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Kirchenglaube ade ...
Jeder glaubt, was
er will
"Was glauben die Deutschen?" Eine
Umfrage zu diesem Thema ergab: Der von den Kirchen vorgegebene
Glaube schwindet mehr und mehr. Selbst innerhalb der Kirchen
sind inzwischen Glaubensvorstellungen verbreitet - auch unter
Pfarrern -, die in keinem Katechismus stehen. Werden die Deutschen zu einem Volk von
Ungläubigen?
Nach einer EMNID-Umfrage von 1997 glauben 57 Prozent der
Deutschen an eine "göttliche Kraft". Doch was versteht der einzelne unter
diesem Begriff?
Was glauben die Menschen
wirklich?
Prof. Klaus-Peter Jörns von der Humboldt-Universität
Berlin ging der Frage nach, "was die Menschen wirklich glauben". Die Ergebnisse
seiner schon 1992 durchgeführten Untersuchung hat er jetzt unter dem Titel "Die
neuen Gesichter Gottes" veröffentlicht. Zwar sind die Ergebnisse nicht
repräsentativ für das ganze Bundesgebiet, sie zeigen jedoch Entwicklungen auf, die eine
deutliche Sprache sprechen.
Kirche ade: Immer
mehr Menschen übernehmen für ihren Glauben selbst die Verantwortung
Unter den von Jörns Befragten glaubten nur noch etwa 30
Prozent an einen persönlichen Gott. Gott als persönliches Gegenüber, als Vater aller
Seiner Kinder - das ist eine zentrale Aussage des christlichen Glaubens. Doch die Kirchen
können sie offenbar immer weniger vermitteln.
Nach Jörns findet der Glaube an den personalen Gott selbst
unter Kirchenmitgliedern nur noch eine knappe Mehrheit: 54 Prozent der evangelischen
Christen glauben noch an Gott als Person, 15 Prozent sehen ihn als "unpersönliche
Kraft", 20 Prozent sind unentschieden und 11 Prozent glauben gar nicht mehr,
dass es
einen Gott gibt. Bei den Katholiken sind die Zahlen zwar etwas günstiger.
Doch die Ergebnisse zeigen: Mindestens ein Drittel der Kirchenmitglieder zahlen nur noch
ihre Kirchensteuer - innerlich stimmen sie mit der Kirchenlehre nicht mehr überein.
Dies gilt auch für andere Glaubensaussagen. Nur noch jeder
fünfte "Gottgläubige" - Pfarrer und Theologen eingeschlossen - glaubt noch an
die Hölle. Nur jeder dritte befragte Pfarrer und jeder vierte Gläubige bejaht den
Glauben an ein "jüngstes Gericht". Während die Mehrheit der Pfarrer noch an
eine "Auferweckung der Toten" glaubt, folgen ihnen hierin nur noch 22 Prozent
der an einen persönlichen Gott Glaubenden. Wobei man im Auge behalten
muss, dass diese
nur einen Teil der Kirchenmitglieder ausmachen.
Die Dogmen sind passé
Keine Mehrheit unter Theologen und Gläubigen (und erst
recht nicht unter den Kirchenmitgliedern) fand Jörns für die Lehre von der Erbsünde,
für den kirchlichen Religionsunterricht an staatlichen Schulen und für die
"Heiligkeit" der Bibel. Sogar für die Säuglingstaufe gab es nur eine knappe
Mehrheit. Hingegen glauben zwei Drittel der Gottgläubigen, dass wir "unsere
Krankheiten in großem Maße selbst verursachen".
Jeder vierte Gottgläubige ist der Auffassung,
dass nicht
nur die Menschen, sondern "auch viele Tiere eine Seele haben". Nur jeder achte
gar stimmt der kirchlichen Lehre zu, wonach eine Seele nur den Menschen, nicht aber
manchen Tieren zugesprochen wird. Und an die Möglichkeit einer Wiederverkörperung der
Seele glauben, nach EMNID, 29 Prozent der Kirchgänger - mehr als in der Bevölkerung
insgesamt (26 Prozent).
Der Kirchenglaube löst sich
auf ...
Auch für die elf Prozent der Bevölkerung, die
regelmäßig eine Kirche besuchen, sind wesentliche Glaubenssätze längst passé. Der
kirchlich verordnete Glaube löst sich offensichtlich auf. Dies bedeutet jedoch nicht,
dass die Religiosität der Menschen insgesamt abnehmen würde.
