Die
evangelisch-lutherische Kirche
in Michelrieth
und ihr Vorgehen gegen eine religiöse Minderheit im Dorf -
Welche Kräfte stecken dahinter?
Die
Bekämpfung religiöser Minderheiten
durch die Kirchen in Deutschland
"Ich tu´ das Üble, schrei´ dann selbst zuerst
-
Das Unheil, das ich selber angerichtet -
Leg ich den Anderen dann zur
Last"! (Shakespeare)
Die Kirchen verleumden Andersdenkende oft als
"Sekten" und versuchen, vor allem ehemalige Kirchenmitglieder auf diese Weise zu diskriminieren
und ihnen Schaden zuzufügen.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Arbeit der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in dem kleinen unterfränkischen Ort
Michelrieth.
Den Ort bezeichnete Pfarrer Michael F.
als "urprotestantisch". Als friedfertige und um gute Nachbarschaft bemühte
Andersgläubige, die sich zur Gemeinschaft "Universelles Leben" bekennen,
vermehrt zugezogen waren, schimpfte der Pfarrer öffentlich, das Dorf werde
durch diese Menschen "verstärkt aufgefressen"
(Materialdienst der
Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen Nr. 2/1999).
Weiterhin beklagte er, diese Leute befänden sich "in der Pfarrei
Michelrieth", obwohl
sie mit der Pfarrei gar nichts zu tun haben. Doch die Kirche betrachtet das
Dorf offenbar als ihr Revier - ähnlich wie im 16. Jahrhundert, als die
Bewohner eines Ortes entweder evangelisch oder katholisch sein mussten und Abweichler
nicht geduldet wurden.
Heute betreibt die Kirche u. a. eine
gehässige Internet-Seite gegen die urchristliche Minderheit im Dorf. Zudem versucht man, den sehr guten Ruf und die
hervorragende Arbeit in einer von den Urchristen betriebenen
Naturklinik durch Verleumdungen und Unwahrheiten zu beschädigen (Mehr dazu siehe
ww3.steinadler-schwefelgeruch.de/buch/kapitel-3-9.html).
Dabei sind die beiden großen Kirchen in
Deutschland selbst die
größten Sekten, nämlich Abspaltungen (lateinisch secare = abspalten)
vom ursprünglichen Christentum, mit dem sie nicht mehr viel zu tun haben.
Besonders niederträchtig verhält sich dabei die evangelische Kirche. Dabei
ist sie selbst nach Aussage des bekannten Religionswissenschaftlers Dr.
Hubertus Mynarek eine "Sekte hoch 2", nämlich eine Abspaltung von der
katholischen Kirche, die sich wiederum vom Christentum abgespalten hat.
Mit ihrer besonders fanatischen Bekämpfung religiöser Minderheiten versucht
die evangelische Kirche, sich wieder bei ihrer katholischen Mutterkirche
einzuschmeicheln. Dabei versteckt sich die Kirche als Nachfolgerin der
früheren Inquisition meist hinter scheinheiligem Getue.
Lesen Sie nachfolgend einige grundsätzliche Überlegungen über die
heutige Inquisition und ihren aktuellen Kleinkrieg
gegen alle Menschen, die aus der kirchlichen Tradition auszubrechen
versuchen.
"Sektenbeauftragter", "Religions- und
Weltanschauungsbeauftragter" - Begriffe ...
Der erste "Sektenbeauftragte"
Die moderne Inquisition
Wie äußern sich katholische Verlautbarungen?
Die Verdrehung des Begriffes "Toleranz"
Die Strategie der Kirche
Die Zerstörung von Familien
Die
Verantwortung der gesamten Kirche
Inquisition - früher und heute
1) "Sektenbeauftragter", "Religions- und Weltanschauungsbeauftragter" - Begriffe aus
dem 20. Jahrhundert
Früher wurden sie "Inquisitoren"
genannt. Sie betonten vordergründig ihre angebliche "Sorge" um ihre Mitmenschen.
Doch
dahinter steckten die "Wölfe im Schafspelz". Die "Inquisition" der beiden Großkirchen hat das Leben zahlloser
Menschen und die Zerstörung ihrer Familien über zwei Jahrtausende auf dem Gewissen (siehe dazu
www.kirchenopfer.de). Die modernen
Begriffe für die Inquisitoren, z. B. "Beauftragte für Religions- und Weltanschauungsfragen", tauchen in ähnlicher Form
schon im Dritten Reich auf. So hieß das
Referat V beim Reichssicherheitshauptamt z. B. "Referat für Religions- und
Weltanschauungsfragen" und war dem SS-Führer Heinrich Himmler
unterstellt. Die Zielsetzung dieses Referates war "das Auslöschen des
Sektenwesens". Und die Arbeitsweise: Verleumdung, Denunziation, üble
Nachrede, falsche Anschuldigungen vor Gerichten (Institut für Zeitgeschichte -
Universität München, Brief von C. Nestmann, 15.1.1988).
Der Katholik Adolf
Hitler war bestrebt, eine Auseinandersetzung zwischen den Großkirchen oder gar
Übertritte von einer Konfession zur anderen zu vermeiden, um die Menschen nicht
von ihren "völkischen" Aufgaben abzulenken (Beleg bei "Der Theologe
Nr. 4"). Er selbst blieb
zeitlebens Mitglied der römisch-katholischen Kirche und zahlte immer pünktlich
seinen Kirchenbeitrag. Und auch um die Gunst der Kirchen
für die "völkischen" Aufgaben zu gewinnen, kam der nationalsozialistische Staat gerne deren Verlangen
nach, kleinere religiöse Bewegungen zu bekämpfen. Bereits im Jahr 1932 wurde
unter der Kanzlerschaft des Katholiken Franz von Papen mit den Stimmen der NSDAP
und unter dem Beifall der Kirchen die Freidenker-Bewegung verboten.
