Krieg am Arbeitsplatz muss nicht seinWas man gegen Mobbing
tun kann
Mobbing - Kriegsführung am
Arbeitsplatz. Über eine Million Menschen sollen nach Auskunft von Ärzten
in Deutschland, Österreich und der Schweiz davon betroffen sein. Deshalb
verlangte der 100. Deutsche Ärztetag vor einigen Wochen in Eisenach
Maßnahmen gegen "Psychoterror am Arbeitsplatz". "Mobbing"
mache auf die Dauer seelisch und körperlich krank, der Betroffene bringe
verminderte Leistung oder falle im Betrieb ganz aus, ein
volkswirtschaftlicher Milliardenschaden sei bereits entstanden. Sogar in
den Amtskirchen, so
Psychologie heute (Nr. 8/1997) sei Mobbing weit
verbreitet.
Was genau ist "Mobbing"
und was kann man dagegen tun? - Ein Bericht zur Lage in vielen
Betrieben.
Für DM 295,00 plus Mehrwertsteuer bzw.
SFr 245,00 bietet ein Veranstalter ein eintägiges Seminar zu dem Thema
an:
Bekämpfen Sie die Erfolgsbremse: Negativität am Arbeitsplatz. Zur
"Negativität" zählt auch das so genannte "Mobbing". Ist beim genannten
Seminar der ganze Betrieb im Blickfeld, geht es bei den
Mobbing-Diskussionen immer um einzelne Mitarbeiter, die von anderen
schikaniert werden. Inwiefern handelt es sich hierbei um Tatsachen oder
eher um stark gefärbte Meinungen gekränkter oder verletzter Mitarbeiter?
Was ist
Mobbing?
Bereits bei der Definition von
"Mobbing" wird deutlich, dass es unterschiedliche Versionen und
Sichtweisen einer bestimmten Situation gibt. So bietet Psychologie
heute (Nr. 8/97) seinen Lesern einen Fragebogen mit der Frage an:
"Normale Schikane oder Mobbing?" Von Mobbing könne man dann sprechen,
wenn die Schikanen mindestens einmal wöchentlich passieren, die
Situation sich mindestens über ein halbes Jahr hinzieht, die Schikane
geplant und nicht zufällig erfolgt und ungleiche Machtstrukturen
vorherrschen.
Ausgehend von schwedischen
Untersuchungen aus dem Jahr 1986 hätten jetzt Wissenschaftler der
Universität Konstanz auch in Deutschland fundierte Untersuchungen
vorgelegt. Doch was heißt "fundiert"?
Gibt es
einen "Sündenbock"?
So zählt zum Beispiel das
"Sündenbockphänomen" zu den Mobbing-Methoden. Betriebliche Probleme oder
Konflikte werden dabei auf eine Personen abgeladen. Was aber passiert,
wenn sich ein Mitarbeiter plötzlich zum "Mobbing-Opfer" erklärt? Wird
jetzt nicht einfach nur der Spieß umgedreht? Sündenbock ist jetzt nicht
mehr das "Mobbing-Opfer", sondern der oder die "Mobber?"
Die
Antwort der Bergpredigt
Um die ungezählten Fälle gestörter
Kommunikation am Arbeitsplatz aufzufangen, haben Krankenkassen,
Gewerkschaften und Kirchen jetzt so genannte "Mobbing-Telefone"
eingerichtet - eine Antwort auf die Hilferufe der Ärzte und vieler
Betroffener. Die entscheidende Frage dabei ist: Wie kann geholfen
werden?
Die Bergpredigt des Jesus von Nazareth
gibt eine klare Richtschnur vor: "Entferne zuerst den Balken aus deinem
eigenen Auge, und dann sieh` zu, wie du den Splitter aus dem Auge deines
Nächsten entfernen kannst." Wer um das "Gesetz von Saat und Ernte", das
"Entsprechungsgesetz" und das "Gesetz der Projektion" weiß, hütet sich
vor Parteinahme für das "Opfer" oder für einen anscheinend zu Unrecht
beschuldigten "Täter".