Ein Drittel der Konfessionslosen betrachtet sich weiterhin
als "gläubig". Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirchen suchen Menschen
nach neuen Glaubensauffassungen. Jörns unterscheidet vier "Glaubenstypen", die
jedoch in sich keineswegs einheitlich sind. Viele sind unentschieden und
"schwimmen" in Glaubensfragen, wie die Untersuchung ergibt.
... das Gottvertrauen bleibt
Welche Konsequenzen ergeben sich aus dieser Entwicklung?
Einerseits ist zu begrüßen, dass immer mehr Menschen sich unabhängig von
institutionellen Vorgaben religiös auf die Suche machen. Viele von ihnen wurden als
Kinder ungefragt einer Kirche einverleibt - nun möchten sie als Erwachsene selbst ihre
Glaubensentscheidungen treffen.
Bemerkenswert ist auch die große Wertschätzung der Natur
gerade unter denjenigen, die Gott nicht mehr als persönliches Gegenüber sehen. Quer
durch alle Glaubenstypen, stellt Jörns fest, existieren Vertrauen zu Gott und
Wertschätzung gegenseitiger Zuwendung zwischen Menschen. Es handle sich bei diesen
Veränderungen daher nicht einfach um eine Flucht in die "Individualisierung".
Auf der anderen Seite mag bedenklich stimmen,
dass ethische
Normen, die durchaus ihren Sinn hatten und haben, mit über Bord geworfen werden. So
vertrete außer den Gottgläubigen (und auch hier nur ein Viertel) kaum noch jemand die
Meinung, dass "uns das Leben nicht selbst gehört" und man es sich deshalb
"auch nicht nehmen" dürfe. Auch gegen aktive Sterbehilfe haben immer weniger
etwas einzuwenden.
"Ethische
Konfessionslosigkeit"
Der Religionsgeschichtler Prof. Obst aus Halle sieht die
Gefahr nicht in der wachsenden religiösen Konfessionslosigkeit in Deutschland,
sondern in der ethischen Konfessionslosigkeit, die sich für viele aus ersterer
ergibt. Er stellt die Frage, ob nicht beispielsweise die wachsende Korruption unter
Beamten und Angestellten oder die sinkende Steuermoral mit einer zunehmenden
Gleichgültigkeit gegenüber ethischen Normen zusammenhängen.
Jesus - Vorbild für wen?
Spätestens hier wäre die Frage nach den Ursachen zu
stellen. Eine erste Antwort finden wir in der Umfrage von Jörns. Dort wurde die Frage
gestellt: "Ist die Existenz Gottes durch das Verhalten der Kirchen unglaubwürdig
geworden?"
In großstädtischen Bezirken, wo mehr konfessionell
Ungebundene leben als auf dem Land, stimmten mehr als 40 Prozent dieser Aussage zu. Die
Umfrage bringt auch an den Tag, dass nur noch ein Drittel der befragten Pfarrer Gott mit
den Begriffen "Ethik und Moral" in Verbindung bringen. Nur 17 Prozent der
Pfarrer nennen Jesus von Nazareth als ihr Vorbild.
Unlogik überzeugt fast
niemanden mehr
Insgesamt lässt sich sagen: Der Kirchenglaube erscheint dem mündigen
Christen offensichtlich zu widersprüchlich, als dass er ihn noch überzeugen könnte. Ein
persönlicher Gott als der liebende Vater lässt sich nicht vereinbaren mit einem
Angst einflößenden Kerkermeister, der Hölle und ewige Verdammnis
zulässt.

Auch von den Kirchgängern
glaubt fast jeder Dritte an die Reinkarnation der Seele.
Das Leid in der Welt und das Schicksal des Menschen
lässt sich auf
Dauer nicht als "Geheimnis Gottes" verstehen und bemeistern, sondern eher durch
die Einsicht in das Gesetz von Saat und Ernte und die Möglichkeit wiederholter
Erdenleben, die von der Kirche geleugnet werden. Auch führte Jesus von Nazareth weder die
Säuglingstaufe noch den staatlichen Religionsunterricht ein. Er ernannte keine Priester
oder Bischöfe. Und er liebte die Tiere, die viele Zeitgenossen als von der Kirche
sträflich vernachlässigt sehen.
