Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 18/97

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Krieg am Arbeitsplatz muss nicht sein

Was man gegen Mobbing
tun kann

Mobbing - Kriegsführung am Arbeitsplatz. Über eine Million Menschen sollen nach Auskunft von Ärzten in Deutschland, Österreich und der Schweiz davon betroffen sein. Deshalb verlangte der 100. Deutsche Ärztetag vor einigen Wochen in Eisenach Maßnahmen gegen "Psychoterror am Arbeitsplatz". "Mobbing" mache auf die Dauer seelisch und körperlich krank, der Betroffene bringe verminderte Leistung oder falle im Betrieb ganz aus, ein volkswirtschaftlicher Milliardenschaden sei bereits entstanden. Sogar in den Amtskirchen, so Psychologie heute (Nr. 8/1997) sei Mobbing weit verbreitet.

Was genau ist "Mobbing" und was kann man dagegen tun? - Ein Bericht zur Lage in vielen Betrieben.

Für DM 295,00 plus Mehrwertsteuer bzw. SFr 245,00 bietet ein Veranstalter ein eintägiges Seminar zu dem Thema an: Bekämpfen Sie die Erfolgsbremse: Negativität am Arbeitsplatz. Zur "Negativität" zählt auch das so genannte "Mobbing". Ist beim genannten Seminar der ganze Betrieb im Blickfeld, geht es bei den Mobbing-Diskussionen immer um einzelne Mitarbeiter, die von anderen schikaniert werden. Inwiefern handelt es sich hierbei um Tatsachen oder eher um stark gefärbte Meinungen gekränkter oder verletzter Mitarbeiter?

Was ist Mobbing?

Bereits bei der Definition von "Mobbing" wird deutlich, dass es unterschiedliche Versionen und Sichtweisen einer bestimmten Situation gibt. So bietet Psychologie heute (Nr. 8/97) seinen Lesern einen Fragebogen mit der Frage an: "Normale Schikane oder Mobbing?" Von Mobbing könne man dann sprechen, wenn die Schikanen mindestens einmal wöchentlich passieren, die Situation sich mindestens über ein halbes Jahr hinzieht, die Schikane geplant und nicht zufällig erfolgt und ungleiche Machtstrukturen vorherrschen.

Ausgehend von schwedischen Untersuchungen aus dem Jahr 1986 hätten jetzt Wissenschaftler der Universität Konstanz auch in Deutschland fundierte Untersuchungen vorgelegt. Doch was heißt "fundiert"?

Gibt es einen "Sündenbock"?

So zählt zum Beispiel das "Sündenbockphänomen" zu den Mobbing-Methoden. Betriebliche Probleme oder Konflikte werden dabei auf eine Personen abgeladen. Was aber passiert, wenn sich ein Mitarbeiter plötzlich zum "Mobbing-Opfer" erklärt? Wird jetzt nicht einfach nur der Spieß umgedreht? Sündenbock ist jetzt nicht mehr das "Mobbing-Opfer", sondern der oder die "Mobber?"

Die Antwort der Bergpredigt

Um die ungezählten Fälle gestörter Kommunikation am Arbeitsplatz aufzufangen, haben Krankenkassen, Gewerkschaften und Kirchen jetzt so genannte "Mobbing-Telefone" eingerichtet - eine Antwort auf die Hilferufe der Ärzte und vieler Betroffener. Die entscheidende Frage dabei ist: Wie kann geholfen werden?

Die Bergpredigt des Jesus von Nazareth gibt eine klare Richtschnur vor: "Entferne zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, und dann sieh` zu, wie du den Splitter aus dem Auge deines Nächsten entfernen kannst." Wer um das "Gesetz von Saat und Ernte", das "Entsprechungsgesetz" und das "Gesetz der Projektion" weiß, hütet sich vor Parteinahme für das "Opfer" oder für einen anscheinend zu Unrecht beschuldigten "Täter".

Das Gesetz von Saat und Ernte besagt, dass jemand nur ernten kann, was er zuvor selbst gesät hat. Die "Gesetzmäßigkeit der Entsprechung" besagt, dass etwas, was mich am anderen erregt, ein Teil von mir ist, nämlich der so genannte "Balken" im eigenen Auge. Und "Projektion" bedeutet schließlich, dass ich eigenes Fehlverhalten in einen anderen hineinprojiziere.

Die Situation bewältigen

Bei den öffentlichen Diskussionen um Mobbing ist davon kaum die Rede. Allerdings wird auch deutlich, dass es Personen nicht zufällig trifft. Ängstliche Personen gehören oft dazu oder Menschen, die geneigt sind, häufiger als ihre Kollegen von ihren Fehlern zu sprechen, was sie in die Gefahr bringen kann, zu willkommenen "Sündenböcken" zu werden.

Offene Gespräche

Konzerne wie VW, CIBA Geigy oder Betriebe wie die Stadtverwaltung in Friedrichshafen am Bodensee haben das Thema Mobbing in ihre Weiterbildung aufgenommen. Die Angebote von Gegenmaßnahmen sind unterschiedlich: Der Betriebswirt und Diplompsychologe Heinz Leymann nennt in seinem Buch "Mobbing" "die 4 ursprünglichen Bewältigungstheorien: Man kann einfach davonlaufen, sich nach besserem Ersatz umsehen, dableiben und alles über sich ergehen lassen, sich zur Wehr setzen." (Natürlich, Nr. 7-8/97)

Unter dem Stichwort "Vermeidung von Eskalation" schreibt Psychologie heute (Nr. 8/97) von "Personen, bei denen sich die Situation am Arbeitsplatz wieder verbesserte. Sie waren "offensichtlich vorsichtiger mit Strategien wie ´Gespräche mit den Angreifern führen` und ´Vorgesetzte` oder `Betriebs- oder Personalrat einschalten und sie gaben an, nicht häufiger am Arbeitsplatz zu fehlen. Sie versuchten offenbar, sich in dieser angespannten Situation nichts zuschulden kommen zu lassen."