Im Jahr 1933 kommentiert dann Das Evangelische Deutschland, das in Berlin erscheinende
damals
"maßgebliche Organ auf protestantischer Seite" das Verbot der Zeugen Jehovas mit Dankbarkeit und fordert weitere Verbote: "Die Kirche wird dankbar anerkennen, dass durch dieses Verbot eine
Entartungserscheinung des Glaubens beseitigt worden ist ... Damit ist jedoch noch keine
vollständige Bereinigung der Sekten erreicht. Erwähnt seien nur die
Neuapostolischen."
(Das Evangelische Deutschland, Kirchliche Rundschau für das Gesamtgebiet der Deutschen
Evangelischen Kirche, Nr. 37, 10.9.1933; zit. nach Detlef Garbe, Die Verfolgung
der Zeugen Jehovas im Dritten Reich, EZW-Text Nr. 145, Berlin 1999, S. 10)
PS: In der Zeit von 1933 bis 1939 sind 5-10 % der KZ-Insassen Zeugen
Jehovas. Dort kommen 1200 ums Leben, weitere 250 werden anderweitig erhängt,
erschossen oder geköpft.
Kirche und Nationalsozialisten arbeiteten bei der "Bereinigung der Sekten"
vielfach Hand in Hand. Die
Apologetische Centrale in Berlin, Vorläuferin der heutigen Evangelischen
Zentrale für Weltanschauungsfragen (EZW), erarbeitet z. B. Materialien über "Sekten" und
Juden. Und deren Leiter Walter Künneth schreibt in einem Brief vom 16.12.1933
über die Zusammenarbeit mit der Gestapo: "Der Materialaustausch
zwischen dem Geheimen Staatspolizeiamt und der Apologetischen Centrale hat bereits
begonnen. Auch mit dem Propaganda-Ministerium wurde Fühlung aufgenommen. Es besteht die
Aussicht, dass auch hier eine Arbeitsverbindung zustande kommt. Auch das
Reichsinnenministerium hat in den vergangenen Monaten der Apologetischen Centrale
wiederholt wichtiges Material zur Durchprüfung und praktischen Ausnutzung zur Verfügung
gestellt." (Evangelisches Zentralarchiv 1/C3/392; zit. nach
Röhm/Thierfelder, Juden-Christen-Deutsche, Stuttgart 1990, Band 1, S. 412;
weitere Hinweise
siehe z. B.: Der Theologe Nr. 4: "Die evangelische
Kirche und der Holocaust"). Obwohl die Nationalsozialisten die
Centrale zu einem späteren Zeitpunkt aufgrund eines Konflikts der Kirchenmänner
mit dem NS-Ideologen Alfed Rosenberg (dessen germanisch-heidnische Anschauungen
übrigens von Hitler als dessen Privatmeinung und ausdrücklich nicht als Position der NSDAP
bezeichnet wurden) schließen, hat
sich die Haltung der Kirchen gegenüber religiösen Minderheiten nicht geändert.
So fordert z. B. 1937 der der Bekennenden Kirche angehörige Oberkirchenrat D.
Otto Bezzel: "Die Juden sind die Zerstörer und gehören
hinausgepeitscht" (zit. nach Evangelisches Sonntagsblatt in Bayern
Nr. 42/1988, S. 15). Im Jahr 1947 wird D. Otto Bezzel zum Personalreferenten der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche
Bayerns befördert. Damit ist er faktisch der zweitstärkste Mann hinter dem
Landesbischof, was er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1962 auch bleibt.
Der Name des Referats V im damaligen
Reichssicherheitshauptamt, "Referat für Religions- und
Weltanschauungsfragen", wurde Anfang der 70er Jahre fast identisch in dem
Namen "Arbeitsgemeinschaft
für Religions- und Weltanschauungsfragen" wieder verwendet. Diese ist eine
Initiative des Sekten- und Weltanschauungsbeauftragten der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Pfarrer Friedrich Wilhelm Haack (F.
W. Haack, Sekten, 1974, S. 62 - Der Hinweis auf Pfarrer Haack fehlt in
späteren Auflagen). Beauftragte für "Sekten- und Weltanschauungsfragen" arbeiten
nach dem Krieg seit den 60er Jahren nebenamtlich, später hauptamtlich in den beiden
Großkirchen [Weitere Einzelheiten dazu folgen hier evtl. später]. Wie
früher so auch heute
tragen diese Männer und teilweise auch Frauen die "fromme" Maske der
"Sorge" um ihre Mitmenschen. Doch so
mancher Zeitgenosse hat dahinter schon den reißenden "Wolf im Schafspelz" erleben müssen.
Nicht jeder "Sektenbeauftragte" ist dabei wie der andere, und einzelne sind auch
nur wenig inquisitorisch veranlangt. Worum es bei dieser Arbeit jedoch
grundsätzlich geht, zeigt ein Blick in die Entwicklung in der 2. Hälfte des 20.
Jahrhunderts.
2) Der erste "Sektenbeauftragte"
Erster "Sektenbeauftragter" ist
Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack
- von
1964-67 als Gemeindepfarrer in Hof an der Saale im Nebenamt Beauftragter für "Sekten- und Weltanschauungsfragen" der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, seit 1969 hauptamtlich tätig. In jenem Jahr
wurde diese Stelle zuerst in der evangelischen Landeskirche in
Bayern geschaffen. Nachfolger Haacks wurde 1992 Dr. Wolfgang Behnk.
