Über den Mythos, dass Fisch gesund sei

Viele Verbraucher und in Heilberufen Tätige sehen im Verzehr von Fisch eine gesündere Alternative zu Fleisch und Wurst. Zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird sogar empfohlen, zweimal die Woche Fisch zu essen oder Fischölkapseln einzunehmen. Ist dieses positive »Fisch-Image« tatsächlich berechtigt?

Dr. med. Hans-Günter Kugler vom Institut für Erfahrungsheilkunde in Michelrieth nimmt dazu unter Hinweis auf aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen wie folgt Stellung:

  • Fische bestehen hauptsächlich aus Fett und Eiweiß, wobei der Fettgehalt bis zu 60 % betragen kann. Sie enthalten keine Kohlenhydrate, keine Nahrungsfasern und kein Vitamin C. Wie in allen tierischen Produkten finden sich in Fischen größere Mengen Cholesterin: Bei Makrelen sind es 95 mg Cholesterin pro 100 g Körpergewicht, bei Thunfischen immerhin noch 63 mg/100 g. Wenn der Cholesteringehalt auf den Kaloriengehalt bezogen wird, so zeigt sich, dass Fisch mit 50 mg/100 kcal im Verhältnis weit mehr Cholesterin enthält als Schweinefleisch (24 mg/100 kcal) und Rindfleisch (29 mg/100 kcal).

  • Fischölkapseln werden zwar cholesterinfrei hergestellt, doch ein vermuteter positiver Effekt auf arteriosklerotisch veränderte Arterien konnte in einer auf zwei Jahre angesetzten Studie nicht nachgewiesen werden (3). Im Gegenteil: Andere Studien zeigten, dass die Einnahme von Fischöl-Präparaten zu einem Anstieg des LDL-Cholesterins führte (1,2), volkstümlich auch das »böse« Cholesterin genannt, da es sich bei einem Überangebot an Cholesterin im Körper an den Innenschichten der Gefäße ablagern würde, wodurch sich das Risiko für Arteriosklerose und Herzinfarkt sogar erhöhen kann.

  • An der Notwendigkeit von Omega 3-Fettsäuren für die menschliche Ernährung besteht natürlich kein Zweifel. Diese Mikronährstoffe sind jedoch in ausreichender Menge in pflanzlichen Nahrungsmitteln wie grünem Blattgemüse, Walnüssen und bestimmten Pflanzenölen enthalten. Für die Zufuhr von Omega 3-Fettsäuren ist der Fischverzehr oder die Einnahme von Fischölkapseln nicht erforderlich. Zudem gibt es experimentelle Hinweise, dass ein Übermaß an Omega 3-Fettsäuren das Risiko der Metastasen-Bildung bei Tumorerkrankungen erhöht (5). Das Fett von Fischen kann die Insulin-Empfindlichkeit vermindern und somit das Diabetesrisiko erhöhen (4).

  • Fische sind eine Hauptquelle für die gesundheitsbedrohliche Quecksilberaufnahme des Menschen. Im November 2002 wurde in The New England Journal of Medicine eine Studie an Herzinfarktpatienten publiziert. Dabei wurde der Quecksilbergehalt in Fingernägeln und die Konzentration der DHA, einer bestimmten Fettsäure, gemessen. Normalerweise hätte ein höherer DHA-Spiegel im Fettgewebe, bedingt z. B. durch den Fischkonsum, eine vorbeugende Wirkung auf einen möglichen Herzinfarkt. Durch den hohen Quecksilbergehalt in Fischen wird dieser Effekt jedoch wieder aufgehoben (6). Aufgrund der Quecksilberbelastung rät die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) schwangeren Frauen und Frauen mit Kinderwunsch sogar zum Verzicht auf Schwertfisch, Makrelen, Hai und andere Fischarten.

