Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 18/97

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Von der Kirche in die Psychiatrie

Krankmachende Lehren
der Kirche

Vorsicht - kirchlicher Glaube könnte Ihre Gesundheit gefährden. Zu dieser Warnung sieht sich Dr. Wendell Watters nach über 25jähriger psychiatrischer Praxis veranlasst. Watters ist emeritierter Professor für Psychiatrie an der McMasters Universität in Hamilton, Ontario/Kanada.

Buchtitel "Tödliche Lehre"
Bisher wenig erforscht: Die Zusammenhänge zwischen
falschem Gottesbild und
Krankheit

In seinem Buch "Deadly Doctrine. Health, Illness and Christian God-Talk" erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Lehre der Kirche: "Ich habe versucht zu zeigen, welche Rolle einige der verheerenden Lehren der Kirchen bei der Entstehung von schizophrenen und depressiven Erkrankungen spielen können." Das kirchliche Glaubensystem sei mit einer Suchtkrankheit vergleichbar.

Seine These untermauert er mit Erfahrungen aus seiner jahrzehntelangen psychiatrischen Praxis. Für ihn steht fest: Die Ursachen vieler menschlicher Krankheiten liegen nicht zuletzt "in den tief indoktrinierten Ideen der Kirche, die auf Männer und Frauen, Generation für Generation, einwirken."

Kirchlich ist nicht christlich

Da Watters die christliche Lehre nur aus der kirchlichen Institution kennt (katholisch, lutherisch, anglikanisch), glaubt er, es sei zugleich die Lehre des Jesus von Nazareth. Nun haben aber die kirchlichen Institutionen die Botschaft Jesu nicht nur verfälscht, sondern zum Teil pervertiert. Und deshalb wird nachfolgend von kirchlich gesprochen wo Watters von "christlich" spricht.

Watters Forschungsmethode ist die Kasuistik, die Erkenntnisse aus der Analyse von Einzelfällen gewinnt. Er hat keine Gruppenuntersuchung durchgeführt, in der Fallzahlen, psychiatrische Zustandsbilder und Prozentsätze ekklesiogener, d. h. kirchlich bedingter Verursachung das Ergebnis sind. Offensichtlich gibt es solche Untersuchungen überhaupt nicht. Warum diese Forschungslücke, wo es doch bei Psychiatrie-Patienten von Sündenängsten, Höllenängsten und religiösen Wahnvorstellungen nur so wimmelt?

"Aus einer streng katholischen Familie"

Hier ist Watters Feststellung hochinteressant, dass in der Psychiatrie die Frage nach der Religion und ihrem Einfluss auf das Krankheitsbild überhaupt nicht gestellt wird. Die Fallberichte der Psychiater enthielten zwar Angaben wie, dass der Vater aus einer streng katholischen Familie stamme. Doch "die Möglichkeit, dass die Erfahrung des Patienten mit Religion bei der Erzeugung der Symptome eine Rolle gespielt haben könnte, wird nie erwogen." Watters glaubt, dass dies mit inneren Konflikten bei den Psychiatern selbst zu tun habe, und er fordert für die psychiatrische Untersuchung auch eine "religiöse Zustandsuntersuchung".

Fragen sollten sein: Was für ein Gottesbild hat der Patient - gütig, wohlwollend oder eifersüchtig und grausam? Glaubt er, dass es Sünde sei, sich selbst zu achten und zu lieben? Glaubt er, dass man sich schuldig fühlen müsse, um Gott näher zu kommen?

Zu geringe Selbstachtung

Ein gemeinsamer Zug von psychiatrischen Patienten und vieler chronisch kranker Patienten sei eine zu geringe Selbstachtung. Das Kirchenchristentum leite die Menschen dazu, sich selbst gering zu achten. Watters verweist vor allem auf das Buch "Nachfolge Christi" von Thomas von Kempen, das nach der Bibel am häufigsten gedruckte und gelesene Buch der kirchlichen Lehre.

