Ein
Fernsehbericht über Tierquälerei
Lebenslang an
der Kette
Der Mann im Schutzanzug aus Leder nähert sich mit
entschlossenem Schritt dem Hund an der Kette. Der knurrt zunächst - doch dann zieht er
ganz überraschend den Schwanz ein und flüchtet in sein Hundehäuschen.

Warum legt man Hunde an die
Kette?
Ein "gefährlicher
Kettenhund"?
Noch verblüffender eine andere Szene: Nach wenigen Minuten
lässt ein anderer "bissiger Wachhund" sich widerstandslos vom
"Eindringling" streicheln, der ihn dabei nicht direkt ansieht. Sobald der Mann
den Hund anschaut, zieht dieser sich ebenfalls zurück.
Was da die Fernsehzuschauer in der
Sendung Achtung!
Lebende Tiere (3 SAT) zu später Stunde sahen, war durchaus nicht als Anleitung zum
Einbruch gedacht, sondern als Hilferuf für eine seit Generationen gequälte Tierart,
deren Leid zudem noch völlig sinnlos ist: der Kettenhund. Zehntausende gibt es allein in
Deutschland. Oft sind sie obendrein ungepflegt und krank.
Der Mann im Lederanzug war ein Experte für Hunde aus
Berlin. "Die Hunde wissen eigentlich gar nicht, was oder wen sie verteidigen
sollen", erklärte er. Bei 90 Prozent der von ihm beobachteten Kettenhunde habe er
solche Erfahrungen gemacht. Die Aggressivität der Hunde sei in Wirklichkeit Unsicherheit.
Sie hatten nie die Gelegenheit, eine Beziehung zu einem Menschen aufzubauen, der dann ihr
"Leitwolf" sei und ihnen das Gefühl für ihr gemeinsames "Revier"
vermittle.
Beim Menschen würde man in vergleichbaren Fällen sagen:
Er leidet unter einem angeknacksten Selbstvertrauen. Daher lassen sich manche Tiere (aber
Vorsicht: nicht alle!) innerhalb kürzester Zeit streicheln - weil sie vorher kaum jemand
gestreichelt hat. Oder sie fühlen sich bedroht. Das Bellen ist dann nur ein Ausdruck von
Angst. Im Gegensatz zu einem freilaufenden, selbstbewussten Wachhund ist hier eine echte
Gegenwehr eher Glücksache.
Warum legt man dann Hunde ihr ganzes Leben an die Kette?
Weil man offenbar trotz jahrtausendelanger Haustierhaltung solche Zusammenhänge gar nicht
kennt. Man hat es immer so gemacht. Und es hat, oberflächlich betrachtet, scheinbar auch
"funktioniert" - weil die möglichen Eindringlinge meist ebenso wenig von Hunden
verstehen wie deren Halter.
Starre Ketten sind verboten
Überdies, so war in der Sendung zu hören, verstoße diese
Haltungsart gegen das Tierschutzgesetz. Der Hund müsse mindestens eine Laufvorrichtung
von sechs Metern Länge haben, die ihm eine gewisse Bewegungsfreiheit ermögliche. In
einer starren Kette kann er sich viel zu leicht verfangen und sich dabei verletzen.
Die Behörden zögern jedoch, hart durchzugreifen, weil sie
zunächst auf Aufklärung setzen wollen. Die meisten Menschen wissen einfach nichts von
den Übernächsten und deren Bedürfnissen. Eine artgerechte Haltung eines Hundes, so
erklärten die Experten in der Sendung, beinhalte nicht nur ausreichend Bewegung, Futter
und einen sauberen und warmen Unterschlupf.
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