Keine Kirche – Menschen beten

»Fühlen wir uns
 in die Menschen im Irak hinein ...«

Jeden Freitag treffen sich in Altfeld in Unterfranken viele Menschen, um zu beten oder einfach still zu werden. Die Veranstaltung wird in zahlreiche Städte Europas übertragen. Die Not der ganzen Welt und die Anliegen einzelner Hilfesuchender sind Gegenstand der Gebete. Die Teilnehmer sind sich bewusst, dass jeder Mensch ein Tempel Gottes ist. Wo zwei oder drei in Seinem Namen versammelt sind, ist Er mitten unter ihnen. Bei einer dieser Veranstaltungen führte Gabriele, die Prophetin und Botschafterin Gottes für unsere Zeit, die Teilnehmer mit nachfolgenden Gedanken in die Stille:

Viele Menschen, sehr viele Menschen, beten in unserer Welt. Doch oftmals denken wir: Warum erhört uns Christus nicht? Ist es nicht vielfach so, dass wir unsere Probleme, unsere Anliegen und Sorgen, unsere Nöte und alles, was uns bewegt, über das Leid, über die Not anderer stellen?

Vor vielen Jahren erzählte mir eine Schwester folgendes:
Als sie jung war, hatte sie mit sich selbst immer zu tun, immer Probleme: Das hat ihr nicht gefallen, jenes wollte sie haben, dies war für sie nicht in Ordnung, die Mutter tat so, wie sie nicht wollte. Immer und immer wieder dachte sie über sich nach und war sehr unzufrieden mit sich selbst. Daraus folgten Depressionen, die Schwierigkeiten wurden immer größer, und sie jammerte immer mehr – an ihre Mutter hin. Die Mutter nahm sie an der Hand und sagte: »Jetzt hör mir mal gut zu: Jeder Mensch hat unendlich viele Sorgen und Probleme. Es gibt in unserer Welt viel Leid, Krankheiten, Nöte und Sorgen. Nun fasst jeder Mensch auf der ganzen Erde sein Leid, seine Schmerzen zu einem Kreuzlein zusammen, und alle legen ihre Kreuze auf einen Berg. Alle legen sie zusammen. Und es wurde ein großer, ein sehr großer Berg.«
Und die Mutter sagte: »Leg’ auch dein Kreuz dazu, auch ich lege meines hin.« Und beide legten auch ihr Kreuz, ihre Sorgen, ihre Nöte, auf diesen Berg.

Und die Mutter sagte: »Schau dir all die Kreuze an«. Und für die damalige Zeit erklärte sie, was die Menschen bewegt, wie groß das Leid und die Not unter den Menschen ist. Wie viele Kinder nach ihrer Mutter suchen und sie nicht mehr finden. Der Krieg hat sie den Kindern genommen, sie sind allein. Sie sind Waisen. Sie erklärte all die Nöte und die Probleme und sagte: »Schau dir die Kreuze an!« Und sie schaute die Kreuze an, und die Mutter sprach immer weiter und erklärte, was noch alles an diesen Kreuzen haftet. Und dann schaut sie ihre Tochter an und sagt: »Welches Kreuz willst du jetzt nehmen, wenn doch deines so schwer ist?«

Und die Tochter fragte die Mutter: »Was nimmst du für ein Kreuz?« Und die Mutter sagte: »Ich nehme wieder mein Kreuz.« Und die Tochter schaute die Mutter an und sagte: »Auch ich nehme wieder mein Kreuz.« Und ab diesem Zeitpunkt ging es ihr besser. Sie hatte immer wieder die Kreuze vor sich, dann, wenn sie glaubte, wieder jammern und klagen zu müssen über Dinge, die sie sich vorstellte, über Neid, über Missgunst und vieles mehr.

Wir Menschen müssen lernen, in unsere Nächsten hineinzufühlen, um für sie wahrhaft beten zu können. Das oberflächliche Gebet – einfach zu beten und nichts zu spüren – hilft dem anderen sehr wenig, und auch uns nicht. Wie wäre es, wenn wir jetzt gemeinsam dieses Innere Beten lernen? Legen wir die Kreuze zusammen, und bitten wir, dass der Christus Gottes die Kreuze aller Menschen zu uns legt. Es wird ein großer, großer Berg Kreuze.