Haack und Behnk wie auch alle anderen üben diesen Dienst im Rahmen ihres Auftrags als evangelische
Pfarrer aus. Dieser ist z. B. für die beiden bayerischen Pfarrer offiziell wie
folgt beschrieben:
1) In der Kirchenverfassung, Grundartikel:
"Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern steht mit der ganzen Christenheit
unter dem Auftrag, Gottes Heil in Jesus Christus in der Welt zu bezeugen."
2) Im Pfarrergesetz, Art. 6 a: "Ich
bin bereit, das Amt, das mir anvertraut wird, nach Gottes Willen in Treue zu
führen, das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift
gegeben und im Bekenntnis unserer evangelisch-lutherischen Kirche bezeugt ist,
zu predigen, die Sakramente ihrer Einsetzung gemäß zu verwalten, das
Beichtgeheimnis und die seelsorgerliche Verschwiegenheit zu wahren und mich in
allen Dingen so zu verhalten, wie es meinem Auftrag entspricht. Dazu erbitte ich
die Hilfe des Dreieinigen Gottes."
3) In der Ordnung kirchlichen Lebens,
Abschnitt IX, Abs. 3: "Pfarrer und Gemeinde haben miteinander dafür zu sorgen,
dass die Auslegung der Heiligen Schrift recht geschieht, dem Verständnis und den
jeweiligen Verhältnissen der Gemeinde entspricht und niemand durch falsche Lehre
und Irrglauben verführt wird ..."
4) Noch einmal im Pfarrergesetz, Par.
37, für Pfarrer mit "allgemeinkirchlichen Aufgaben", zu denen der
"Sektenbeauftragte" gehört: "In der ihm übertragenen allgemeinkirchlichen
Aufgabe soll der Pfarrer seinen Dienst ausrichten gleicherweise zum Aufbau der
Kirche wie der einzelnen Gemeinde ..."
Doch der erste "Sektenbeauftragte"
hatte sich bereits ganz andere und weiter gehende Ziele im Hinblick auf die
kleineren Gemeinschaften gesetzt. So schreibt Pfarrer Haack in seiner
Darlegung "Sekten" von 1974 im ersten Kapitel: "Nicht aus
Konkurrenzneid und nicht aus Hass, weder aus theologischer Rechthaberei noch aus
Machtgründen, sondern allein wegen der geistlichen Gefahren muss die Kirche auch
heute den Sekten entgegentreten ..." Die Formulierung "auch heute" legt nahe,
dass man ergänzt "wie früher". Und wie hat das die Kirche früher getan,
wäre die anschließende Frage? Um keine
unerwünschten Assoziationen zu wecken, schreibt Haack weiter: "... Sie wird es,
wie zu den Tagen der Apostel, mit geistlichen und geistigen Waffen tun."
Das steht aber so nicht in den oben zitierten grundlegenden Kirchengesetzen und
Dienstaufträgen. Und
schon gar nicht steht dort, dass der Staat
parallel dazu aufgefordert werden soll, mit dem ihm zur Verfügung stehenden "Waffen"
das Seine zu tun. Doch welcher Kirchenverantwortliche interessiert sich dafür?
Arbeitsplatzbeschreibungen sind schnell neu formuliert, und Haack schuf Fakten
und gab damit die Richtung vor,
in die auch nachfolgende
"Sektenbeauftragte" gehen sollten.
Und welches sind hierbei genau die "geistlichen
Gefahren", die man kirchlicherseits abwenden will? In erster Linie sind es Kirchenaustritte,
auch wenn man das nicht so gerne zugibt. Denn
diese tun den Kirchen am meisten weh.
3) Die moderne Inquisition
Pfarrer Haack knüpft dabei an die Geschichte
der Inquisition an, und er gibt dies auch zu. So schreibt er in einem Brief vom
30.4.1986: "Wenn Sie bei mir auf Inquisition tippen, dann liegen Sie natürlich
richtig!" (Brief an A. Emtmann liegt uns vor). So wurden früher durch die
Inquisition der Kirchen "Ketzer" und
"Hexen" zuerst kirchlich verurteilt und dann den staatlichen Henkern überantwortet. Und
der Staat wurde dazu aufgefordert, die "aufrührerischen" Bauern (Luther) oder
im Krieg die "ungläubigen" Türken (Evangelische Bekenntnisschriften) zu töten bzw.
die Juden mit unterschiedlichsten Strafmaßnahmen bis zur Hinrichtung zu
verfolgen (Luther). Auch Eltern, die ihren Säugling nicht taufen lassen
wollten, sollte der Staat auf Verlangen der Kirche hinrichten (Melanchthon,
Luther), und viele mehr. Haack versteht sich jedoch als "moderner"
Inquisitor und schreibt weiter: "Sehen Sie, auch die Inquisition ist moderner
geworden und hält sich auch an die Grundsätze der fairen Berichterstattung."
Also faire Berichterstattung statt Hinrichtungen? Wer einmal zur Zielscheibe der
modernen Inquisition geworden ist, kann darüber nur den Kopf schütteln. Von
fairer Berichterstattung kann keine Rede sein oder nur in wenigen
Ausnahmefällen.
So haben die Kampagnen der Kirchenvertreter in unserer Zeit bereits zu folgenden Maßnahmen
gegen religiöse Minderheiten geführt: Verschiedentlich behördliche Verbote, Informationsstände oder Büchertische aufzustellen; Verweigern oder Streichen von
bestimmten öffentlichen Zuschüssen; teilweise Benachteiligungen von Privatpersonen und Geschäftsleuten durch Behörden und Gerichte;
Errichten von staatlichen Stellen zur Überwachung von Minderheiten, die man
meist mit Mitgliedern der Kirchen besetzt; in Einzelfällen Berufsverbote (Menschen müssen öffentlich erklären, keiner so genannten
"Sekte" anzugehören, um bestimmte Berufe auszuüben, bestimmte
Verträge unterzeichnen zu können oder andere Aufgaben oder Rechte
wahrnehmen zu können); weiterhin gibt es viele Werbeverbote (z. B. Verbot, Plakate aufzuhängen)
oder Verbot von Vermietungen (z. B. bei öffentlichen Gebäuden in Berlin) und manches mehr.