Das Gesetz von Saat und Ernte besagt,
dass jemand nur ernten kann, was er zuvor selbst gesät hat. Die
"Gesetzmäßigkeit der Entsprechung" besagt, dass etwas, was mich am
anderen erregt, ein Teil von mir ist, nämlich der so genannte "Balken"
im eigenen Auge. Und "Projektion" bedeutet schließlich, dass ich eigenes
Fehlverhalten in einen anderen hineinprojiziere.
Die
Situation bewältigen
Bei den öffentlichen Diskussionen um
Mobbing ist davon kaum die Rede. Allerdings wird auch deutlich, dass es
Personen nicht zufällig trifft. Ängstliche Personen gehören oft dazu
oder Menschen, die geneigt sind, häufiger als ihre Kollegen von ihren
Fehlern zu sprechen, was sie in die Gefahr bringen kann, zu willkommenen
"Sündenböcken" zu werden.
Offene
Gespräche
Konzerne wie VW, CIBA Geigy oder
Betriebe wie die Stadtverwaltung in Friedrichshafen am Bodensee haben
das Thema Mobbing in ihre Weiterbildung aufgenommen. Die Angebote von
Gegenmaßnahmen sind unterschiedlich: Der Betriebswirt und
Diplompsychologe Heinz Leymann nennt in seinem Buch "Mobbing" "die 4
ursprünglichen Bewältigungstheorien: Man kann einfach davonlaufen, sich
nach besserem Ersatz umsehen, dableiben und alles über sich ergehen
lassen, sich zur Wehr setzen." (Natürlich, Nr. 7-8/97)
Unter dem Stichwort "Vermeidung von
Eskalation" schreibt Psychologie heute (Nr. 8/97) von
"Personen, bei denen sich die Situation am Arbeitsplatz wieder
verbesserte. Sie waren "offensichtlich vorsichtiger mit Strategien wie
´Gespräche mit den Angreifern führen` und ´Vorgesetzte` oder `Betriebs-
oder Personalrat einschalten und sie gaben an, nicht häufiger am
Arbeitsplatz zu fehlen. Sie versuchten offenbar, sich in dieser
angespannten Situation nichts zuschulden kommen zu lassen."
Viele Erfahrungen haben gezeigt:
Manchen mag dies gelingen, anderen nicht. Bei wieder anderen haben
offene Gespräche am besten geholfen.
Der
eigene Balken
In einer Fachzeitschrift berichtete
ein neuer Mitarbeiter in einem Betrieb, dass er dauernd mit Misstrauen,
Blockaden und Kritik seiner Kollegen zu kämpfen hatte. Mit der Zeit
machte er sich innerlich frei von den Vorwürfen und von dem Druck,
unbedingt an diesem Arbeitsplatz festhalten zu müssen. Gemäß dem
Jesuswort vom Balken im eigenen und dem Splitter im Auge des Nächsten
suchte er seinen Anteil an dem Dauerkonflikt. Sein Glaube half ihm auch,
seine tief sitzende Existenzangst abzubauen.

Als er innerlich einigermaßen stabil
war, ging er auf seine Kollegen zu und bot ihnen an, über sein
Ausscheiden aus dem Betrieb zu sprechen, wenn eine bessere
Zusammenarbeit im Team nicht möglich sei. Da ihnen keine Vorwürfe
gemacht wurden, reagierten die Kollegen betroffen und verständnisvoll,
gaben selber Fehler zu. Die Aussprache hat alle Beteiligten letztlich
einander näher gebracht, das Ausscheiden des neuen Kollegen war kein
Thema mehr.
