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Leserbrief zu einer
Kampagne gegen GUT ZUM LEBEN Kirchlicher Boykottaufruf gegen
gesunde Ernährung
In den letzten Wochen entfalteten kirchliche
Sektenbeauftragte mit Hilfe der Medien wieder einmal eine üble Kampagne gegen die Bauernhöfe und
Marktstände von Menschen, die sich zum urchristlichen Glauben bekennen. Sie vertreiben ihre biologischen Produkte unter der
Firmenbezeichnung Gut zum Leben. Die Betriebe gehören dem ANOG-Verband an, von dem sie
geprüft werden. In einem Leserbrief wandte sich ein ehemaliger ANOG-Vorstandsvorsitzender
an die Redaktion einer Zeitschrift, die einen herabsetzenden Artikel geschrieben hatte. Er
überließ uns seinen Brief zum Abdruck:
"Als damaliger Vorstandsvorsitzender der ANOG, der
für die Aufnahme der Betriebe von Gut zum Leben in die ANOG verantwortlich war, halte ich
Ihren Bericht weder gerecht noch dienlich. Denn er klärt nicht auf, sondern verunglimpft,
ohne Beweise zu nennen und verunsichert nur den Verbraucher, der sich gesund ernähren und
dabei einen Beitrag für die Erhaltung der Umwelt leisten möchte.
Der Artikel erinnert mich stark an die Nazizeit, wo
aufgerufen wurde, einer unliebsamen Minderheit durch die Aufforderung "Kauft nicht
beim Juden" zu schaden. Durch den obigen Artikel wird ebenfalls eine Minderheit
ausgegrenzt und mit unbewiesenen Anschuldigungen im voraus verunglimpft und verurteilt.
Zur Sache möchte ich deshalb folgendes feststellen:
Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb ordnungsgemäß (und
darüber besteht bei den Betrieben von Gut zum Leben kein Zweifel) nach den Richtlinien
des ökologischen Landbaus (ANOG, AGÖL und EU) produziert und verkauft, erfüllt er die
entsprechenden Aufnahmebedingungen. Nirgendwo wird hier nach dem persönlichen Glauben
gefragt. Da die notwendigen Bedingungen für eine Aufnahme der Gut-zum-Leben-Betriebe
erfüllt waren, sahen wir keinen Grund, diesen Betrieben eine Aufnahme in die ANOG zu
verweigern. Soviel ich weiß, sind alle diese Betriebe in den letzten Jahren weder von der
ANOG noch von der EU-Kontrollstelle beanstandet worden.
Wenn sich diese Betriebe mit ihren Produktionsstätten und
ihrer gemeinsamen Vermarktung immer stärker wegen ihrer guten Qualitäten auf dem
allgemein expandierenden Biomarkt durchsetzen, sollte das im Sinne der Sache nicht
negativ, sondern positiv bewertet werden. Den Nutzen davon haben auch die umwelt- und
ernährungsbewussten Verbraucher und viele andere Bio-Betriebe (wie Naturland und
Bioland), die ihre Produkte an Gut zum Leben verkaufen. Ich würde deshalb auch heute,
wenn ich wieder zu entscheiden hätte, genauso handeln wie damals, als die ANOG die Gut-zum-Leben-Betriebe aufgenommen hat.
Denn kein Anbauverband hat das Recht, einen Betrieb wegen
seines Glaubens nicht als Mitglied aufzunehmen. Das wäre auch gar nicht mit unserer
demokratischen Rechtsordnung zu vereinbaren. Genau das aber ist in Ihrem Artikel der Fall.
Hier wird zum Boykott unterschwellig aufgefordert, anstatt zu fragen, warum nimmt eine
Minderheit die gewünschte Bewahrung der Schöpfung ernst, die sie auf ihren Betrieben
praktiziert. Für viele Christen (ich denke hier an das Buch der beiden Kirchen über die
Bewahrung der Schöpfung und mehr Solidarität) sollte die hier verleumdete
Glaubensgemeinschaft eine Herausforderung sein, nicht nur Forderungen zu stellen, sondern
das, was sie von der Gesellschaft fordern, selbst mehr zu tun.
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