Wer möchte, macht mit. Jeder legt sein Kreuz auf diesen Berg. Alle seine Sorgen und Probleme, seine Schwierigkeiten, seine Hass- und Neidgedanken, seine Unpässlichkeiten und seine Krankheit.
Nun kommen aus der ganzen Welt die Kreuze, und der Berg wird groß, sehr groß! Und nun schauen wir uns die Kreuze an: Menschen in den Krankenhäusern leiden unsagbar an Schmerzen – Tag und Nacht. Und so mancher weiß, dass er hinscheiden muss; er leidet. Denken wir an die vielen Kinder, die keine Eltern mehr haben, deren Eltern gestorben sind an Aids und dergleichen.

Fühlen wir hinein in die Dritte Welt: Kinder haben keine Heimat, kein Obdach.
Viele Kinder irgendwo leben in U-Bahn-Schächten. Sie verkriechen sich da- und dorthin, um die Nacht zu überstehen. Viele Menschen in der Dritten Welt sind unsagbar krank und leiden. Die Kinder, allein gelassen, haben kein Brot; sie betteln oder sie stehlen. Dafür werden sie geschlagen, um nicht zu sagen, geprügelt. Kinder werden zur Prostitution gegeben – unsagbares Leid.

Fühlen wir in die Menschen im Irak hinein; auch ihre Kreuze liegen auf diesem Berg. Die Mutter drückt ihre Kinder an die Brust. Der Vater schließt die Arme um sie, und die Kinder fragen: »Bleibt ihr bei uns?« Und die Mutter betet: »O, Herr, lass die Kinder bei uns!« Und jeder ahnt, wenn die Bomben fallen, was geschehen kann. Sind die Kinder allein? Verlieren die Eltern ihre Kinder? Verliert der Mann die Frau, die Frau den Mann? Die große Not ist in die Kreuze gefasst, und der Berg ist groß.
Und wenn wir an die weiteren Nöte denken – vor allem auch an unsere Tiergeschwister – dann häuft sich noch vieles auf, denn was sie leiden, ist unsere Schuld, ist unser Leid.

Im echten, im tiefen Vertrauen liegt die Hingabe an den großen Geist. Wir, die wir hier versammelt sind, sollten lernen, uns hinzugeben. Denn Er kann uns helfen, Er allein kann uns schützen. Christus in uns ist der Innere Arzt und Heiler. Er kann heilen. Er kann helfen. Er spendet Trost und führt uns in Sorge und Not. Er braucht Menschen, durch die Er zu wirken vermag für die vielen, die in der Welt darben, dass sie aufgerichtet werden und den großen Geist erspüren, Der ihnen die Hand reicht durch Menschen, die mit Ihm gehen – Hand in Hand.

So lasst uns gemeinsam Ihn fühlen, auf dass der Glaube und das Vertrauen wächst, und wir erkennen: Ein Schritt auf Ihn zu, und Er, die große Liebe, kommt uns mehrere Schritte entgegen.
Durch unsere Gebete sind wir etwas ruhiger geworden. Doch lasst es mich sagen: Wir brauchen die Ruhe. Wir bedürfen der inneren Stille – denn Gott ist die Stille – um Ihn zu spüren, ja Ihn zu vernehmen.

Die göttlichen Wesen spüren in sich, wenn ein anderes göttliches Wesen auf sie zukommt, und dann schauen sie sich von Angesicht zu Angesicht. Wir, die wir im Zeitlichen sind, können Ihn, den großen Geist, fühlen. Wenn wir die hohen Wesen der Liebe auch nicht von Angesicht zu Angesicht schauen, fühlen wir das große Licht in uns, und wir beginnen, wahrhaft zu leben. Denn dann haben wir auch die Kraft, Gesundheit zu bejahen, die Hilfe zu bejahen – und das aus unserem Herzen, nicht nur mit unserem Verstand ...

Die Gebetsabende finden jeweils am Freitagabend im Versammlungsraum in Altfeld, Max-Braun-Straße 2 von 19.30 bis ca. 21.00 Uhr statt. Derzeit [2010] können die Besucher dort eine Ausstrahlung von zwei Meditationen hören, unterlegt mit Bildern und gesprochen von Gabriele, der Prophetin und Botschafterin Gottes für unsere Zeit. Dazwischen ist Zeit zum stillen Gebet. Klassische Musik hilft den Besuchern, in die Stille zu finden. Es finden Telefonübertragungen in viele Städte im deutschsprachigen Raum und weltweit statt (Information: Tel. 0931 / 3903-260).


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 4/03



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