Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 19/97

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"Das schwärzeste aller Verbrechen"

Der Verrat an den Tieren

"Der heilige Franz von Assisi hätte sich geschämt, wenn er so etwas hätte mit ansehen müssen", sagt Horst Fallenbeck. Der junge Tierschützer organisiert für Mitte Oktober eine Demonstration vor dem Kloster der Franziskanerinnen in Reute bei Bad Waldsee in Oberschwaben.

Der Grund: Die Nonnen halten ihre 1.500 Hühner in ganz "normalen" Legebatterien mit winzigen Käfigen. Die Tierschützer versprechen sich eine "Signalwirkung für andere Betriebe", falls es gelingen sollte, die Klosterschwestern zur Umstellung auf eine tiergerechte Haltung zu bewegen.

Der Kirche wird eine ethische Vorbildfunktion zugesprochen. Wenn schon Nonnen und Mönche die Tiere nicht lieben, wer soll es dann tun? Für den Kirchenkritiker Karlheinz Deschner ist Franziskus allerdings eine Ausnahme, eine "fast singuläre Lichtgestalt in all den finsteren Geschehnissen der Kirchengeschichte".

Die Regel war in dieser Geschichte nach Deschner nicht die franziskanische Tierliebe, sondern das Gegenteil davon. Was im Namen des Christentums mit den Tieren geschah und geschieht, bezeichnet Deschner in einem Artikel in der Zeit (22.8.1997) als "das schwärzeste aller Verbrechen."

Über Franziskus schreibt er: "Seine Beziehung aber zum Tier ... nahm die Kirche nie wirklich ernst; Papst Innozenz III. kommentierte, der Überlieferung zufolge, er solle doch den Schweinen predigen." "Zum puren Vergnügen", so Deschner, "marterten mittelalterliche Christen im Spiel vom Geflügel bis zu den Rindern alles zu Tode. Schweine wurden am Strang gesetzesgerecht hingerichtet, Hunde als Teufelsgehilfen gepeinigt und lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Auch Katzen flogen am Johannistag in ganz Westeuropa fuhrenweise ins Feuer ..."

Mitte des 19. Jahrhunderts "untersagte Pius IX. die Eröffnung eines Tierschutzbüros in Rom; habe der Mensch doch, was Tiere betrifft, keinerlei Pflichten." Und für die Gegenwart zitiert der Buchautor die einschlägigen Stellen aus den Katechismen beider Konfessionen, mit denen sich (fast) alles rechtfertigen lässt, was den Tieren an Leid zugefügt wird (siehe unten).

Die Wurzeln für diese Missachtung des Lebens sieht Deschner schon im Alten Testament der Bibel. Deschner hält es für ausgeschlossen, dass der Auftrag Gottes "Machet euch die Erde untertan" etwas mit "Fürsorge und Verantwortung" zu tun habe, dass er also von den Menschen missbraucht oder bewusst missverstanden worden sei. Auch im Neuen Testament kann er keine klare Aussage für die Tiere erkennen, im Gegenteil: An einer Stelle, so steht es in der Bibel, soll Jesus von Nazareth den "schlechten Geist" eines Kranken in eine Herde Schweine geschickt haben, die dann im Meer ertranken.

Man sieht hier einmal mehr, dass die Rezensenten, Übersetzer und "Verbesserer" der Bibel "ganze Arbeit" geleistet haben. In apokryphen Schriften und auch in der heutigen Botschaft aus dem All Das ist Mein Wort sind zahlreiche Episoden über Jesus berichtet, die Seine Liebe zu den Tieren und Seinen Einsatz für sie zum Thema haben. Auffällig ist, dass solche Berichte bei der Auswahl des biblischen Kanons sämtlich außen vor blieben. Andererseits gelangten Episoden wie die mit den Schweinen hinein, deren Quellen unbekannt sind.

Aus der Bibel lassen sich nun mal verschiedene Positionen hinein- oder herauslesen. Gerade bezüglich der Frage, wovon sich der Mensch ernähren soll, stoßen wir schon ganz am Anfang des Alten Testaments auf einen erstaunlichen Widerspruch: Im 1. Buch Mose lesen wir gleich im ersten Kapitel: "Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise" (1, 29).

Dies war, nach der Bibel, Gottes Aussage zu Beginn des Lebens auf dieser Erde. Doch im neunten Kapitel desselben Buches - wir befinden uns kurz nach der Sintflut - lesen wir plötzlich: "Furcht und Schrecken vor euch sei über allen Tieren auf Erden und über allen Vögeln unter dem Himmel, über allem, was auf dem Erdboden wimmelt, und über allen Fischen im Meer; in eure Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, das sei eure Speise; wie das grüne Kraut habe ich’s euch alles gegeben" (9, 2.3).

Das Gebot der Tierliebe

Aus den Offenbarungen des Gottesgeistes in unserer Zeit wissen wir, dass das Wort der Propheten oft missverstanden und mit eigenen Vorstellungen der Menschen vermischt wurde. Mit der gerade zitierten Stelle haben Theologen aller Jahrhunderte die Fleischnahrung gerechtfertigt. Doch wer sagt uns, dass sie nicht ganz anders gemeint waren?