Hinzu kommt der vielfache Rufmord in den Medien, der auch im nichtstaatlichen
Bereich unübersehbare negative Folgen hat. Und gerade bei noch leicht zu
beeinflussenden Jugendlichen wird in der Regel im 9. Schuljahr die "Sektenkeule"
im kirchlichen Religionsunterricht geschwungen, der - nebenbei gesagt - zu 100 %
vom Staat, d. h. von allen Bürgern bezahlt wird; also auch von denen, die man
dort in den Schmutz zieht.
4) Wie äußern sich
katholische Verlautbarungen?
Hierzu ist zunächst zu sagen, dass sich in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zunächst ein Netz evangelischer Sektenbeauftragter aufgebaut hat. Erst in den 80er Jahren zieht die katholische Kirche nach. Den besonderen Inquisitions-Eifer der Evangelischen erklärt der Religionswissenschaftler Hubertus Mynarek u. a. damit, dass die evangelische Kirche selbst eine "Sekte hoch zwei" ist. Sie will zum einen der katholischen Muttersekte imponieren, von der sie sich abgespalten hat (lat. secare = abspalten) hat, nachdem sich die katholische "Sekte" ursprünglich einmal vom Urchristentum abgespalten hatte. Und zum anderen projiziert man mit den Inquisitions-Bemühungen eigene Defizite auf Andersgläubige (vgl. hierzu v. a. in "Der Theologe Nr. 1": Die Besprechung der Promotion des Sektenbeauftragten Wolfgang Behnk ).
Die katholischen Sektenbeauftragten
unterscheiden sich im Prinzip nicht von den evangelischen, und nachfolgende
Passage aus einer Broschüre des Bischöflichen Generalvikariats Aachen könnten im
Kern auch in einer evangelischen Broschüre stehen. So heißt es in der
Verlautbarung Neue Kultbewegungen und
Weltanschauungsszene 2, Mönchengladbach o. J.: "Wenn
wir aber unseren eigenen Glaubensauffassungen und Grundsätzen - Achtung des
Menschen, Achtung der Religionsfreiheit, Vertrauen auf den Heiligen Geist ... -
treu sein wollen, dann können wir uns nicht damit zufrieden geben, die Sekten zu
verdammen und zu bekämpfen ... Die Herausforderung durch die neuen religiösen
Bewegungen liegt darin, unserer eigenen Erneuerung zu einer größeren pastoralen
Wirksamkeit einen Impuls zu verleihen." (S. 33)
Auch hier wird die Verdammung und Bekämpfung der als "Sekten" verleumdeten
religiösen Minderheiten einfach selbstverständlich vorausgesetzt, ohne dass dieses Handeln
überhaupt in Frage gestellt geschweige auf eine kirchliche Legitimation
verwiesen wird. Es
bleibt auch unbeantwortet, wie "Achtung der Religionsfreiheit"
einerseits und "die Sekten zu verdammen und zu bekämpfen" andererseits
vereinbart werden soll. Auf diese Weise verkommen Werte wie "Achtung des
Menschen, Achtung der Religionsfreiheit, Vertrauen auf den Heiligen Geist" zu
scheinheiligen Worthülsen.
Weiter noch: Das II. Vatikanische Konzil bekannte sich sogar zur Toleranz gegenüber anderen religiösen Gemeinschaften (siehe unten: 5 a). Doch die Praxis sieht ganz anders aus. Immerhin mussten die "Sektenbeauftragten" dazu manche Begriffe in ihrer Bedeutung verändern, um den Widerspruch zwischen Theorie und Praxis nicht zu offensichtlich erscheinen zu lassen. Bei den Theologen ist es ja möglich, Begriffe verschieden zu interpretieren. Dies kann leider so weit gehen, dass ein Begriff auch begründet in sein Gegenteil verkehrt werden kann, wenn er in sein Gegenteil verkehrt werden soll, wie man am Beispiel des Begriffes "Toleranz" nachfolgend zeigen kann.
5) Die Verdrehung des
Begriffes "Toleranz"
a) Auf dem II.
Vatikanischen Konzil wurde ein Dokument über die Religionsfreiheit
verabschiedet, welches auch die "Toleranz gegenüber andere religiöse Gruppen
einschließt".
Über dieses Dokument referiert z. B. Pater Anselm Reichold, OSB (Vortrag
abgedruckt in: Jugendsekten, Hrsg.: Junge Union Bayern, München 1985, S. 47).
Dabei spricht er plump einfach von einer Ausnahme, wo "Intoleranz" geboten sei, und sagt:
"Aber ebenso ´intolerant` war er [Jesus] gegen die bewussten Betrüger." Nur: Wer
sind für einen überzeugten Katholiken die "bewussten Betrüger"? Anstatt sich zu fragen, ob man
nicht selbst der
Betrüger ist (indem man z. B. behauptet, "katholisch" oder "evangelisch" wäre
"christlich", also etwas, was im Sinne von Christus sei), projiziert man
die Beschimpfung auf die religiösen Minderheiten, denen
gegenüber folglich "Intoleranz" geboten sei. Was ist das Toleranzgebot des II. Vatikanums ihnen
gegenüber dann noch wert?
b) Einen Schritt weiter in der
Manipulation geht wiederum der evangelische Weltanschauungsbeauftragte Friedrich-Wilhelm Haack. So
sagte er 1982: "Nun ist Toleranz gegenüber Ideen dann ein Unding, wenn diese
Ideen beispielsweise lebensgefährdend sind. Was würde man einer Religion
gegenüber sagen, die Menschenopfer bringen will? Auf ihre Weise tun dies die
Ersatzreligionen tausendfach ... Toleranz kann sich gar nicht gegen Ideen
richten, sondern nur gegenüber Menschen. Auch dann, wenn diese Träger
zerstörerischer Ideen sind. Dann allerdings wird es auch Sache der Toleranz
sein, das Leben der Gefährdeten zu bewahren und diese Menschen an der Ausübung
ihrer zerstörerischen Ideen zu hindern."
