Soll der Film Deep impact (zu deutsch
etwa: tiefer Einschlag) wirklich nur Nervenkitzel und Angstlust erzeugen? Dann hätte man
viel mehr verzweifelte Menschen in Nahaufnahme bringen können, mehr Nerven zerfetzende
Action. Statt dessen hat die Armee fast alles im Griff. Die meisten Menschen scheinen es
gelassen hinzunehmen, dass nur eine Million von ihnen, durch einen Zufallsgenerator
ausgewählt, in die "neue Arche Noah" in den Kalkbergen Missouris gebracht
werden kann, um dort zwei Jahre zu überleben, bis die Staubwolken auf der Erdoberfläche
sich wieder verzogen haben. Eine derartige Disziplin im Land der ungezählten privaten
Schießeisen?

Der Komet von der Größe des Mount Everest wird dann jedoch von mutigen
Männern und Frauen in einem Raumschiff mit Hilfe einer Atombombe in zwei Teile gesprengt.
Der kleinere rast ins Meer und erzeugt die verheerende Flutwelle; der größere wird
später ganz vernichtet.
Filme können subtile Botschaften transportieren. Warum trägt das
Raumschiff mit den Helden den Namen "Messiah"? Soll das heißen: Der Mensch ist
sein eigener Messias, er muss sich selbst helfen, mit ausgeklügelter Raumfahrttechnik und
Atombomben? Gott hilft also nicht? Es gibt, zumindest in diesem Film, keine Antwort auf
die Frage nach dem "Warum". Niemand fragt: "Warum ich? Warum jetzt?"
Wenn der Präsident am Fernsehen ein Gebet spricht, ist dies mehr eine folkloristische
Untermalung.
Soll so die "neue Welt" entstehen, die der Präsident in seiner
letzten Ansprache angekündigt hat, aufgebaut durch zufällig ausgewählte Menschen, unter
Ausschluss aller über 50jährigen? Über weite Strecken erinnert der Film fast an einen
Propagandafilm aus dem Zweiten Weltkrieg: Heldenhafte, loyale Bürger verhalten sich
diszipliniert und folgen den Anordnungen der Behörden, um sich in der Not einer höheren
Vernunft unterzuordnen. Still und gefasst umarmen die nicht Ausgewählten ihre nächsten
Angehörigen und lassen sich dann von der Flut verschlingen.
Wissen die Mächtigen dieser Welt vielleicht schon mehr über die Zukunft,
als sie uns verraten? Wollen sie uns auf mögliche Ereignisse und Maßnahmen einstimmen?
Mit einem Film geht dies allemal besser als mit trockenen Verlautbarungen. Gleichzeitig
werden manche, die tatsächlich vor möglichen Gefahren warnen, als
"Panikmacher" hingestellt. Dabei ahnen immer mehr Menschen, dass es so wie
bisher nicht weitergehen kann.