Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 8/97

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Das naturwissenschaftliche Weltbild wandelt sich

Dem Schöpfer auf der Spur

RaupeWoher kommt die raffinierte Überlebenstaktik einer "hirnlosen" Raupe?

In Indien lebt eine Schmetterlingsraupe, die sich vor hungrigen Vögeln auf besonders originelle Weise schützt - in eingerollten Blättern, die sie selbst zubereitet. Damit sich ein Blatt einrollt und als Gehäuse für die sich verpuppende Raupe eignet, beißt sie den Blattstiel durch, damit das Blatt vertrocknet - nicht, ohne es vorher mit Spinnfäden am Zweig festgezurrt zu haben, damit die in Aussicht genommene Behausung nicht zu Boden fällt. Diese Prozedur vollführt die Raupe auch mit sechs oder sieben daneben hängenden Blättern. Alle verdorren und rollen sich ein. Am Ende bezieht die Raupe eines der sieben gleichwertigen und gleich aussehenden Quartiere.

Intelligenz ohne Gehirn

Vielleicht ahnen wir schon, was hier vor sich geht: Es entpuppt sich nicht nur der prächtige Schmetterling "Kaiseratlas", sondern eine raffinierte Überlebenstaktik. Schon der Einfall, ein Blatt zu einer Rolle verdorren zu lassen, um darin zu verschwinden, ist bemerkenswert.

Geradezu genial wirkt das Manöver, dem welken Blatt seine Auffälligkeit zu nehmen, die Futter suchende Vögel anziehen würde: Statt einem Blatt lässt man sechs Blätter verwelken und reduziert das Risiko, erwischt zu werden, auf ein erträgliches Maß. Wie ist zu erklären, dass eine "hirnlose" Raupe so viel Intelligenz entfaltet?

Die Antwort kann nur lauten: Offenbar gibt es Intelligenz auch ohne Gehirn. Diese Botschaft des indischen Kaiseratlas ist markant, wenngleich nicht neu: Jede Zelle, die das ganze Bauprogramm eines Organismus in sich trägt und dennoch nur ihre speziellen Aufgaben (als Leber-, Gehirn- oder Blutzelle) erfüllt, handelt nicht weniger intelligent.

Jeder Vogelschwarm, der im Herbst nach Süden zieht und im Frühjahr in seine alten Behausungen zurückfindet, signalisiert uns Umsicht und Gedächtnis der Natur. Die Evolution des Lebens wäre ohne diese Fähigkeiten nicht denkbar. Auch die Naturwissenschaft kann sich immer weniger der Einsicht verschließen, dass die Welt von einem universellen Geist durchströmt ist.

Der Biologe Sheldrake nennt ihn das "morphogenetische Feld" und löst sich damit von der materialistischen Betrachtungsweise herkömmlicher Biologie: Die Formen und Funktionen von Organismen resultieren nicht mehr bloß aus ihrem genetischen Code. Bei der Musik aus einem Radiogerät geht niemand davon aus, dass die Töne von den Bauteilen des Apparats produziert werden, sondern jeder weiß, dass sie mit Hilfe elektromagnetischer Wellen entstehen. Genauso wenig ist das Leben und seine Vielfalt lediglich das Produkt einer bestimmten Zellkombination.

Es gibt keine "tote" Materie

Dass das Leben ein übergreifendes Prinzip ist, das alles durchwirkt, wurde erst in den letzten Tagen wieder deutlich. In dem amerikanischen Wissenschaftsjournal Science berichteten zwei deutsche Chemiker über die Ergebnisse eines Experiments: Es sei ihnen gelungen, die Verhältnisse zu simulieren, die in den schwefelhaltigen Urmeeren in vorgeschichtlicher Zeit herrschten. Dabei sei es zur Selbstvermehrung von Kohlenstoffatomen gekommen.

Die Wissenschaftler wiegelten gegenüber voreiligen Spekulationen ab: Wir haben nicht bewiesen, wie das Leben auf der Erde entstand, sondern lediglich, dass ein Selbstanstoß zur Molekülvermehrung möglich ist. Weniger bescheiden war das Team der Raumsonde Galileo, das auf einer Pressekonferenz die neuesten Bilder vom Jupitermond "Europa" interpretierte: Sie sind sich "sicher, dass dort Leben existiert". Die Bilder zeigen ausgedehnte Eisfelder und dünne Furchen. Unter der dicken Eiskruste vermutet man einen gewaltigen Ozean, dessen Wasser, von einer noch unbekannten Wärmequelle aufgeheizt, sogar organische Stoffe enthalten könnte.

Beide Meldungen geben Befunde oder Vermutungen wieder, die für die Wissenschaft immer selbstverständlicher werden und unser Bewusstsein verändern könnten: Dass es keine tote Materie gibt und dass alles belebt ist. Das erste Mal gelang dieser Nachweis einem jungen amerikanischen Chemiker in den 50er Jahren, als er anorganische Moleküle, wie sie sich auf der Urerde fanden, mit den elektrischen Entladungen, wie sie sich bei heftigen Gewittern ergeben, bombardierte: Spontan entstanden einige der wichtigsten biologischen Lebensbausteine, vor allem Aminosäuren.

Der Wissenschaftsautor Hoimar von Ditfurth resümierte dazu: "Offenbar neigt die Materie aufgrund der Besonderheiten ihrer atomaren Struktur dazu, sich bevorzugt und sozusagen bei jeder sich ihr bietenden Gelegenheit zu den uns heute rückblickend als Lebensmolekül geläufigen Verbindungen zusammenzufügen."

Was die Physiker entdeckten, wurde von den Astronomen bestätigt, die in den Tiefen des Weltraums nach chemischen Verbindungen suchten. Sie stießen in den kosmischen Staubwolken zwischen den Sternen unserer Milchstraße immer wieder auch auf organische Verbindungen, die den Biochemikern als Vorstufen von Lebensbausteinen bekannt sind.

