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Virtuelle RealitätGefährliche Scheinwelten
Der Kinofilm ist zu Ende. Noch
eine Weile bleiben manche Zuschauer auf ihren Sitzen, während der Abspann des Filmes
läuft. Der Film hat sie tief beeindruckt. Nach Verlassen des Kinos taucht der Besucher
wieder in eine andere Realität ein. Doch beim Weg vom Kino zum Auto wirken die Bilder des
Filmes weiter. Beide Welten sind noch einige Augenblicke ineinander verschmolzen.

Mit Hilfe der
Computertechnik kann sich der Mensch
eine eigene Wunschwelt schaffen.
Was ein Kinobesucher heute erleben kann, ist nur ein kleiner Vorgeschmack
auf das, was in den Forschungslaboratorien der Computerwissenschaftler entsteht - eine
neue so genannte "virtuelle Realität", welche das Verständnis von Wirklichkeit,
das viele Menschen bis jetzt hatten, in Frage stellt. Ein Beispiel dafür: Erst kürzlich
wurden in Hollywood die Dreharbeiten zum Film "Die Krähe" fertig gestellt - in
der Hauptrolle Brandon Lee. Brandon Lee? Ist der nicht während der Dreharbeiten
gestorben? Ja, doch der Film wurde zu Ende gedreht - mit Brandon Lee. Das geschah so: Ein
Double spielte die Rolle zu Ende. Mithilfe der Laserstrahlen eines so genannten
Mimik-Trackers wurde dann der jeweilige Gesichtsausdruck des Doubles in eine
Brandon-Lee-Gesichtsvorlage hineinprojiziert. Es sah nun so aus, als würde Lee und nicht
das Double lachen oder weinen. Diese Kopfprojektionen kopierten die Informatiker dann in
den Filmstreifen hinein. Die Witwe Lees stimmte zu. Und die Kinobesucher können, falls
sie demnächst "Die Krähe" sehen, nicht mehr unterscheiden, wo wirklich Lee
spielte und wo das Double mit dem kopierten Kopf - solche Feinarbeit leistete der
Mimik-Tracker.
Sind die Menschen im Fernsehen noch echt?
Aus dem Notfall wurde bereits
Methode: Mehrere Schauspieler wollen mit Hilfe dieser Technik konserviert werden,
möglichst mit jugendlichem Gesicht. Irgendein Double arbeitet dann für sie, und der
Tracker macht daraus den bekannten Schauspieler. Alles auf dem Monitor ist korrigierbar.
Immer häufiger laufen bereits "Hybride" durch Werbe- und Kinofilme, d. h.
Mischungen aus echten und künstlichen Menschen. Dafür wurden am Bildschirm so genannte
digitale Änderungen vorgenommen, d. h. Änderungen durch künstlich erzeugte Signale. Ob
die Nase echt ist oder die Länge der Beine, kann vom Fernsehzuschauer nicht mehr erkannt
werden. Die Entwicklung soll so weit vorangetrieben werden, dass demnächst niemand mehr
einen echten von einem synthetischen Schauspieler unterscheiden kann.
Unsere Bilderwelt ist real
Das Wort virtuell bedeutet
"der Kraft oder Möglichkeit nach vorhanden" oder - in Bezug auf Bilder -
"nur scheinbar vorhanden". Doch was heißt schon "scheinbar"? Was ist
letztlich real und was ist Schein? Sind nicht auch die festen Formen, die uns umgeben,
letztlich nur Schein? Im Unterschied zum materialistischen Weltbild hat die moderne Physik
längst gezeigt, dass ein "festes" Atom als kleinster Baustein der Materie nicht
existiert. Die Wissenschaft verweist damit letztlich auf die geistige Realität hinter der
materiellen Verdichtung. Auch wir Menschen haben einen geistigen, feinstofflichen Leib,
der während des Erdenlebens in einem materiellen Körper lebt.
Wenn wir denken oder empfinden, denken und empfinden wir in Bildern,
entweder in negativen Bildern oder in positiven. Auch das ewige Sein, unsere wahre Heimat,
existiert bildhaft in unserem Seelengrund. So ist die Frage: In welchen Bildern leben wir?
