Der geistige Kampf gegen das Leid der Tiere

Ein Himmel voller Päpste,
 aber ohne Tiere?

Angesichts des großen Leids von Tieren in der Massentierhaltung, bei Tierversuchen, durch die Jagd oder durch Zerstörung der Umwelt regt sich bei vielen Menschen das Gewissen. Die römisch-katholische Kirche lässt jedoch verkünden, dass Tiere weder eine Seele noch Gefühle hätten, so z. B. durch Bruder Paulus, den in der Öffentlichkeitsarbeit der Kirche aktiven Abt des Frankfurter Kapuziner-Klosters. Also alles nicht so schlimm?

Der katholische Theologe schreibt in Deutschlands auflagenstärkster Tageszeitung Bild immer wieder über das Verhältnis Mensch-Tier, so z. B. am 22.2.2003: »Unter Gefühle verstehe ich Sympathie, Schuld, Verzeihung, Gewissen, Barmherzigkeit, Liebe. All das kann ein Tier nicht empfinden.« Was Menschen als ein »Gefühl« deuten, sei ein Instinkt bzw. eine »Körperreaktion« bzw. andressiertes Verhalten, und auch eine Seele hätten die Tiere nicht, denn: »Seele heißt ´Nein` sagen können. Und ein Tier kann nicht entscheiden.«

Der Prophet klagt an

Es sind mittlerweile über drei Jahre vergangen, seit in der Broschüre Der Prophet, Ausgabe Nr. 15, Tiere klagen – der Prophet klagt an
(http://www.das-wort.com/deutsch/kostenlos/tiere-klagen---der-prophet-klagt-an.php)
die Verantwortung der Kirche für das Leid der Tiere in Vergangenheit und Gegenwart nachgewiesen wurde, z. B., indem man ihnen die unsterbliche Seele abgesprochen hat. Immer mehr Menschen bieten den kirchlichen Lehrern die Stirn. So gingen auch in der Bild-Redaktion zu dem Thema »Haben Tiere eine Seele?« zahlreiche Leserbriefe ein, in denen dem Kirchen-Experten widersprochen wurde. Darin heißt es u. a. »Ich bin sicher, dass Gott jedem Lebewesen eine Seele gegeben hat. Wer Tieren in die Augen schaut, der sieht das auch.« Oder: »Tiere haben mehr Geist als viele Menschen! Sie sind ehrlicher und verstellen sich nicht.« Oder: »Harri (mein Hund) hat jede Menge Gefühl, spürt, wenn’s mir schlecht geht. Dann versucht er, mich zu trösten, legt sich neben mich« (22.2.2003).

»Erntedank für Fleisch«

Auch in der Kirche gab es im 13. Jahrhundert einmal einen Franziskus von Assisi, der mit den Tieren sprach und die Gleichheit aller Geschöpfe vor Gott predigte, doch seine Nachfolger, die Franziskaner- und der Kapuziner-Orden, die sich beide auf Franz berufen, betreiben heute zum Teil Metzgereien und sprechen den Tieren Seele und Gefühl ab. Was für die Tiere übrig bleibt, kann man einer Arbeitshilfe zum Erntedankfest für das Jahr 2001 entnehmen, welche die Umweltbeauftragten der bayerischen Diözesen herausgegeben haben. Darin wird empfohlen, im Gottesdienst z. B. ein Stück Fleisch zum Altar zu bringen und dann zu beten: »Ich bringe ein Stück Fleisch. Wir danken dir für dieses Geschenk der Schweine und vieler anderer Tiere. Viele Menschen essen gerne Fleisch. Fleisch ist ein hochwertiges Lebensmittel. Doch wir Menschen sind oft unersättlich. Wir essen mehr als wir zur Stillung unseres Hungers brauchen. Wir bitten dich um mehr Genügsamkeit.«
Wer demgegenüber einmal beobachtet hat, wie sich ein Schwein oder eine Kuh verzweifelt und chancenlos dagegen gesträubt hat, in den Schlachthof gedrängt oder gar geprügelt zu werden, der würde dieses Gebet von dem angeblichen »Geschenk der Schweine und vieler anderer Tiere« schon aus diesem Grund nicht mitbeten können.

Ein Himmel voller Päpste – ohne Tiere

Verständlich, dass sich Menschen, die ihr Gewissen nicht völlig zum Schweigen gebracht haben, fragen, ob es nicht wenigstens nach dem Tod einen Himmel für die gequälten Tiere gibt. »Kommen auch Tiere in den Himmel? Was würde ein Pfarrer dazu sagen?«, fragte z. B. eine Leserin die Bild-Zeitung (6.2.2003). Zwar könne man einem Kind, dessen Haustier gerade überfahren wurde, das schon so sagen, so der Kapuziner-Abt. »Das sollte allerdings nicht bedeuten ´Dein Liebling ist jetzt bei Gott`, sondern: Dein Liebling hat seinen Platz gefunden im Werden und Vergehen der Schöpfung ... Gott hat den Menschen die Welt geschenkt. Eine Welt, in der nur der Mensch lachen, lieben und denken kann. Eine Welt, in der der Tod zum Leben gehört.«