Die geschliffenen Worte Haacks klingen für naive Ohren scheinbar vernünftig - auch wenn das Wort "Toleranz" - wie oben grundsätzlich erläutert - unmerklich in sein Gegenteil verkehrt ist. "Tolerant" ist demnach derjenige, der einen anderen an der Ausübung seiner Religion hindert. Natürlich nur unter bestimmten Bedingungen - nur dann nämlich, wenn die Religionsgemeinschaft "Träger" einer "zerstörerischen Idee" sei. Doch das ist ja nach Haacks Meinung kein Einzelfall, den man unter Umständen nachweisen müsste, sondern er ist "tausendfach" gegeben, womit wiederum alle religiösen Minderheiten pauschal im Visier sind. Was also ist das Wort "Toleranz" in diesem Zusammenhang noch wert? Wird dieser hohe Wert hier nicht schlichtweg verhöhnt?
c) Jetzt bräuchten die "Sektenbeauftragten"
die anderen Religionsgemeinschaften also nur noch als "Träger zerstörerischer
Ideen" verleumden, was bei jeder Gemeinschaft mithilfe von inquisitorischem
Geschick - worin die Beauftragten ja geschult sind - möglich ist. So wie also
zunächst das Wort "Toleranz" verdreht wurde, so folgen nun andere und neue
Verleumdungen, Verdrehungen und Lügen ein - diesmal mit dem Ziel, einer
Gemeinschaft "zerstörerische Ideen" unterzuschieben. Haacks
amtierender Nachfolger Behnk [im Jahr 2006] betrieb diese Methode
teilweise bis in
den Wortlaut hinein, wenn er das ethisch-moralische Ziel der Überwindung von Egoismus zum Beispiel als "Persönlichkeitszerstörung" diffamiert.
Alles das hat System und schafft durch ständige Wiederholung die geistigen
Grundlagen, auf der eine vielfältige Diskriminierung von seriösen und
friedfertigen Gemeinschaften möglich gemacht werden
kann. Die Kirche schwingt wieder - diesmal bildlich gesprochen - die Fackel und das Kruzifix.
Es ist nur die
Frage, was der Staat alles anbrennen und verbrennen lässt und wie weit es die
Kirche diesmal damit bringt.
Wolfgang Behnk - als Nachfolger des
ersten modernen Inquisitors Haack - ging sogar noch einen Schritt weiter als
sein geistiger Vater und
unterstellte einer friedfertigen urchristlichen Gemeinschaft ohne einen
geringsten Anknüpfungspunkt gar alle Voraussetzungen für
einen Massenselbstmord. Allerdings nur dann - so eine bei Kirchenvertretern
übliche taktische Einschränkung - wenn diese Menschen sich einmal in einer ausweglosen Situation
befinden sollten.
Auch an diesem Beispiel zeigt sich die Machart der Verhetzung anderer durch die
Macht der Kirche. Die Niedertracht und Bösartigkeit ist kaum noch zu überbieten:
Denn es werden keine Fakten genannt (weil es sie - wie meistens
- nicht gibt), nur übelwollende Unterstellungen und Verdrehungen! Und schwerwiegender als in diesem
Beispiel konnten "zerstörerische" Ideen,
die Behnks Vorgänger Haack zur Bedingung für Intoleranz gemacht hat, gar nicht
unterstellt werden. Hier ging es letztlich sogar um die grundlose Unterstellung von
möglichem "Mord", wenn man sich einmal vorstellt, dass in ein Massenselbstmord-Szenario
auch von ihren Eltern abhängige Kinder mit hineingedacht werden.
Das waren also - wenn man so will - jetzt die "möglichen" "Menschenopfer", die Behnks Lehrer,
Pfarrer Haack,
zuvor beschworen hatte, und damit wird die Volksverhetzung durch die Kirche auf
die Spitze getrieben.* Dabei war es in der Vergangenheit die Kirche selbst, die
Millionen von Menschen ermorden ließ und damit Menschenopfer in einem unvorstellbaren
Ausmaß darbrachte. So schrieb auch der bekannte Historiker Karlheinz Deschner,
er kenne "in Antike, Mittelalter und Neuzeit, einschließlich und besonders des
20. Jahrhunderts, keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so
fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist wie die christliche
Kirche, ganz besonders die römisch-katholische Kirche" (In: Die beleidigte
Kirche, Freiburg 1986, S. 43). Wobei es eine zusätzliche historische Schuld
der Kirche ist, den von Christus abgeleiteten Namen "christlich" in den Schmutz
getreten zu haben und bis heute zu treten, denn mit Jesus Christus hat das alles
nicht das Geringste zu tun.
7) Die Zerstörung von Familien
Ein Hauptansatzpunkt für das destruktive Wirken der Kirche sind dabei die Familien. So appellierte der evangelische "Sektenbeauftragte" Friedrich-Wilhelm Haack 1977 im Handbuch für Kirchenvorsteher an die evangelischen Kirchenvorsteher unter der Rubrik Religiöse Gemeinschaften, Sekten: "Religiöse Auseinandersetzungen in einer Familie können zu den übelsten und zerstörerischsten Begebenheiten werden. Liebe ist das stärkste Argument, darf aber nicht mit ´Nachgeben um des lieben Friedens willen` verwechselt werden ..."