Wir brauchen keine Mittler
Der Nazarener verfasste auch keine Bibel, weshalb viele den darauf
aufgebauten Buchstabenglauben einer verkopften Theologie nicht mehr verstehen. Der Glaube
an Gott ist keine "Wissenschaft", sondern Gotteserfahrung im Alltag - in einem
versöhnlichen Gespräch mit unserem Nächsten, in der Hinwendung zu unseren
Mitgeschöpfen und zur Natur...
Die Bergpredigt des Jesus von Nazareth bedarf in ihrer Schlichtheit und
Größe keiner theologischen Interpretation, sondern "nur" der Verwirklichung im
täglichen Leben. Dafür braucht man keine Mittler oder gar Würdenträger. Jeder Mensch
kann eigenverantwortlich Gott in seinem Herzen näher kommen und sich von Christus dabei
führen lassen.
Das verschlossene Himmelreich
Dass viele Menschen heute keine persönliche Beziehung zu
Gott haben, weil sie mit der von den Kirchen vermittelten Gottesvorstellung nichts
anfangen können, ist nichts Neues.
Schon Jesus von Nazareth sagte: "Weh euch, ihr
Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das
Himmelreich. Ihr selbst kommt nicht hinein; aber ihr lasst auch die nicht hinein, die
hineingehen wollen" (Mt. 23, 13).
Literatur: Klaus-Peter Jörns, "Die neuen Gesichter
Gottes - Was die Menschen heute wirklich glauben", Beck-Verlag


"Faszinierende
Exotik"
"Kindern und Jugendlichen, die bei einer
Kirchenbesichtigung oder bei Teilnahme an einem christlichen
Begräbnis fragen, warum man denn eine Puppe ans Kreuz
geheftet habe, was das sei und soll, denen muss eine
Wallfahrt in Franken oder eine Prozession in Bayern als die
unglaubliche, vielleicht sogar faszinierende Exotik eines
anderen Landes, ja Kulturkreises vorkommen."
(Prof. Obst über Äußerungen Jungendlicher
aus den neuen Bundesländern in der Radiosendung
"Konfessionslos - eine neue Konfession?", Süddeutscher
Rundfunk)
Aus dem Glaubensbekenntnis der
Urchristen
Wir glauben an den einen, einzigen, an Gott, unseren ewigen
Vater der Liebe, dessen Kinder alle Wesen, Seelen und Menschen sind. Wir glauben,
dass
Gott-Vater das personifizierte Wesen der Liebe ist, das wir alle als reine Wesen wieder
schauen werden von Angesicht zu Angesicht. ...
Wir glauben an das ewige Leben und dass alle Seelen Schritt
für Schritt in das Reich Gottes zurückkehren werden, durch Jesus, den Christus, unseren
Erlöser.
Wir glauben, dass alle Menschen und Seelen Brüder und
Schwestern sind, alle eingebettet in den Großen Geist der Liebe in Gott, unserem Vater.
...
Wir glauben an die Reinkarnation, an die Einverleibung von
schwer belasteten Seelen oder von Seelen, die als Menschen in der Kürze der Jahre vieles
bereinigen und wiedergutmachen können, was für sie als Seelen erst in langen Zyklen
möglich gewesen wäre;...
Wir glauben an das Gesetz von Saat und Ernte: Was der
Mensch sät, wird er ernten.
Wir glauben an die große Gnade und Barmherzigkeit Gottes,
die uns beisteht und hilft, unsere Sünden rechtzeitig zu erkennen, zu bereuen, zu
bereinigen und nicht mehr zu tun, bevor unsere Sünden als Schicksale auf uns zukommen.
...
Wir glauben, dass ausschließlich der aktive Glaube, das
heißt, die Erfüllung der zehn Gebote und der Bergpredigt, uns mit Christus eins werden
lässt. ...
Woran die Urchristen nicht
glauben
Wir glauben nicht an einen strafenden Gott. ...
Wir glauben nicht an einen Ort, der als Hölle oder ewige
Verdammnis bezeichnet wird.
Wir glauben nicht an die Auferstehung des Fleisches. ...
Wir glauben nicht an eine alleinseligmachende Kirche. ...
Wir glauben nicht an Dogmen, Sakramente und
Kulte. ...
Wir glauben nicht an die Säuglingstaufe, da doch Jesus
selbst sprach: "Zuerst lehret, dann taufet."
Wer Gott, den ewigen Vater, und Christus, Seinen Sohn,
liebt, der tut, was Gott will, und nicht, was Menschen wollen. ...
Link:
www.universelles-leben.org |