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Ausgabe 12/98

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"Deep impact" oder die Lust am Untergang

Einstimmung auf die Apokalypse?

Nach dem Luxusschiff Titanic (erfolgreichster Film aller Zeiten) und der Stadt San Francisco (Volcano) geht jetzt im Kinosaal halb Amerika unter, versinkt unter einer dreihundert Meter hohen Flutwelle, die ein auf die Erde stürzender Komet ausgelöst hat. Ist es nur eine neue Variante des Gruselfilms, die nun die Kinokassen füllt, ganz nach dem Motto: reingehen, Angst haben - und hinterher die Erleichterung genießen, dass außer zwei Tüten Chips nichts dabei drauf ging?

Soll der Film Deep impact (zu deutsch etwa: tiefer Einschlag) wirklich nur Nervenkitzel und Angstlust erzeugen? Dann hätte man viel mehr verzweifelte Menschen in Nahaufnahme bringen können, mehr Nerven zerfetzende Action. Statt dessen hat die Armee fast alles im Griff. Die meisten Menschen scheinen es gelassen hinzunehmen, dass nur eine Million von ihnen, durch einen Zufallsgenerator ausgewählt, in die "neue Arche Noah" in den Kalkbergen Missouris gebracht werden kann, um dort zwei Jahre zu überleben, bis die Staubwolken auf der Erdoberfläche sich wieder verzogen haben. Eine derartige Disziplin im Land der ungezählten privaten Schießeisen?

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Eine der Filmszenen: Gleich wird der Komet einschlagen

Der Komet von der Größe des Mount Everest wird dann jedoch von mutigen Männern und Frauen in einem Raumschiff mit Hilfe einer Atombombe in zwei Teile gesprengt. Der kleinere rast ins Meer und erzeugt die verheerende Flutwelle; der größere wird später ganz vernichtet.

Filme können subtile Botschaften transportieren. Warum trägt das Raumschiff mit den Helden den Namen "Messiah"? Soll das heißen: Der Mensch ist sein eigener Messias, er muss sich selbst helfen, mit ausgeklügelter Raumfahrttechnik und Atombomben? Gott hilft also nicht? Es gibt, zumindest in diesem Film, keine Antwort auf die Frage nach dem "Warum". Niemand fragt: "Warum ich? Warum jetzt?" Wenn der Präsident am Fernsehen ein Gebet spricht, ist dies mehr eine folkloristische Untermalung.

Soll so die "neue Welt" entstehen, die der Präsident in seiner letzten Ansprache angekündigt hat, aufgebaut durch zufällig ausgewählte Menschen, unter Ausschluss aller über 50jährigen? Über weite Strecken erinnert der Film fast an einen Propagandafilm aus dem Zweiten Weltkrieg: Heldenhafte, loyale Bürger verhalten sich diszipliniert und folgen den Anordnungen der Behörden, um sich in der Not einer höheren Vernunft unterzuordnen. Still und gefasst umarmen die nicht Ausgewählten ihre nächsten Angehörigen und lassen sich dann von der Flut verschlingen.

Wissen die Mächtigen dieser Welt vielleicht schon mehr über die Zukunft, als sie uns verraten? Wollen sie uns auf mögliche Ereignisse und Maßnahmen einstimmen? Mit einem Film geht dies allemal besser als mit trockenen Verlautbarungen. Gleichzeitig werden manche, die tatsächlich vor möglichen Gefahren warnen, als "Panikmacher" hingestellt. Dabei ahnen immer mehr Menschen, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann.

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Doch: Was immer an Katastrophen kommen sollte - jeden kann nur das treffen, was er in das Gesetz von Saat und Ernte eingegeben hat. Hier liegt aber auch die Chance: In der Erkenntnis des Fehlverhaltens und in der Reue und Versöhnung mit dem Nächsten, wobei uns der Christus Gottes in uns beisteht. Der Film deutet auch dies an: Eine junge Frau überlässt einer Freundin ihren Hubschrauberplatz, um sich mit ihrem Vater zu versöhnen. (mh)


 

 

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