Die Bilderwelt unserer Seele nehmen wir nach dem Ablegen des Körpers mit. Entweder lebt
die Seele dort in den von ihr geschaffenen Bildern weiter oder sie strebt dem Licht
entgegen. Bilder sind also unsere Realität. Was bedeutet dies vor diesem
Hintergrund der modernen Computertechnik?
Virtueller Traumpartner
Die Technik zur Erzeugung virtueller
Welten zielt darauf ab, unmittelbar Einfluss auf unsere Bilder, d. h. auf die
nichtmaterielle Realität zu nehmen. Warum? Eine Antwort gibt Marvin Minsky vom
Medienlaboratorium des Massachusetts Institut of Technology in Boston. Er hält den
menschlichen Verstand nur für eine "Fleischmaschine", und er möchte sich ganz
von der "realen" Welt verabschieden, weil er sie öde findet. "Die
wirkliche Welt hat keinerlei Intelligenz. Sie ist zu kalt und tut nicht, was wir wollen
... In der virtuellen Realität können wir uns eine Welt schaffen, die intelligent und
unseren Wünschen zugänglicher ist. Wir können endlich dafür sorgen, dass es in dieser
Welt mehr gibt, was uns wirklich interessiert" (Deutschlandfunk, 17.3.1998).

Angriff auf den Menschen: Nach der Genmanipulation nun die Sinnesmanipulation
Heute kann man bereits mit Hilfe eines Internet-Anschlusses Wunschbilder
zum Leben erwecken, sich z. B. eine Freundin oder Sex-Partnerin suchen die den Besucher ihrer Homepage
einlädt: "Liebe mich und befriedige meine alltäglichen und manchmal nicht so
alltäglichen Bedürfnisse. Ein Zusammenleben mit mir ist zwar nicht immer einfach, aber
behandelst du mich gut, dann zeige ich Dir auch mehr von mir, oder willst Du das etwa
nicht?"
Wer mehr sehen will, muss in diesem Fall die CD bestellen. Ob er sich
davon abschrecken lässt, dass er bereits der 39.856 Besucher dieser Internetseite ist?
Offensichtlich stört das die meisten nicht, und alles erscheint zunächst
harmlos. Denn Konflikte und Ärger gibt es mit einer virtuellen Partnerin
nicht, denn der Computer tut immer, was der Programmierer will. Und
hierbei kann man natürlich auch die Frage stellen: Ist es eine "echte"
Frau, die ihren Körper zur Verfügung stellt? Oder ein Hybridwesen? Oder
ist es "nur" eine virtuelle Frau, dem außerhalb des Monitors kein
materieller Körper entspricht? Für die ersten beiden Möglichkeiten kann
man weiter fragen: Ob die junge Frau, die ihren Körper oder Teile davon
für den Bildschirm-Sex zur Verfügung stellt, weiß, was ihr im
Seelenreich begegnen kann? Viele Männer haben womöglich ihr Bild in sich
gespeichert und suchen auch im Jenseits danach - um dort dieselben
Handlungen vorzunehmen, die sie einst als Menschen mit Hilfe des
Computers ausführten.
Und für die Besucher, die auf diese Angebote eingehen, drohen weitere
schleichende Gefahren: Viele wissen nicht, dass sie über die Person auf
dem Bildschirm, die ihren Körper für Sexspiele zur Verfügung stellt,
wahrscheinlich auch Kontakt mit einer energiearmen Seele im Jenseits
aufnehmen. Diese dringt in die Gedankenbilder des Menschen ein und zehrt
dadurch von seiner Lebensenergie. Der Mensch wird selber
energieärmer, und er wird abhängiger. Und er droht immer leichter, die Kontrolle
über sich selbst und seine Gefühlswelt zu verlieren.*
Können Blinde wieder sehen?
Erlebnisse mit der virtuellen
Realität können faszinieren, z. B. ein simulierter Flug durch das Weltall. Die Freude an
einem solchen Erlebnis soll niemanden genommen werden. Es kommt auf die Zielsetzung an,
auf die Art der Bilder und auf die Erhaltung des Unterscheidungsvermögens zwischen Bild
und Wirklichkeit. Genau hier werden Grenzüberschreitung praktiziert. Zum Beispiel
arbeiten viele Wissenschaftler an der Entschlüsselung der menschlichen Gehirnströme und
damit auch an der Voraussetzung, sie zu programmieren. Zahllosen Manipulationen sind die
Tore geöffnet, z. B. der technischen Erzeugung bestimmter Gefühle.
