, des Blutdrucks usw. Diabetes-Patienten müssen nach dem Heilfasten oft neu eingestellt werden, weil sie viel weniger Insulin spritzen müssen. Einige Patienten mit Gelenkschmerzen können durch die veränderten Essgewohnheiten die Schmerzmittel weglassen. Redaktion: Das klingt ja nach Sensation ... Diana Ciprandi: Nein, das ist eigentlich
ein ganz normaler Prozess. Durch die Entspannung, die Entschlackung und die
gesunde vegetarische Ernährung kann sich der Körper viel besser selbst
regulieren und hilft sich zum Teil selbst. Das kann man nicht nur an einzelnen
Messwerten feststellen. Deutliche Unterschiede des allgemeinen Körpermilieus
zeigen zum Beispiel der Blutausstrichtest oder die Dunkelfeldmikroskopie. Vielen Dank für das interessante Gespräch! (Silke
Dziallas) Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 3/03 |
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