Kempen vermischt darin mystisches Wissen mit der Hörigkeit gegenüber der kirchlichen Hierarchie und leitet den Gläubigen zur fanatischen Selbstkasteiung an. An mindestens 37 Stellen warne Thomas den Gläubigen ausdrücklich davor, von sich selbst gut zu denken: "Sei heftig wütend gegen dich selbst, .. zeige dich selbst so ergeben und so ganz klein, dass alle über dich hinweg gehen können und dich wie den Schlamm auf den Straßen niedertreten." Oder: "Ruhe wirst du nur in der schlichten Unterwerfung unter die Leitung eines Oberen finden."

Gehirnwäsche

Watters dazu: "... auf sich selbst rasend wütend zu sein, sich selbst als ‘krank’, ‘unrein’, ‘blind’, ‘arm und bedürftig’ ... zu bezeichnen, als eine Strategie, um eine ferne Gottheit zur Gunst zu verlocken, sind kaum verträglich mit der Entwicklung einer gesunden Selbstachtung." Dies könne, wie in einem Gebet des Thomas von Aquin, zu einem regelrechten Selbstekel führen. Leute mit einer derartig geringen Selbstachtung redeten dann oft vollmundig darüber, wie sie andere "lieben", während sie sich selbst hassen. Es sei jedoch unmöglich zu lieben bzw. die Liebe eines anderen zu spüren, geschweige denn zu akzeptieren, wenn man sein eigenes wahres inneres Wesen nicht liebe.

Watters schreibt: "In unserer Gesellschaft ist die Stelle, die am meisten für die Stimulierung und Manipulation menschlicher Schuld verantwortlich ist, die Kirche." Der Kirchenchrist werde einer Gehirnwäsche unterzogen, die ihn glauben machen sollte, dass er schlecht zur Welt gekommen sei und dass es sinnlos sei, Vollkommenheit anzustreben.

Nach Watters ist die Abhängigkeit von einem krankmachenden religiösen Glaubenssystem vergleichbar mit der Abhängigkeit von Tabak oder Alkohol. Aufgabe des Arztes sei, den Patienten auf die krankmachenden Aspekte seines Glaubenssystems hinzuweisen.

Ohne eigene Motivation des Patienten sei eine Therapie allerdings nicht möglich.


Inneres statt äußeres Christentum

Das äußere Christentum führt die Menschen nach außen in den Zustand des geistigen Schlafes, während das Innere Christentum den Weg nach Innen weist zur Gottes- und Nächstenliebe und den stufenweisen Weg aufzeigt, damit der Mensch aus dem Dämmerschlaf des Egos herausfindet, also im Geiste der Freiheit erwacht.

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Das äußere Christentum ... spricht ... nicht, dass sich der Mensch ändern und einzig auf Gott ausrichten soll, und nicht wie. Denn würde das äußere Christentum das "Wie erklären - wie der Mensch zum Königreich des Inneren gelangt -, so würden bald äußere Kirchen mit ihren Riten, Zeremonien und verkleideten Priestern und Pfarrern, mit ihren Hochgestellten wie Exzellenzen und Eminenzen überflüssig sein. Dann gäbe es einzig Brüder und Schwestern im Geiste des Herrn, die eine innere Gemeinschaft bilden, in der die christlichen Prinzipien Gleichheit, Freiheit, Einheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit die Schritte zu höheren Werten, zur höheren Ethik und Moral, vorzeichnen.

(Aus: Der Prophet Nr. 11, S. 23 f., siehe auch:
http://www.universelles-leben.org/cms/prophetie/publikationen.html)


Thomas von Kempen, Nachfolge Christi - Das nach der Bibel weit verbreitetste Buch der Weltliteratur. Bereits im Jahr 1392 als 12-oder 13-Jähriger war der Sohn einer Handwerkerfamilie aus Kempen in der Nähe von Krefeld Mitglied einer klosterähnlichen Gemeinschaft, mit 19 oder 20 wurde er wie später Luther Augustinermönch, 1471 starb er. Er beeinflusste wesentlich Ignatius von Loyola (1491-1556), den Gründer des Jesuitenordens.


 

 

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