wplogo.GIF (14917 Byte)

Ausgabe 12/98 

Extrablatt "Satan öffnet sein Archiv"

abstand.gif (36 Byte)
Vatikan gibt weitere Inquisitionsakten frei

Satan öffnet sein Archiv

Neu ist es nicht, was der SPIEGEL in seiner Aufsehen erregenden Titelgeschichte über die Inquisition berichtet. Dem Leser stockt dennoch der Atem.

Erstmals wurde eine breite Öffentlichkeit mit der blutrünstigen Vergangenheit einer Kirche konfrontiert, von der einer ihrer besten Kenner, Karlheinz Deschner, schon vor Jahren schrieb: "Nach intensiver Beschäftigung mit der Geschichte des Christentums kenne ich in Antike, Mittelalter und Neuzeit, einschließlich und besonders des 20. Jahrhunderts, keine Organisation der Welt, die zugleich so lange, so fortgesetzt und so scheußlich mit Verbrechen belastet ist wie die christliche Kirche, ganz besonders die römisch-katholische Kirche."

Alles im Namen Christi

In einem Punkt wird man Deschner freilich widersprechen müssen: "Christlich" war diese Kirche nicht. Den Namen hat sie sich nur angemaßt, denn in ihren Folterkellern und auf ihren Scheiterhaufen wurden Millionen Menschen zu Tode gebracht. Ihre Kreuzritter wateten in Jerusalem knöcheltief in Blut der von ihnen Ermordeten, und christliche Eroberer rotteten in Amerika mit dem Segen kirchlicher Missionare ganze Volksstämme aus. Die Verbrechen Stalins und Hitlers wirken wie eine Episode der Geschichte, wenn man sie mit der Jahrhunderte langen Schreckensherrschaft der Kirche vergleicht.

Und dies alles geschah "im Namen Christi", durch eine Organisation, die noch heute für sich in Anspruch nimmt, unfehlbare Wahrheiten zu verkünden, und sich anmaßt, für Ethik und Moral zuständig zu sein. Die "kirchlichen Würdenträger" (Was hätte wohl Jesus von Nazareth zu dieser Titulierung gesagt?) müssen das Volk für ziemlich unbedarft halten. Der Purpur des gegenwärtig amtierenden obersten Glaubenshüters der römisch-katholischen Kirche, des Kardinals Josef Ratzinger, erinnert längst nicht mehr an die Märtyrer des frühen Christentums, sondern weit eher an das Blutbad, das seine Vorgänger im Namen der "Heiligen Inquisition" anrichteten. Nur mit Hilfe eines "Taufbundes", mit dem man bereits Säuglinge in die Kirchenmitgliedschaft zwingt, um sie im Erwachsenenalter mit Hilfe von Verdammnisdrohungen bei der Stange zu halten, war es möglich, das Kirchenvolk so lange am Denken zu hindern und im Verbund mit dem jeweiligen Landesherrn als abhängige Untertanen zu halten.

Flucht nach vorne

Heute funktioniert diese Erpressung nicht mehr, wie der Exodus aus den Kirchen beweist. Deshalb ergreift der Vatikan die Flucht nach vorne, indem er Archive öffnet, deren Inhalt nicht länger zu verheimlichen ist.

Allerdings nur bis zum Jahre 1903. Warum hört die Wahrheitsliebe ausgerechnet mit dieser Jahreszahl auf? Angeblich um lebende Personen zu schonen. Etwa Theologen, wie z. B. Hans Küng, Eugen Drewermann und Leonardo Boff, die man wegen Unbotmäßigkeit aus ihren Stellungen gejagt hat - nach alter Inquisitionsmanier im Wege geheimer Verfahren, in denen sich die Angeklagten nicht verteidigen können? Oder will man die Angehörigen der Opfer kirchlicher Exorzismen schützen? Das letzte Opfer kam in den 70er Jahren mit bischöflicher Genehmigung in der Diözese Würzburg zu Tode (Lesen Sie dazu www.theologe.de/theologe9.htm). Die Teufelsaustreibung, die das Leben kosten kann und Bestandteil des geltenden Kirchenrechts ist, transportiert mittelalterlichen Hexenwahn ins 20. Jahrhundert.

Wer soll geschützt werden?

Vielleicht geht es bei der Zäsur des Jahres 1903 weniger um "noch lebende Persönlichkeiten", sondern eher um einige Verstorbene: Zum Beispiel Pius X., der ab 1903 mit Hilfe einer hierfür eigens geschaffenen Spionageorganisation eine wahre Schnüffelkampagne gegen die eigenen Kleriker entfachte, die im Verdacht standen, "modernistische Ideen" zu vertreten. Oder Pius XII., der zum Holocaust schwieg und zuschaute, wie vor seiner Haustüre Juden zur Erschießung abtransportiert wurden; der es stillschweigend duldete, dass im "katholischen Kroatien" hunderttausende von orthodoxen Serben von katholischen Priestern zwangsgetauft und von Katholiken bestialisch umgebracht wurden; und der 1945 Tausende hochrangiger Nazis auf einer rechtzeitig aufgebauten "Klosterstraße" zur Flucht nach Spanien und Südamerika verhalf.

Satan öffnete sein Archiv, lässt sich aber nur zum Teil in die Karten schauen. Zur neuerlichen Verhöhnung des Jesus von Nazareth, in dessen Namen die archivierten Verbrechen begangen wurden, reicht es allemal. Und zur Jahrtausendwende will sich die Organisation, die so viel kriminelle Energie aufwandte, groß entschuldigen. Warum nicht sofort? Warum nicht schon längst? Und mit welchen Konsequenzen? Wird man das Vermögen für wohltätige Zwecke spenden, das man verbrannten Ketzern abgenommen oder den eigenen Mitgliedern am Totenbett abgepresst hat? Wird man die Ländereien, die man teils durch Gewalt, teils durch politisch erzwungene Schenkungen und teils durch Erbschleicherei erworben hat, dem Gemeinwohl zur Verfügung stellen? Davon hört man nichts.

bt_inhalt.gif (324 Byte)
bt_home.gif (361 Byte)
bt_archiv.gif (326 Byte)
bt_suchen.gif (333 Byte)
bt_abos.gif (368 Byte)
bt_impressum.gif (361 Byte)
bt_post.gif (358 Byte)


Der Name Christi bleibt so lange besudelt, wie ihn diese Kirche im Munde und im Wappen führt. Die Zeit ist gekommen, um dem Verrat an der Botschaft Jesu ein Ende zu bereiten. Wer sich Christus im Inneren verbunden fühlt, wird aus der Kirche austreten.


 


Lesen Sie dazu auch: Hubertus Mynarek, Die neue Inquisition;
Für 18,00 € plus Versand erhältlich im Verlag Das Weisse Pferd

Und: Matthias Holzbauer, Der Steinadler und sein Schwefelgeruch - Die Verfolgung religiöser Minderheiten in der Geschichte. Die Verfolgung der Urchristen im Universellen Leben heute. Für nur 14,90 € plus Versand erhältlich im Verlag Das Weisse Pferd


Copyright © Verlag Das Weisse Pferd GmbH, Altfeld, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Deutschland
Tel. 09391 / 504 - 207, Fax - 210, http://www.das-weisse-pferd.com - E-Mail: info@das-weisse-pferd.com


Fernsehtipp
: www.erde-und-mensch.tv

Hit Counter