Jedes geschlachtete Schwein und jede geschlachtete Kuh findet demnach täglich seinen bzw. ihren Platz »im Werden und Vergehen der Schöpfung«, was in diesem Fall der Magen einiger Menschen ist. Es ist von daher nicht überraschend, dass eine Kirche, für die auf der Erde »nur der Mensch lachen, lieben und denken kann«, auch im Himmel keinen Platz für die Tiere hat. Letztlich ist der Himmel reserviert für Katholiken und – seit die Verdammungsurteile gegen andere Konfessionen aufgehoben wurden – möglicherweise für Protestanten und vielleicht gemäß dem »Geheimnis Gottes« auch für einige andere Menschen, aber nicht für Tiere. Doch was muss das für ein »Himmel« sein! Ohne das Zwitschern eines Vogels und ohne das Summen einer Biene. Ohne Eichhörnchen und ohne Taube, ohne die mächtigen Flossenschläge eines Wales, ohne das Trompeten eines Elefanten und ohne das fröhliche Leben vieler anderer Tierarten – in Einheit mit allen Himmelsbewohnern. Nur Katholiken – darunter alle 260 Päpste auf einmal – und einige irrende Brüder und Schwestern, die man aufgrund ihrer Nähe zum katholischen Glauben trotzdem in den Himmel ließ. Und so könnte man sagen: Tiere sind weder katholisch noch evangelisch. Ist das vielleicht der tiefste Grund dafür, dass sie angeblich nicht in den Himmel eingehen können?

Mensch und Tier gehören zusammen

Das Leid der Tiere auf dieser Erde kann nicht annähernd in Worte gefasst werden. Nicht einmal das »täglich Brot« wird ihnen oftmals gegönnt, denn wenn ein Tier Hunger hat und etwas Essbares sucht, gilt es schnell als »Schädling«, der abzuschießen ist. Und bei allem leiden und dulden die Tiere oft still vor sich hin. Wenn der verrohte Mensch die Verbindung zu Natur und Tieren abgerissen hat und dann nicht mehr weiß, wie Mensch und Tier von Gottes Schöpfung her zusammenleben sollten, könnte ihm die Schrift Du, das Tier – Du, der Mensch. Wer hat höhere Werte? (http://www.das-wort.com/deutsch/jesus-und-die-tiere/du-das-tier---du-der-mensch.php) weiterhelfen. Darin wird erklärt, dass Mensch und Natur zusammengehören und dass Tiere Teilseelen haben, die noch in der Entwicklung zur vollen ausgereiften Seele stehen. Eine Antwort, die vielen Menschen weiterhilft, selbst wenn sie Probleme damit haben, an eine Offenbarung zu glauben. Und unter der Voraussetzung, dass unsere materielle Welt nicht die einzige ist, lassen sich auch weitere Inhalte dieser Offenbarung nachvollziehen: So wie der Mensch nur kurzzeitig in einem materiellen Körper auf der Erde lebt, so auch die Tiere. Ihnen stehen auf der Erde Geist- und Naturwesen zur Seite, um sie – soweit möglich – vor Gefahren zu schützen bzw. ihr Leid zu mindern. Und in den himmlischen Welten entwickelt sich die Teilseele eines Tieres weiter, bis sie am Ziel der himmlischen Evolution zum vollendeten Geistwesen geworden ist – dem Ebenbild Gottes. Dieses Ebenbild ist auch der Mensch in seinem göttlichen Innersten. Nur hat er sich gegen die Schöpfung Gottes gestellt und schuf seine eigene Welt, in der er seither lebt.

Tiere hören den Ruf Gottes

Diese Antwort beinhaltet eine wirklich gute Nachricht für die Tiere, und sie gibt vielen Menschen Grund zur Gewissheit, dass Gott auch für die Tiere da ist und hilft. Wörtlich heißt es: »Für viele ist alles, was scheinbar nicht spricht oder sich nicht zur Wehr setzt, eine leblose, in vielen Fällen namenlose Sache, ein Gebrauchsgegenstand, der nach menschlichem Gutdünken gebraucht – gleich missbraucht – werden kann ... Ist das die Liebe zu der Tierwelt? Unermüdlich wirken Geistwesen und Naturwesen, um Gruppen- und Teilseelen der Tiere zu schützen, um, so weit es möglich ist, die geistige Kommunikation aufrechtzuerhalten, so dass sie den Ruf des All-Einen vernehmen können, wenn Er sie zurück in die geistigen Entwicklungsebenen führen möchte« (S. 50 f.).
Tiere kommen also wieder zurück in ihre himmlische Heimat. Sie vernehmen den »Ruf des All-Einen«, der sie wieder zu Sich führt, wenn sie der Hölle »Welt« entronnen sind. (D. Potzel)

Lesen Sie auch:
"Der Theologe Nr. 7", Teil 4: Absturz in die Barbarei - Das Leid der Tiere im kirchenchristlichen Abendland


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 4/03


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