Innere
Größe
Eine Demütigung im Betrieb kann zu
einer Gelegenheit werden, innere Größe zu lernen und ein gesundes und
stabileres Selbstwertgefühl aufzubauen. Innere Größe lernt der, der sich
in seinem Verhalten mehr und mehr von der Meinung anderer und deren
Anerkennung frei macht. Bei Auseinandersetzungen hört er zu und kann
klarstellen, muss sich aber nicht rechtfertigen. Er hinterfragt sich
selbst, lernt sich und seine Reaktionen verstehen und bemüht sich auch
als Angegriffener, den Angreifer zu verstehen.
Wer sich so verhält, dem wird auch die
innere Kraft zu Hilfe kommen, der lebendige Gott, der jeden Menschen
liebt und in jeder Situation nur das Beste für alle will.
Wie
jemand einen Job verlor und einen besseren fand
Wie jemand die Kündigung eines Jobs
bewältigte, schreibt er nachfolgend:
"Auf der Suche nach Arbeit nahm ich
zunächst einen Nebenjob an, zwei Tage die Woche. ´Besser als nichts`,
dachte ich mir - ´Vielleicht ein Einstieg für eine umfangreichere
Beschäftigung.` Die Nachtarbeit war zunächst ungewohnt, höchste
Konzentration bei jedem Handgriff war erforderlich. Bei einer Fahrt fand
ich mich als ´Neuer` am Zielort nicht zurecht, geriet in Hektik und
machte einen schwerwiegenden Fehler. Zwar konnte die Situation rasch
wieder ´ausgebügelt` werden, doch zusammen mit kleineren
Konzentrationsfehlern war sie bereits in den ersten Wochen der fristlose
Kündigungsgrund.
Obwohl ich die Entscheidung zu hart und deshalb nicht richtig fand,
vertraute ich darauf, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Dann stellte
ich mir die Frage: ‘Wo habe ich mich anderen gegenüber so verhalten wie
der ‘Vorgesetzte` in diesem Beispiel mir gegenüber?` Dabei entdeckte ich
in anderen Situationen denselben Charakterzug der ‘Härte` an mir und
konnte für manches um Verzeihung bitten. Schließlich suchte ich auch
nach den Ursachen der von mir begangenen Fehler, die zur Kündigung
führten und bemühte mich, diese zu ändern. Warum ließ ich mich zum
Beispiel von bestimmten Gedanken ablenken? Ich lernte zum Beispiel,
Wesentliches kurz auf einem kleinen Block zu notieren, um ganz bei der
Arbeit sein zu können.
Heute arbeite ich in einem Bereich, der meinen Fähigkeiten mehr
entspricht. An meiner Arbeitsweise konnte ich aufgrund meiner Erfahrung
manches verbessern."
Es geht
auch ohne Mobbing
Ein Leser, der in einem von Urchristen
geführten Betrieb arbeitet, schreibt uns:
"Auch bei uns gibt es Konflikte. Wir
sind keine Heiligen und rasseln immer wieder mal zusammen. Aber wir sind
es gewohnt, über alles sofort zu sprechen und die Konfliktsituationen zu
klären. Ich entschuldige mich, wenn ich z. B. aus der Haut gefahren bin,
auch wenn der Kollege oder die Kollegin aus meiner Sicht der Auslöser
dafür war und ebenfalls seinen oder ihren Anteil hatte. Ich frage mich,
wo denn mein eigener Balken liegt. Ich spreche aus, worin der andere
Recht hatte, als er mich kritisierte, und was ich ändern will. Ich gebe
mir dadurch keine Blöße und brauche keine Angst haben, dass der Nächste
triumphiert und meine Aussagen gegen mich verwendet - im Gegenteil: Er
wird dadurch angeregt, ebenfalls seinen Teil zu nennen, und sei es auch
nur die Art und Weise, wie er etwas gesagt hat. Ungeklärte Situationen
sind Gift für das Betriebsklima. Bereinigte Konflikte hingegen bringen
uns augenblicklich einander näher."
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