Viele Erfahrungen haben gezeigt: Manchen mag dies gelingen, anderen nicht. Bei wieder anderen haben offene Gespräche am besten geholfen.

 Der eigene Balken

In einer Fachzeitschrift berichtete ein neuer Mitarbeiter in einem Betrieb, dass er dauernd mit Misstrauen, Blockaden und Kritik seiner Kollegen zu kämpfen hatte. Mit der Zeit machte er sich innerlich frei von den Vorwürfen und von dem Druck, unbedingt an diesem Arbeitsplatz festhalten zu müssen. Gemäß dem Jesuswort vom Balken im eigenen und dem Splitter im Auge des Nächsten suchte er seinen Anteil an dem Dauerkonflikt. Sein Glaube half ihm auch, seine tief sitzende Existenzangst abzubauen.

Als er innerlich einigermaßen stabil war, ging er auf seine Kollegen zu und bot ihnen an, über sein Ausscheiden aus dem Betrieb zu sprechen, wenn eine bessere Zusammenarbeit im Team nicht möglich sei. Da ihnen keine Vorwürfe gemacht wurden, reagierten die Kollegen betroffen und verständnisvoll, gaben selber Fehler zu. Die Aussprache hat alle Beteiligten letztlich einander näher gebracht, das Ausscheiden des neuen Kollegen war kein Thema mehr.

Innere Größe

Eine Demütigung im Betrieb kann zu einer Gelegenheit werden, innere Größe zu lernen und ein gesundes und stabileres Selbstwertgefühl aufzubauen. Innere Größe lernt der, der sich in seinem Verhalten mehr und mehr von der Meinung anderer und deren Anerkennung frei macht. Bei Auseinandersetzungen hört er zu und kann klarstellen, muss sich aber nicht rechtfertigen. Er hinterfragt sich selbst, lernt sich und seine Reaktionen verstehen und bemüht sich auch als Angegriffener, den Angreifer zu verstehen.

Wer sich so verhält, dem wird auch die innere Kraft zu Hilfe kommen, der lebendige Gott, der jeden Menschen liebt und in jeder Situation nur das Beste für alle will.
 


Wie jemand einen Job verlor und einen besseren fand

Wie jemand die Kündigung eines Jobs bewältigte, schreibt er nachfolgend:

"Auf der Suche nach Arbeit nahm ich zunächst einen Nebenjob an, zwei Tage die Woche. ´Besser als nichts`, dachte ich mir - ´Vielleicht ein Einstieg für eine umfangreichere Beschäftigung.` Die Nachtarbeit war zunächst ungewohnt, höchste Konzentration bei jedem Handgriff war erforderlich. Bei einer Fahrt fand ich mich als ´Neuer` am Zielort nicht zurecht, geriet in Hektik und machte einen schwerwiegenden Fehler. Zwar konnte die Situation rasch wieder ´ausgebügelt` werden, doch zusammen mit kleineren Konzentrationsfehlern war sie bereits in den ersten Wochen der fristlose Kündigungsgrund.
Obwohl ich die Entscheidung zu hart und deshalb nicht richtig fand, vertraute ich darauf, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Dann stellte ich mir die Frage: ‘Wo habe ich mich anderen gegenüber so verhalten wie der ‘Vorgesetzte` in diesem Beispiel mir gegenüber?` Dabei entdeckte ich in anderen Situationen denselben Charakterzug der ‘Härte` an mir und konnte für manches um Verzeihung bitten. Schließlich suchte ich auch nach den Ursachen der von mir begangenen Fehler, die zur Kündigung führten und bemühte mich, diese zu ändern. Warum ließ ich mich zum Beispiel von bestimmten Gedanken ablenken? Ich lernte zum Beispiel, Wesentliches kurz auf einem kleinen Block zu notieren, um ganz bei der Arbeit sein zu können.
Heute arbeite ich in einem Bereich, der meinen Fähigkeiten mehr entspricht. An meiner Arbeitsweise konnte ich aufgrund meiner Erfahrung manches verbessern."
 


Es geht auch ohne Mobbing

Ein Leser, der in einem von Urchristen geführten Betrieb arbeitet, schreibt uns:

"Auch bei uns gibt es Konflikte. Wir sind keine Heiligen und rasseln immer wieder mal zusammen. Aber wir sind es gewohnt, über alles sofort zu sprechen und die Konfliktsituationen zu klären. Ich entschuldige mich, wenn ich z. B. aus der Haut gefahren bin, auch wenn der Kollege oder die Kollegin aus meiner Sicht der Auslöser dafür war und ebenfalls seinen oder ihren Anteil hatte. Ich frage mich, wo denn mein eigener Balken liegt. Ich spreche aus, worin der andere Recht hatte, als er mich kritisierte, und was ich ändern will. Ich gebe mir dadurch keine Blöße und brauche keine Angst haben, dass der Nächste triumphiert und meine Aussagen gegen mich verwendet - im Gegenteil: Er wird dadurch angeregt, ebenfalls seinen Teil zu nennen, und sei es auch nur die Art und Weise, wie er etwas gesagt hat. Ungeklärte Situationen sind Gift für das Betriebsklima. Bereinigte Konflikte hingegen bringen uns augenblicklich einander näher."

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