"Grollend zieht
ein Umbruch der deutschen Nation heran", kommentiert die Welt am Sonntag am 31.5.1998
und schreibt weiter von einer eigentümlichen "Stimmung im Land", einer
"Art psychologisches Vakuum, die Erwartung einer noch unbestimmten, auf jeden Fall
aber unerfreulichen Veränderung in unserem Leben als Nation. Etwa so, als ob eine schwere
Gewitterfront am Horizont heraufzieht, von der aber noch niemand weiß, wann, wo und wie
sie sich entladen wird."
Ein Blick in die Bestsellerlisten der Sachbücher zeigt,
dass von den
15 am meisten gekauften Büchern gleich vier sich kritisch mit der Situation in
Deutschland auseinandersetzen:
Platz 3: Günter Ogger, Absahnen und Abhauen. Ist Deutschland zum
Selbstbedienungsladen verkommen?
Platz 11: Arnulf Baring: Scheitert Deutschland?
Platz 13: Herbert von Arnim: Fetter Bauch regiert nicht gern. Die
politische Klasse sichert satt und träge ihre Pfründe
Platz 14: Christian Graf von Krockow: Der deutsche Niedergang -
Strategien, wie die Nation Arbeitskrise, Krise des Sozialstaates, Zukunftsangst und
Erstarrung überwinden muss.
Ein Symptom der Krise sind derzeit über viereinhalb Millionen
Arbeitslose, was Nachkriegsrekord für das Land bedeutet. Gleichzeitig steigen die
Aktienkurse von Firmen, die Arbeitskräfte entlassen, um ihre Gewinne zu steigern.
Auf einen weiteren Missstand weist ein Flugblatt hin, das auf vielen
Demonstrationen die Runde machte: "Bischöfe, schämt ihr euch nicht!"
Darin werden die hohen staatlich finanzierten Gehälter der kirchlichen Würdenträger mit
den Einkommen von Arbeitslosen verglichen.
Die Welt am Sonntag weist vor allem auf den zunehmenden Erfolg von
"Extremisten" in der Politik hin und beendet ihren Kommentar mit dem Aufruf:
"Höchste Zeit für die seit Jahren überfällige Wertedebatte in unserer
Demokratie!"