Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 24/97

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Leserbrief zu einer Kampagne gegen GUT ZUM LEBEN

Kirchlicher Boykottaufruf gegen gesunde Ernährung

In den letzten Wochen entfalteten kirchliche Sektenbeauftragte mit Hilfe der Medien wieder einmal eine üble Kampagne gegen die Bauernhöfe und Marktstände von Menschen, die sich zum urchristlichen Glauben bekennen. Sie vertreiben ihre biologischen Produkte unter der Firmenbezeichnung Gut zum Leben. Die Betriebe gehören dem ANOG-Verband an, von dem sie geprüft werden. In einem Leserbrief wandte sich ein ehemaliger ANOG-Vorstandsvorsitzender an die Redaktion einer Zeitschrift, die einen herabsetzenden Artikel geschrieben hatte. Er überließ uns seinen Brief zum Abdruck:

"Als damaliger Vorstandsvorsitzender der ANOG, der für die Aufnahme der Betriebe von Gut zum Leben in die ANOG verantwortlich war, halte ich Ihren Bericht weder gerecht noch dienlich. Denn er klärt nicht auf, sondern verunglimpft, ohne Beweise zu nennen und verunsichert nur den Verbraucher, der sich gesund ernähren und dabei einen Beitrag für die Erhaltung der Umwelt leisten möchte.

Der Artikel erinnert mich stark an die Nazizeit, wo aufgerufen wurde, einer unliebsamen Minderheit durch die Aufforderung "Kauft nicht beim Juden" zu schaden. Durch den obigen Artikel wird ebenfalls eine Minderheit ausgegrenzt und mit unbewiesenen Anschuldigungen im voraus verunglimpft und verurteilt.

Zur Sache möchte ich deshalb folgendes feststellen:
Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb ordnungsgemäß (und darüber besteht bei den Betrieben von Gut zum Leben kein Zweifel) nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus (ANOG, AGÖL und EU) produziert und verkauft, erfüllt er die entsprechenden Aufnahmebedingungen. Nirgendwo wird hier nach dem persönlichen Glauben gefragt. Da die notwendigen Bedingungen für eine Aufnahme der Gut-zum-Leben-Betriebe erfüllt waren, sahen wir keinen Grund, diesen Betrieben eine Aufnahme in die ANOG zu verweigern. Soviel ich weiß, sind alle diese Betriebe in den letzten Jahren weder von der ANOG noch von der EU-Kontrollstelle beanstandet worden.

Wenn sich diese Betriebe mit ihren Produktionsstätten und ihrer gemeinsamen Vermarktung immer stärker wegen ihrer guten Qualitäten auf dem allgemein expandierenden Biomarkt durchsetzen, sollte das im Sinne der Sache nicht negativ, sondern positiv bewertet werden. Den Nutzen davon haben auch die umwelt- und ernährungsbewussten Verbraucher und viele andere Bio-Betriebe (wie Naturland und Bioland), die ihre Produkte an Gut zum Leben verkaufen. Ich würde deshalb auch heute, wenn ich wieder zu entscheiden hätte, genauso handeln wie damals, als die ANOG die Gut-zum-Leben-Betriebe aufgenommen hat.

Denn kein Anbauverband hat das Recht, einen Betrieb wegen seines Glaubens nicht als Mitglied aufzunehmen. Das wäre auch gar nicht mit unserer demokratischen Rechtsordnung zu vereinbaren. Genau das aber ist in Ihrem Artikel der Fall. Hier wird zum Boykott unterschwellig aufgefordert, anstatt zu fragen, warum nimmt eine Minderheit die gewünschte Bewahrung der Schöpfung ernst, die sie auf ihren Betrieben praktiziert. Für viele Christen (ich denke hier an das Buch der beiden Kirchen über die Bewahrung der Schöpfung und mehr Solidarität) sollte die hier verleumdete Glaubensgemeinschaft eine Herausforderung sein, nicht nur Forderungen zu stellen, sondern das, was sie von der Gesellschaft fordern, selbst mehr zu tun.

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Anstatt mit dem Knüppel auf eine unerwünschte Minderheit zu dreschen und sie ohne glaubhafte Beweise zu verunglimpfen und anzuklagen, möchte ich mir wünschen, dass meine katholische Kirche mehr Bewahrung der Schöpfung und mehr Ausrichtung am Evangelium und an der Bergpredigt von ihren Mitgliedern verlangen wird. Ich meine, wir alle haben nicht das Recht, auf andere mit Steinen zu werfen, solange wir selbst noch im Glashaus sitzen. Die Betriebe von Gut zum Leben leisten einen positiven Beitrag, und wir können uns nur wünschen, dass es noch mehr werden."

gez. Dr. Helmut Huesgen


 




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