Die Wahrheit und ihr Gegenteil liegen oft dicht beieinander. Man bräuchte bei der oben genannten Stelle, so meinen wir, nur jeweils ein Wörtchen zu verändern, um ihnen einen vollständig anderen Sinn zu geben. Machen wir einmal das kleine Gedankenexperiment: "Furcht und Schrecken vor euch ist über allen Tieren ..." Nun ist es plötzlich eine Feststellung, ja eine Anklage.

Man muss Deschner zustimmen, dass die Geschichte der letzten 2000 Jahre nicht dazu angetan ist, die Tierliebe der Christen unter Beweis zu stellen. Für das innere Christentum gilt jedoch das Gebot der Tierliebe ebenso wie das Gebot der Nächstenliebe.

.Schweine in freier Natur

Ein leider ungewöhnliches Bild - Schweine in freier Natur


Gott, der Ewige, gab den Menschen Tiere und Pflanzen und schenkte ihnen von der Erde Obst, Gemüse und Getreide. Er gab es den Menschen und sprach zu ihnen: "Macht euch die Erde untertan", was in seiner rechten Bedeutung besagt: Achtet und pflegt das Leben aller Lebensformen, und sie werden euch dienen.

(Aus: "Das ist Mein Wort, Alpha und Omega"*)


Aus dem Evangelium Jesu:
"Körner und Früchte der Erde"

"Einen Tag, nachdem Jesus Seine Rede beendet hatte, geschah es an einer Stelle bei Tiberias, wo sieben Quellen sind, dass ein junger Mann Ihm lebende Kaninchen und Tauben brachte, damit Er sie mit Seinen Jüngern verzehre. Und Jesus blickte den jungen Mann liebevoll an und sprach zu ihm: ‘Du hast ein gutes Herz, und Gott wird dich erleuchten; aber weißt du nicht, dass Gott am Anfang dem Menschen die Früchte der Erde zur Nahrung gab und ihn dadurch nicht geringer machte als den Affen oder den Ochsen oder das Pferd oder das Schaf, dass er seine Mitgeschöpfe tötet und ihr Fleisch und Blut verzehrt?

Ihr glaubt, dass Moses zu Recht befahl, solche Geschöpfe zu opfern und zu verzehren, und so tut ihr es im Tempel; aber siehe, ein Größerer als Moses ist hier und kommt, die Blutopfer des Gesetzes und die Gelage abzuschaffen und wiederherzustellen die reine Gabe und das unblutige Opfer, wie es im Anfange war, nämlich Körner und Früchte der Erde."

Aus: "Das ist Mein Wort - Alpha und Omega - Das Evangelium Jesu, die Christusoffenbarung, welche die Welt nicht kennt", S. 367 f., 19,80 € + Versand, Verlag DAS WORT, 09391/504-135, http://www.das-wort.com, Mit zahlreichen weiteren Stellen über das Verhältnis von Jesus zu den Tieren.


Bis auf weiteres

Das Messer blitzt, die Schweine schrein,

Man muss sie halt benutzen,

Denn jeder denkt: Wozu das Schwein,

Wenn wir es nicht verputzen?

Und jeder schmunzelt, jeder nagt,

Nach Art der Kannibalen,

Bis man dereinst Pfui Teufel!’ sagt

zum Schinken aus Westfalen.

Wilhelm Busch


"Das gefährlichste Tier der Welt"

So lautet der Text einer Tafel in einem zoologischen Garten. Dort, wo man dieses Tier sucht, hängt ein Spiegel, der die weiteren Sätze trägt: "Hier sehen Sie das gefährlichste Tier der Welt. Als einziges von allen Tieren, die es je gab, kann es alle anderen Tiergattungen vernichten und hat es auch schon weitgehend getan."

Entnommen aus: Carl Anders Skriver, Der Verrat der Kirchen an den Tieren, München 1967, S. 19


Weniger wertvoll?

"Für mich ist das Leben eines Lammes nicht weniger wertvoll als das Leben eines Menschen. Und ich würde niemals um des menschlichen Körpers willen einem Lamm das Leben nehmen wollen. Je hilfloser ein Lebewesen ist, desto größer ist sein Anspruch auf menschlichen Schutz vor menschlicher Grausamkeit."

Mahatma Gandhi


Tiere und Katechismus:
"Unaufhebbares Gewaltverhältnis"

"Und heute? Klipp und klar erklärt 1993 der ‘Katechismus der Katholischen Kirche’: ‘Gott hat die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt, den er nach seinem Bilde geschaffen hat. Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen. Medizinische und wissenschaftliche Versuche sind in vernünftigen Grenzen sittlich zulässig ...’ Ja, hält dieser katholische Katechismus nicht weiter Tür und Tor offen für jede Scheußlichkeit gegenüber einer ganz und gar wehrlosen, ganz und gar schuldlosen, aber ganz und gar versklavten Kreatur? ... Ist ja auch nach den EKD-Texten 41, 1991, das ‘Gewaltverhältnis’ zwischen Mensch und Tier ‘grundsätzlich unaufhebbar’.

Karlheinz Deschner in: "Das schwärzeste aller Verbrechen", Die Zeit, 22.8.1997
 

Weitere Literatur:

- Der Prophet Nr. 15: Tiere klagen, der Prophet klagt an:
http://www.das-wort.com/deutsch/kostenlos/tiere-klagen---der-prophet-klagt-an.php

- Der Theologe, Ausgabe Nr. 7: Jesus und die ersten Christen waren Vegetarier; Die Kirche und das Leid der Tiere

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