Viele Mitbürger denken bei solchen Sätzen vor allem an den fanatischen Katholizismus, der unsägliches Leid z. B. in viele konfessionsverschiedene Familien gebracht hat, doch Haack hat natürlich die kleineren Bewegungen im Blick. Bestünde nämlich die Gefahr, dass ein Mitglied sich einer als Sekte verleumdeten religiösen Minderheit zuwendet, sollte sofort Kontakt mit dem Geistlichen aufgenommen werden. Kirchenvorsteher können solche Kontakte vermitteln.
Auf diese Weise schürt der "Sektenpfarrer" aber genau das, was er anprangert.
Anstatt dass man in der Familie offen und respektvoll miteinander redet und dem
anderen die Glaubensfreiheit lässt, gießt die evangelische Seite Öl ins Feuer
und trägt den Konflikt von Anfang an über die Familie hinaus. Erfahrungsberichte zeigen, wie durch Einschalten des Pfarrers und des "Sektenbeauftragten"
eine familiäre Situation erst "zu den übelsten und zerstörerischsten
Begebenheiten" wurde, während man mögliche Konflikte in der Familie ohne
kirchliche Einmischung mit Fairness, gegenseitigem Wohlwollen und Toleranz hätte
beilegen können. Denn der Kirchenvertreter ist in dieser Situation ja kein
neutraler und fairer Vermittler. Er vertritt schon durch sein Amt (und oft auch
durch seine hinterhältige Art) von Anfang an die Glaubensposition des kirchlich
orientierten Partners und betrachtet den anderen der beiden Partner und dessen
Denken als das "Problem", das gelöst werden muss.
Diese
Form von kirchlicher Einmischung in Familien angesichts der angeblichen Bedrohung durch "Sekten" und
andere "Religiöse Gemeinschaften" beschränkt sich bei
Friedrich-Wilhelm Haack gemäß des
oben dargelegten Pfarrer-Dienstauftrages
zunächst noch auf die Mitglieder der Evangelisch-Lutherischen Kirche.
Dass die Mitgliedschaft in der Regel ohne Zustimmung des Betreffenden bei einer Säuglingstaufe
zustande gekommen war, wird von der Kirche natürlich nicht problematisiert.
Dabei könnte man diese Praktiken in Verbindung mit den von der Kirche geschürten
Jenseits-Ängsten (weswegen es ja auch die "Nottaufe" gibt) auch als
"Zwangschristianisierung" bezeichnen. Und gerade selbstständig denkende und
freiheitsliebende Menschen nehmen diesen Zustand später nicht einfach als
gottgegeben hin, sondern korrigieren ihn oftmals durch einen Kirchenaustritt.
Und hier erweitert nun die Kirche selbstherrlich ihren Auftrag an ihren
Mitgliedern, und sie greift dazu direkt die möglichen Alternativen an, die sich
einem Kirchenaussteiger bieten, in erster Linie kleinere religiöse
Gemeinschaften.
Theologisch wird dies damit gerechtfertigt, dass man weiter eine Art
Besitzrecht auf die Seele des Aussteigers reklamiert. Beispielhaft wird dies
in einem Brief des bayerischen Landesbischofs Johannes Hanselmann (dem
ehemaligen Vorgesetzten von Friedrich-Wilhelm Haack und Wolfgang Behnk) deutlich, in dem es
heißt: "Ich möchte Ihnen aber nur zu bedenken geben, dass man aus der Kirche, in
die man durch die heilige Taufe eingegliedert wurde, nicht aus- und eintreten
kann wie bei einem Verein, wenn man anderswo etwas gefunden hat, was einem
vielleicht mehr zusagt. Man kann Gott den Bund, den er in der heiligen Taufe mit
uns geschlossen hat, nicht einfach kündigen" (Brief vom 6.9.1985 an A.
Emtmann). Das mag gut gemeint gewesen sein. Doch es ist nicht nur scheinheilig,
sondern diabolisch, v. a., weil man einmal mehr "Gott" kirchlich vereinnahmt. Und in diesem Zusammenhang wird auch das "Anderswo" verteufelt, das dem ehemaligen evangelischen oder
katholischen Kirchenmitglied heute "mehr zusagt". Auf diese Weise wird sowohl
ein lösbarer Familienkonflikt als auch ein fortgeschrittener Rosenkrieg zu einer
apokalyptischen Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse hochstilisiert, bei dem
die Fronten von Anfang an klar sind und die nicht nur Kleinfamilien zerstören,
sondern ganze Familiensippen ins Unglück stürzen kann.
Die kirchliche Methode der Demagogie, anderen Bösartiges anzudichten, kann dabei sehr leicht vor allem wenig nachdenkende Menschen beeinflussen, wie es in der Vergangenheit auch immer wieder geschah. So war es für manche Menschen, die den Inquisitoren früherer Jahrhunderte glaubten, z. B. eine Ehre, das Holz für einen Scheiterhaufen herbeischaffen zu dürfen. Doch auch in der Gegenwart liegen die Menschen den kirchlichen Demagogen vielfach zu Füßen oder lassen sich zum Instrument bzw. Büttel der kirchlichen Religionspolitik machen.