Computer können virtuelle Eingaben auch ohne den Weg über die
Sinnesorgane unmittelbar ins Gehirn senden. Ein Blinder kann plötzlich sehen, doch was er
sieht, ist entsprechend programmiert und eben virtuell. Entsprechende Mini-Computer sind
bereits in der Testphase. Kann der Mensch dann das, was er sieht, von dem materiell
Sichtbaren unterscheiden, das andere sehen? Die entsprechenden Gehirnpartien reagieren bei
der virtuellen Programmierung vermutlich genauso wie beim Sehen mit den physischen Augen.
Damit können die virtuellen Programmierer z. B. Blindenheilungen simulieren. Doch nicht
nur bei Blinden, auch bei "Normalsichtigen" könnte die Unterscheidung der
Wirklichkeitsebenen irgendwann nicht mehr funktionieren. Ein entsprechend programmierter
Mensch fände sich unter Umständen nur noch in der virtuellen Welt zurecht.
Eine neue Gegenwelt zur göttlichen Schöpfung
In den USA suchten Forscher nach
Kindern, die seit Geburt täglich 10 bis 15 Stunden vor dem Fernsehapparat verbrachten.
Sie stellten bei ihnen eine deutlich eingeschränkte Hirnaktivität fest. Viele
scheiterten z. B. schon bei dem Versuch, eine Skizze von einer Tasse oder einem Tisch zu
zeichnen. Schon im Ansatz war kaum mehr Selbständigkeit spürbar.
Die Möglichkeit virtueller Realitäten steigert die Gefahren solcher
Entwicklungen. Der Dialog des Menschen mit seiner Umwelt geht zurück zugunsten eines
Monologs mit sich selbst innerhalb der virtuellen Scheinwelten. Damit weicht er
Auseinandersetzungen mit seinen Mitmenschen aus, bei denen er sich zum Beispiel anhand
seiner negativen Gefühle selbst erkennen könnte. Gleich einem "Einsiedler"
zieht er sich nun mehr und mehr in die virtuellen Traumwelten zurück. Anstatt den
Scheincharakter der materiellen Welt zu erkennen und zu überwinden, wird eine weitere
Scheinwelt erzeugt, in der die Erfüllung menschlicher Wünsche und Sehnsüchte simuliert
wird, letztlich eine neue Gegenwelt zur göttlichen Schöpfung. In der virtuellen
Realität bestimmt der Mensch selbst, welche Bilder er sehen will, oder er
lässt sich
entsprechend programmieren. Diese Bilder überlagern diejenige Bilderwelt, die der Mensch
über die Sinnesorgane im Kontakt mit der äußeren Welt aufgebaut hat. Durch die
Bilderfülle wird das Unterbewusstsein mehr und mehr gefüllt und läuft irgendwann über.
Der Mensch kann seine Bilderwelt dann kaum mehr eigenständig lenken, sie läuft häufig
ungebremst durch sein Gehirn und blockiert auch den Zugang zu seinen tiefer liegenden
Gefühlen, die gerade durch die wachsame Begegnung mit der äußeren Welt angestoßen
werden.
Auf diese Weise wird er von dieser Welt gesteuert und setzt sich damit
auch den Kräften aus, die auf der Suche nach Hörigen und Sklaven ist, die sich steuern
lassen. Verfeinerung der
Sinneswahrnehmung
Der Weg in die andere Richtung ist
der Evolutionsweg zurück zu Gott, der über die Verfeinerung der Sinneswahrnehmungen
geht. Denn über seine Sinne steht der Mensch in Kontakt mit der Außenwelt, die ihm auch
sein Negatives, sein "Sündhaftes", spiegelt. Ist seine Gefühlsebene offen und
nicht blockiert, kann er dies bereuen und bereinigen. Dadurch wird er immer sensitiver und
findet allmählich auch den Zugang zu den geistigen Welten, die von der Materie umhüllt
sind und von der Jesus von Nazareth sagte: "Das Reich Gottes ist in euch."
(Dieter Potzel) |
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