  • Fische können mittlerweile erheblich mit verschiedenen Umweltgiften belastet sein. So wurde 2002 eine Untersuchung an Kindern publiziert, deren Mütter größere Mengen Fische aus dem Michigansee verzehrt hatten. Die betroffenen Kinder zeigten niedrigere Werte bei verschiedenen Intelligenztests, außerdem wurde eine verminderte Auffassungsgabe beim Lesen festgestellt (10).

  • Eine hohe Zufuhr tierischer Proteine bedingt aufgrund des hohen Gehaltes an schwefelhaltigen Aminosäuren eine Säurebelastung des Organismus. Zur Abpufferung der sauren Wirkstoffe werden vom Stoffwechsel die alkalischen Knochensalze herangezogen, was auf Dauer zu schweren Knochenschädigungen führt. Die Eskimos gehören bekanntlich zu den größten Fischkonsumenten und haben auch weltweit die höchste Osteoporoserate. Bei Eskimos beider Geschlechter wurde nach dem vierzigsten Lebensjahr ein um 10-15 % höherer Verlust der Knochenmasse nachgewiesen als bei weißen US-Amerikanern gleichen Lebensalters (7).

  • In einer Studie konnte gezeigt werden, dass eine zusätzliche Zufuhr von 34 Gramm tierischen Proteins (durch Fleisch oder Fisch) den Calciumverlust über den Urin um 23 % steigerte (8). Wissenschaftliche Daten zeigen, dass bei hoher Proteinzufuhr keine Anpassung des Stoffwechsels bezüglich der Calciumausscheidung erfolgt. Solange hohe Mengen tierischer Proteine verzehrt werden, wird auch vermehrt Calcium ausgeschieden (9), das dem Körper dann fehlt und die Anfälligkeit für zahlreiche Krankheiten erheblich erhöht.

Fazit: Fisch ist genauso wie Fleisch und Wurst ein ernährungsphysiologisch überflüssiges Nahrungsmittel, das zudem mit erheblichen gesundheitlichen Risiken behaftet ist.


Referenzen:

  1. Wilt TJ.: Fish oil supplementation does not lower plasma cholesterol in men with hypercholesterolemia. Results of a randomized, placebo-controlled crossover study; Ann Intern Med. 1989 Dec 1; 111(11): 900-5

  2. Reis GJ et al: Effects of two types of fish oil supplements on serum lipids and plasma phospholipid fatty acids in coronary artery disease; Am J Cardiol 1990 Nov 15; 66(17): 1171-5

  3. Sacks FM et al: Controlled trial of fish oil for regression of human coronary atherosclerosis. HARP Research Group; J Am Coll Cardiol 1995 Jun; 25(7): 1492-8

  4. Hendra TJ: Effects of fish oil supplements in NIDDM subjects. Controlled study; Diabetes Care, 1990 Aug; 13(8): 821-9

  5. Coulombe J et al: Influence of lipid diets on the number of metastases and ganglioside content of H59 variant tumors; Clin Exp Metastasis 1997 Jul; 15(4): 410-7

  6. Eliseo Guallar et al: Mercury, Fish Oils, and the Risk of Myocardial Infarction; The New England Journal of Medicine, 2002 Nov 28; Volume 347: 1747-1754

  7. Mazess R: Bone mineral content of North Alaskan Eskimos. Am J Clin Nutr. 1974 Sep; 27(9): 916-25

  8. Cummings J: The effect of meat protein and dietary fiber on colonic function and metabolism. I. Changes in bowel habit, bile acid exretion, and calcium absorption. AM J Clin Nutr. 1979 Oct; 32(10): 2086-93

  9. Robertson W: The effect of high animal protein intake on the risk of calcium stone-formation in the urinary tract. Clin Sci (Lond). 1979 Sep; 57(3): 285-8

  10. Jacobson JL.: Association of prental exposure to an environmental contaminant with intellectual function in childhood. J Toxicol Clin Toxicol. 2002; 40(4): 467-75


    Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 7/03


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