Ist eine Ehe schließlich gescheitert (jede 3. Ehe ist leider davon betroffen), geht die Auseinandersetzung oftmals weiter im Sorgerechtsstreit um die Kinder. Auch hier die alten Muster: Durch die Einmischung des kirchlichen Sektenbeauftragten werden nicht selten alle Probleme der "bösen Sekte" angelastet anstatt sich wenigstens jetzt um ein faires Abwägen der Situation auch nur zu bemühen. Und während der Sektenbeauftragte Haack gar von "Liebe" heuchelte (siehe oben), waren die kirchlichen Beauftragten in vielen bekannt gewordenen Fällen nicht einmal zu Wohlwollen oder wenigstens minimaler Selbstkritik bereit. Stattdessen ist der mit der religiösen Minderheit sympathisierende Partner in der kirchlichen Betrachtungsweise immer der schuldige Täter oder die leibhaftige Bedrohung für sein Kind. Und alle anderen Beteiligten werden dann ermuntert, sich als dessen unschuldige Opfer zu suhlen. Damit wurden v. a. die betroffenen Kinder in ein kaum vorstellbares Gefühlschaos gestürzt. So hatten z. B. Kinder schöne Erfahrungen mit dem Elternteil gemacht, der die Kirche verlassen hat und wurden anschließend regelrecht genötigt, ihr Erleben gemäß dem kirchlichen Schema anders zu deuten. Und so mancher Familienrichter brauchte schon einige Zivilcourage, um sich dieses kirchliche Feindbild nicht aufzwingen zu lassen, sondern um beide Seiten gerecht abwägen zu können - obwohl er dann selbst in Verdacht geriet, mit der "Sekte" gemeinsame Sache zu machen. Was die Kirche hier bereits an Familienstrukturen langfristig zerstört hat, müsste in einer eigenen Schrift dokumentiert werden.
7) Die Verantwortung der gesamten Kirche
Viele der Kirche grundsätzlich positiv
gegenüberstehende Menschen weichen diesen Themen aber weiter gerne aus und fragen sich, ob nicht die
"Sektenbeauftragten" nur einzelne extreme Stimmen innerhalb einer "pluralen" Kirche
seien, die sich doch insgesamt geändert habe.
Dazu lässt sich sagen, dass einzelne Kirchenmitglieder anders denken mögen (wie
auch vereinzelte Sektenbeauftragte ihr Amt weniger inquisitorisch ausüben), doch
der Sektenbeauftragte bekämpft grundsätzlich Minderheiten im Auftrag der gesamten Kirche, und
er tut es nicht als Einzeltäter, sondern auch offiziell im Namen seiner Kirche. Und
verantwortlich für die Arbeit der Sektenbeauftragten sind deshalb die jeweils
vorgesetzten Kirchenleitungen. Diese tragen damit die Verantwortung für das Tun. Im Beispiel von
Dr. Behnk ist dies der Landeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in
Bayern, bestehend aus dem Landesbischof (derzeit [2006] Dr. Johannes
Friedrich) und 17 Oberkirchenräten: Sie beriefen
Pfarrer Behnk ins Amt, sie schützen und loben ihn und beförderten ihn gar zum
Kirchenrat, um seine Position in Kirche und Gesellschaft weiter zu stärken und
seinem inquisitorischen Treiben zusätzlichen Nachdruck zu verleihen. Und wer einmal ins Visier von
ihm oder seinesgleichen geraten war, der glaubt nicht mehr, dass die Kirche sich
geändert habe. Der hat es erfahren, dass sie sich nicht geändert hat. Sie habe sich, so mancher Kirchenkritiker, allenfalls dem
Zeitgeist angepasst. Und zu diesem Geist passt es auch, dass man bestimmte "Männer fürs
Grobe" die unpopulären Arbeiten machen lässt.
So schrieb etwa der "Sektengegner" Norbert Thiel am Beispiel von Behnks
Vorgänger Haack, wie es sich mit Pfarrer Haack und seiner Landeskirche
verhält: "Pfarrer Haacks Wirken
wird vielleicht kritisch betrachtet, de facto aber bewusst geduldet und sogar
aktiv gefördert" (Norbert Thiel, Der Kampf gegen neue religiöse Bewegungen,
Mörfelden 1986, S. 79). Zudem treten in den Kirchen heute vermehrt "Freizeit-Inquisitoren" auf, welche sich auch ohne offiziellen
kirchlichen Auftrag als
"Sektenexperten" profilieren wollen, was bereits unter Pfarrer Haack
kräftig gefördert wurde. Bekannt wurde v. a. die Sektenumfrage der
Landeskirche (gemeint ist auch hier die Evangelisch-Lutherische Kirche in
Bayern) aus dem Jahr 1967, um Aktivitäten religiöser Minderheiten
auszuspionieren. Friedrich-Wilhelm Haack schrieb damals:
"Zur
Beschaffung von Informationen empfehlen sich besonders Oberschüler und Jugendkreise.
Diese kommen oft besser an die notwendigen Informationen heran als die
Kirchenvorsteher" (Nachrichten der Evangelisch-Lutherischen Kirche
in Bayern, Jahrgang 1967, S. 327). Heute traut sich die Kirche mit solchen
und ähnlichen Praktiken nicht mehr ganz so frech an die Öffentlichkeit. Sie
agiert dafür aber verstärkt im Hintergrund. So werden z. B. Bürger mit
Entscheidungsbefugnissen durch Telefonanrufe eingeschüchtert und bedrängt,
Anhängern religiöser Minderheiten bestimmte Rechte zu verweigern, z. B.
die Möglichkeit, an einem Marktstand ihre Waren zum Verkauf anzubieten. Dabei
wird sehr oft der Freizeit-Inquisitor vorgeschoben. Ein "besorgter Bürger" (in
Wirklichkeit ein vom kirchlichen Inquisitor beauftragter oder mit ihm zusammen
arbeitender Kirchenanhänger) beschwert sich dann, warum der Minderheit (die sich
- wohlgemerkt - nichts zuschulden kommen ließ) nicht das Handwerk gelegt wird.