Die Quantentheorie entdeckt den Geist

Wer davon überzeugt ist, dass Gott existiert und dass Er als Allgeist alle Dinge durchwirkt, wundert sich über diese Forschungsergebnisse nicht. Sie sind Ausdruck der göttlichen Lebensenergie, die sich vom Mikrokosmos bis hin zu Pflanzen, Tieren und Menschen Bahn bricht.

Dass die Annahme toter Materie eine Illusion ist, folgt auch aus der in den zwanziger Jahren von den Physikern entwickelten Quantentheorie. Einige ihrer Ergebnisse sind: Alles was ist, erweist sich als energetische Schwingung. Nichts existiert für sich in einem leeren Raum, sondern alles als Bündelung innerhalb eines universellen Energiefeldes. Alles kommuniziert mit allem und in jedem ist alles enthalten. Dadurch löst sich die Unterscheidung von Materie und Geist mehr und mehr auf. Das sind nicht Spekulationen von Mystikern, sondern die Überzeugungen von nüchternen Nobelpreisträgern der Physik und deren Schülern.

Der Atomphysiker David Bohm sprach in diesem Zusammenhang davon, dass die Welt, die wir in den äußeren Dingen und Ereignissen erfahren, sich nur begreifen lässt, wenn wir das Vorhandensein einer "impliziten Ordnung" unterstellen, in der alle Dinge und Ereignisse, die uns lokal und zeitlich getrennt erscheinen, in eine Einheit eingebettet sind.

Der Physiker geht davon aus, dass auf der Ebene dieser Ordnung Energien am Werk sind, die so subtil sind, dass wir ihnen noch nicht auf die Spur gekommen sind. Diese subtilen Energien - oder soll man sagen: feinstofflichen Kräfte? - üben aber nach seiner Auffassung einen formbildenden Einfluss auf Vorgänge in einer weniger subtilen Sphäre - man könnte auch sagen: der grobstofflichen Welt - aus.

Bohm deutet damit als Naturwissenschaftler an, was der Gottesgeist in dem Werk Der Mikrokosmos im Makrokosmos* offenbart hat: "Gott ist unteilbar und ist deshalb ungeteilt in allem - und in allem das Ganze. Infolgedessen ist überall Gott. In jedem Baustein der Materie ist Gott. In jedem Ablauf, jedem Geschehen ist Gott die Bewegung, das Leben.

Die Energiequelle der Seele und des Menschen, der Wesenskern, Gott, das unbelastbare Sein, und alle positiven Kräfte in allen Bausteinen stehen über den Wesenskern mit dem reinen Makrokosmos, dem ewigen Gesetz, in beständiger Kommunikation. Da alle registriert sind und alles registriert ist, so ist auch alles Kommunikation - durch das Prinzip Senden und Empfangen." (S. 29)

Alles ist Kommunikation

Dieses Senden und Empfangen allen Seins erleben die Atomphysiker auch in Eigenschaften bestimmter Partikelpaare, die bei atomaren Prozessen entstehen: Auch wenn sie sich mit Lichtgeschwindigkeit voneinander trennen und jedes in die entgegen gesetzte Richtung der Galaxie saust, korrespondieren sie miteinander: Was dem einen widerfährt, lässt sich auch bei dem anderen messen. Kommunikation erfolgt hier nicht mehr materiell und deshalb auch nicht mehr innerhalb der absoluten Grenze der Lichtgeschwindigkeit Einsteins, sondern "gleichzeitig".

Galaxie

Das Leben im All - unerforschlich oder doch vertraut?

Dasselbe Senden und Empfangen in einem geistigen Energiefeld ist auch bei Sheldrakes "morphogenetischen Feldern" im Spiel, deren Wirkung im Experiment vielfach nachgewiesen ist. Eines der Beispiele: Wenn bestimmte Tiere in München mühsam ein bestimmtes Verhalten erlernen, gelingt ihren Artgenossen dasselbe in New York im Handumdrehen.

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Auch hier handelt es sich um eine raum- und zeitlose Kommunikation, die im übrigen nicht auf lebende Systeme beschränkt ist. Nach Sheldrakes Auffassung gibt es Anhaltspunkte dafür, dass beispielsweise auch bei der Entstehung von Kristallen ähnliche Effekte im Spiel sind. Gelingt es, eine bestimmte Kristallart zu züchten, dann tritt sie plötzlich überall in Erscheinung - weit entfernt und in anderen Unternehmen, die sich vorher vergeblich bemühten, dieselbe Kristallvariante herzustellen.

Gott - Alles in allem

Der Kreis schließt sich mit der Annahme, dass in jedem Atom die Essenz des gesamten Universums enthalten ist. Nichts anderes meint Bohm, wenn er aus der Quantentheorie folgert, dass die Welt ein Hologramm ist, in dem jeder Bildpunkt das Gesamtbild widerspiegelt, dass alles, was existiert, den gesamten Kosmos in sich trägt.

Man kann also sagen, dass die geistige Essenz der Mineralien- Pflanzen- und Tierreiche auch in uns ist - und wir als geistige Essenz in ihnen. Vor allem aber wohnt das Göttliche in uns, weshalb immer mehr Menschen zu Gott mit den Worten beten: Ich bin Licht aus Deinem Licht und Kraft aus Deiner Kraft.
 

* Literatur:
Sein Auge. Die Buchhaltung Gottes. Der Mikrokosmos im Makrokosmos, 212 Seiten, Verlag Das Wort; http://www.das-wort.com/deutsch/mensch-und-kosmos/sein-auge---die-buchhaltung-gottes.php


 

 


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