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Ausgabe 12/98

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Bericht aus Kenia

Elefanten in freier Natur -
werden sie überleben?

"Hier war ich nicht das letzte Mal". Das wurde mir klar, als ich zu Beginn meines Aufenthalts im Amboseli-Nationalpark in Kenia vor meinem Zelt saß und die Abendstimmung genoss. Die Sonne Afrikas hatte kurz zuvor den Himmel in glühend rote Farben getaucht, und nun waren bereits einige Tiere schemenhaft in weiter Ferne vor der Silhouette des Kilimandscharo zu sehen. Um Elefanten im Freiland zu erleben, war ich vor einer Woche nach Nairobi geflogen.

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     Eine Elefantenherde an der lebensnotwendigen
     Wasserstelle - Sie trinken und kühlen sich ab

Als ich fünf Jahre alt war, haben meine Eltern mit mir in Deutschland einen Zoo besucht. Guten Glaubens dachten sie, sie würden mir damit eine Freude bereiten. Als ich aber gesehen hatte, wie die Elefanten dort angekettet waren und sich überhaupt nicht bewegen konnten, fing ich an, laut zu schreien. Ich muss völlig entsetzt gewesen sein. Nie wieder wollte ich einen Zoo betreten.

Was geht in den Tieren vor?

Als examinierte Biologin änderte ich über 20 Jahre später meinen Entschluss. Ich ging wieder in einen Zoo und suchte nach den Elefanten. Lange schaute ich ihnen in die Augen. Wissen wir Menschen überhaupt, was in den Tieren vorgeht? Welche Möglichkeiten haben die gefangen gehaltenen Tiere überhaupt, ein ihnen entsprechendes Leben zu führen? In mir reifte ein Wunsch: Ich möchte mithelfen, dass Elefanten in ihrer natürlichen Umgebung bleiben können und geschützt werden.

Serengeti

Wie sollte ich beginnen? In der Bücherei fand ich zunächst eine Untersuchung über Elefanten im Serengeti-Nationalpark in Tansania aus den 60iger Jahren. Ich wusste bereits, dass in den 80iger Jahren die illegale Elfenbeinjagd stark zugenommen hatte und die ehemals zahlreichen Elefantenpopulationen bedrohte. Auch der starke Anstieg des menschlichen Bevölkerungswachstums und die Zunahme der landwirtschaftlichen Nutzung führte zu einer drastischen Verkleinerung des Lebensraums für die Elefanten. Ihr Überleben ist mittlerweile in Gefahr. Wie sieht es also heute in Serengeti aus, 30 Jahre nach Veröffentlichung der Studie?

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Um für die jahreszeitlichen Wanderungen gerüstet zu
sein, müssen die kleinen Elefanten lernen und immer
wieder lernen.

Um den aktuellen Status der Elefanten dort zu erfahren, möchte ich nach den Elefantenfamilien suchen, die sich heute zeitweise im Serengeti-Nationalpark in Tansania aufhalten und diesen nutzen. Für dieses Projekt erbat ich Unterstützung vom Amboseli-Nationalpark im benachbarten Kenia. Und: Mein großer Wunsch ging in Erfüllung. Ich bekam eine Einladung und reiste nach Kenia.

Wie erkennt man einen bestimmten Elefanten?

Tagsüber war ich meist damit beschäftigt, die hier im Park lebenden Elefanten zu beobachten und mich im Identifizieren von einzelnen Tieren zu schulen. Wie erkennt man einen Elefanten? Die Einschnitte, Löcher und Verletzungen an ihren Ohrrändern kennzeichnen Elefanten genauso wie ein Fingerabdruck einen Menschen auszeichnet. Ebenso sind Anzahl und Form der Stoßzähne meistens sehr unterschiedlich und jeweils mit der Biographie eines Tieres verknüpft. Eines haben aber alle Elefanten gemeinsam: Schaut man ihnen in die Augen, blickt einem viel "Weisheit" entgegen.

Liebevolle Zurechtweisung

Meine besondere Aufmerksamkeit zog ein kleines Elefantenbaby auf sich, das erst vor wenigen Tagen geboren wurde. Die Babies haben noch eine rosafarbene Haut und witzige vom Kopf abstehende Haare. Meist stand es auf wackligen Beinen unter dem schützenden Bauch der Mutter, oder es lag von den Herausforderungen des Tages ermattet im Gras. Das Junge erfährt viel Zuneigung und Aufmerksamkeit, aber auch Zurechtweisung. Denn vor Beginn der langen Regenzeit müssen die Kleinen stark genug sein, um die jahreszeitlichen Wanderungen zu überstehen. Bis dahin verbringen sie viel Zeit mit spielen, lernen, lernen und wieder lernen.

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Der Tag während der Trockenzeit beginnt für die Elefanten morgens mit einer z. T. mehrere Stunden dauernden Wanderung von den kühlen Akazienwäldern, in denen sie die Nacht verbringen, in Richtung des Sumpfes. Dort trinken sie tagsüber, kühlen sich ab und bedecken sich mit Schlamm, um sich vor den unbarmherzigen Sonnenstrahlen zu schützen, die ihrer empfindlichen Haut schaden könnten. Welch ein Anblick bietet ein mit Schlamm bedeckter Elefant, auf dessen Rücken oft ein weißer Vogel reitet, der ihm die Zecken aus der Haut pickt!

Eine "Gedenkminute"

An einem Tag hörte ich Erstaunliches von einer der Elefantenfamilien: Morgens auf dem Weg von den Wäldern zum Sumpf stoppten sie, und es gab Aufregung. Vor der Gruppe lag ein kleiner skelettierter Elefantenschädel. Die älteste Kuh, welche die Familie anführte, hob den Schädel mit ihrem Rüssel vorsichtig auf und drehte ihn für einige Zeit in ihrem Maul, als würde sie ihn prüfen. Danach übergab sie diesen behutsam an das ihr am nächsten stehende Tier. Der Vorgang wiederholte sich, während die anderen Tiere warteten und beobachteten. Schließlich behielt eine Elefantin den Schädel im Mund und ließ ihn an einer bestimmten Stelle kurz vor Erreichen des Sumpfes fallen. Die Gruppe hielt inne, und es schien so, als würden sie eine "Gedenkminute" halten. Danach stiegen die Elefanten ins kühle Nass des Sumpfes und setzten ihren Tag in gewohnter Art fort.

(Anja Heister, Biologin)


 



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