Oder der "Bürger" bringt als stiller Denunziant beim Sektenbeauftragten diesen
erst zum Handeln.
(Ein Beispiel lesen Sie
hier).
Das Niederträchtige am Tun der Kirche ist, dass
ihre Vorwürfe gegen Andersgläubige meist falsch sind, teilweise sogar absurd. So
absurd, wie in früheren Zeiten viele kirchliche Vorwürfe der Kirchen gegen
"Ketzer", "Hexen", Juden, Bauern und Türken absurd waren. Dennoch: In der
Vergangenheit ist es der Kirche jeweils gelungen, die
staatlichen Obrigkeiten letztlich als Vollstrecker ihrer "Sektenbekämpfung" bis
hin zu
Hinrichtungen und Kriegen zu gewinnen. Die Parallele zur Gegenwart besteht
darin, dass auch die heutigen "Sektenbeauftragten" vielfach bestrebt sind, ihren
Kampf auf Politiker zu übertragen und die Medien dafür einzusetzen, in denen
wiederum Vertreter der Kirchen z. B. für religiöse Themen im Fernsehprogramm
hauptverantwortlich sind.
So gossen viele kirchenverbundene Journalisten und Politiker in den letzten Jahren
weiteres Öl in den Brandherd, und die Kirchenvertreter waren dankbar, dass sie
dann ihre "groben" Angelegenheiten gar nicht selbst erledigen mussten. Oder
Politiker behandelten die modernen Inquisitoren
irrtümlich als "Experten" zu religiösen Fragen anstatt als bloße
Interessenvertreter ihrer Kirche. Während aber in der Vergangenheit viele
"Ketzer", "Hexen", Juden, Bauern und Türken letztlich sterben mussten, sind in
der Gegenwart einem solchen Tun zum Glück noch Riegel vorgeschoben. Doch dieser
Riegel hält nur, wenn Politiker und Bürger sich vom kirchlichen
Herrschaftsanspruch lösen und in diesem Zusammenhang auch die Milliarden-Subventionierung und Privilegierung
der kirchlichen
Institutionen zugunsten einer Gleichbehandlung mit anderen Gemeinschaften
endlich beenden.
Denn immer noch gilt leider, was Karl Jaspers in seinem Werk
Der philosophische Glaube schrieb: Der "biblisch fundierte
Ausschließlichkeitsanspruch" der Kirchen steht nach wie vor "ständig auf dem
Sprung, von neuem die Scheiterhaufen für Ketzer zu entflammen" (9. Auflage,
1988, Seite 73).
* Eine Antwort aus den Reihen dieser Gemeinschaft
[des Universellen Lebens] war
damals: "Sollten einige Urchristen ... durch die Rufmordkampagnen der beiden
Institutionen Katholisch und Evangelisch hingemordet werden, dann haben sich
diese Urchristen nicht selbst das Leben genommen, sondern sie wurden getötet.
Denn sich das Leben zu nehmen, ist nicht in unserem urchristlichem Sinne."
(Christusstaat weltweit Nr. 8/1993)
8.) Inquisition -
früher und heute
Nachfolgend eine Gegenüberstellung der Arbeitsweisen der Inquisition früher und heute. Die Zitate in der linken Spalte stammen aus dem Standardwerk von Iosif R. Grigulevic, Ketzer-Hexen-Inquisitoren, Herausgeber Fritz Erik Hoevels, Ahriman-Verlag, Freiburg 1995.
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Inquisition damals |
Inquisition heute |
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Pfarrgeistliche bzw. die jeweiligen Ortspfarrer oder Ortspriester sind auch heute überall dort zur Stelle, wo z. B. Urchristen Marktstände aufbauen, um dort gesunde Nahrungsmittel zu verkaufen. Ihre Gehilfen rufen dann bei der Stadtverwaltung an und protestieren dagegen, dass diese Leute dort ihre Waren neben katholischen oder evangelischen Händlern verkaufen dürfen. Sie verlangen entweder ein Verbot des Standes oder eine Kennzeichnungspflicht des religiösen Bekenntnisses der Händler. |
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3) „Um jemanden zur Verantwortung ziehen zu können, musste man selbstverständlich einen Grund haben. Als solcher diente in Glaubensangelegenheiten die Beschuldigung, die eine Person gegen eine andere erhob wegen Zugehörigkeit zu einer Sekte bzw. Sympathie oder Hilfe für einen Ketzer.“ (S. 119) |
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Heute reisen so genannte „Sektenbeauftragte“ durch die Lande und halten Vorträge, in denen sie den Leuten angebliche Merkmale „gefährlicher“ Gruppierungen präsentieren. Dabei vertrauen sie darauf, dass die Zuhörer nicht merken, wie sehr die meisten dieser Kriterien in Wirklichkeit auf die großen Kirchen zutreffen. Sind diese Veranstaltungen auch schlecht besucht, so sorgt doch die fast immer kirchenfreundliche Lokalpresse für eine Verbreitung der abstrusen Thesen. Würde ein Redakteur wagen, nicht im Sinne der Kirche zu schreiben, wären seine Tage vermutlich gezählt ... |
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5) „Die Inquisitoren zogen es vor, die Informationen von den Denunzianten persönlich zu empfangen, indem sie ihnen versprachen, ihren Namen geheim zu halten.“ (S. 119) |
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7) „Aussagen zugunsten des Angeklagten wurden jedoch nicht berücksichtigt, da man der Ansicht war, dass diese durch verwandtschaftliche Bande oder durch sonstige Abhängigkeiten des Zeugen vom Beschuldigten hervorgerufen worden waren.“ (S. 124) |
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